Frage im Expertenforum Stillberatung an Kristina Wrede:

Lange Dienstreise (noch einmal)

Frage: Lange Dienstreise (noch einmal)

gruna

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Hallo! Ich habe schon mal letzte Woche wegen meiner anstehenden 5-tägigen Dienstreise einige Fragen gehabt. Ich bin sehr froh, daß so eine lange Reise nicht unbedingt bedeutet, daß meine Tochter sich abstillt (sie ist 15 Monate alt und wir stillen nur nachts 2-4 mal). Ich hätte aber noch ein paar Fragen: Also ich werde mir für die Dienstreise eine Pumpe zulegen. Welches Modell ist da am besten? Soll ich schon im Vorfeld meine Milch abpumpen und einfrieren? Wie soll ich das am besten machen? Jeden Tag? Jeden zweiten Tag? Welche Mengen benötigt ein Kind pro Nacht, wenn 2-4 mal gestillt wird? Meine Tochter hat bisher noch nie aus der Flasche getrunken, nimmt auch keinen Schnuller. Wie soll mein Mann da am besten vorgehen, damit sie bei ihm aus der Flasche trinkt? Oder soll er versuchen, sie ohne Milch zu beruhigen, z.B. durch wiegen? Danke für die Antworten!


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Liebe gruna, hast du denn schon mal eine Pumpe ausprobiert? WIe ich schrieb, ist Pumpe nicht gleich Pumpe und von Frau zu Frau unterscheidet es sich sehr, wie wohl sie sich damit fühlt. Es gibt gute Handpumpen von Avent, und die modernste ist von Ardo, die "Amaryll". Der Schlüssel zum erfolgreichen Abpumpen ist das Auslösen des Milchspendereflexes. Um den Milchspendereflex anzuregen hilft es, wenn die Frau sich in eine angenehme Umgebung zurückziehen kann, in der sie so wenig wie möglich gestört wird und sich entspannen kann. Das Einhalten eines Rituals beim Abpumpen und Konzentration auf das Baby (vor einem Foto des Babys oder neben dem Kind abpumpen) tragen dazu bei, den Milchspendereflex auszulösen. Wärmeanwendungen und Massage der Brust stimulieren den Milchspendereflex ebenfalls. Es hat sich bewährt, nach dem Schema 7 Minuten pumpen unterbrechen zum Massieren der Brust 5 Minuten pumpen massieren der Brust 3 Minuten pumpen, vorzugehen. Eine Brustmassage kann auch dazu beitragen den Fettgehalt der abgepumpten Milch erhöhen. Nach Möglichkeit sollte frau keine zu großen Mengen auf einmal abpumpen, um nicht zu sehr in das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage einzugreifen. Mengen zwischen 30 und 50 ml zwei oder drei Mal täglich ergeben recht rasch einen stattlichen Vorrat. Muttermilch, die über einen Zeitraum von 24 Stunden abgepumpt wird, kann gesammelt und dann zusammen eingefroren werden, vorausgesetzt die einzelnen Portionen wurden bei Temperaturen zwischen 0 und 15 °C aufbewahrt. Eine Formel "Gewicht des Kindes geteilt durch sechs und das wiederum geteilt durch die Zahl der Stillzeiten" gibt es nicht. Da sich nur schwer vorhersagen lässt wie viel ein Baby bei einer Mahlzeit trinken wird, empfiehlt es sich die Milch in kleinen Portionen von etwa 60 ml einzufrieren. Diese kleinen Portionen sind schnell aufgetaut und es bleibt kein so großer Rest, der weggeworfen werden müsste. So lange das Baby trinkt, ist es auch hungrig, denn Babys haben da noch ein sehr gutes Gefühl dafür und mit Muttermilch kann ein Baby nicht überfüttert werden. (Allerdings schluckt ein Baby auch aus Reflex, wenn es etwas in den Mund gesteckt bekommt und beim Saugen dann etwas herauskommt. In der Regel kann man davon ausgehen, dass nach ca. 120 ml das Kind auf jeden Fall genug bekommen hat. Bedenke, dass der "entspannte" Magen eines Kindes so groß ist wie seine Faust!! Da sich die Techniken des Trinkens an der Flasche und an der Brust deutlich unterscheiden und sich ein Flaschensauger ganz anders anfühlt als die Brust, lehnen viele Stillkinder die Flasche ab. Wenn die Mutter die Flasche geben will kommt noch dazu, dass es sich denkt „Was soll denn damit? Ich kann doch die Milch meiner Mutter riechen und fühle ihre Brust und bekomme so etwas Seltsames in den Mund gesteckt". In einigen Fällen hilft es daher, wenn jemand Anderes die Flaschenfütterung übernimmt. Es empfiehlt sich auch, nicht zu warten, bis das Baby sehr hungrig oder müde ist. Müde oder hungrige Babys sind nicht unbedingt daran interessiert etwas Neues auszuprobieren. Manche Babys wollen auch einfach nicht aus einer Flasche trinken. Bei diesen Kindern kann man dann versuchen, ob sie aus einer Trinklerntasse (Schnabeltasse) trinken. Viele Mütter berichten, dass ihre Babys die Trinklerntasse von Avent mit dem weichen Schnabelaufsatz gerne (oder zumindest lieber) annehmen. Unter Umständen kann man auch löffeln. Hier noch ein paar Tipps, wie das Baby die Flasche vielleicht besser annimmt: • die Flasche anbieten, ehe das Baby zu hungrig ist • das Baby beim Flaschegeben in ein Kleidungsstück der Mutter (Geruch) einwickeln • den Flaschensauger nicht in den Mund des Babys stecken, sondern die Lippen des Babys damit berühren, so wie die Mutter dies mit der Brustwarze tut • den Flaschensauger mit warmem Wasser auf Körpertemperatur bringen oder beim einem zahnenden Baby abkühlen, um die Zahnleisten zu beruhigen • verschiedene Saugerformen und Lochgrößen ausprobieren • verschiedene Haltungen beim Füttern einnehmen • versuchen das Baby im Halbschlaf zu füttern Sicher wird es gut sein für deinen Mann zu wissen, dass ein Kind nicht nur aus Hunger unruhig ist. Wenn sie also getrunken hat und danach noch unzufrieden, dann wird es ihr gut tun, wenn er z.B. mit ihr einen langen Spaziergang macht, bei dem er sie trägt. Wenn ihr noch keine gute Tragehilfe habt, kann eine Stillgruppe in der Nähe euch vielleicht eine ausleihen Lieben Gruß, Kristina


gruna

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Liebe Kristina, Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Noch drei kleine Fragen: Meine Tochter ist ja schon 15 Monate alt und ich stille sie nur in der Nacht im liegen. Soll der Papa sie dann einfach zu sich ziehen und die Falsche in den Mund schieben, wenn sie nachts kommt? Trinkbecher und co. kannn man im liegen ja nicht benutzen :) Oder soll er sie aufsetzen und aus dem Becher trinken lassen? Soll man die Milch schon abends auftauen und warm stellen? Welche Flasche nimmt man da am besten? Ich glaube, ich habe nicht mehr so viel Milch. Ist es vielleicht besser, nur jeden 2.Tag zu pumpen? Stimmt es ,daß die Morgenmilch wach und die Nachtmilch schläfrig macht? Wie massiert man eigentlich die Brust beim Pumpen? Kneten? oder wie beim Ausstreichen? Vielen Dank für das geduldige und ausfürliche Beantworten meiner unendlichen Fragen! Es nimmt mir die Angst und macht zuversichtlich, daß wir alle das ganze irgendwie überstehen werden!


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Liebe Gruna, im Prinzip wird es der Papa einfach ausprobieren müssen. Deine Kleine wird sehr genau merken, dass es nicht die Brust ist, und vermutlich wird sie protestieren. Wichtig vor allem: Dass der Papa ruhig bleibt und Verständnis dafür hat, dass es deiner Maus NICHT egal ist, wo die Milch her kommt... Flaschen gibt es so viele, und ebensoviele Sauger. Da sind wir leider nicht die richtigen Experten, ich glaub aber, im Grunde ist es mit 15 Monaten gar nicht so wichtig, welche Flasche und welcher Sauger verwendet werden. Auftauen: Abends aus dem Eis nehmen und in ein Glas Wasser bei Zimmertemperatur stellen klingt vernünftig. Aufwärmen NICHT in der Mikrowelle, am besten nur unter fließend warmen Wasser. Je mehr und öfter du pumpst, desto mehr Milch wirst du bilden. Es ist deine Entscheidung, ob du durch häufigeres Pumpen die Milchbildung anregen möchtest, oder durch selteneres Pumpen nicht allzu sehr in die Milchbildung eingreifen magst. Ja, es gibt Untersuchungen die belegen, dass es Unterschiede gibt zwischen Morgen-, Nachmittags- und Nachtmilch. Massieren ist wie beim Ausstreichen. :-) Immer vor allem sanft und locker, niemals fest, oder gar grob! Es wird schon werden, keine Bange! Lieben Gruß, Kristina


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