Flutura
Hallo Biggi, aktuell bin ich mit dem zweiten Kind schwanger (Geburtstermin am 10. September). Bei meinem ersten Sohn konnte ich leider nicht stillen, da er am Anfang lange auf der Intensivstationen war und dort nur per Magensonde und später per Fläschchen ernährt werden konnte. Bis er aus der Intensivstation draußen war, hatte er sich schon zu sehr an das Fläschchen gewöhnt und es hat an der Brust leider nicht mehr geklappt. Daher habe ich 10 Monate Muttermilch abgepumpt und ihm per Fläschchen gegeben. Jetzt bei meinem zweiten Kind hoffe ich sehr darauf, "normal" stillen zu können. Ich habe allerdings aufgrund der Vorgeschichte Sorge, dass es wieder Probleme geben könnte. Was mir u.a. Sorge macht ist: beim Abpumpen hatte ich regelmäßig Klümpchen in der Muttermilch. Diese waren von der Konsistenz am ehesten vergleichbar mi Mozzarella, also zwar weich, aber trotzdem zäh und am Stück, sodass sie leider ständig die Sauger von den Fläschchen verstopft haben. Ich musste die Milch immer sieben, um das zu vermeiden. Die Klümpchen waren sofort nach dem Abpumpen in der frischen Milch schon drin, es hatte also nichts mit der Fettschicht zu tun, die sich bei der Lagerung im Kühlschrank mit der Zeit bildet. Ich habe jetzt Sorge, dass es meinem zweiten Kind schwer fallen wird, Milch aus der Brust heraus zu bekommen, wenn diese eine derart ungewöhnliche Konsistenz hat. Hast du schon einmal von einem vergleichbaren Fall gehört und weißt du, was man tun kann, um die Klümpchen zu vermeiden und die Milch insgesamt "flüssiger" zu machen? Beim Abpumpen hat es zudem immer mehrere Minuten (teilweise bis zu 10 Minuten) gedauert, bis die Milch richtig geflossen ist, am Anfang kam immer nur wenig und ich musste die Pumpe auch immer relativ stark einstellen. Ich weiß nicht, ob das auch mit der Konsistenz der Milch zusammenhing oder ob das ein separates Problem war? Außerdem hatte ich dann mit der Zeit auch sehr wunde Brustwarzen und auch immer wieder Brustentzündungen. Die Konsistenz der Milch war aber auch in Zeiten zwischen den Brustentzündungen schlecht (d.h. mit Klümpchen), es war also nicht im direkten Zusammenhang mit den Brustentzündungen. Ich hoffe, du kannst mir bei den Klümpchen weiterhelfen und ggf. auch Tipps geben, wie die Milch schneller fließt, wenn ich dann im September versuche, das Baby anzulegen. Vielen Dank und liebe Grüße!
Liebe Flutura, es tut mir leid, dass deine erste Stillerfahrung nicht so war, wie du es dir gewünscht hast. Das muss sich beim zweiten Kind aber nicht zwangsläufig wiederholen. Es ist ein sehr guter Gedanke von dir, dich bereits vor der Geburt deines nächsten Kindes mit einer Stillberaterin in Verbindung zu setzen. Die wichtigste Vorbereitung für eine erfolgreiche Stillzeit ist, sich bestmöglichst zu informieren und sollte es nach der Geburt zu Stillproblemen kommen, hast du gleich eine kompetente Ansprechpartnerin an der Hand. Da wir meist an den Anblick von homogenisierter Kuhmilch gewöhnt sind, erstaunt manche Mütter das Aussehen ihrer Milch. Dass abgepumpte Muttermilch so aussieht, liegt daran, dass sie nicht homogenisiert ist. Deshalb setzt sich das Milchfett ab und die Milch sieht anders (manchmal eben auch klumpig) aus, als wir es in Deutschland vom Anblick der homogenisierten Kuhmilch gewohnt sind. Und ganz wichtig für deine Sorge: Ein Baby trinkt keine abgepumpte Milch wie aus dem Fläschchen. An der Brust erzeugt es durch Saugen und Kompression des Brustgewebes einen ganz anderen Milchfluss. Ein Sauger kann durch einen größeren Klumpen verstopfen – das heißt aber nicht automatisch, dass ein Baby ihn nicht überwinden könnte oder dass die Milch in der Brust genauso „klumpig“ vorliegt. Ich würde deshalb keinesfalls prophylaktisch versuchen, deine Milch jetzt irgendwie „flüssiger“ zu machen. Es gibt keine etablierte Ernährung, Flüssigkeitsmenge oder sonstige Maßnahme, mit der man die Zusammensetzung der Muttermilch gezielt so verändern könnte. Und du solltest auch nicht versuchen, die Milch durch besonders starkes Pumpen oder aggressive Brustmassage zu „verflüssigen“. Die Brustentzündungen und die wunden Brustwarzen entstanden nicht durch die klumpige Milch, sondern wahrscheinlich an einem falschen Aufsatz oder dem nicht ganz korrekten Abpumpen. Ganz kurz kann man die wichtigsten Punkte für den Grundstein einer erfolgreichen Stillbeziehung auf die folgenden Schlagworte zusammenfassen: Bald stillen – oft stillen – uneingeschränkt stillen – keine Flüssigkeit oder andere Nahrung dazugeben, außer in medizinisch begründeten Fällen. Dein Baby sollte so bald wie möglich nach der Geburt zum ersten Mal angelegt werden und dann jederzeit und ohne zeitliche Einschränkung an die Brust dürfen, wenn es das möchte. Bei eher schläfrigen Kindern oder Babys mit verstärkter Neugeborenengelbsucht musst du unter Umständen den Takt vorgeben und dafür sorgen, dass dein Kind mindestens acht- bis zwölfmal innerhalb von 24 Stunden an der Brust trinkt. Tee, Glukoselösung oder Wasser sind überflüssig und vor allem bei einer eventuell verstärkten Neugeborenengelbsucht sogar kontraproduktiv. Das Bilirubin – der gelbe Farbstoff, der für die Gelbfärbung der Haut bei der Neugeborenengelbsucht verantwortlich ist – wird nur zu einem kleinen Teil über den Urin ausgeschieden, der größte Teil wird über den Darm ausgeschieden. Daher ist es nicht sinnvoll, die Gelbsucht „ausschwemmen“ zu wollen. Wichtig ist vielmehr, dass der Darm mit Nahrung versorgt und die Verdauung angeregt wird, damit das Mekonium möglichst rasch ausgeschieden wird. Kolostrum, die wichtige erste Milch, wirkt dabei leicht abführend und begünstigt so die Ausscheidung des Bilirubins. Der Organismus eines Neugeborenen ist auf viele kleine Mahlzeiten eingestellt. Der Magen eines Neugeborenen ist zunächst sehr klein. Kleine Mengen an Muttermilch sind deshalb absolut richtig und völlig in Ordnung. Wichtig ist, dass dein Baby ab dem zweiten bis dritten Tag regelmäßig Stuhlgang hat und ausreichend Urin ausscheidet. Eine Gewichtsabnahme in den ersten Tagen ist normal; etwa sieben Prozent des Geburtsgewichts sind häufig unproblematisch, bis etwa zehn Prozent können bei einem ansonsten gesunden Kind noch im tolerierbaren Bereich liegen. Spätestens mit etwa drei Wochen sollte dein Baby sein Geburtsgewicht wieder erreicht haben. Wunden Brustwarzen und anderen Stillproblemen kannst du am besten dadurch vorbeugen, dass du dich bereits vor der Geburt über das Stillen informierst. Wunde Brustwarzen entstehen sehr häufig durch ungünstiges Anlegen oder Ansaugen. Es ist deshalb besonders wichtig, dein Baby korrekt anzulegen , nicht nur, um wunde Brustwarzen zu vermeiden, sondern auch, damit die Brust gut stimuliert und effektiv entleert wird und sich die Milchbildung gut entwickeln und aufrechterhalten kann. Deshalb ist es entscheidend, dass du dich möglichst gut über das Stillen und die grundlegenden Dinge wie korrektes Anlegen und Ansaugen, das Prinzip von Angebot und Nachfrage, sowie Stillen nach Bedarf informierst. Noch einmal ganz wichtig: Du solltest wissen, wie korrektes Anlegen aussieht und woran du erkennst, dass dein Baby richtig angesaugt hat und effektiv an der Brust trinkt. Hierzu bietet sich neben dem Lesen entsprechender Literatur zum Beispiel der Besuch einer Stillgruppe an. In einer Stillgruppe triffst du nicht nur andere stillende Mütter, sondern lernst gleichzeitig eine kompetente Ansprechpartnerin kennen, an die du dich wenden kannst, wenn es nach der Geburt zu Stillproblemen kommen sollte. Adressen von Stillberaterinnen findest du im Internet unter: La Leche Liga: www.lalecheliga.de Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS): www.afs-stillen.de Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC: www.bdl-stillen.de Erkundige dich auch einmal, ob es in deiner Nähe ein stillfreundliches Krankenhaus gibt. Dort kann der Start der Stillbeziehung oft besonders gut unterstützt werden, und du bekommst im Idealfall auch nach der Geburt kompetente Hilfe. Alles, alles Gute für dich und dein Baby! Biggi
Flutura
Hallo Biggi, vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Dann hoffe ich einfach mal, dass die Konsistenz der Milch für das Baby kein Problem ist und dass die Klümpchen nur beim Abpumpen bzw. im Fläschchen Probleme machen, aber nicht, wenn das Baby direkt aus der Brust trinkt. Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
Das wünsche ich dir auch! Biggi
janinehae
Hallo du Liebe! Ich bin heute ganz zufällig auf deinen Beitrag gestoßen und habe dann gesehen dass er auch noch recht neu ist und hoffe ich kann dir vielleicht mit meiner Erfahrung ein wenig helfen. Bei meiner Großen konnte ich wegen mehreren B-Streptokokken Infektionen (bei ihr als Neugeborenes sowie bei mir als Mastitis) nur pumpstillen. Schon damals hatte ich auch mit Klumpen in der frisch (!) gepumpten Milch zu tun. Bei meinem zweiten Kind hatte ich große Sorge vor Wiederholung und hab zusammen mit Hebamme, Gyn und StiBe schon früh einen Plan geschmiedet. Zum Glück klappt das Stillen dieses Mal, aber die Klumpen (auch in Form von "Milch-Spaghetti" wie ich sie nenne auf den Brustwarzen nach dem Stillen) hatte ich wieder. Das kann wohl ein Hinweis auf eine Dysbalance der Brustflora sein, hier haben mir Probiotika geholfen, zB Mambiotic. Und für einen besseren Milchfluss wird Lecithin empfohlen, mindestens 5 g pro Tag, bekommst du am besten in der Apotheke oder im Reformhaus. Sowohl vor fünf Jahren als auch jetzt wurde das mit den Klumpen irgendwann besser und sie haben auch keine Sauger mehr verstopft. Lecithin kann also definitiv nicht schaden. Meld dich gern, wenn du noch Fragen hast, ansonsten drücke ich dir die Daumen für eine ganz tolle und unkomplizierte Stillbeziehung! Liebe Grüße, Janine
Flutura
Hallo Janine, danke für deine Nachricht, voll lieb, dass du extra noch dazu schreibst. Und ja, es ist rechtzeitig, weil unser zweiter Sohn kam gestern auf die Welt! Wie befürchtet gibt es leider ein paar Schwierigkeiten beim Stillen. Mein Hauptproblem sind aktuell meine Brustwarzen - die waren noch vernarbt von 10 Monaten Abpumpen bei meinem ersten Sohn und jetzt wurden sie nach wenigen Malen anlegen schon extrem wund - obwohl ich schon von Anfang an Lanolin Salbe verwendet habe. Gleichzeitig habe ich aber auch das Problem, dass mein Sohn rechts schlechter trinkt als links und jetzt hab ich heute auch schon 2x rechts diese Milchfäden nach dem Anlegen an der Brustwarze gesehen. Das Problem besteht also leider weiterhin. Lecithin hatte mir eine Hebamme auch empfohlen, sie meinte jedoch was von 1200-1500 mg pro Tag, daher hab ich aktuell nur 1200 mg Tabletten, von denen ich aktuell eine pro Tag nehme. Aber wenn ich mindestens 5 Gramm pro Tag nehmen sollte, dann ist das ja viel zu wenig, dann bräuchte ich ja 4-5 von diesen Tabletten pro Tag! Überdosieren kann man das in dem Fall nicht? Mambiotic habe ich mir nun auch besorgen lassen und gleich eine genommen, ich hoffe, das hilft bei mir auch so gut wie bei dir! Vielen lieben Dank nochmal für deine ausführliche Nachricht dazu und ganz liebe Grüße, Christina
janinehae
Ahh entschudlige, ich hab keine Benachrichtigung über deine Antwort bekommen. Herzlichen Glückwunsch erst einmal! Meine StiBe hat definitiv 5g empfohlen, das wäre auch die offizielle Empfehlung vor allem bei wiederholtem Milchstau, aber eben auch wenn solche Klümpchen entstehen. Ich habe aber auch meistens nur ca. 3g genommen und es hat gereicht, taste dich einfach ran, überdosieren kann man es meines Wissens nach nicht. Wunde Brustwarzen hatte ich wochenlang, extreme Rhagaden seitlich auf beiden Seiten. Mir hat am Ende vermutlich der Mix aus lasern (man kann sich einen Softlaser leihen) und feuchter Wundheilung geholfen, auch mal wirklich Wundheilsalbe wie Bepanthen drauf und dann natürlich vor dem nächsten Stillen entfernen. Bei mir wurde alles mit ca. 7 Wochen schlagartig besser, das klingt lang, aber es geht rum! Ich drücke dir ganz fest weiterhin die Daumen!!
Flutura
Vielen Dank für die Glückwünsche! 🙂 Ich habe jetzt mal mit Lecithin 1.200 mg angefangen, davon nehme ich jetzt 2 täglich, vielleicht hilft das ja schon. Und wenn nicht, erhöhe ich dann eben die Dosis. Ich kann aktuell nur noch mit Zinnhütchen herumlaufen, weil die Brustwarzen so wund und dadurch berührungsempfindlich geworden sind, dass es höllisch weh tut, wenn die Kleidung direkt auf ihnen aufliegt. Sieht halt blöd aus, aber ist der einzige Weg, um die Schmerzen zu reduzieren 🙈 7 Wochen klingt echt lang, ja... Aber irgendwie wird es schon werden! Ich bin ja schon mega froh, dass der Kleine überhaupt aus der Brust trinkt, das ist ja schon mal ein riesiges Geschenk. 🙂
janinehae
Ich bin auch lange mit Silberhütchen auf den Brustwarzen und sterilen Kompressen griffbereit rumgelaufen, um die Milchspaghetti nach dem Stillen abzupflücken :D Dachte auch, dass das bestimmt für immer so sein wird und wie bescheuert das ist, dass meine Brüste so einen Quatsch machen. Aber auch wenn es 7 oder mehr Wochen dauert, wenn es danach x Monate klappt, dann ist es nichts im Vergleich! Mir hat der Gedanke zumindest geholfen. Und ja! Es ist wirklich ein Geschenk! Ich musste meine Tochter damals pumpstillen weil ich nach jedem Anlegen sofort eine krankenhausreife Mastitis mit B-Streptokokken bekommen habe. Habe es 12 Monate durchgezogen, du ja auch so lang – wir können richtig stolz sein und dürfen jetzt (und du bald) einfach mal genießen :) Das Lecithin wird sicher helfen, aber auch bis dahin wird dein Mini genug Milch aus er Brust herausbekommen :)
Flutura
Ja, da können wir wirklich stolz auf uns sein, ich kenne keine, die so lange gepumpt hat - alle die ich kenne, die abpumpen mussten, haben es nur für maximal 3-4 Monate durchgehalten. Ich hatte damals auch mehrere Brustentzündungen mit 40 Grad Fieber etc, ich hoffe sehr, dass mir das dieses Mal erspart bleibt! Und vielleicht habe ich ja Glück und das Thema wunde Brustwarzen ist auch bei mir nach 7 Wochen Geschichte! Drück mir die Daumen 😉
janinehae
das mache ich! ich hatte bisher (10 wochen) nur einen kleinen stau zu beginn mit beginnender entzündung – hat mir auch gereicht weil 24h fieber und elend-fühlen aber seitdem ist alles super reguliert. das wird, das wird, du wirst sehen < 3
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