Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Klappt das noch mit Stillen?

Frage: Klappt das noch mit Stillen?

Mitglied inaktiv

Beitrag melden

Hallo Biggi, meine Kleine ist in der 36+0 Schwangerschaftswoche geboren und musste zwei Wochen in der Klinik bleiben. Dort hat sie direkt das Fläschen erhalten, da ich auch noch krank war und selbst behandelt werden musste. Ich habe nach ca. 4 Tagen angefangen Milch abzupumpen und mache es bis heute regelmäßig. Nach den 2 Wochen in der Klinik versuchen wir jetzt seit 5 Wochen das Stillen mit Stillhütchen und füttern bei jeder Mahlzeit auch noch mit dem Fläschen Pre Nahrung nach. Meine Fragen an Dich: Ist es normal das die Milchmenge beim Abpumpen (ca. 30 Min., beide Seiten) stark schwankt von 50 ml bis 120 ml? Kann ich davon ausgegehen, dass die Kleine bei 30 Min. Stillen die gleiche Menge erhält, die ich auch abpumpe? Bei einer Stillprobe habe ich gesehen, dass sie nur 60 ml in einer halben Std. getrunken hat. Bedarf hat sie aber von mind. 120 ml. Sie schläft auch sehr lange ca. 4-5h. Sollte man nach dem Stillen noch Abpumpen um die Brust zu entleeren und die volle Milchmenge aufzubauen? Ist es jetzt in der 7 Woche zu spät, die Kleine noch voll zum Stillen zu bekommen? Wann kann ich tun, da sie so trinkschwach ist? Fragen über Fragen. Ich würde mich sehr über Deine Hilfe freuen! Danke und viele Grüße Mila


Biggi Welter

Biggi Welter

Beitrag melden

Liebe Mila, es ist schwierig, aus der Ferne zu helfen, denn ich kann dein Kind nicht sehen. Zuerst ist es dringend angesagt, dass das Saugverhalten des Kindes kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert wird. Häufiges Stillen und eventuelles Aufwecken sind zusätzliche Maßnahmen, die in dieser Situation ergriffen werden, um das Gedeihen des Kindes zu sichern. Es kann sein, dass dein Baby nicht effektiv trinkt, weil es an die Flasche gewöhnt ist, es kann aber auch sein, dass es einfach langsam trinkt. In deinem Fall würde ich auf alle Fälle zusätzlich abpumpen, um die Milchmenge zu steigern. Auch würde ich das Kind zum Stillen wecken. Ich mache dir nun ein paar Vorschläge, wie Du deine Tochter dazu bringen kannst, länger und effektiv an der Brust zu trinken. Auf diese Weise wird dein Brust besser angeregt und deine Tochter bekommt mehr Nahrung. Aufwecktechniken o Versuche das Baby aufzuwecken, wenn es sich in einem leichten Schlafstadium befindet. Achte auf rasche Augenbewegungen unter den geschlossenen Lidern, Bewegungen von Armen und Beinen, Saugbewegungen der Lippen und Veränderungen im Gesichtsausdruck deines Babys. o Dämpfedas Licht. Grelles Licht veranlasst das Baby, seine Augen zu schließen. o Lockere die Bettdecke oder nimm die Decke weg. o Bei warmen Raumtemperaturen zieh das Baby aus bis auf die Windel. Bei Temperaturen über 27? C nimmt die Saugaktivität ab. o Sprich mit dem Baby und versuche, Blickkontakt herzustellen. o Halte das Baby aufrecht. o Bewege das Baby sanft auf und ab, während Du es auf deinem Schoß hältst. Dabei hebst Du seinen Kopf, seine Schultern und seinen Körper an und beugst es in der Hüfte. Versuche niemals, das Baby in der Taille zu beugen, dadurch können innere Verletzungen hervorgerufen werden. Steigerung der Stimulation o Reibe oder klopfe den Rücken des Babys oder lass deine Finger an seiner Wirbelsäule entlang spazieren. o Wechsele die Windeln. o Massiere sanft Hände und Füße des Babys. o Verstärke den Hautkontakt mit deinem Baby. Massiere das Baby oder bade es. o Bewege die Arme und Beine des Babys wie bei "backe, backe Kuchen." o Reibe die Stirn und die Wangen des Babys mit einem kühlen, feuchten Waschlappen ab. o Lass deine Fingerspitzen um die Lippen des Babys kreisen. o Tropfe etwas ausgestrichene oder abgepumpte Muttermilch auf die Lippen des Babys. Das Interesse des Babys aufrecht erhalten o Die Hand, die die Brust abstützt, muss das Gewicht der Brust vom Kinn des Babys nehmen. o Wechsele die Seite, sobald das Baby das Interesse am Saugen verliert. Das heißt, Du nimmst es von der Brust ab, sobald es langsamer saugt und aufhört zu schlucken und legst es an der anderen Seite an. Diese Technik heißt Wechselstillen. o Wenn Du die Brustseite wechselst, lass das Baby dazwischen aufstoßen oder wickele es, um sein Interesse wach zu halten. o Versuche das Baby in der Unter dem Arm Haltung statt der Wiegenhaltung zu stillen. o Massiere den Oberkopf des Babys beim Stillen in kreisenden Bewegungen. Selbstverständlich musst Du jetzt nicht all diese Dinge durchführen. Such dir aus, was dir zusagt oder was deiner Meinung nach erfolgversprechend sein könnte. Das Abpumpen ist eine Technik, die erlernt werden muss und Übung verlangt. Das Wichtigste dabei ist, dass Du es schaffst mit der Pumpe den Milchspendereflex auszulösen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Pumpe. Nicht jede Pumpe ist für jede Frau geeignet und manche Pumpen sind überhaupt ungeeignet. Ich hoffe, Du hast eine vollautomatische elektrische Pumpe zur Verfügung, am Besten mit einem Doppelpumpset. Da dein Kind nicht gut gedeiht, liegt eine Indikation vor, dass der Kinderarzt eine Pumpe verordnen kann. Die Krankenkasse zahlt dann die Miete für die Pumpe und in der Regel zumindest teilweise die Kosten für das Pumpenzubehör. Falls Du keine Pumpe mit Doppelpumpset hast, solltest Du dir eine besorgen. Nach meinen Erfahrungen sind die Pumpen der Firmen Medela und Ameda empfehlenswert. Hier noch ein paar Tipps, wie der Milchspendereflex besser ausgelöst und das Pumpergebnis verbessert werden kann. Abpumpen in einer vertrauten und angenehmen Umgebung, vielleicht immer am gleichen Platz, im gleichen bequemen Sessel (ideal wäre ein Stuhl, der deine Arme in einer bequemen Haltung stützt und es dir ermöglicht den ganzen Körper zu entspannen). Störungen so gering wie möglich halten. Du solltest z.B. das Telefon aushängen, etwas entspannende Musik anschalten und alles was Du brauchen könntest bei der Hand haben. Dazu können ein Glas Wasser oder Saft, ein gesunder Imbiss oder etwas zu lesen gehören. Einhalten eines Rituals vor dem Abpumpen. Das Einhalten eines bestimmten Ablaufs vor dem Abpumpen, kann ihren Milchspendereflex anregen und auch als psychologischer Auslöser dafür wirken. Einige der folgenden Vorschläge können eventuell auch dir helfen: o Wärmeanwendungen auf den Brüsten, entweder trocken oder feucht. Dazu können feuchte, warme Kompressen oder ein Heizkissen verwendet werden, oder aber Du duschst warm. o Da Wärme entspannend wirkt, solltest Du dir eine Decke oder eine Jacke über die Schultern legen, oder sich in die Nähe einer Heizquelle setzen. o Sanfte Brustmassage, entweder in der Dusche oder direkt vor dem Abpumpen. Das hilft besonders dann, wenn Du angespannt bist. o Brustwarzenstimulation, durch sanftes Reiben oder Rollen der Brustwarzen. o Fünf Minuten Entspannung. Die Anwendung der Atemübungen aus der Geburtsvorbereitung oder einfach nur ruhiges Dasitzen und sich dabei etwas Angenehmes vorstellen (einen warmen Sandstrand mit Wellen, die ans Ufer plätschern, ein Gebirgsbach oder eine tropische Brise). Das Abpumpen mehrmals unterbrechen um die Brust zu massieren. Es sollte möglich sein, den Milchspendereflex mehrfach stimulieren, indem Du das Abpumpen nach etwa zehn Minuten unterbrichst, deine Brust massierst und dann wieder pumpst. (Bei der La Leche Liga Deutschland kannst Du das Infoblatt "Die Marmet Methode" über das Handausstreichen und Massieren der Brust bestellen) Rhythmische Bewegungen beim Abpumpen um das Saugverhalten des Babys nachzuahmen. Beim Saugen übt das Baby einen sanften, rhythmischen Druck auf die Milchseen aus während es einen Sog aufbaut. Um deinen Milchspendereflex möglichst wirkungsvoll anzuregen, solltest Du versuchen, das Saugverhalten deines Babys an der Brust nachzuahmen. Du wirst nicht alle o.g. Vorschläge verwirklichen können, such dir das aus, was Du für dich als angenehm und gut empfindest. Bitte wende dich für eine persönliche Beratung schnell an eine Kollegin vor Ort! Adressen von Stillberaterinnen findest Du im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). LLLiebe Grüße, Biggi


Bei individuellen Markenempfehlungen von Expert:Innen handelt es sich nicht um finanzierte Werbung, sondern ausschließlich um die jeweilige Empfehlung des Experten/der Expertin. Selbstverständlich stehen weitere Marken anderer Hersteller zur Auswahl.