Vogelbaby17
Hallo Stillberaterin, mein Kind ist 5 Monate alt und wird voll gestillt. Vom Tag der Geburt trinkt es rund um die Uhr alle 2 Stunden (+/- 30 Minuten). Nach knapp 3 Monaten war das Geburtsgewicht verdoppelt, über mangelnden Wachstum können wir uns also nicht beschweren. Wir schlafen zusammen und er ist ein sehr unruhiger Schläfer - das Thema Schlaf ist aber ein anderes. Fakt ist aber, dass es schlechter anstatt besser wird. Waren vorher immer zwei Stunden Ruhe und Trinkpause, so hat es sich in den letzten 4 Wochen immer wieder verändert und schwankt, ist aber mehr geworden. Zum Teil trinkt er nachts bis zu dreimal in einer Stunde, ansonsten mindestens stündlich. Mir ist klar, dass es nicht immer Hunger ist und das Nuckeln zum Beruhigen und als Einschlafhilfe dient. Ein Schnuller wird verweigert, da haben wir zig Formen, Materialien durch und akzeptieren es. Mal abgesehen vom miserablen Schlaf den ich dadurch habe, finde ich es nicht problematisch, frage mich aber, da ja beim Nuckeln auch immer Milch kommt, ob sich ein Baby überfressen kann? Also, er ist bisher bei den Untersuchungen immer am oberen Rand vom Normalbereich gewesen und ich dachte immer Babys hören von selbst auf, wenn sie genug haben. Aber da er auch öfter einfach "ausläuft" und ein Schwall wieder raus kommt, denke ich, dass er einfach viel zu viel zu sich nimmt. In 12 Stunden im Bett liegen trinkt er zwischen 12 und 20 mal. Kann das sein, dass ein so kleines Baby schon eine Essstörung hat oder woran liegt das und was soll ich tun? Vielen Dank Vogelmama
Liebe Vogelmama, ein Baby sollte nach Bedarf gestillt werden. Alle Stillexperten sind sich einige, dass Stillen nach Bedarf für Mutter und Kind am besten ist. So wird sichergestellt, dass das Baby die Nahrung, die es braucht, genau dann bekommt, wenn es sie braucht und sich das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage einstellen kann. Während eines Wachstumsschubs kann es durchaus sein, dass ein Baby alle Stunde an die Brust möchte. Es gibt keinen Grund einen Mindestabstand zwischen zwei Stillmahlzeiten einzuhalten. Im Extremfall kann das „Hinhalten" des Babys zu Gedeihstörungen führen. All die Erzählungen von einem bestimmten Rhythmus eines Babys sind schlicht und ergreifend falsch. Muttermilch ist innerhalb von 60 bis 90 Minuten verdaut und der Organismus eines Babys ist auf häufige Mahlzeiten eingestellt. Kleine Babys wollen im Schnitt zwischen acht und zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden. Im Schnitt heißt, es gibt Babys die seltener nach der Brust verlangen (eher wenige Babys) und es gibt Babys, die häufiger an die Brust wollen (die Mehrzahl). Nun ist es jedoch nicht so, dass ein Kind zügig zwanzig Minuten trinkt und sich dann nach drei Stunden das nächste Mal rührt, sondern es kommt immer wieder zu Stillepisoden, die so ablaufen: das Kind trinkt eine kurze Weile, hört auf, döst vielleicht sogar weg und beginnt erneut kurz zu trinken usw. Dieses Verhalten heißt Clusterfeeding und ist absolut normal für kleine Babys. Besonders gehäuft treten diese Stillepisoden am Nachmittag und Abend auf, wie überhaupt die Abstände zwischen den Stillzeiten im Verlauf des Tages immer kürzer werden. Dazu kommt, dass in bestimmten Altersstufen Wachstumsschübe zu erwarten sind, in denen die Baby manchmal schier ununterbrochen an die Brust wollen. Du kannst versuchen, Dein Baby durch Tragen zu beruhigen, vielleicht verschafft Dir das ein wenig mehr Zeit. Vielleicht kannst Du Deinen Mann bitten, das in der Nacht zu übernehmen, so dass Du endlich mal länger schlafen kannst. Auch die Statur der Kinder ist genetisch festgelegt und bei einem Kind das nach Bedarf gestillt wird, ist nicht zu befürchten, dass dadurch der Grundstein für ein späteres Problem mit Übergewicht gelegt wird. Im Gegenteil, Stillen schützt vor Übergewicht. Das heißt jedoch nicht, dass nicht auch ein gestilltes Baby zwischendurch wie ein kleiner Buddha aussehen kann. Im Gegensatz zur (industriell) stark weiterverarbeiteten Nahrung enthält Muttermilch keine leeren Kalorien. Es gibt keinen Beweis dafür, dass ein gestilltes Kind, das rasch zunimmt, als Erwachsener Gewichtsprobleme haben wird. Im Gegenteil es gibt mehrere Untersuchungen, die zeigen, dass Stillen eindeutig vor Übergewicht schützt und dass dieser Schutz nicht nur im Kindesalter sondern auch beim Erwachsenen anhält. Das Fett, das sich in der relativ passiven Phase vor dem Krabbelalter möglicherweise ansammelt, stellt einen Vorrat für die sehr aktive Phase dar, in der das quirlige Krabbelkind keine Zeit zum Essen haben will. Im Alter von ein bis zwei Jahren werden die Kinder, die schnell zugenommen haben, gewöhnlich von alleine schlanker. Gerade Kinder, die nach Bedarf gestillt werden, behalten ein gutes Gefühl dafür, wann sie satt sind, denn sie entscheiden ja selbst, wann und wie viel sie trinken. Also keine Sorge, durch das Stillen nach Bedarf wird sicher nicht den Grundstein für spätere Gewichtsprobleme gelegt. LLLiebe Grüße Biggi