Charly1110
Liebe Biggi, zunächst einmal möchte ich Dir ein großes Lob aussprechen, Deine Antworten auf die zahlreichen Fragen finde ich immer sehr liebevoll und informativ. Ich habe schon viel gelesen und möchte mich nun selber an Dich wenden. Meine Tochter ist ca. 9 1/2 Monate alt. Besonders schwierig ist das Thema Schlaf bei uns, und neuerdings wird auch das Thema Ernährung speziell. Zur Erklärung unserer Situation: Meine Tochter wird von mir derzeit noch gestillt. Seit dem 5. Monat ca. erhält sie Beikost, welche sie gut annimmt, mit Appetit ist und welche ich sehr langsam eingeführt habe. Inzwischen waren wir dabei 3 Milchmahlzeiten zu ersetzen. Das hat insofern gut funktioniert, als dass sie 3 Mal am Tag (mittags, abends und wahlweise vor- oder nachmittags) Brei bekommen hat. Die Vor- oder Nachmittagsmahlzeit verweigert sie momentan häufig. Auch ist das mit dem Ersatz einer Milchmahlzeit viel gesagt, weil sie noch immer sehr häufig trinkt und auch nach dem Abendbrei z.B. (200ml Milch/Wasser mit Getreide und Obst) trinkt sie noch aus beiden Brüsten. Nachts auch so zwischen 3-5 Mal. In 24 Stunden kommen wir so auf 8-12 Mal Stillen. Eine Reduzierung merke ich nicht. Ich hate gehofft sie langsam von der Brust entwöhnen zu können. Mit 12 Monaten soll sie in den Kindergarten gehen. Dies bereitet mir dahingehend Sorge. Mein Mann und ich versuchen ihr nun auch aus Fläschchen und Bechern (wir probieren nun, was sie am besten annimmt) Ihr auch Wasser, ab und zu mit Tee oder Saft, anzubieten. Am Besten klappt dies mit dem Becher und ganz neu und am erfolgreichsten ist ein Trinkbecher mit Strohhalm. Zunächst würde mich interessieren, was Du hiervon hältst. Einen längeren Schlaf hat sie trotz Brei nicht. Ich meine anfangs hat sie als sie voll gestillt wurde längere Trinkpausen nachts gehabt. Seitdem trinkt sie häufiger. Gegen morgens stündlich. Was sagst Du zum Thema Brustentwöhnung? Ich möchte weder dass sie Durst oder Hunger hat. Sie zeigt es auch nicht. Ab und an durch aufreißen des Mundes, als wolle sie mich beißen. Das interpretiere ich als Wunsch zu Stillen, da sie dann meist müde ist. Sie lacht aber auch dabei. Neuerdings clustert sie abends und tagsüber, obwohl der letzte Schub eigentlich vorbei sein sollte. Sie hat aber kürzlich erst sitzen und stehen gelernt und das sehr flott. Verarbeitet sie dies? Sie ist auch sehr anhänglich zu mir. Grundsätzlich würde ich sie auch hinterh ich abends und nachts noch Stillen lassen. Aber das Clustern (sie macht Brust rein, trinken, Brust raus, Schnuller rein, Schnuller raus, Brust usw.) finde ich langsam echt belastend. Sie schläft tagsüber auch häufig nur noch auf dem Stillkissen auf meinem Schoß. Ich hoffe ja immer, dass es von allein aufhört, aber so komme ich selber kaum zu Ruhe und Schlaf. Das Thema komplettes Abstillen hat sich mir zunächst eigentlich nicht gestellt, aber nun musste ich schon daran denken. Hinzu kommt, dass sie so abgelenkt ist, dass ich sie oft nur noch zu Hause im Dunkeln stillen kann. Nach so langer Zeit würde ich gerne selbst auch einmal wieder ohne Kind das Haus verlassen. Wir haben Muttermilch eingefroren, aber ich denke mit 9 Monaten sollte es tagsüber zumindest auch ohne gehen für ein paar wenige Stunden. Schlafen kann sie nur bei mir, daher bin ich ebenfalls eingeschränkt. Es tut mir leid, dass es ein so langerText geworden ist, ich finde es schwierig zu beschreiben. Ich danke Dir im Voraus sehr für Deine Antwort! Liebe Grüße Charly1110
Liebe Charly1110, im ersten Lebensjahr IST Milch die Hauptnahrungsquelle und viele Babys essen noch nicht viel feste Kost. Du machst es also genau richtig, wenn Du Dein Baby das Tempo bestimmen lässt! Es kommt auch immer wieder einmal vor, dass ein Baby die Beikost ablehnt und statt dessen wieder häufiger oder mehr gestillt werden will. Dafür gibt es viele Gründe von einer sich ankündigenden Erkältung über Zahnungsprobleme oder einfach nur einem zu hektischen Tag. Das Abstillen ist ohnehin kein kontinuierlich verlaufender Prozess, da gibt es immer wieder einmal kleinere oder größere Rückschritte. Ein Baby muss eine gewisse Reife erreichen, um längere Zeit schlafen zu können. Wann dieser Zeitpunkt erreicht wird, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Eine Flasche mit künstlicher Säuglingsnahrung (oder ein Abendbrei) verbessern das Schlafverhalten nicht (das wurde in Studien nachgewiesen). Es gibt nicht wenige Kinder, die dann sogar noch weniger schlafen. Auch wenn das Kind am Tag viel isst, schläft es nicht besser, denn es wacht ja nicht nur wegen dem Hunger auf, sondern sucht Nähe und Geborgenheit! Seit Jahrtausenden und in unzähligen Kulturen ist es so, dass Mütter ihre Babys in den Schlaf stillen. Das Saugen wirkt beruhigend und nicht umsonst wurden im Laufe der Zeit die verschiedensten Brustattrappen (z.B. Schnuller s.o.) erfunden. Von der Natur ist es nicht vorgesehen, dass ein Baby oder Kleinkind allein ist und alleine einschläft. Nur passt dieses „natürliche" Verhalten des Babys nicht in unsere derzeitige Zeitströmung und damit haben wir ein (von uns selbst produziertes) Problem: Babys wissen nicht, was zur Zeit „Mode" ist und benehmen sich so, wie sie es seit Anbeginn der Menschheit getan haben. Es hat seinen Grund, warum stillende Mütter die besten Einschlafhilfen SIND. Beim Saugen an der Brust findet ein Baby das, was es braucht: Trost, Nahrung, Sicherheit. Es liegt vermutlich an einer gewissen neurologischen Unreife, wenn einige Babys das mehr brauchen als andere, und es "verwächst" sich wirklich von alleine!! Dein Baby braucht also vor allem eines: Zeit zum Reifen. Vielleicht "schenkst" Du ihm einfach noch ein bisschen von dieser Zeit, in der du ihm gestattest, so zu sein, wie es ist. Deine Sorge um die Kita ist natürlich total nachvollziehbar. Trotzdem möchte ich dich einladen, deinem Baby die verbleibende Zeit einfach zu "schenken". Nimm jeden Druck raus, der momentan zwischen euch steht. Dränge sie nicht zum Essen, nicht zum Schlafen, zu überhaupt nichts. So merkwürdig es klingen mag: Oft hilft genau dieses Verhalten, das "Loslassen und Annehmen" der Mütter den Kindern dabei, das gleiche zu tun. Für dein Kind wird die Umstellung sowieso groß sein und es weiß ab dem ersten Tag, dass es nur bei DIR Milch bekommt. Unsere Kinder sind flexibel und dein Mädchen wird lernen, zu warten, bis Du wieder da bist. Es kann gut sein, dass deine Kleine sich die ersten Tage auf dich stürzen wird, aber auch das ist ok :-). Lass dir nicht jetzt schon Druck machen und genieße die Zeit, die Du dein Baby jetzt noch für dich alleine hast ;-). Gerade jetzt ist es wichtig, dass zu Hause nicht auch noch Veränderungen kommen, dein Kind braucht Sicherheit! Es ist immer gut, sich auch seine eigenen Gedanken zu machen und aufs Mutterherz zu hören... tatsächlich macht es keinen Sinn, dein Baby abzustillen, denn es tut ihm wirklich gut, in der Zeit, die ihr zusammen seid, "Normalität" tanken zu können. Natürlich kannst Du auch Wasser anbieten zwischendurch und auch mal weg gehen, allerdings würde ich anfangs noch abgepumpte Milch da lassen. Und wenn Dir das alles zu viel ist, dann kannst Du selbstverständlich auch abstillen. Stillen ist eine Zweierbeziehung und wenn es dazu kommt, dass sich ein Partner dabei nicht wohl fühlt, dann müssen Lösungswege gefunden werden. Das Wichtigste überhaupt ist allerdings, dass Du fest zu deinem Entschluss stehst. Solange hier noch der geringste Zweifel besteht, wird dein Kind diese Zweifel spüren und Du wirst weiterhin „schwach" werden. Für viele von uns ist es sehr ungewohnt zu sehen, wie begeistert und mit wie viel Freude ein Kleinkind stillt. Deine Kleine verhält sich gar nicht so "brustversessen" wir Du glaubst, viele langzeitgestillte Kinder zeigen sehr deutlich wie viel ihnen das Stillen bedeutet. Wird es dem Kind überlassen, wann es sich selbst abstillt, dann stillen sich die meisten Kinder irgendwann zwischen dem zweiten und dem vierten Geburtstag ab. Ein Abstillen deutlich vor dem zweiten Geburtstag auf Initiative des Kindes hin ist eher unwahrscheinlich. All diese theoretischen Überlegungen helfen dir jedoch nicht weiter, denn Du fühlst dich in der derzeitigen Situation unwohl. Wenn sich in einer Stillbeziehung ein Partner nicht mehr wohl fühlt, dann ist es an der Zeit zu überlegen, was geändert werden kann. Sicher ist ein knapp 1jähriges Kind noch nicht in der Lage alles Gesprochene bis ins letzte Detail zu verstehen, doch ich denke, dass der erste Schritt für dich sein sollte, dass Du mit deinem Kind darüber sprichst, wie es dir geht und was Du nicht mehr möchtest. Dann könnt ihr als Eltern eine Art Plan machen, wie ihr vorgehen wollt, um das Stillen einzuschränken. Selbstverständlich wird sich nicht von heute auf morgen eine plötzliche Änderung ergeben, das geschieht in kleinen Schritten und selbstverständlich wirst Du mit Rückschritten rechnen müssen, doch mit viel Liebe und Beharrlichkeit, kannst Du einen Weg finden. Ich hoffe, die Antwort hilft dir weiter. LLLiebe Grüße, Biggi
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