Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Bezug zu "Trotz" und Stillen Frage vom 18.02. Kristina

Frage: Bezug zu "Trotz" und Stillen Frage vom 18.02. Kristina

Mitglied inaktiv

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Hallo Kristina, vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort. Gestern hat mich die Leiterin von der Großpflege auf die Seite genommen, die Erziehergruppe hätte kürzlich im Gespräch darüber diskutiert, ob meine "enge Stillerei und Dauernuckelei" mein Kind überfordert und sie sich deswegen durch das Wutverhalten (bekommen die meist beim Anziehen mit) von mir abgrenzen wolle, weil ich ihr zu viel Nähe aufzwinge. Ihr "Trotz"Verhalten sei für ihr Alter noch nicht angemessen. Ich würde sie damit zu sehr an mich binden. Dagegen würde sie sich auflehnen. Im Kopf weiss ich ja, dass das Quatsch ist. oder? Sie ist in der Gruppe auffällig "stark" und selbstbewusst und spricht sehr viel. Nur seit der Wutzeit ist sie ein bisschen zurückgenommen, geht aber total gerne hin und liebt die anderen Kinder. Ich möchte gerne stillen, so lange sie möchte und ich es schaffe (arbeite noch nicht), hoffe auf den 2. Geburtstag.... Als die Dame dann noch meinte, man bekäme die Kinder dann nie aus dem Elternbett, wusste ich eigentlich, dass ich auf sie sowieso nicht zu hören brauche.. Könntest Du mir sagen, wie ich ihr begegnen kann? Sie wollen die Kinder Im Juni (meine ist dann zwei Jahre) auf eine 3-tägige Reise mit der ganzen Gruppe mitnehmen. Das möchte ich eigentlich nicht. Aber wie kann ich mit ihr diskutieren, ohne als Fesselmutter dazustehen? Liebe Grüsse und Danke heike


Biggi Welter

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Liebe Heike, Stillen ist viel, viel mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es ist Trost, Geborgenheit, sicherer Hafen und ein Weg zur Ruhe zu kommen, wenn die Wellen des Alltags so hoch geschlagen sind, dass das Kind keinen Weg mehr weiß, um mit sich selbst und der Umgebung ins Reine zu kommen. Leider verstehen manche Menschen (vor allem diejenigen, die selbst nicht oder nur sehr kurz gestillt haben) nicht, dass Stillen all das, was ich oben beschrieben habe und noch viel mehr bedeutet. Sie erkennen nicht, dass ein entsetztes, wütendes oder verletztes Kind an der Brust wieder den Weg zu sich selbst zurück findet und dabei auch noch sein Gesicht wahren kann. Es wird von der Mutter nicht bloßgestellt, sondern angenommen und kann sich in der sicheren Geborgenheit des Stillens wieder erholen und beruhigen. Die WHO empfiehlt ausdrücklich für ALLE Kinder eine Stillzeit von bis zu zwei Jahren und darüber hinaus. Die Ernährungsempfehlungen der WHO sind (in englisch) nachzulesen unter www.who.int/chd/publications/newslet/diaglog/9/feeding_young_children.htm . Es steht in der Innocenti Deklaration ausdrücklich, dass diese Empfehlungen für alle Kinder und nicht nur für Kinder in Drittweltländern Anwendung finden. Die amerikanische Akademie der Kinderärzte (AAP) empfiehlt ebenfalls eine mindestens einjährige Stillzeit für alle Kinder und darüber hinaus solange Mutter und Kind es wollen. Die neueste Verlautbarung der American Academy of Pediatrics ist übrigens seh eindeutig. Dort steht nämlich "There is no upper limit to the duration of breastfeeding and no evidence of psychologic or developmental harm from breastfeeding into the third year of life or longer". (Es gibt keine Obergrenze für die Stilldauer und keinen Beleb für Schädigungen hinsichtlich der Psyche oder der Entwicklung, wenn bis in das dritte Lebensjahr oder länger gestillt wird) Es wird schwierig sein, mit der Leiterin zu diskutieren und ich würde mich auch gar nicht so sehr darauf einlassen. Steh dazu, dass Du noch stillst und sage ihr, dass Du eine Trennung von deinem Kind als zu früh empfindest (übrigens habe ich das noch in der dritten Klasse meines Kindes gefunden ;-)) und dein Kind noch keine Reise ohne dich unternimmt. Kein Kind lässt sich an die Brust zwingen und wenn dein Kind nicht gestillt werden will, sondern ein anderes Bedürfnis hat, dann wird es dies unmissverständlich kund tun. Stillen ist eine aktive Sache von beiden Partnern und ohne dass das Kind mitmacht, geht es nicht. Wenn sich dein Kind also abgrenzen wollte, dann würde es nicht an die Brust wollen. Ich hoffe, die Leiterin akzeptiert deine Einstellung. LLLiebe Grüße, Biggi


julle1

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hallo, sorry, dass ich mich hier einmische. der kindergarten will ein 2 jähriges kind auf eine 3 tägigre reise mitnehmen? HALLO? da wuerde ich meinen sohn niemals mitschicken. das kind hat doch nix von so einer aktion. wenn kinder etwas von reisen in diesem alter haben (was ich stark bezweifele, reisen tun die eltern zu ihrem vergnuegen und bei guter planung schadets dem kind nicht), dann nur mit enegn bezugspersonen. das kind kommt sich doch völlig verloren vor ohne eltern. und dann noch ohne "mamas beste". ich wuerde meinen sohn nicht mitfahren lassen, dann eben als glucke dastehen. viel glueck, j.


Mitglied inaktiv

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Vielen Dank für die Antworten!! Natürlich stille ich weiter, und natürlich werde ich meine Tochter nicht mitfahren lassen, es ist nur schwer zu diskutieren, wenn man persönlich betroffen ist, und ich bin einfach dankbar für "sachliche" Argumente, die ich anbringen kann...ich bin in solchen Gesprächen meist zu emotional eingebunden, da fällt mir dann nicht viel mehr ein als ein sinngemässes "mein baby kann ich nicht so lange alleine lassen".. und so möchte ich dort aber nicht auftreten, sondern der Leiterin sachlich und fundiert und stark begegnen. Liebe Grüsse heike


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