Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Bekommt meine Tochter mit 8 Monate noch genügend Nährstoffe mit der Muttermilch?

Frage: Bekommt meine Tochter mit 8 Monate noch genügend Nährstoffe mit der Muttermilch?

Bea1610

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Meine Tochter (8 Monate) bringt mich langsam zur Verzweiflung. Mit 5 1/2 Monaten begannen wir mit der Einführung des Mittagsbreis (Gemüse) - der Start war etwas holprig, aber wir konnten die Menge langsam auf 60 g pro Tag steigern, dann war allerdings Schluss mit Steigerung. Nach ca. 4 Wochen kam der Abendbrei (Milch und Getreide dazu) - es ereignete sich selbiges. Immer wieder verweigerte sie das Essen komplett, 2-3 Mal hat sie auch richtig reingeschaufelt. Nun ist es so, dass sie zurzeit kaum noch etwas isst (2-3 Löffel pro Mahlzeit, dann macht sie den Mund nicht mehr auf und dreht den Kopf weg) - ich "zwinge" sie dann natürlich nicht weiter. Zuerst dachte ich mir, es sind die Zähne, die sie quälen beim Kommen - allerdings über diesen langen Zeitraum? Ich hab auch schon "festes" Essen probiert, in Form von weichem Fingerfood, wobei sie hier ein paar Bissen isst und dann das selbe Problem auftritt - manchmal würgt sie dabei (sie hat noch keine Zähne). Auch nach einem oder zwei Tagen Pause hat sich die Situation nicht gebessert. Ich habe mittlerweile schon sehr viel versucht, verschiedene Gemüse-, Obst- und Fleischsorten, püriert, zerdrückt, klein geschnitten, gefüttert, zum selbst nehmen - nichts scheint sie zufrieden zu stellen. Wenn ich sie dann an die Brust anlege, wirkt sie schon hungrig (habe auch über einen längeren Zeitraum probiert, dass ich sie nicht gleich nach dem Essensversuch anlege, dass sie nicht denkt, dass sie immer gleich wieder die Brust bekommt, wenn sie nichts isst, ohne Besserung). Auch nachts kommt sie teilweise stündlich und möchte trinken. Ich bin langsam am Ende mit meinen Ideen und mache mir Sorgen, ob sie denn durch so viel Milch und so wenig Beikost alles erhält, was sie braucht (sie wiegt allerdings schon 10,5 kg auf 75 cm und nimmt regelmäßig weiter zu). Würde mich über einige Gedanken zu dem Thema riesig freuen. Lg


Biggi Welter

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Liebe Bea1610, so schwer es auch fällt, versuche die Geduld zu bewahren und mach bitte keinen Kampf ums Essen. Wenn es erst einmal so ist, dass das Essen Machtkampf bedeutet, dann sind wir Eltern sehr schnell die Verlierer und viele Essstörungen haben ihre Ursache in einem krampfhaften Machtkampf ums Essen im Baby und Kleinkindalter. Im ersten Lebensjahr IST Milch die Hauptnahrungsquelle und viele Babys essen noch nicht viel feste Kost. Der beste Weg, ein Kind zu einem "schwierigen Esser" zu machen besteht darin, es zum Essen zu zwingen! Ein Kind darf essen, aber es muss nicht essen und eine sehr bewährte Methode lautet "Die Mutter bietet an, was es gibt, das Kind entscheidet wie viel oder wenige es davon isst". Ganz sicher ist auch für dich das Buch "Mein Kind will nicht essen" von dem spanischen Kinderarzt Dr. Carlos Gonzales eine interessante (und beruhigende) Lektüre. Das Buch ist im Buchhandel (ISBN 3 932022 12 2) bei der La Leche Liga oder auch im Stillshop hier auf der Seite erhältlich. Dr. Gonzales hat eine Aufstellung gemacht, wie viel Muttermilch (MM) ein Baby im Alter zwischen neun und zwölf Monaten benötigt, um den empfohlenen Bedarf an verschiedenen Nährstoffen zu decken: Energie: 830 kcal = 1185 ml MM Eiweiss: 9,6 g = 910 ml MM Vitamin A: 350 µg = 700 ml MM Vitamin B: 0,4 µg = 412 ml MM Vitamin C: 25 mg = 625 ml MM Diese Angaben zeigen, dass Muttermilch den Bedarf des Kindes an vielen Nährstoffen lange zu decken vermag und nicht unbedingt Eile geboten ist, das Kind zum Essen zu zwingen. Ich zitiere dir noch aus einem Artikel, den Denise Both IBCLC geschrieben hat: "Das am heißesten gehandelte Thema, wenn es um Mangelerscheinungen bei gestillten Kindern ist das Eisen. Stillende Frauen dürfen sich immer wieder anhören, dass Muttermilch ja nur wenig Eisen enthält und dass die Eisenspeicher des Kindes nur bis etwa sechs Monate ausreichen und dann sei es unabdingbar Beikost einzuführen, um einen Eisenmangel abzuwenden. Es stimmt, dass Muttermilch im Verhältnis zu Kuhmilch oder künstlicher Säuglingsnahrung nur wenig Eisen enthält, demgegenüber steht jedoch die bessere Bioverfügbarkeit des Muttermilcheisens für das Kind. Dennoch kann es zu einem Eisenmangel bei gestillten Kindern kommen. Besonders gefährdet dafür sind Frühgeborene, Kinder deren Mütter in der Schwangerschaft einen Eisenmangel hatten und Kinder, deutlich länger als sechs Monate jegliche feste Nahrung ablehnen. Man muss zwischen Eisenmangel und einer Eisenmangelanämie unterscheiden. Eisenmangel lässt sich nicht unbedingt an einem niedrigen Hämoglobinwert (Hb) erkennen. Es reicht also nicht, beim Kind regelmäßig den Hb zu bestimmen, um einen Eisenmangel auszuschließen, sondern es muss zusätzlich auch noch der Serum Ferritin Wert bestimmt werden. Ein Eisenmangel im Kindesalter kann wirklich schwer wiegende und vor allem nicht immer wieder behebbare Folgen für die geistige und körperliche Entwicklung haben und sollte deshalb nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Dazu kommt, dass sich ein unguter Kreislauf entwickeln kann, wenn das Kind erst mal in eine Mangelsituation geraten ist: Der Eisenmangel macht das Kind appetitlos, das Kind mag erst recht keine Beikost essen, der Eisenmangel verschärft sich. Deshalb ist es sinnvoll, dass bei einem Kind, das lange jegliche Beikost verweigert, Hämoglobin und Ferritin bestimmt werden, um rechtzeitig eingreifen zu können, falls sich ein Mangel bestätigt. Der Pieks für die Blutuntersuchung ist weniger traumatisch für das Kind, als ein unentdeckter Eisenmangel. Eine vegetarische Ernährung ist übrigens nicht gleichzusetzen mit einer zu geringen Eisenzufuhr. Vegetarisch lebende Familien sollten jedoch unbedingt auf eine bewusste Zusammenstellung ihrer Ernährung achten, denn das Eisen aus pflanzlichen Nahrungsmitteln wird nur zu 3 bis 8 Prozent verwertet, also deutlich weniger als das hämgebundene Eisen aus Fleisch, dessen Verwertbarkeit bei etwa 23 % liegt." Es gibt Babys, die es geradezu hassen und hysterisch reagieren, wenn man ihnen etwas in den Mund stecken will. Diese Kinder essen aber recht gut, wenn sie selber essen dürfen. Das Geschmiere, das es dabei gibt, ist weniger schlimm, als das Theater mit einem Kind, das sich mit allen Kräften wehrt und außerdem lernen die Kinder recht schnell gut zu essen. Es gibt eine ganze Menge, was als fingergerechte Nahrung angeboten werden kann. Banane zum Beispiel kann ein Kind gut in die Hand nehmen, sie ist weich und es kann sie alleine essen. Auch ein Stück von einer gekochten Kartoffel geht gut. Gekochte Erbsen können einzeln aufgepickt werden (ist gleichzeitig eine gute Übung für die Feinmotorik), alle Gemüse und Obstarten, die einigermaßen weich sind und dann in kleine Stücke geschnitten werden, können gegeben werden. Probier es einfach weiterhin immer wieder aus und gib deinem Kind noch etwas Zeit. LLLiebe Grüße Biggi


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