Frage im Expertenforum Schwangerschaftsberatung an Dr. med. Vincenzo Bluni:

Toxoplasmose: Ich habe mich im ersten Schwangerschaftsdrittel angesteckt

Frage: Toxoplasmose: Ich habe mich im ersten Schwangerschaftsdrittel angesteckt

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Lieber Herr Bluni Ich bin sehr beunruhigt. Beim Bluttest anfangs der 11. Schwangerschaftswoche wurde bei mir festgestellt, dass ich innnerhalb der letzten Wochen den Toxoplasmose-Erreger aufgelesen habe. Sofort verschrieb mir meine Ärztin Fansidar, ein Malariapräparat. Fragen: Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind sich ebenfalls angesteckt hat? Ab welcher Schwangerschaftswoche ist eine Ansteckung des Kindes überhaupt möglich? Während wievieler Tage ist der Erreger aktiv und kann in die Plazenta eindringen? Ist der Erreger mit dem Antibiotikum sofort in Schach gehalten? Warum muss das Antibiotikum bis Ende Schwangerschaft eingenommen werden? Mit bestem Dank und freundlichen Grüssen vom Simbo


Dr. med. Vincenzo Bluni

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hallo, man sagt, dass je weiter die Schwangerschaft fortschreitet, desto wahrscheinlicher wird eine Infektion des Kindes, aber desto harmloser sind ihre Folgen: Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung des Kindes im zweiten Drittel ca. 30% im dritten Drittel ca. 70% Wahrscheinlichkeit, dass die Ansteckung schwere Folgen hinterlässt im zweiten Drittel ca.20% im dritten Drittel ca.1% Die Erreger der Toxoplasmose setzen sich zunächst im Mutterkuchen fest. Von da aus können das Gehirn und die Netzhaut des Auges befallen. Diese Organe können schwerste Schäden erleiden. In der Frühschwangerschaft ist es unwahrscheinlich, dass sich das ungeborene Kind ansteckt; im Fall der Infektion wären aber Schäden zu befürchten. Je weiter die Schwangerschaft fortschreitet, desto wahrscheinlicher wird eine Infektion des Kindes, aber desto weniger gefährlich sind ihre Folgen. Bei festgestellter Toxoplasmose-Infektion kann eine antibiotische Therapie durchgeführt werden, die Erfolgsrate ist sehr hoch. Zur möglichen Therapie gibt es verschiedene Antibiotika, wobei die Kombinationstherapie die größere Erfolgsrate (ca. 70 %) hat. Bis zur 15+0 SSW wird meistens nur Spiramycin alleine eingesetzt. In Deutschland hat sich eine 4wöchige Behandlungsdauer durchgesetzt. Möglich ist auch eine Therapie über die gesamte Schwangerschaft mit Wechsel zwischen jeweils 4wöchiger Therapiedauer und einem therapiefreien Intervall von 4 Wochen. Toxoplasmen können die Plazenta erst nach der 13. SSW passieren. Frühe Infektionen mit kindlichen Schäden sind bekannt geworden, enden aber meistens als Abort. Ein sofortiger Behandlungsbeginn bei Bekanntwerden der Infektion ist deshalb angebracht. Oft treten die Schäden allerdings nach einer längeren Latenzzeit auf, da Infekti-onsherde in der Plazenta und in den Eihäuten erst nach einiger Zeit den Einbruch der Erreger in den fetalen Kreislauf bewirken (bis 3 Wochen), so dass die später begonnene Therapie das Risiko für das Kind noch zu senken vermag. Eine ausführliche Ultraschalluntersuchung durch einen für die erweiterte Ultraschalluntersuchung entsprechend ausgebildeten Frauenarzt ist im weiteren Verlauf der Schwangerschaft erforderlich, um eine Schädigung des Kindes auszuschließen. Zudem kann nach der 20. Schwangerschaftswoche eine Fruchtwasseruntersuchung Aufschluß darüber geben, ob die Toxoplasmen das Kind überhaupt erreicht haben und das kindliche Immunsystem darauf reagieren mußte. VB


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