Rina20
Sehr geehrter Herr Dr. Paulus, meine Tochter ist 12 Wochen alt und wird nach dem Zwiemilch-Konzept ernährt. Gestern Abend habe ich Nudeln mit ca. 40 Gramm Steinpilzen gegessen, direkt im Anschluss habe ich gestillt. Leider ist mir erst hinterher eingefallen, dass Steinpilze radioaktiv und mit Schadstoffen und Schwermetallen belastet sind. Schätzen Sie den einmaligen Konsum von 40 Gramm Steinpilzen als schädlich für mein Baby ein? Falls ja: Kann beim Stillen direkt nach dem Essen schon über die Muttermilch etwas übertragen worden sein? Ich habe seitdem nicht mehr gestillt, wann kann ich wieder starten? Vielen Dank vorab und schon einmal ein schönes Wochenende für Sie!
Bestimmte Pilz- und Wildarten sind nach aktueller Information des Bundesamts für Strahlenschutz in einigen Gegenden Deutschlands hauptsächlich durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl noch immer mit Cäsium-137 belastet. Der Süden Deutschlands – vor allem Südbayern und der Bayerische Wald, aber auch Teile Oberschwabens – ist vom Fallout 1986 besonders betroffen. Eine wöchentliche Mahlzeit während des ganzen Jahres mit 200 Gramm Maronenröhrlingen mit 1400 Bq Cs-137 pro kg Frischmasse (der Höchstwert in den letzten drei Jahren bei Maronenröhrlingen) führt beispielsweise zu einer zusätzlichen Strahlenexposition von etwa 0,18 mSv pro Jahr. Dies ist etwas weniger als ein Zehntel der durchschnittlichen Strahlenexposition aus natürlichen Quellen in Deutschland während eines Jahres (2,1 mSv). Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 1.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm hat eine Strahlendosis von 0,0025 Millisievert zur Folge. Dies ist deutlich weniger als die Strahlendosis bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria. Die Halbwertzeit von Cäsium-137 (Cs-137) beträgt etwa 30 Jahre. Das bedeutet, dass innerhalb von 30 Jahren die Hälfte der anfangs vorhandenen Menge des radioaktiven Cäsiums-137 durch radioaktiven Zerfall abnimmt. Eine Stillpause ist hier überflüssig!
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