Frage im Expertenforum Medikamente in der Schwangerschaft an Dr. med. Wolfgang Paulus:

Antidepressiva / Stillzeit

Frage: Antidepressiva / Stillzeit

lynn3709

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Guten Tag, ich habe ein paar Fragen. Ich leide seit einiger Zeit unter eine PTBS und Angststörung. Hinzu kommt dass der Kindesvater und ich nun getrennt leben und ich so gerade eine relativ schwierige Zeit durchmache.  Ich bin mit Psychotherapie und regelmäßigen Terminen bei meiner Psychiaterin ausgestattet. Unser Kind ist 16 Monate alt und isst schon gut. Wird nur noch zum schlafen und nachts gestillt.  Ich nehme zur Zeit unregelmäßig mal 1mg Tavor bei Panik. Das ist so weit ich weiß in der Stillzeit auch okay? Kommt so 2-3x im Monat vor. Ist das noch in Ordnung so (bezüglich stillen)? 2. Gern hätte ich sertralin ausprobiert, jedoch hatte ich bereits nach kurzer Einnahme (1/2 25mg Tablette) so starke Nebenwirkungen (Übelkeit Herzrasen Durchfall Erbrechen lag nachts stundenlang wach) das ich es nicht weiter nehmen konnte. Ich weiß dass es nur die erste Zeit so sein soll, aber es ging wirklich gar nicht! 3. Haben Sie noch eine Idee, was ich an Medikamenten probieren könnte? Wäre Mirtazapin ein Versuch wert? (Ich habe auch so Probleme mit dem einschlafen/ abends zur Ruhe kommen und nachts wieder einzuschlafen)  4. Ist es auch weniger schlimm fürs Kind, wenn es schon größer ist und weniger Muttermilch trinkt? Mache mir so viele Gedanken und fühle mich meinem Kind gegenüber so schlecht, wenn ich etwas einnehme..  Vielleicht haben Sie ja einen Rat für mich. Vielen Dank! 


Dr. Wolfgang Paulus

Dr. Wolfgang Paulus

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Unter den Benzodiazepinen sind bei kurzfristiger Anwendung Substanzen mit hoher Plasmaeiweißbindung und kürzerer Halbwertszeit vertretbar, bei denen der Säugling weniger als 5% einer gewichtsbezogenen Erwachsenendosis über die Muttermilch erhält. Um Lethargie, Trinkunlust und Schläfrigkeit beim Säugling zu vermeiden, sollten Wirkstoffe wie Lorazepam (z. B. Tavor 1 mg) bevorzugt werden. Bei Lorazepam gehen kleine Mengen in die Muttermilch über (Whitelaw et al 1981; Johnstone 1982; Summerfield & Nielsen 1985). Die kurzfristige Anwendung in der Stillzeit wird daher von der WHO Working Group on Human Lactation als relativ sicher eingestuft. Gegen eine sporadische Anwendung bei einem teilweise gestillten Kind von 16 Monaten bestehen keine Einwände. Herzrasen, Erbrechen, Durchfall oder ausgeprägte Schlaflosigkeit können als Nebenwirkungen bei Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern wie z. B. Sertralin insbesondere in den ersten Tagen nach Beginn oder Dosiserhöhung auftreten und bessern sich meist rasch wieder. Bei einer Studie mit Mirtazapin an acht Mutter/Kind-Paaren ließ sich bei einer mütterlichen Tagesdosis von 38 mg nur ein geringer Übergang des Wirkstoffes auf den Säugling erkennen. Die Kinder nahmen unter Berücksichtigung des aktiven Metaboliten Desmethylmirtazapin lediglich ca. 1,9% der mütterlichen Dosis über die Muttermilch auf. Nur bei einem von vier untersuchten Kindern konnte Mirtazapin im Plasma nachgewiesen werden (1,5 µg/l). Kindliche Komplikationen wurden nicht beobachtet. Demnach erscheint die Anwendung moderater Mirtazapin-Dosen (z. B. 7,5 mg) in der Stillzeit relativ sicher (Kristensen et al 2006).


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