Maria_H
Sehr geehrter Herr Dr. Paulus, ich werde derzeit mit Estramon Pflastern behandelt, alle drei Tage zwei Pflaster 75ug/24 Stinden, also insgesamt 150 ug/24 Stunden. Ich stille mein anderthalbjähriges noch teilweise. Er isst inzwischen gut, es gibt aber immer wieder Phasen, in denen er sich fast ausschließlich von meiner Milch ernährt, etwa bei Krankheit, Zahnen oder Entwicklungsschüben. Meine Ärztin erklärte mir, dass sich eine Dosis von bis zu 200 ug/24 Stunden weder auf die Menge noch auf die Qualität der Milch auswirkt. Nun habe ich aber gelesen, dass bei dieser Hitze momentan die Haut besser durchblutet ist und deswegen Wirkstoffe aus transdermalen Pflastern stärker aufgenommen werden. Ist hier zu befürchten, dass die 200 ug/24 Stunden überschritten werden? Wenn ja, was könnte ich tun? Falls sich dies durch eine Blutabnahme klären lässt, welchen Blutspiegel an E2 würden Sie bei 150 ug/24 Stunden unter normalen Umständen erwarten? Viele Grüße, Maria
Während der Stillzeit ist der mütterliche Östrogenspiegel typischerweise erniedrigt, insbesondere wenn voll gestillt wird und die Menstruation noch nicht wieder eingesetzt hat. Durch das Saugen des Kindes wird vermehrt Prolaktin ausgeschüttet. Prolaktin hemmt wiederum die Freisetzung von GnRH im Hypothalamus. Dadurch werden weniger LH und FSH aus der Hypophyse ausgeschüttet. Die Eierstöcke werden weniger stimuliert und produzieren weniger Östrogen und Progesteron. Voll stillende Frauen mit ausbleibender Menstruation haben häufig einen Estradiol-Spiegel im Bereich von 20–50 pg/ml. Sobald wieder Menstruationsblutungen einsetzen, können die Werte deutlich ansteigen und zyklisch schwanken. Ein 150-µg-Pflaster führt meist zu Spiegeln, die mehrfach höher sind als die physiologischen Estradiolspiegel während des vollen Stillens (z. B. ca. 120–250 pg/ml). Welche Spiegel erreicht werden, hängt weniger vom Wetter als von der Eigenproduktion Ihrer vermutlich noch vorhandenen Eierstöcke ab. Exogen zugeführtes Östrogen (z. B. durch Hormonpflaster) kann die Milchmenge reduzieren bzw. die Dauer des ausschließlichen Stillens verkürzen, aber auch bei manchen Frauen kaum merkliche Effekte haben. Einen kritischen Estradiolwert gibt es nicht: Voll stillende Frauen haben oft Estradiolwerte von etwa 20–50 pg/ml. Viele Frauen mit wiederkehrenden Zyklen stillen erfolgreich trotz Estradiolanstiegen auf 100–300 pg/ml während des Zyklus. Deshalb kann man nicht sagen, dass beispielsweise 100 pg/ml oder 150 pg/ml automatisch die Milchbildung beeinträchtigen.
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