Frage im Expertenforum Kochen für Kinder an Dipl. oec. troph. Birgit Neumann:

Bin am verzweifeln

Frage: Bin am verzweifeln

Mitglied inaktiv

Beitrag melden

Hallo! Unser Sohn ist 2,5 und ist ein gaaanz schlechter Esser. Ich dachte immer das liegt auch an der Erziehung aber unser 5jähriger probiert zumindest fast alles. Der Kleine probiert nicht einmal sondern sagt sofort mag ich nicht. Er hat oft noch nicht einmal gesehen was es gibt und er ißt es dann auch wirklich nicht. Habe ihn schon oft ohne Essen zum Mittagsschlaft weggelegt oder ihm keinen Fruchtzwerg gegeben und dem Großen schon aber nichts...Ganz selten bekomme ich ihn dazu etwas zu probieren nur einen Fitzel.... dann fängt er an zu würgen..... Wenn ich zu viel Druch ausübe, dann heult er und ißt nicht mal mehr das was er mag..... Nudeln Pizza Leberwurst, Bratwurst, Heißwurst...... Salatgurke Apfel, Banane Brot etc. Naturjoghurt, Kornflakes.... Er ist keine Kartoffeln oder K,.brei, keinen Reis..... Man sieht es ihm nicht an. Schon als Baby hat er oft die Menuegläschen verweigert und wollte lieber die "Süßeren" -..... Soll ich abwarten bis er älter ist und ich dann strenger und mit dem Verstand handeln kann...... Danke Ronja


Birgit Neumann

Birgit Neumann

Beitrag melden

Hallo Ronja Vielleicht befragst du mal Frau Schuster, ob sie dir einen konkreten Tipp oder Vorschlag geben kann. So einen Machtkampf kannst du nur verlieren. Besonders wichtig wäre deshalb zunächst, dass du für dich einmal klärst, wie du die Situation für euch beide entlastend verändern könntest. Wie könnten Änderungen beim Essen aussehen und wie könntest du diese herbei führen? Diese Änderungen solltest du bald, wenn die Zeit gekommen ist, konsequent durchführen. Jetzt noch einen sehr individuellen Tipp: Lass dein Kind zunächst einfach das essen, was er möchte. Urteile nicht über gesund oder ungesund, über sättigend oder nicht sättigend. Lass ihn einfach - wenn er das Mittagessen nicht mag- gib danach wie dem Großen den Nachtisch -auch wenn es fünf Fruchtzwerge werden...Dann bekommt dein Kind keine allzugroße Aufmerksamkeit wegen einer Essenverweigerung, was eine wichtige Erfahrung sein kann. Nach einer Weile kannst du Regeln einführen. Aufbauend darauf, dass dein Kind bestimmte Esserfahrungen gemacht hat. Es gibt immer Dinge, die Kinder nicht gerne mögen. Das war schon immer so, auch zu Großmutters Zeiten. Dein Kind isst, du schreibst er sei gut genährt und hat durchaus seine Lieblingsspeisen. Das ist doch super. Mach dir weniger Sorgen, dann wird das wieder. Ohne Druck und Zwang schmeckt alles besser. Und noch ein kleiner Exkurs: Kinder sind zwar manchmal eigen in ihrer Speisnauswahl und fürchten sich gewissermassen sogar vor neuen Speisen. Kurze Zusatzinfo:"Babies, Kleinkinder und Kinder, auch Erwachsene, haben zuweilen eine sog. Neophobie. Eine Angst vor dem neuen, unbekannten Éssen. Auch hier wieder, evolutionsbiologisch betrachtet, eine gute Schutzfunktion. Gegessen wird nur das, was man kennt. Denn Unbekanntes könnte giftig sein. Besonders bittere Speisen sind oft giftig. Deswegen wird ein bitterer Geschmack von Kindern meistens abgelehnt. Grüne Paprika schmecken gekocht meist bitter. Aber auch alte Möhren können manchmal bitterer sein. Kinder sollten bis zu 10 mal etwas probiert haben, bevor sie es wirklich gut akzeptieren und sich an den Geschmack gewöhnt haben. Zum Probieren genügen oft schon mimimalste Mengen. Und ausspucken sollte erlaubt sein. Auch der Geruchssinn spielt eine große Rolle. Denn noch bis ins Erwachsenenalter (lebenslang) hinein sind solche Erinnerungen mittels Geruchssinn aktiv, und die Bereitschaft später im Erwachsenenalter eine Speise zu probieren, ist dadurch sehr gross. Somit nimmt die Geruchsprägung noch vor der Geschmacksprägung eine wesentliche Rolle ein. Die einmal erlernten Geschmacksmuster, in frühester Kindheit, werden treu bis ins Erwachsenenalter hinein beibehalten. Muttermilchersatzpulver bspw. enthält gewöhnlich den Aromastoff Vanillin. Das Münchner Sensorikunternehmen ASAP hat hierzu eine Versuch durchgeführt: 130 Jugendliche und Erwachsene erhielten zwei fast identische Proben Ketchup. Die Proben unterschieden sich in der Zugabe von Vanillin zu einer Ketchupflasche. Der vanillinhaltige Ketchup wurde von ehemaligen Flaschenkindern 4 mal so häufig bevorzugt, als von ehemals gestillten Personen. Eine neuere Studie ergab, dass Kinder, die häufig aromatisierte Fruchtjoghurts assen, sich so sehr an die Aromen gewöhnen, dass sie dann den im Testversuch selber angerührten Joghurt mit frischen Früchten, als Kunstprodukt zu identifizieren glaubten. Fazit: Das Aroma der echten Früchte war ihnen so fremd, dass sie die künstlichen, naturidentischen, natürlichen Aromen, jeweils als den Geschmack von "echtem Obst" abgespeichert hatten und künftig diesen "unechten" favorisieren. Wichtig zu wissen ist, dass bei der Appetitsteuerung viele Faktoren zusammenspielen. Eine ganz wichtige Rolle spielt auch die individuelle Verdauung der Speisen, die u.a. von der mikrobiologischen Darmbesiedelung abhängt." Dennoch sollten Kinder differenzieren lernen, warum genau sie diese Speise nicht mögen. Ob es zu bitter sei, zu grün, zu scharf, zu salzig etc.Zu hart, zu fest, zu weich... . Grüsse B. Neumann


Mitglied inaktiv

Beitrag melden

Genauso wars bei uns auch----bis unser Sohn in den Kindi kam! Seither isst er sogar Salat !!! *staun* Im Kindi isst er ALLES, sogar Kartoffeln, die rührt er bei mir nicht an, es sei denn ich tarne sie als Gnocchi oder Pommes oder so. Ich denk, das kommt schon alles noch. Lass ihn, biete ihm genug Auswahl an, vor dem gedeckten Tisch ist noch kein Kind verhungert. Und lass mal so Sachen wie Fruchtzwerge und Co einfach weg, auch keinen Saft. Kann nämlich sein, dass er dadurch schon ne Menge Kalorien drin hat und dann einfach weniger benötigt. Fruchtzwerge sind eh fettige Kalorienbomben, das ist auch Zucker ohne Ende! Ich wünsch Dir viel Erfolg!!! LG Nadine


Bei individuellen Markenempfehlungen von Expert:Innen handelt es sich nicht um finanzierte Werbung, sondern ausschließlich um die jeweilige Empfehlung des Experten/der Expertin. Selbstverständlich stehen weitere Marken anderer Hersteller zur Auswahl.