Johanna_B
Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger, Vielen herzlichen Dank, Ihre eingehenden Ausführungen auf meine Fragen zu meinem irritierten Zyklus, Sie helfen mir sehr! Zwei Hormonwerte habe ich schon telefonisch mitgeteilt bekommen (von vergangenem Freitag, ZT 44). E2 5,5 ng/l Prog 0,26 ug/l Erlauben diese eine erste Einschätzung bzw. Eingrenzung möglicher Ursachen? Nach welchen weiteren Werten bzw. Untersuchungen sollte ich fragen? Welche würden Sie einer Patientin in meiner Situation empfehlen? Ganz herzliche Grüße, Johanna
Sehr geehrte Frau Johanna, diese Hormonwerte an Zyklustag 44 geben durchaus einen ersten wichtigen Hinweis. Besonders dann, wenn Sie älter als 35 Jahre sind, muss man bei einer solchen Konstellation auch an eine nachlassende Eierstockfunktion beziehungsweise an eine ovarielle Erschöpfung denken. Solch niedrige Werte sieht man normalerweise eher zu Beginn eines Zyklus oder am Zyklusende, kurz bevor eine Blutung einsetzt. Sollte auch mehr als eine Woche nach der Blutentnahme noch keine Blutung eingetreten sein, würde das den Verdacht verstärken, dass die hormonelle Aktivität der Eierstöcke im Moment deutlich reduziert ist. Gerade deshalb würde ich Ihnen empfehlen, sich nun in einem spezialisierten Kinderwunschzentrum genauer untersuchen zu lassen. Wichtig wäre vor allem, den FSH-Wert ergänzend zu bestimmen. Falls bei Ihnen bereits ein AMH-Wert vorliegt, wäre auch dieser für die weitere Einschätzung sehr hilfreich. Beide Werte können helfen, die Situation besser einzuordnen und die nächsten Schritte sinnvoll zu planen. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger BestFertility
Johanna_B
Vielen herzlichen Dank, Sie helfen mir sehr! Ich habe darum gebeten, aus der Probe von ZT 44 das FSH nachbestimmen lassen: 43,2 IU/l. Erlaubt dieser Befund eine Einschätzung, wie die nächsten Schritte aussehen sollten, damit ich meinem Eisbärchen die bestmögliche Chance geben kann? Wie würden Sie mit dem aktuellen Zyklus verfahren? Und wie den Kryotransfer vorbereiten? Ich bin so froh, dass ich Sie fragen kann! Ganz herzliche Grüße, Johanna
Liebe Johanna, der nachbestimmte FSH-Wert von 43,2 IU/l an ZT 44 ist ein wichtiger Hinweis: Dieser Zyklus scheint hormonell nicht stabil und nicht zuverlässig genug für einen Kryotransfer im natürlichen Zyklus zu sein. Der Körper versucht offenbar, die Eierstöcke stark anzuregen, aber es kommt nicht zu einer klaren, guten Follikelreifung. Für Ihr kostbares Eisbärchen brauchen wir möglichst optimale Bedingungen: nicht nur irgendwann einen Eisprung, sondern eine gute Östrogenwirkung auf die Schleimhaut, einen klaren Zeitpunkt für den Eisprung und danach eine stabile Lutealphase. Genau das ist in diesem Zyklus leider fraglich. Ich würde diesen aktuellen Zyklus deshalb eher nicht für den Transfer nutzen, sondern ihn nach Rücksprache mit Ihrem Kinderwunschzentrum geordnet abschließen. Sinnvoll wären dazu noch die Einordnung von Estradiol, LH, Progesteron und der Ultraschallbefund. Für den nächsten Versuch würde ich sehr ernsthaft über einen künstlich vorbereiteten Kryozyklus nachdenken. Dabei kann man die Schleimhaut gezielt mit Östrogen aufbauen und anschließend mit Progesteron sehr genau das richtige Zeitfenster für den Transfer schaffen. Das ist oft ruhiger, planbarer und in Ihrer Situation vermutlich der bessere Rahmen. Wichtig ist: Der hohe FSH-Wert sagt nicht, dass Ihr Embryo schlechtere Chancen hat. Er sagt vor allem, dass dieser natürliche Zyklus wahrscheinlich nicht der ideale Zyklus ist, um ihm diese Chance zu geben. Genau deshalb würde ich jetzt nicht verzweifeln, sondern klug und kontrolliert weiterplanen. Herzliche Grüße Ihr Friedrich Gagsteiger
Johanna_B
Vielen lieben Dank für Ihre Antwort, Sie helfen mir so sehr! Den aktuellen Zyklus werde ich auf jeden Fall nicht nutzen. Ich möchte den Transfer so gut wie möglich vorbereiten, zumal ich schon älter bin. Spielt es für einen Transfer im künstlichen Zyklus eine Rolle, wie die Zyklen vor dem Transferzyklus verlaufen sind? Ich habe gelesen, dass bei einem unregelmäßigen Zyklus vor dem (künstlichen) Transferzyklus zunächst ein bis drei medikamentös gesteuerte Zyklen durchgeführt wurden, um Problemen mit dem Endometrium vorzubeugen? Und würden Sie in meiner Situation vorneweg einen (künstlichen) Probezyklus empfehlen? Ganz herzliche Grüße, Johanna
Sehr gerne — dann würde ich es so etwas klarer und zugleich warm formulieren: Liebe Johanna, vielen Dank für Ihre liebe Nachricht. Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie diesen Transfer besonders sorgfältig vorbereiten möchten – gerade weil es um Ihr kostbares Eisbärchen geht. Grundsätzlich ist es so: Bei einem künstlichen Kryozyklus wird der Zyklus weitgehend von außen gesteuert. Der Schleimhautaufbau erfolgt über Östrogen, und mit dem Beginn des Progesterons wird das Implantationsfenster zeitlich festgelegt. Deshalb spielt der Verlauf der spontanen Zyklen vor dem eigentlichen Transferzyklus meist eine deutlich geringere Rolle als bei einem natürlichen oder modifiziert natürlichen Kryotransfer. Wichtig ist aber, dass zu Beginn des Transferzyklus alles ruhig und stimmig ist: keine relevante Zyste, keine unklare hormonelle Aktivität, eine gut aufbaubare Schleimhaut und ein präzises Timing der Progesterongabe. Ob vorher ein oder mehrere medikamentös gesteuerte Zyklen oder ein künstlicher Probezyklus sinnvoll sind, lässt sich aus der Ferne nicht seriös entscheiden. Das hängt sehr von Ihren Befunden, dem Ultraschallbild, den Hormonwerten und der bisherigen Schleimhautreaktion ab. Bitte besprechen Sie diese nächsten Schritte daher unbedingt mit den Spezialistinnen und Spezialisten Ihres Kinderwunschzentrums. Dort kann man sehr differenziert prüfen, welcher Weg für Sie und Ihren Embryo der sicherste und sinnvollste ist. Mein Rat wäre: Den aktuellen Zyklus nicht erzwingen, sondern gemeinsam mit Ihrem Zentrum einen klaren, kontrollierten Plan für den nächsten Schritt festlegen. Ganz herzliche Grüße Ihr Friedrich Gagsteiger