Johanna_B
Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger, zunächst ganz herzlichen Dank für Ihre wundervolle Unterstützung und Ihre eingehenden Antworten. Mir ist es sehr wichtig, nachvollziehen zu können, warum welche Behandlung gewählt wird, insbesondere dabei helfen Sie mir sehr! Deswegen würde es mich auch interessieren, wie das dreilagige Erscheinungsbild des Endometriums zustande kommt. Könnten Sie mir dies bitte erklären? Ganz herzliche Grüße, Johanna
Liebe Johanna, das ist eine wunderbare Frage, denn sie zeigt, dass Sie wirklich verstehen möchten, was wir im Ultraschall eigentlich sehen. Interessanterweise sehen wir im Ultraschall gar nicht die einzelnen anatomischen Schichten der Gebärmutterschleimhaut, sondern ein Bild, das durch unterschiedliche Gewebeeigenschaften entsteht. Die Gebärmutterschleimhaut besteht aus der Basalschicht (Stratum basale) und der darüberliegenden Funktionsschicht (Stratum functionale). Unter dem Einfluss des Östrogens wächst die Funktionsschicht im ersten Teil des Zyklus rasch heran. Sie enthält viel lockeres Stroma, relativ gerade Drüsen und einen hohen Wassergehalt. Dadurch erscheint sie im Ultraschall eher dunkel (hypoechogen). Die Basalschicht dagegen liegt direkt an der Gebärmuttermuskulatur. Sie ist dichter aufgebaut und enthält zahlreiche Gefäße sowie Bindegewebe. Dadurch reflektiert sie den Ultraschall stärker und erscheint als helle (hyperechogene) äußere Begrenzung der Schleimhaut. In der Mitte liegt schließlich die bekannte helle Mittellinie. Sie ist keine eigene Schicht, sondern entsteht dort, wo die vordere und hintere Schleimhautoberfläche der Gebärmutterhöhle aneinanderliegen. Diese Grenzfläche reflektiert den Ultraschall besonders stark und erzeugt die charakteristische zentrale helle Linie. Das typische dreilagige oder trilaminäre Muster setzt sich also zusammen aus: einer hellen äußeren Begrenzung rechts (Basalschicht), einer dunklen funktionellen Schleimhaut, der hellen Mittellinie (Kontaktfläche der beiden Schleimhautblätter), einer weiteren dunklen funktionellen Schleimhaut auf der Gegenseite, und schließlich der zweiten hellen äußeren Begrenzung links. Streng genommen sehen wir also fünf echogene Zonen (hell–dunkel–hell–dunkel–hell). Trotzdem hat sich international der Begriff „dreilagiges Endometrium“ (triple-line pattern, trilaminar pattern) etabliert, weil die Schleimhaut funktionell aus drei echogenen Komponenten besteht: zwei äußeren echogenen Begrenzungen und der zentralen echogenen Linie, getrennt durch die beiden hypoechogenen funktionellen Schichten. Warum verschwindet dieses schöne Muster nach dem Eisprung? Mit dem Anstieg des Progesterons beginnt die Schleimhaut, sich auf die Einnistung vorzubereiten. Die Drüsen werden größer und geschlängelter, speichern Glykogen und sekretieren Nährstoffe. Gleichzeitig nehmen Durchblutung und Gefäßreichtum zu. Diese Veränderungen erhöhen die Echogenität der funktionellen Schicht. Die zuvor dunklen Bereiche werden dadurch zunehmend heller, bis sich schließlich kaum noch Kontraste zwischen Basal- und Funktionsschicht erkennen lassen. Das Endometrium erscheint dann homogen hell – genau so, wie wir es in der zweiten Zyklushälfte erwarten. Deshalb ist die Dreilagigkeit letztlich ein Zeichen einer östrogengeprägten, proliferativen Schleimhaut. Sie zeigt uns, dass die Schleimhaut noch im Aufbau ist. Mit dem Beginn der Progesteronwirkung darf und soll dieses Muster sogar verschwinden – denn genau das ist Ausdruck der normalen sekretorischen Umwandlung, die für die Einnistung notwendig ist.