Sehr geehrter Herr Dr. Grewe und Kollegen, ich schreibe hier, weil ich mich in unserem Kinderwunschzentrum leider nicht so richtig zu unserer individuellen Situation beraten fühle. Es werden kaum Fragen zu unserer Vorgeschichte oder möglichen Ursachen gestellt und mittlerweile frage ich mich, ob bei uns vielleicht vor allem dem männlichen Faktor zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde... Ich bin 33 und werde bald 34, mein Mann ist 42. Wir haben ein gemeinsames, gesundes  8-jährigen Kind. 2014 wurde ich von meinem heutigen Mann sehr schnell spontan schwanger. Diese Schwangerschaft habe ich aus persönlichen Gründen beendet, da wir uns damals noch nicht einmal einen Monat kannten. 2017 entstand ebenfalls spontan unsere Wunschschwangerschaft mit unserem Sohn. Danach haben wir etwa drei Jahre erfolglos versucht, ein zweites Kind zu bekommen. Im Dezember 2025 wurde ich schließlich wieder spontan schwanger. Leider endete diese Schwangerschaft im Januar 2026 in einer frühen Fehlgeburt/Missed Abortion in der 9. ssw, Embryo war aber eher 7.sww (er war ziemlich genau dort wo das Myom sich eingenistet hatte). Bei mir selbst wurde von verschiedenen Reproduktionsmedizinern eigentlich immer alles als sehr gut bzw. unauffällig beurteilt. Ich habe regelmäßige Zyklen und Eisprünge und es wurden sonst keine wesentlichen Auffälligkeiten gefunden. Mein AMH lag vor wenigen Monaten bei 3,5 ng/ml, zuletzt plötzlich bei 1,9 ng/ml (ich weiß nicht, ob mein AMH so schnell gesunken ist, oder ob der durch die Stimulation o.ä. verzerrt war?) Eine Befund war aber ein ca. 1,5 cm großes submuköses Myom mit Kontakt zur Gebärmutterhöhle. Dieses wurde inzwischen hysteroskopisch vollständig entfernt. Ob es etwas mit der Fehlgeburt zu tun hatte, wissen wir natürlich nicht. Es kann genauso gut sein, dass die Schwangerschaft von Anfang an nicht intakt war?  Was mich mittlerweile deutlich mehr beschäftigt, sind die Spermiogramme meines Mannes. Im März 2025 war sein Spermiogramm noch sehr gut (insgesamt ca. 612 Mio. Spermien, 6 % Normalformen). Später kam es bei einem Spermiogramm zu einem deutlichen Einbruch. Bei dieser Untersuchung hatten wir allerdings nur ungefähr zwei Tage Karenz, das Ejakulatvolumen war sehr gering und laut meinem Mann war er nicht ganz sicher ob er alles auffangen konnte...DIe Werte: 16.10.2025: 0,5 ml, 11,5 Mio./ml, insgesamt nur 5,75 Mio. Spermien, dabei aber  gute Motilität von 80,5 % (A 29 % + B 51,5 %) und 3 % Normalformen. Deshalb weiß ich nicht, wie repräsentativ vor allem die niedrige Gesamtzahl bei dieser Untersuchung war...?Einen Monat später im Kontrollspermiogramm hatte er dann bei 4 Tagen Karenz: 3 ml, Konzentration: 64, Gesamtspermienzahl = 192, Motilität: WHO A 18, WHO B: 51, ANzahl prog. motile: 132,48, Gesamtmotilität (A+ B + C)= 72. Prog A+ B = 69, aber hier Normalformen nur noch 2 %! Einen Monat später anch diesem Spermiogramm wurde ich dann mit über 4 Tagen Karenz schwanger was in dem Abort endete (wir hatten bewusst Karenz geplant, weil wir dachten, es sei gut mehr an Menge anzusammeln...)  Bei unserer jetzigen IVF hatten wir ungefähr vier Tage Karenz. Laut Labor waren die Werte am Tag der Punktion gut bis sehr gut, insbesondere Beweglichkeit, Konzentration und Menge bzw. Gesamtzahl. Deshalb wurde auch eine klassische IVF durchgeführt und keine ICSI. Allerdings beschäftigt mich inzwischen die Frage, ob vier Tage Karenz zwar für ein gutes konventionelles Spermiogramm günstig gewesen sein können, aber möglicherweise nicht unbedingt optimal hinsichtlich der DNA-Fragmentation waren. Im August hatten wir also unsere erste klassische IVF. Bei eher niedriger Stimulation wurden 7 reife Eizellen gewonnen und 4 davon regulär durch IVF befruchtet. An Tag 3 hatten wir einen 8-Zeller, der transferiert wurde, außerdem noch einen weiteren 8-Zeller, einen 7-Zeller und einen 6-Zeller. Der Transfer war leider negativ. Auch keiner der anderen drei Embryonen entwickelte sich zur Blastozyste. Soweit wir es mitgeteilt bekommen haben, arretierten die Embryonen nach Tag 4. Genau dieser Verlauf macht mich nachdenklich. Die Befruchtung hat bei 4 von 7 Eizellen funktioniert und zunächst haben sich mehrere Embryonen weitergeteilt, dann kam es aber bei allen zu einem Entwicklungsstopp. Mir ist bewusst, dass man daraus nicht einfach auf die Ursache schließen kann und dass natürlich auch die Eizelle einen wesentlichen Einfluss auf die weitere Entwicklung hat. Trotzdem frage ich mich, ob bei unserem Verlauf ein männlicher Faktor bzw. eine erhöhte Spermien-DNA-Fragmentation mitbedacht werden sollte. Mein Mann ist inzwischen 42 und Ich frage mich, ob bei ihm eventuell eine erhöhte DNA-Fragmentation vorliegen könnte, die man im normalen Spermiogramm gar nicht erkennt. Ich habe dazu auch einige Studien und Reviews gelesen, nach denen eine kürzere Abstinenz bzw. teilweise ein zweites Ejakulat nach sehr kurzer Karenz mit einer niedrigeren DNA-Fragmentation verbunden sein kann. Deshalb überlegen wir, ob wir vor einem weiteren Versuch einen DFI-Test machen lassen und bei einem auffälligen Ergebnis beim nächsten Versuch bewusst eine deutlich kürzere Karenz wählen sollten. Dabei stellt sich für mich aber ein ganz praktisches Problem: Angenommen, mein Mann hält vor der nächsten IVF nur ungefähr einen Tag Karenz ein und dadurch brechen Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration oder vor allem die Gesamtzahl deutlich ein. Was passiert dann am Tag der Punktion? Kann das Labor in so einer Situation noch kurzfristig entscheiden, statt der geplanten klassischen IVF eine ICSI durchzuführen, wenn die Probe für IVF nicht ausreichend erscheint? Oder muss eine ICSI in Deutschland bereits vorher beantragt und von der Krankenkasse genehmigt worden sein, sodass man im schlimmsten Fall tatsächlich mit einer für IVF nicht ausreichenden Probe dasteht? Bei uns wurde von der gesetzlichen Krankenkasse bisher nämlich nur IVF bewilligt. Was müsste Ihrer Erfahrung nach vorliegen, damit man beim zweiten Versuch auf ICSI wechseln kann? Soweit ich weiß, reicht ein erhöhter DFI alleine dafür nicht unbedingt aus, wenn die klassischen Spermiogrammparameter noch ausreichend sind. Wären die nur noch 2 % Normalformen zusammen mit unserem bisherigen IVF-Verlauf für Sie ein Grund, beim nächsten Versuch eher eine ICSI zu erwägen? Und was macht man, wenn tatsächlich ein deutlich erhöhter DFI festgestellt wird, die normalen Spermiogrammparameter für eine ICSI über die Krankenkasse aber weiterhin „zu gut“ sind? Und noch eine Frage zur Karenz: Wenn bei vier Tagen Karenz sehr gute konventionelle Spermiogrammwerte vorhanden sind, bei kürzerer Karenz aber möglicherweise ein niedrigerer DFI zu erwarten wäre, wie würden Sie diesen Zielkonflikt bei einer klassischen IVF praktisch lösen? Würden Sie bei einem Mann mit unserem Verlauf überhaupt zu nur einem Tag Karenz raten oder wäre Ihnen für eine klassische IVF eine ausreichende Gesamtzahl an Spermien wichtiger? Wie würden Sie unseren Fall insgesamt einschätzen? Finden Sie unseren bisherigen Verlauf schon auffällig bzw. sehen Sie Hinweise darauf, dass der männliche Faktor bei uns stärker berücksichtigt werden sollte? Oder kann eine erste IVF mit 4 von 7 befruchteten Eizellen und anschließendem Arrest der Embryonen auch einfach einmal Pech gewesen sein? Würden Sie bei unserer Vorgeschichte einen DNA-Fragmentationstest (DFI) empfehlen? Und vor allem würde mich interessieren, wie Sie unsere Chancen auf ein weiteres gemeinsames Kind insgesamt einschätzen und was Sie uns für das weitere Vorgehen empfehlen würden. Besteht für uns noch ein Funken Hoffnung? Denn aktuell fühlt es sich extrem hoffnungslos an, auch weil wir so gandenlos gescheitert sind mit der IVF. Ich bedanke mich herzlich vorab für Ihre Mühe, sich den Text durchzulesen.