Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Christoph Grewe:

Mit 41 nach zwei Fehlgeburten – weiter natürlich versuchen oder Kinderwunschzentrum?

Frage: Mit 41 nach zwei Fehlgeburten – weiter natürlich versuchen oder Kinderwunschzentrum?

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Sehr geehrter Herr Dr. Grewe, ich würde gerne Ihre möglichst ehrliche Einschätzung zu meiner Situation bekommen. Ich bin 41 Jahre alt und werde im Oktober 42. Ich habe zwei gesunde Kinder. Meine erste Schwangerschaft war mit 35 Jahren und verlief problemlos. Nach der Schwangerschaft entwickelte ich vermutlich eine Gelbkörperschwäche mit regelmäßigen Schmierblutungen in der zweiten Zyklushälfte. Als ich mit 38 Jahren erneut einen Kinderwunsch hatte, war ich zunächst in einem Kinderwunschzentrum. Dort wurde mir aufgrund meines Alters direkt zu einer IVF geraten und gesagt, dass ich auf natürlichem Weg kein Kind mehr bekommen würde. Diese Aussage hat mich damals sehr verunsichert. Nach Rücksprache mit meiner Frauenärztin wechselte ich in ein zweites Kinderwunschzentrum. Dort wurde zunächst mit Clomifen und anschließend mit Letrozol stimuliert. Einen Eisprung hatte ich immer, unter der Stimulation entwickelten sich teilweise sogar zu viele Follikel. Im ersten Letrozol-Zyklus wurde ich direkt schwanger und bekam ebenfalls ein gesundes Kind. Blutwerte und Eizellreserve waren damals unauffällig, das Spermiogramm meines Mannes sehr gut. Seit Februar verhüten wir nicht mehr. Ich wurde bereits im ersten Zyklus schwanger, hatte aber leider eine verhaltene Fehlgeburt, die in der 7. SSW entstand und erst Ende der 9. SSW festgestellt wurde. Nach dem medikamentösen Abgang war noch etwa drei Monate hCG nachweisbar. Ende Juli wurde ich im ersten Zyklus nach vollständigem hCG-Abfall erneut schwanger – wiederum direkt. Diese Schwangerschaft endete nun leider bereits in der 5. SSW in einem frühen Abort. Damit hatte ich erstmals überhaupt zwei Fehlgeburten und diese direkt hintereinander. Meine Frage ist nun: Das Schwangerwerden scheint bei mir weiterhin gut zu funktionieren. Ist es angesichts meines Alters und der beiden Fehlgeburten wahrscheinlich, dass die Ursache in der altersbedingt zunehmenden Zahl chromosomal auffälliger Eizellen liegt? Oder würden Sie mir noch einige Monate zum natürlichen Weiterprobieren raten? Und würden Sie einer Patientin in meiner Situation bereits jetzt zu einer Vorstellung im Kinderwunschzentrum bzw. einer reproduktionsmedizinischen Abklärung raten, um keine weitere Zeit zu verlieren? Der Schritt ins Kinderwunschzentrum ist für mich auch persönlich nicht ganz leicht: Mein Mann ist mit unseren zwei Kindern eigentlich glücklich und würde ein drittes Kind vor allem mir zuliebe mittragen. Die Untersuchungen waren für ihn schon damals, insbesondere die Spermaprobe, sehr unangenehm, und ich würde ihm das gerne ersparen, solange es medizinisch nicht wirklich notwendig ist. Hinzu kommt, dass wir aufgrund meines Alters eine Behandlung selbst finanzieren müssten, was für uns derzeit finanziell keine Kleinigkeit wäre. Meine Frauenärztin ist sehr engagiert und unterstützt mich auch bei Überweisungen etc., fühlt sich beim Thema Hormone und Kinderwunsch aber selbst nicht besonders sicher. Bei Fragen wie dieser würde sie mir daher vermutlich eher zur Vorstellung im Kinderwunschzentrum raten, als mir eine eigene reproduktionsmedizinische Einschätzung geben zu können. Genau deshalb würde ich gerne Ihre Einschätzung hören. Deshalb meine ganz konkrete Frage: Würden Sie in meiner Situation sagen: Weiter versuchen und noch etwas Geduld haben – oder jetzt keine Zeit mehr verlieren und ins Kinderwunschzentrum? Vielen Dank für Ihre Einschätzung!


Dr. Christoph Grewe

Dr. Christoph Grewe

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Hallo, sehr positiv ist, dass Sie scheinbar sehr gut (überdurchschnittlich) schwanger werden. Leider muss man wissen, dass das Risiko für eine Fehlgeburt mit 41 bei sicherlich 40+% bis zur 12. SSW liegt.  Insofern ist die wahrscheinlichste Ursache für die beiden FG ein Teilungsfehler des Embryos, auf den man keinen großen Einfluss hat. Sinnvoll wäre nach 2 FG sicherlich eine weitergehende Diagnostik im Sinne einer Zyklusüberwachung. Ob auch eine assistierte Reproduktion ggf. mit Polkörperdiagnostik in Frage kommt, müsste man im Verlauf individuell entscheiden.  Viele Grüße Christoph Grewe


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