m-oni132
Guten Tag, ich habe diesen Zyklus mit 50mg Clomifen (5-9) stimuliert und hatte an ZT12 im Ultraschall links einen Follikel von 20mm und rechts zwei kleine von 15mm. Ich habe mit Ovitrelle ausgelöst. Seit ES+2 nehme ich 2x200mg Utrogest. Meine HCG Tests waren bei ES+9 wieder negativ und wurden bis ES+12 eindeutig wieder stärker. Heute (ES+14) keine Steigerung mehr zu sehen. Ultraschallbefund heute: Schleimhaut hoch aufgebaut, große Zyste rechts (!) (6x7cm), ich soll Utrogest absetzen, dass sie mit der Periode abbluten kann. 1. Warum die Zysten trotz auslösen?:( 2. Die Möglichkeit einer Schwangerschaft besteht doch trotzdem noch? Die ich gefährde, wenn ich Utrogest absetze...? Kann sich die Zyste nicht von selbst zurückbilden? 3. Oder kann das HCG von der Zyste kommen? Die 25miu sind positiv, die 50er(?) beim Gyn negativ. Vielen herzlichen Dank für eine Antwort!
Guten Abend, Ich gehe Ihre 3 Fragen nacheinander durch und versuche, sowohl die medizinische Logik als auch die Graubereiche klar zu benennen. 1. Warum Zysten, obwohl mit Ovitrelle ausgelöst wurde? Ovitrelle imitiert den natürlichen LH-Anstieg und erhöht die Wahrscheinlichkeit des Eisprungs deutlich – aber: Nicht jeder Follikel springt zuverlässig, auch nicht unter Ovitrelle. Unter Clomifen kommt es häufiger zu funktionellen Zysten (also hormonaktiven, gutartigen Zysten), vor allem, wenn mehrere Follikel gewachsen sind. Mögliche Erklärungen für Ihre Zyste: Luteinisierter, unrupturierter Follikel (LUF) – Der Follikel „reift“ weiter, bildet Gelbkörpergewebe, platzt aber nicht. – Er verhält sich wie ein Corpus luteum, wird aber größer → Zyste. Gelbkörperzyste nach stattgefundenem Eisprung – Der Follikel ist gesprungen, es bildet sich ein Gelbkörper. – Dieser kann sich vergrößern, einbluten, Flüssigkeit enthalten → typischerweise 3–8 cm groß. Ein kleinerer Follikel (z.B. die 15 mm rechts) hat „nachgezogen“ – Gerade unter Clomifen können mehrere Follikel asynchron wachsen. – Einer der kleineren Follikel kann nach der Auslösung noch wachsen und luteinisieren und dann als Zyste erscheinen. Dass die Zyste rechts ist (obwohl der große Follikel links war), passt also durchaus in das Bild – einer der kleineren rechts kann sich zur funktionellen Zyste entwickelt haben. Kurz: Die Kombination aus Clomifen + Auslösung + mehreren Follikeln ist ein Klassiker für funktionelle Zysten. Das ist ärgerlich, aber nicht ungewöhnlich und in der Regel nicht gefährlich, sondern vorübergehend. 2. Besteht die Möglichkeit einer Schwangerschaft noch? Gefährde ich sie, wenn ich Utrogest absetze? Hier muss man sauber trennen zwischen: Was wir aus der Ferne sicher sagen können. Was man nur mit Blutwerten und Verlauf sicher klären kann. Ihre Angaben: Ovitrelle-Auslösung HCG-Tests bei ES+9 wieder negativ ab ES+10/11 deutlicher positiv, bis ES+12 stärker an ES+14 keine sichtbare Steigerung mehr 25er-Test positiv, 50er-Test beim Gyn negativ Endometrium hoch aufgebaut Zyste 6×7 cm rechts Utrogest 2×200 mg ab ES+2, jetzt Absetzen empfohlen A) Ist eine intakte Schwangerschaft noch möglich? Ja, theoretisch schon. Mit Urintests (Linienstärke) kann man eben keine exakte Dynamik beurteilen, weil: Urin-Konzentration schwankt (Trinkmenge, Tageszeit). Tests haben Toleranzen und Chargenunterschiede. Die Einschätzung „gleich stark / nicht stärker“ ist subjektiv. In vielen Lehrbüchern liest man zwar: Bei einer intakten Schwangerschaft sollte sich das HCG etwa alle 48 bis 72 Stunden verdoppeln. Das gilt aber für Serumwerte, nicht für „Blick auf die Testlinie“. → Ohne quantitativen Blut-HCG-Verlauf (heute und +48 h) kann man weder sicher sagen „alles vorbei“, noch sicher sagen „es ist alles bestens“. B) Gefährdet das Absetzen von Utrogest eine evtl. Schwangerschaft? Das ist die zentrale Sorge – verständlich. Wichtig: In einer natürlich entstandenen Schwangerschaft sorgt überwiegend der eigene Gelbkörper für Progesteron. Wenn der Embryo gesund ist und HCG gut steigt, wird der Gelbkörper so stimuliert, dass ** ausreichend Progesteron** gebildet wird. Externes Progesteron (wie Utrogest) ist Zusatz, aber nicht die Basis der Versorgung. Daraus leiten viele Fachgesellschaften ab: Wenn eine Schwangerschaft nicht intakt ist / HCG nicht ansteigt, kann Progesteron sie nicht „retten“, sondern verschiebt nur etwas den Zeitpunkt der Blutung. Wenn eine Schwangerschaft intakt ist, reicht in aller Regel das körpereigene Progesteron – auch wenn man ein Präparat absetzt. Viele Kinderwunschzentren handhaben es so: Bei unklarem HCG-Verlauf: → Progesteron bis zur Klärung weitergeben (aus psychologischen Gründen, „nichts falsch machen“) → nach 2–3 Blutabnahmen Entscheidung treffen. Ihre Frauenärztin / Ihr Frauenarzt hat jetzt vorgeschlagen, das Utrogest abzusetzen, damit die Schleimhaut abbluten kann und sich die Zyste zurückbildet. Psychologisch ist es völlig legitim, wenn Sie sagen: „Ich fühle mich unwohl dabei, Utrogest abzusetzen, ohne einmal den HCG-Verlauf im Blut zu sehen.“ Konkreter Vorschlag für das Gespräch mit Ihrer Ärztin / Ihrem Arzt: „Mir ist bewusst, dass es wahrscheinlich nicht gut aussieht, aber könnten wir bitte einmal den HCG-Wert im Blut bestimmen und in 48 Stunden wiederholen? Bis dahin würde ich Utrogest gerne weiternehmen, wenn es aus Ihrer Sicht nicht schadet – einfach, damit ich innerlich das Gefühl habe, nichts aktiv ‚abgebrochen‘ zu haben.“ Damit bleiben Sie medizinisch auf der sicheren Seite und nehmen gleichzeitig Ihre eigenen Gefühle ernst. 3. Kann das HCG von der Zyste kommen? In Ihrer Situation praktisch: nein. Funktionelle Follikel- oder Gelbkörperzysten (wie sie unter Clomifen oft entstehen) produzieren: Östrogen Progesteron → aber kein HCG. HCG wird nahezu ausschließlich vom Trophoblasten eines frühen Embryos gebildet. Es gibt extrem seltene HCG-produzierende Tumoren aber: Das wären andere Konstellationen (stark ansteigende, hohe HCG-Werte, andere Bildgebung, andere Klinik). Das ist extrem selten und passt nicht zu Ihrem geschilderten Verlauf mit quasi „Schwangerschaftstest-Hopping“ um den Nachweisbereich herum. Ihre positiven Tests (25 mIU) sprechen daher für eine frühe, aber sehr niedrige HCG-Produktion aus Schwangerschaftsgewebe – wahrscheinlich Frühschwangerschaft, deren weiterer Verlauf unklar ist und sich erst zeigen wird. 4. Rückbildung der Zyste – muss sie „abbluten“ oder geht das auch so? Eine Zyste von 6×7 cm ist groß, aber bei funktionellen Zysten nicht ungewöhnlich. Typischer Verlauf: Sie kann mit oder ohne Blutung spontan kleiner werden. Viele gehen innerhalb von 1–3 Zyklen vollständig zurück. Manchmal verschreibt man zusätzlich die Pille oder beobachtet einfach weiter. Warum Ihre Ärztin / Ihr Arzt das Absetzen von Utrogest vorschlägt: Durch das Absetzen fällt der Progesteronspiegel ab → ➜ die Periode setzt ein → ➜ die Schleimhaut wird abgestoßen → ➜ das gesamte „hormonelle Setting“ normalisiert sich → ➜ Zysten ziehen sich unter diesen Bedingungen oft schneller zurück. Eine große Zyste birgt ein gewisses Risiko für Verdrehung (Torsion) Schmerzen Wichtig für Sie zu wissen: Warnzeichen, bei denen Sie sofort in die Notaufnahme sollten: plötzlich einsetzende, starke einseitige Unterbauchschmerzen Übelkeit, Erbrechen Kreislaufsymptome Was Sie jetzt konkret tun können Mit der Ärztin / dem Arzt über den HCG-Verlauf sprechen „Können wir bitte einen quantitativen Blut-HCG-Wert bestimmen?“ „Können wir in 48 Stunden kontrollieren, ob er sich verdoppelt oder fällt?“ Fragen, ob Sie Utrogest bis dahin noch weiternehmen dürfen, wenn es Sie emotional sehr belastet, es sofort zu stoppen. Medizinisch wird es die Situation nicht dramatisch verändern, aber Ihr Gefühl, „nichts falsch gemacht zu haben“, ist wichtig. Kontrolle der Zyste Ultraschall in einigen Wochen, um zu sehen, ob sie kleiner wird. Bei plötzlich starken Schmerzen: sofortige Vorstellung. Sie machen gerade eine emotional sehr belastende Situation durch. Dass Sie sich Sorgen machen um „Schwangerschaft gefährden“ und gleichzeitig eine riesige Zyste präsentiert bekommen, ist verständlich. Medizinisch sieht vieles nach einer sehr frühen Schwangerschaft plus funktioneller Zyste aus – aber ein klarer HCG-Verlauf im Blut würde Ihnen hier die meiste Sicherheit geben. Alles Gute wünscht Ihnen Dr. Friedrich Gagsteiger
m-oni132
WOW! Vielen herzlichen Dank für diese ausführliche, verständliche und sehr hilfreiche Antwort! Ich werde genau so verfahren. Ich wünsche allen Frauen mit Kinderwunsch einen Arzt wie Sie :-) Alles Liebe!
Gerne geschehen.
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