Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Schilddrüse

Frage: Schilddrüse

Valvopi

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich hatte Ihnen Anfang Februar ("Mönchspfeffer oder Progesteron") geschrieben inkl. meinem Blutbefund.  Das Progesteron scheint bei mir Wunder zu bewirken, denn ich habe heute am 25. Zyklustag einen zwar schwachen, aber positiven Schwangerschaftstest in den Händen halten dürfen. Ehrlicherweise sogar zwei.  Gestern war ich, wie von Ihnen empfohlen, bei der Hausärztin wegen der Schilddrüse (TSH 4,04) und sie hat mir Euthyrox 25 verordnet, damit habe ich heute in der Früh begonnen.  Mir geistert nun im Kopf herum, dass Sie von einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko schrieben. Ich weiß nun nicht, ob mein Utrogestan100 2x tgl sowie das Euthyrox25 ausreichend ist? Reicht die Laborkontrolle des Werts in 6 Wochen? Wie schnell ist denn das Medikament in der Senkung des TSH? Vielen Dank für Ihre tolle Unterstützung! Ohne Sie hätte ich die Medikation weder richtig noch so zeitnah genommen. Herzliche Grüße  Valvopi


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, erst einmal: Herzlichen Glückwunsch. 🌷 Zwei positive Tests an Zyklustag 25 – das ist kein Zufall. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Sie haben genau richtig gehandelt: Progesteron unterstützt, Schilddrüse abgeklärt, sofort mit L-Thyroxin begonnen. Das ist strukturiert und klug.         🔬 Schilddrüse in der Frühschwangerschaft   Ein TSH von 4,04 ist leicht erhöht, besonders für eine Frühschwangerschaft. In dieser Phase streben wir einen TSH von:   0,5 – 2,5 mIU/l im 1. Trimester an.   Warum? Weil das frühe Embryo-Wachstum komplett von Ihrer Schilddrüsenversorgung abhängt. Ein unbehandelter höherer TSH kann – wenn er bestehen bleibt – das Fehlgeburtsrisiko leicht erhöhen. Aber: Sie haben jetzt sofort reagiert. Das ist entscheidend.         💊 Wie schnell wirkt Euthyrox?   Euthyrox enthält Levothyroxin (T4).   Erste hormonelle Veränderungen beginnen nach wenigen Tagen. Der TSH reagiert messbar nach ca. 10–14 Tagen. Ein stabiles neues Gleichgewicht sehen wir nach 4–6 Wochen.   Das bedeutet: Sie sind jetzt in Behandlung. Der TSH wird sich schrittweise senken.         📈 Reicht Euthyrox 25 µg?   25 µg ist eine typische Startdosis bei mild erhöhtem TSH. Ob das ausreicht, hängt von:   Ihrem Körpergewicht Ihrem Ausgangs-fT4 eventuellen Schilddrüsenantikörpern   Bei Kinderwunsch/Frühschwangerschaft brauchen viele Frauen am Ende eher 50 µg oder mehr – aber man beginnt bewusst vorsichtig. Wichtig: Nicht in Panik die Dosis selbst erhöhen. Kontrolle entscheidet.         ⏱ Kontrolle erst in 6 Wochen?   Hier bin ich klar: 6 Wochen sind mir in dieser Situation etwas lang. Ich würde empfehlen: ➡️ Kontrolle nach 2–3 Wochen ➡️ Ziel-TSH < 2,5 und lassen Sie auch Estradiol und Progesteron mit bestimmen. Gerade weil Sie so früh positiv getestet haben, ist jetzt die sensible Phase. Sie dürfen Ihre Hausärztin ruhig freundlich bitten, früher zu kontrollieren. Das ist medizinisch absolut vertretbar.         🌼 Progesteron – machen Sie alles richtig?   Utrogestan 100 mg 2x täglich ist eine solide Lutealphasenunterstützung. Gerade wenn Progesteron bei Ihnen „Wunder“ bewirkt hat, würde ich es:   mindestens bis SSW 10–12 fortführen nicht vorschnell reduzierenaußer die Progesteronwerte sind sehr gut.   Das schützt die frühe Schwangerschaft zusätzlich.         💛 Zum Thema Fehlgeburtsrisiko   Ich habe das Risiko erwähnt, wenn ein erhöhter TSH unbehandelt bleibt. Das ist bei Ihnen nicht der Fall. Sie haben:   früh getestet früh reagiert sofort substituiert   Das ist prognostisch sehr gut.         📌 Mein klarer Fahrplan für Sie     Utrogestan unverändert weiternehmen Euthyrox täglich nüchtern morgens (30 Min Abstand zu Essen/Kaffee) TSH + fT4 in 2–3 Wochen kontrollieren Ziel: TSH < 2,5   Und jetzt das Wichtigste: Sie sind schwanger. Nicht „vielleicht“, nicht „eventuell“. Sie haben positive Tests an ZT 25. Konzentrieren Sie sich jetzt auf Stabilität, Ruhe und Vertrauen. Der Körper hat gezeigt, dass er es kann. Jetzt unterstützen wir ihn einfach weiter – ruhig und kontrolliert. Herzliche Grüße Ihr Dr. Gagsteiger


Valvopi

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Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger, ich hoffe meine Nachricht erreicht Sie, wenn ich auf diesen Post nochmals antworte.  Ich war diese Woche zur Schwangerschaftsfeststellung bei meiner Gynäkologin. Im Ultraschall war alles zu sehen, was zu sehen sein soll. Insofern alles gut. Da sowieso eine Blutabnahme stattfand, habe ich sie ersucht, neben TSH und ft3 und ft4 auch Progesteron und Östradiol bestimmen zu lassen. Die letzten beiden Werte hat sie mir aber leider mit dem Argument, es sei "medizinischer Schwachsinn", verweigert. Bzgl Progesteron meinte sie, einfach weiternehmen, auch wenn medizinisch noch gar nicht klar sei, ob es bei Schwangerschaft wirklich erforderlich sei. Ich könnte die Werte vielleicht über meine Hausärztin, allenfalls privat erheben lassen. Wie denken Sie darüber? Meine Schilddrüsenwerte sind nun in der 7. ssw und nach fast 3 Wochen (2 Tage fehlen auf die vollen 3 Wochen) Euthyrox25 wie folgt: TSH 2.61     Freies T4 1.28     Freies T3 2.78 Was sagen Sie dazu?  Soll die Dosis gesteigert werden? Meine Gynäkologin meinte, 2,5 sei nur bei Kinderwunsch, nicht bei schon vorliegender Schwangerschaft wichtig. Ich bin nun hinsichtlich ihrer (nicht Ihrer) fachlichen Einschätzungen irritiert.  Und wie würden Sie bzgl Utrogestan100 2x tgl weiter vorgehen? Wann und wie absetzen? Herzlichen Dank! 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, zunächst einmal: es ist ein gutes Zeichen, dass im Ultraschall in der 7. Schwangerschaftswoche alles zeitgerecht darstellbar war. Das ist der wichtigste Parameter – deutlich wichtiger als einzelne Laborwerte. Trotzdem verstehe ich sehr gut, dass Sie die hormonellen Werte besser einordnen möchten. Ich gehe die Punkte Schritt für Schritt durch.         1. Schilddrüsenwerte in der Frühschwangerschaft   Ihre aktuellen Werte:   TSH: 2,61 fT4: 1,28 fT3: 2,78 Therapie: Euthyrox 25 µg seit knapp 3 Wochen     Einordnung   In der Frühschwangerschaft gelten üblicherweise folgende Zielbereiche:   TSH: etwa 0,5 – 2,5 mIU/l fT4: im oberen Normbereich   Der Grund ist physiologisch: Durch hCG wird die Schilddrüse stimuliert, gleichzeitig steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormon für die embryonale Entwicklung. 👉 Ihr TSH von 2,61 liegt knapp über dem Zielbereich. Das ist kein dramatischer Wert, aber viele Endokrinologen und Reproduktionsmediziner würden hier leicht nachsteuern, insbesondere wenn bereits eine Substitution begonnen wurde.   Typisches Vorgehen   Häufig würde man:   Euthyrox von 25 µg auf 37,5–50 µg erhöhen nach 2–3 Wochen erneut kontrollieren   Gerade in den ersten 12 Wochen steigt der Bedarf oft weiter. Ich persönlich würde bei einem TSH über 2,5 in der Frühschwangerschaft meist moderat steigern, sofern keine Kontraindikationen bestehen.         2. Progesteronbestimmung – sinnvoll oder nicht?   Hier muss man ehrlich sagen: Beide Positionen existieren. Ihre Ärztin liegt nicht völlig falsch – aber die Formulierung war unglücklich.   Warum manche Ärzte Progesteron nicht messen   Progesteron schwankt stark im Blut. Ein einzelner Wert sagt oft wenig aus. Deshalb orientieren sich viele Gynäkologen einfach an der klinischen Situation.   Warum viele Reproduktionsmediziner trotzdem messen   Gerade in der Frühschwangerschaft kann ein Wert hilfreich sein, wenn:   Unsicherheit besteht Blutungen auftreten eine Gelbkörperschwäche vermutet wird eine IVF / Kinderwunschgeschichte vorliegt   Dann hilft ein Wert manchmal bei der Entscheidung zur Dosierung der Unterstützung. 👉 Deshalb: “medizinischer Schwachsinn” ist definitiv zu hart formuliert. Es ist eher eine unterschiedliche medizinische Philosophie.         3. Utrogest (Progesteron)   Sie nehmen derzeit: Utrogestan 100 mg 2× täglich Das ist eine moderate Standarddosis.   Typisches Vorgehen   In spontanen Schwangerschaften wird Progesteron meist:   bis etwa 10.–12. Schwangerschaftswoche gegeben   Der Hintergrund: Bis etwa SSW 8–9 produziert das Corpus luteum Progesteron, danach übernimmt die Plazenta zunehmend die Produktion. Deshalb wird oft:   ab SSW 10 langsam reduziert bis SSW 12 abgesetzt   Beispiel:   SSW 10 → 100 mg täglich SSW 11 → jeden zweiten Tag SSW 12 → absetzen   Viele Kolleginnen lassen es auch einfach bis SSW 12 unverändert laufen und setzen dann ab.         4. Mein pragmatischer Vorschlag   Wenn ich Ihre Situation zusammenfasse, würde ich persönlich ungefähr so vorgehen: Schilddrüse   leichte Steigerung auf 37,5–50 µg Euthyrox Kontrolle in 2–3 Wochen   Progesteron   Utrogest unverändert weiternehmen ab SSW 10 langsam reduzieren spätestens SSW 12 beenden   Progesteronmessung   nicht zwingend erforderlich kann aber über Hausarzt oder privat erfolgen, wenn Sie mehr Sicherheit möchten           Ein letzter wichtiger Gedanke   In der 7. Woche mit zeitgerechtem Ultraschallbefund ist bereits ein großer Schritt geschafft. Die Dinge, die Sie jetzt kontrollieren (TSH, Progesteron), sind Feinsteuerung – wichtig, aber nicht entscheidend für den weiteren Verlauf, wenn das Ultraschallbild gut ist. Und genau das ist bei Ihnen der Fall.    Ich wünsche Ihnen alles, alles Gute! Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


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