Frage im Expertenforum Geburt an Lisa Westermann:

Harnverhalt

Frage: Harnverhalt

Anniklaran

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Guten Tag, Vor 11 Tagen habe ich meine Tochter spontan geboren. Es war eine lange Geburt und ich hatte eine pda. Erst am nächsten Tag bemerkte ich dass ich seit einsetzen der wehen nicht mehr uriniert habe. Es kamen über 1L Urin durch den Katheter aus meiner Blase. Am nächsten Tag musste nochmal ein einmal Katheter gesetzt werden. Ich wurde entlassen, war jedoch nur einen Tag Zuhause, konnte nur Tropfen urinieren und als ich wieder in die Klinik fuhr wurde mir ein Katheter für 48 h gesetzt. Nach dem ziehen konnte ich meine Blase am Abend zwei Mal fast komplett entleeren. Unter 50 l restharn. Auch am nächsten Tag war die Kontrolle okay. Auch 2 Tage später wurde nochmal kontrolliert und der restharn war 40 ml. Trotzdem spüre ich die Blase nicht und es kommen oft geringe Mengen obwohl ich viel trinke und auf dem Klo brauche ich ewig bis etwas kommt und habe kein Gefühl für den Strahl der oft tröpfelt oder unterbrochen ist. Ich habe einen diffusen Druck auf dem Unterleib und bin stark verunsichert. Habe extrem Angst nicht zu merken, dass ich wieder eine über volle Blase habe und vllt für immer auf einen Katheter angewiesen bin wenn es nicht besser wird. Wurde meine Blase nun lebenslänglich geschädigt? Ich bin verzweifelt. Danke und freundliche Grüße  Anna Winter


Lisa Westermann

Lisa Westermann

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Liebe Anna, das klingt nach einer sehr belastenden Erfahrung, und ich kann gut verstehen, dass dir das Angst macht. Gerade im Wochenbett ist man ohnehin erschöpft und sensibel, und wenn dann die Blase plötzlich nicht mehr normal funktioniert, fühlt sich das schnell bedrohlich an. Nach einer langen Geburt mit PDA kommt es tatsächlich gar nicht so selten vor, dass die Blase vorübergehend „träge“ wird oder das Gefühl für Harndrang verloren geht. Die Blase wurde bei dir vermutlich stark überdehnt, und dadurch reagieren die Nerven und die Muskulatur oft erst einmal verzögert. Dass beim ersten Katheter über ein Liter Urin abgelassen wurde, zeigt zwar, dass die Blase sehr voll war, bedeutet aber nicht automatisch, dass ein dauerhafter Schaden entstanden ist. Das eigentlich Beruhigende in deinem Verlauf ist, dass die Restharnkontrollen zuletzt mehrfach unauffällig waren. Deine Blase entleert sich also grundsätzlich wieder. Wäre sie schwer oder dauerhaft geschädigt, würden meist weiterhin hohe Restharnmengen bleiben. Dass du aktuell kaum Harndrang spürst, lange brauchst, bis Urin kommt, und der Strahl sich schwach oder unterbrochen anfühlt, passt leider noch zu einer Erholungsphase nach der Geburt und der Überdehnung. Auch Schwellungen, ein verspannter Beckenboden und die verständliche Angst können das Wasserlassen zusätzlich erschweren. Viele Frauen kontrollieren in dieser Situation ständig ihren Unterbauch und geraten bei jedem ungewohnten Gefühl in Sorge, die Blase könnte wieder übervoll sein. Diese Angst kann den Körper leider noch mehr anspannen. Versuche deshalb, regelmäßig zur Toilette zu gehen, auch ohne Harndrang, dir dort Zeit zu lassen und möglichst nicht zu pressen. Wärme oder das Geräusch von laufendem Wasser helfen manchmal zusätzlich. Elf Tage nach der Geburt sind für die Beurteilung noch eine sehr kurze Zeit. Nerven brauchen oft Wochen, manchmal sogar einige Monate, bis sich das normale Gefühl wieder vollständig einpendelt. Nach allem, was du beschreibst, klingt es im Moment eher nach einer langsamen Erholung als nach einer lebenslangen Schädigung. Trotzdem solltest du natürlich weiter begleitet werden, besonders wenn der Druck im Unterbauch stärker wird, du plötzlich gar nicht mehr urinieren kannst oder das Gefühl hast, die Blase wird wieder sehr voll. Dann sollte lieber einmal mehr kontrolliert werden. Ich wünsche dir von Herzen, dass du bald wieder mehr Vertrauen in deinen Körper bekommst und dich neben all der Sorge auch etwas auf die erste Zeit mit deiner kleinen Tochter einlassen kannst. 


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