Frage im Expertenforum Geburt an Lisa Westermann:

Wochenbett Betreuung

Frage: Wochenbett Betreuung

decembermom

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Liebe Frau Westermann,  auf Grund einer IUGR Diagnose mit intermittierenden Nullfluss wurde in der 35+0 SSW versucht, die Geburt unseres 6. Kindes mechanisch  einzuleiten mittels Ballon Katheter (z.n. Sectio vor 14 Jahren beim ersten Kind).  Ich entwickelte erste Wehen. Jedoch fühlten sich diese sehr schmerzhaft an und anders als bei den vier unkomplizierten spontan Geburten ohne Einleitung, die ich zuvor hatte. Der Ballon wurde daraufhin abends wieder gezogen, er lag ca. 12 Std. Am nächsten Morgen spürte ich kaum Kindsbewegungen und hatte wieder diese starken Wehen.  Wir fuhren direkt in die Klinik. Das Kind lag quer und die Nabelschnur lag im Zervixkanal. Es erfolgte sofort ein Not Kaiserschnitt in Vollnarkose. Ich konnte unser Kind erst nach 5 Stunden sehen. Es geht ihr soweit gut. Ich stille und pumpe nebenbei ab. Da das Kind sehr zart war auf Grund der IUGR Diagnose,  muss sie noch zunehmen. Temperatur halten und stillen bzw. Trinken von der Flasche Klappen gut.  Jedoch merke ich, dass es mir von Tag zu Tag schlechter geht. Körperlich bin ich wieder fit, jedoch plagen mich Schuldgefühle, wie es zu dem Wachstumsstillstand kommen konnte. Ich rauche nicht und es gibt keine Vorerkrankungen. Die Ärzte können es auch nicht erklären. Eine praeklampsie lag auch nicht vor. Ich leide sehr darunter, dass die Geburt nicht natürlich verlief, ich unser Kind nicht sehen oder spüren konnte. Mir kommt es vor, als sei die Schwangerschaft noch nicht abgeschlossen. Sehe ich in der Klinik andere Schwangere oder Paare, die die Klinik mit Baby verlassen, werde ich sehr traurig und bin zutiefst enttäuscht. Unsere größeren Kinder durften bisher die kleine Schwester auch nicht kennenlernen, weil Kinder nicht auf die intensiv dürfen. Das macht es für alle in der Familie noch schwieriger. Ich bin jeden Tag 6-7 std auf der intensiv zum stillen und kümmern. Mache alles autonom ohne Hilfe des Personals. Dennoch wollen sie die kleine noch dort behalten. Ich verstehe das nicht, sie ist komplett stabil und trinkt selbst von der Brust. Sie nimmt auch gut Gewicht zu.  Aber obwohl ich jeden Tag soviel Zeit mit ihr verbringe, ist mir unser Kind fremd. Ich traue mich nicht, das in meinem Umfeld zu erwähnen, aber ich empfinde keine Zuneigung, nicht in dem Maß wie bei meinen spontan und reif geborenen Kindern. Das Kind ist mir fremd und mir fehlt ein Abschluss der Schwangerschaft.  Ich kümmere mich, weil ich es für meine Pflicht halte nicht aus Liebe. Ich empfinde auch keinen Stolz im Gegenteil eher scham dafür, dass alles schief gegangen ist.  Ich hätte auch eingentlich Hilfe durch eine Beleghebamme. Sie kümmert sich aber erst wieder, wenn unser Kind aus der kinderintensiv entlassen wird. Ist das so üblich? Ich finde das etwas befremdlich, weil ich als Mutter ja auch im Wochenbett bin. Aber da kommt nichts. Einmal wurde auf intensiv auf die Narbe geschaut  und das war es.  Der Kaiserschnitt erfolgte bei 35+2 SSW vor zwei Wochen.  Wo könnte man Hilfe bekommen? Ich fühle mich allein. Weder die Schwangerschaft noch die Geburt oder das Wochenbett sind so verlaufen wie erhofft. Ich bin leider auch schon Anfang 40, daher ist dieses Kind definitiv unser letztes. Eine Chance, nochmal eine glückliche Schwangerschaft zu erheben, habe ich daher nicht mehr. Mein Mann wollte im Grunde auch kein weiteres Kind. Er war dann offen nachdem wir eine Fehlgeburt erlitten hatten vor dieser letzten Schwangerschaft.  Zudem lehnt unser Krankenhaus spontangeburten nach 2x Sectio ab (Ich bin Mutter von 6 Kindern, das erste wurde leider per sek. Sectio geboren vor 14 Jahren, darauf folgten 4 schöne unkomplizierte spontan Geburten und nun diese völlig misslungene Schwangerschaft mit notsectio.). Wie kann man das Geschehene für sich besser verarbeiten?  Vielleicht haben Sie einen Rat für mich. Herzlichen Dank für Ihre Mühe 


Lisa Westermann

Lisa Westermann

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Liebe Mama, zunächst möchte ich Ihnen sagen, dass mich Ihre Schilderung sehr berührt. Sie haben in den vergangenen Wochen nicht nur eine Frühgeburt und einen Notkaiserschnitt erlebt, sondern auch den Verlust vieler Vorstellungen und Wünsche, die Sie mit dieser letzten Schwangerschaft und Geburt verbunden hatten. Das ist eine enorme seelische Belastung. Was Sie beschreiben, klingt für mich nicht nach Versagen oder mangelnder Liebe zu Ihrem Kind, sondern nach einer verständlichen Reaktion auf ein traumatisches Geburtserlebnis. Viele Frauen berichten nach solchen Erfahrungen von dem Gefühl, als sei die Schwangerschaft nicht richtig abgeschlossen worden oder als hätte ihnen ein wichtiger Teil der Geburt gefehlt. Auch die Schuldgefühle wegen der IUGR kann ich gut nachvollziehen. Gleichzeitig möchte ich Ihnen als Hebamme sagen: Sie haben nichts falsch gemacht. In vielen Fällen lässt sich die Ursache einer Wachstumsrestriktion trotz ausführlicher Diagnostik nicht eindeutig klären. Dass Sie weder rauchen noch relevante Vorerkrankungen haben und keine Präeklampsie bestand, zeigt bereits, dass Sie nicht die Ursache dafür sind. Manchmal entwickelt sich die Plazenta nicht optimal, manchmal finden wir überhaupt keine Erklärung. Das bedeutet aber nicht, dass die Mutter etwas hätte verhindern können.Dass Ihr Kind Ihnen momentan fremd erscheint, erschreckt Sie verständlicherweise. Dennoch ist auch dieses Gefühl nach einer belastenden Geburt nicht ungewöhnlich. Sie verbringen täglich viele Stunden bei Ihrer Tochter, stillen sie, versorgen sie und kämpfen für sie. Das sind bereits Zeichen von Bindung, auch wenn die Gefühle, die Sie von Ihren anderen Kindern kennen, noch nicht da sind. Ich finde es außerdem nachvollziehbar, dass Sie traurig werden, wenn Sie andere Familien mit ihren Neugeborenen sehen. Sie betrauern nicht nur die Geburt, die Sie nicht erleben konnten, sondern auch den Abschied von Ihrer letzten Schwangerschaft. Da Sie wissen, dass dies Ihr letztes Kind sein wird, gibt es keinen Gedanken an ein mögliches nächstes Mal. Auch das ist ein Verlust, um den man trauern darf. Bezüglich der Hebammenbetreuung kann ich Ihre Verwunderung verstehen. Grundsätzlich endet das Wochenbett nicht dadurch, dass das Kind auf der Kinderintensivstation liegt. Viele Hebammen begleiten Mütter auch während dieser Zeit, zumindest mit Gesprächen, Kontrolle des Wochenbettverlaufs, Unterstützung beim Stillen und emotionaler Begleitung. Dass Ihre Hebamme erst nach der Entlassung des Kindes wieder aktiv wird, ist nicht die einzige mögliche Vorgehensweise. Vielleicht lohnt sich ein offenes Gespräch mit ihr über Ihre aktuelle Situation und Ihren Bedarf an Unterstützung. Ich würde Ihnen dringend empfehlen, sich zusätzliche Hilfe zu holen. Viele Kliniken mit Perinatalzentrum verfügen über psychosoziale Dienste. Sprechen Sie die Kinderärzte direkt darauf an. Aus Ihrer Schilderung entsteht für mich das Bild einer Mutter, die sich mit großer Hingabe um ihr Kind kümmert, obwohl sie selbst noch mitten in der Verarbeitung steckt. Das ist keine schlechte Mutter. Das ist eine Mutter, die gerade versucht, nach einer sehr schweren Erfahrung wieder festen Boden unter den Füßen zu finden. Geben Sie sich dafür Zeit. Zwei Wochen nach einer Notsectio und Frühgeburt ist seelisch noch ein sehr früher Zeitpunkt. Viele Gefühle werden sich erst in den kommenden Wochen und Monaten sortieren. Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute 


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