Guten Tag, ich bin aktuell in der 20. Schwangerschaftswoche und habe seit mehreren Wochen zunehmende Beschwerden im Unterbauch, Becken und unteren Rücken. Leider konnte bisher keine eindeutige Ursache gefunden werden. Ich hoffe deshalb auf eine fachliche Einschätzung und Hinweise, an welche Fachrichtung ich mich wenden könnte. Meine Beschwerden: • Sobald ich länger sitze, bekomme ich Schmerzen im unteren Rücken aber vor allem auch im gesamten Unterbauch. Dabei fühlt sich mein gesamter unterer Bauch teilweise richtig hart an und zieht nach unten • Auch wenn ich ein paar Minuten auf einer Stelle stehe, habe ich das Gefühl, nach unten gezogen zu werden, und muss mich abstützen oder in die Hocke gehen. Diese Beschwerden hatte ich bereits im ersten Trimester. • Beim Gehen und Liegen habe ich kaum Beschwerden. • Zusätzlich habe ich Schmerzen im unteren Rücken und im Bereich des Steißbeins. Vor der Schwangerschaft bin ich direkt auf das Steißbein gestürzt. • Bei einer vaginalen Untersuchung wurde mein Beckenboden abgetastet, was für mich schmerzhaft war. Generell habe ich seit der Schwangerschaft das unangenehme Gefühl, vaginal enger zu sein. • Beim Wasserlassen habe ich gelegentlich das Gefühl, meine Blase nicht vollständig entleeren zu können. Teilweise kann ich bereits zwei Minuten nach dem Toilettengang erneut Wasser lassen. Auch der Urinstrahl wirkt schwächer als früher. Bisherige Untersuchungen und meine Situation: Ich war aufgrund der Beschwerden bereits mehrfach bei meiner Frauenärztin. Die Gebärmutterhalslänge und der Muttermund wurden kontrolliert. Dabei ergaben sich keine Hinweise auf vorzeitige Wehen oder eine Verkürzung des Gebärmutterhalses. Orthopädische Ursachen wurden von meiner Frauenärztin ausgeschlossen. Meine Beschwerden wurden letztlich damit erklärt, dass ich möglicherweise besonders empfindlich sei. Mir wurden 800 mg Magnesium täglich empfohlen, was bei mir bisher allerdings lediglich Durchfall verursacht hat, ohne dass sich die Beschwerden gebessert haben. Da ich zunehmend verzweifelt war und nicht wusste, wie ich meinen Alltag und meine Arbeitsfähigkeit unter diesen Umständen aufrechterhalten soll, habe ich mich letzte Woche zusätzlich an eine Hausärztin gewandt. Diese stellte eine ISG-Blockade im Rücken fest und verordnete mir Physiotherapie, mit der ich nun beginnen werde. Ob die Blockade mit den Unterbauch- und Beckenbeschwerden zusammenhängt, ist bisher ungeklärt. Dies sollte ich laut meiner Hausärztin gynäkologisch abklären lassen. Da ich mich bei meiner bisherigen Frauenärztin mit meinen Beschwerden nicht ernst genommen fühle, habe ich heute versucht, dies bei einer anderen Frauenärztin abklären zu lassen. Dort wurde ich allerdings sowohl für eine Untersuchung als auch für die Übernahme meiner Schwangerschaftsbetreuung abgewiesen. Als Begründung wurde genannt, dass ich im laufenden Quartal bereits bei einer anderen Frauenärztin war und eine Übernahme in der 20. Schwangerschaftswoche für die Praxis zu riskant sei. Ich stehe daher aktuell vor dem Problem, dass ich weiterhin erhebliche Beschwerden habe und mich mit der Erklärung, ich sei lediglich empfindlich, nicht ausreichend untersucht und beraten fühle. Meine Fragen: • Können eine ISG-Blockade oder andere orthopädische bzw. muskuläre Probleme solche ausgeprägten Beschwerden beim Sitzen und Stehen im Bauch/ Unterleib mit einem starken Druck- und Zuggefühl nach unten verursachen? • Welche anderen Ursachen kämen bei dieser Symptomkombination infrage? Beispielsweise eine Beckenbodenproblematik? • Welcher Facharzt bzw. welche Fachrichtung kann eine solche Ursache zuverlässig diagnostizieren? Wäre hierfür eine orthopädische Untersuchung, eine spezialisierte Beckenbodendiagnostik oder eine andere Untersuchung sinnvoll? • Wo könnte ich mich in der Schwangerschaft noch einmal umfassend untersuchen lassen, wenn meine Beschwerden in der bisherigen Frauenarztpraxis als Empfindlichkeit abgetan werden? • Habe ich das Recht, Gespräche mit meiner Frauenärztin angekleidet und in einer normalen Gesprächssituation, beispielsweise am Schreibtisch, zu führen? Sämtliche Gespräche fanden bisher ausschließlich unbekleidet auf dem gynäkologischen Untersuchungsstuhl statt. Ich bin mittlerweile ziemlich ratlos, da die Beschwerden seit 2 Monaten bestehen und mich im Alltag erheblich einschränken. Ich möchte vor allem endlich verstehen, woher sie kommen und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Vielen Dank für jede fachliche Einschätzung und mögliche Empfehlungen.
Es gilt einiges zu klären: Unterbauchschmerzen bei längerem Sitzen spricht für eine erhöhte Beckenbodenspannung und Beschewerden durch den Beckenring. Harter Unterbauch mit Zug nach unten spricht für vorzeitige Wehen (sind ausgeschlossen worden) oder eine erhöhte Beckenbodenspannung. Druckgefühl beim Stehen, Besserung beim Liegen könnte für Gebärmutterhalsverkürzung sprechen (ist ausgeschlossen worden) und Beckenbodenprobleme Schmerzen im Steißbein spricht für Nachwirkung nach Steißbeinverletzung. Schmerzhafte vaginale Untersuchung spricht für erhöhte Beckenbodenspannung Gefühl vaginaler Enge spricht für erhöhte Beckenbodenspannung Schwacher Harnstrahl, Restharngefühl spricht für Infektion oder Beckenbodenprobleme. Also wenn man das so betrachtet, sollte ein Orthopäde eingeschaltet werden, um das Steißbein zu beurteilen und Rückenveränderungen als mögliche Ursache auszuschließen. Der Beckenboden scheint ja häufig betroffen. Da sollte eine Beckenboden Zentrum hinzugezogen werden. Wegen der Blasenbeschwerden würde ich eine Kontrolle auf Chlamydien und weitere Erreger durchführen. Ich würde auch eine Kontrolle in eine Klinik für Pränatalmedizin vorschlagen. Es braucht ja ein paar Ideen, um das Ganze zu klären. Wenn eine Arzt sich nicht die Zeit nimmt, dass sich sein gegenüber ankleidet bevor er mit ihr spricht ist das nach meine Ansicht respektlos. Einfordern könne Sie das nicht, aber vielleicht fragen Sie einmal, ob Sie sich vor der Besprechung nicht anziehen können. Alles Gute !! Gruß Dr. Mallmann
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