Sehr geehrter Herr Dr. Mallmann, Erstmals vielen Dank, dass Sie in diesem Forum kostenlos beraten. Zu meiner Situation: Ich bin Anfang 40 und bin vor 6 Monaten nochmal Mutter geworden. Diese Schwangerschaft hat sicherlich altersbedingt eher länger auf sich warten lassen mit zwei Fehlgeburten im Verlauf. Leider verlief die Schwangerschaft nicht einfach. Ab der 13. Woche bestand die Diagnose SGA gefolgt von der Diagnose IUGR ab der 30. SSW. Unser Kind war ein absolutes Wunschkind und ich hatte immer mehr Angst, es zu verlieren. Es zeigte sich dann in der 36. SSW, dass die Nabelschnurdurchblutung nicht mehr gut war. Die Beendigung der Schwangerschaft wurde angeraten. Wir stimmten zu. Leider drehte sich unser Kind während der Einleitung von Schädellage in eine Querlage mit vorliegender Nabelschnur. Es folgte ein Notkaiserschnitt in Vollnarkose. Ich habe alles verpasst, den ersten Schrei, das erste kennenlernen und auch das gemeinsame kennenlernen unserer Tochter mit meinem Mann zusammen. Auf Grund des niedrigen Gewichtes lag die Kleine zwei Wochen auf der Intensivstation. Körperlich ging es ihr dabei immer gut, sie war nur zart, hat aber gut zugenommen, hatte keine Gelbsucht oder auffällige vital Parameter. Ich habe sie ab den zweiten Lebenstag tagsüber gestillt, wenn ich nicht da war bekam sie Muttermilch per Sonde/Flasche. Wir vermuten, dass dieser für uns lange Aufenthalt auch auf Grund der besseren Abrechnung gemacht wurde. Unsere Klinik ist zwar perinatalzentrum Level 1 aber dort werden nur sehr wenige Fälle behandelt. Die Existenz stand in den letzten Jahren auch mal auf der Kippe. Ich stille unser Kind voll und sie entwickelt sich sehr gut. Jedoch ist sie sehr schwierig, sie ist sehr anhänglich und lässt sich kaum ablegen. Sobald sie mich nicht mehr sieht oder direkten körperkontakt hat, weint sie. Das ist stressig vor allem mit anderen Kindern und Haushalt. Nachts schläft sie zum Glück durch im Bettchen im Elternschlafzimmer. Ich bin bereits Mutter, habe zuvor mehrfach spontan entbunden ohne Probleme und einmal beim ersten Kind per sek. Sectio wegen geburtsstillstand. Alles insgesamt gute Schwangerschaften und relativ einfache Geburten. Ich hatte bisher nach der Geburt unseres jüngsten Kindes vor 6 Monaten einmal meinen Zyklus mit Eisprung trotz Stillen. Jedoch war die zweite Zyklushälfte sehr kurz. Jetzt wäre im Grunde der zweite Zyklus und ich konnte den Eisprung nicht sicher ausmachen, seit einigen Tagen plagen mich Unterbauchschmerzen wie sonst vor einer nahenden Periode. Ich kenne das so nicht. Bei den anderen Kindern kam der Zyklus trotz Stillen im gleiche Zeitraum nach der Geburt ohne Probleme zurück. Zudem bin ich extrem gereizt, dünnhäutig und kann mich über nichts mehr richtig freuen. Die Erlebnisse rund um die Geburt setzen mir zu. Immer wieder frage ich mich, ob die Vollnarkose wirklich nötig war. So gerne wäre ich anwesend gewesen, ich wünschte, es wäre bei dem Befund der Querlage mit Nabelschnurvorliegen und intakter Fruchtblase eine eilige Sectio in spinaler gemacht worden. Ich habe das Gefühl, alles verpasst zu haben und fühle mich schuldig auf Grund der IUGR. Unsere Familienplanung ist definitiv abgeschlossen und diese Schwangerschaft/Geburt war für mich die letzte. Ein trauriger und enttäuschender Abschluss. Ich verstehe mich selbst nicht mehr. Könnte meine Verfassung bereits auf beginnende Hormonveränderungen der Wechseljahre hindeuten? Immerhin war zu Beginn (in den ersten Wochen nach der Geburt) erstmal scheinbar alles in ordnung. Erst jetzt nach einem halben Jahr kommen diese Probleme/Symptome. Oder habe ich eine doch vielleicht eine Depression entwickelt? Wie schätzen Sie die Situation ein? Wie und wo könnte man Hilfe bekommen? Besten Dank
In der Stillzeit können die Hormone echt verrückt spielen. Das kann manchmal zu depressiven Verstimmungen führen, die auch einmal gerne 3 bis 6 Monate nach dem völligen Abstillen anhalten können. Und hier können Sie sich nicht auf frühere Erfahrungen verlassen. Wie jede Schwangerschaft und Geburt ihr Eigenleben hat, betrifft das auch die Stillzeit. Es gilt aber zu unterscheiden, ob es sich um eine echte Wochenbettdepression handelt. Da ist der erste Anlaufpartner die Frauenärztin Frauenarzt. Die sollte dann ggf. weiter zu einem Spezialisten überweisen. Wenn das alles zu lange dauert, kann ggf. Ihre Krankenkasse einen entsprechenden Therapeuten Therapeutin vermitteln.Alles Gute !! Gruß Dr. Mallmann
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