Violett 466
Hallo Herr Dr. med. Radke, ich stille meinen 6 Monate alten Sohn noch voll (Beikoststart war vor ein paar Tagen) und habe eine Frage zur sinnvollen Supplementierung. Vor der Schwangerschaft habe ich vegetarisch gelebt und viele Milchprodukte konsumiert. Seit Mitte April ernähre ich mich aufgrund einer Kuhmilcheiweißunverträglichkeit meines Sohnes vegan. Zwischenzeitlich habe ich auch keine Eier gegessen, da unklar war, ob er darauf ebenfalls reagiert. Inzwischen verträgt er Eier, sodass ich wieder etwa 5–7 Eier pro Woche esse. Vor etwa einem Monat wurden Blutwerte kontrolliert. Mein Selenwert war erhöht, weshalb ich ein bisher verwendetes Kombinationspräparat absetzen möchte. Vitamin B12 wurde nicht direkt bestimmt, allerdings lag das Holotranscobalamin bei über 150. Weitere Auffälligkeiten sind mir nicht bekannt. Aktuell nehme ich: - morgens: L-Thyroxin 63 µg und Omni-Biotic Panda, - mittags: Folio basic 2 (150 µg Jod, 400 µg Folsäure, 20 µg Vitamin D3 und 9 µg Vitamin B12), - täglich eine Kapsel veganes Algenöl mit 246 mg DHA, 129 mg EPA und insgesamt 425 mg Omega-3-Fettsäuren, - abends 600 mg Calcium. Zusätzlich habe ich Vitamin B12 (10 µg pro Tablette) gekauft und frage mich, ob ich dieses ergänzend einnehmen sollte. Meine Fragen: - Reichen bei vollstillender, veganer Ernährung die 9 µg Vitamin B12 aus dem Folio-Präparat zusammen mit etwa 5–7 Eiern pro Woche aus, oder wäre eine zusätzliche Einnahme von 10 µg täglich sinnvoll? - Ist die Einnahme von täglich 246 mg DHA und 129 mg EPA aus Algenöl für eine stillende Mutter ausreichend, oder sollte die Dosis höher sein? - Sollte ich zusätzlich Cholin supplementieren oder lässt sich der Bedarf mit etwa 5–7 Eiern pro Woche ausreichend decken? - Gibt es weitere Nährstoffe, die ich als vollstillende Mutter mit überwiegend veganer Ernährung besonders im Blick haben sollte (z. B. Zink oder andere Mikronährstoffe), um sowohl meine eigene Versorgung als auch die meines Babys sicherzustellen? Vielen Dank für Ihre Einschätzung!
Ihre sehr detaillierten Fragen sind leider ohne zusätzliche (und vergleichsweise aufwändige) Untersuchungen nicht zufriedenstellend zu beantworten. Dazu müßte man die jeweiligen Konzentrationen in Ihrer Milch und in einigem zeitlichen Abstand (> 4 Wochen) im Blut Ihres Kindes messen. Das ist kaum umsetzbar. Ich habe daher für Sie folgende pragmatische Anregungen: 1. Wenn Sie schon 6 Monate voll gestillt haben (Glückwunsch!) sind mehr als 80 % des Vorteils der Muttermilch gegenüber anderen Nahrungen (Entwicklung des Immunsystems u.a.) für Ihr Kind bereits realisiert. 2. Wenn es sich um eine sicher nachgewiesene Kuhmilchallergie handeln sollte, wäre natürlich für Sie als Stillende eine sehr restriktive vegane Ernährung nicht nötig, da für Ihr Kind nachteilig. Prüfen Sie also, ob Sie nicht lediglich auf Kuhmilch verzichten und dennoch andere tierische Eiweiße (Fleisch, Fisch) essen, um die kritischen Vitamindefizite (B-Vitamine) sowie Eisen in Ihrer Milch auszugleichen. 3. Wenn das keine Option für Sie ist, empfehle ich in diesem Fall mit Verweis auf Punkt 1 u.U. die Ernährung Ihres Kindes mit einem therapeutischen Vollhydrolysat + reguläre, d.h. fleischhaltige Beikost. 4. Wenn Sie sich weiter vegan ernähren und stillen wollen, setzt das ein engmaschiges Monitoring bei Ihrem Kind voraus (regelmäßige Untersuchungen kritischer Vitamine sowie Eisen u.a. im Blut Ihres Kindes).
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