prisma
Sehr geehrter Herr Posth, meine fast dreijährige Tochter besucht seit etwas über einem Jahr eine Kindertagesstätte, sie ist zusammen mit ihrem sechsjährigen Bruder untergebracht. Es handelt sich um einen Waldorfkindergarten, den wir im Hinblick auf eine hohe Betreuungsqualität ausgesucht haben. Sie geht gerne zum KIGA und freut sich abgeholt zu werden, was Sie ja in einem Ihrer Artikel als „emotional stabil“ beschreiben. Allerdings ruft Sie uns abends zig Mal an ihr Bett, bis sie einschläft, nachts wacht sie noch regelmäßig auf und verlangt nach mir. Sieht sie mich z.B. im Supermarkt für einige Sekunden nicht, fängt sie panisch an zu weinen. Vor einigen Wochen wurde sie von einer ihr fremden Person ermahnt und begann so zu intensiv zu weinen, dass sie über 15 Minuten nicht zu beruhigen war. Zu Hause ist sie aufgeweckt und aktiv, vor Fremden ist sie sehr schüchtern. Wie sollen wir uns verhalten? Wie kann ich dem Kind helfen, ein gesundes Maß an Vertrauen und Selbstbewusstsein zu
Hallo, man muss unbedingt Veranlagungen und mögliche Folgen einen falschen Umgangs mit einem Kind gut unterscheiden. Das ist zugegeben manchmal nicht ganz einfach. Nur scheint mir im Falle Ihrer Tochter die Schüchternheit und Ängstlichkeit eher eine Temperament- und Charakterveranlagung zu sein als die Folge ihres Ki-ga-besuchs. Diese Ängstlichkeit macht sich gerade abends beim Zubettgehen bemerkbar, weil ihre Tochter weiß, dass sie zum Einschlafen auf Sie als Bindungsperson verzichten soll. Wird sie in der Nacht wach, ist diese Angst, sie seien für sie nicht erreichbar, gleich wieder da. Schläft sie denn bei Ihnen im Elternschlafzimmer? Denn da gehört allein schon vom Alter her noch hin. Und auch die geduldige Einschlafbegleitung bis das Kind schläft gehört noch zu einer ungestörten, angstfreien Nachtruhe. Erst wenn Ihre Tochter in diesen entscheidenden Momenten ausreichende Bindungsicherheit erhält, kann sie auch ihre Angst, fremden Menschen gegenüber abbauen. Viele Grüße
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