honigvogel
Sehr geehrter Herr Posth, vielen Dank für Ihre tolle Arbeit. Hätte unendlich viele Fragen… z.B. 1. Zu welchem Zeitpunkt würden Sie sagen, muss ein Kind selbst Verantwortung für sein Handeln übernehmen bzw. kann die Schuld für das was aus ihm geworden ist nicht länger bei den Eltern suchen? 2. Wie könnte man sich als Erwachsener über den eigenen Bindungsstatus/ allg. Werdegang etwas klarer werden, es gibt anscheinend so einen Fragebogen? Welche Bücher wären interessant, welche Einrichtungen haben Ahnung in Bayern? 3. Was halten Sie von Christkind und Co. Laut meiner Oma hätte Sie noch nie ein so enttäuschtes Kind erlebt wie mich, als ich bei Schuleintritt langsam die "Wahrheit" erfuhr. Auch ich habe den Einzug in die Realität als herbe Enttäuschung empfunden (auch dass ich belogen wurde) und bin ganz schlecht darin anderen etwas vorzumachen, sollte man einem Kind der "heilen" Welt und deren schönen Erinnerung zu Liebe dennoch etwas vorspielen?
Hallo, mit dem Bindungsstatus erwachsener Menschen hat sich z.B. Prof. Berhard Strauß in Jena befasst. Er hat ein Buch zu dieser Thematik herausgegeben, das im Klett Cotta VErlag erschienen ist. Es trägt den Titel "Bindung und Psychopathologie". Es ist aber ein rein wissenschaftliches Buch. Zur Feststellung des Erwachsenenbindungsstatus dient z.B. das adult attachment interview. Es gibt viel dazu zu sagen, wie Eltern ihren eigenen Bindungsstatus auf die Kinder wieder anwenden. Das kann ich natürlich hier im Internet-Forum nicht leisten. Über die entsprechenden Angebote in Bayern bin ich leider nicht unterrichtet. Verantwortung ist ein dehnbarer Begriff. Rein rechtlich gibt es das Jugendstrafrecht, das mit 14 Jahren einsetzt. Aber Strafmündigkeit ist je eher das Ende der Messlatte. Nur in der Beurteilung, wer für die eigene Entwicklung verantwortlich ist oder nicht (also die Schuldfrage), darüber kann auch der Jugendliche noch nichts sagen. Das müssen eben andere für ihn tun, z.B. auch Anwälte und Richter und natürlich Psychologen/innen. Aber wer nun an einer solchen Entwicklung Schuld trägt, ist eine äußerst schwierige Frage. Einfacher ist es da, zunächst einmal nur die Ursachen zu suchen und die Entwicklung zu erklären. Das versuche ich z.B. in meinem zweiten Buch "Gefühle regieren den Alltag". Zum "Christkind" ganz kurz: Ich habe nichts gegen diese alten Traditionen, die aus Religion und Mythen gespeist werden. Spätestens im Schulalter entdecken die Kinder von selbst, was an diesen Geschichten wahr ist (sofern überhaupt) und was nicht. Ihre fortgeschrittene Logik lässt sie an den gemachten Erklärungen zweifeln, und diese Enthüllung macht sie "älter" und "erwachsener". Das wertet sie sogar auf. Insofern ist die barsche Lüftung des Schleiers keine gute Lösung und auch gar nicht nötig. Der Schleier um das Geheimnis weht ganz von alleine weg. Viele Grüße und danke für Ihre lobenden Worte.
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