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Dr. Posth- wie gut, dass es Sie hier gibt! Mein Problem:Sohn (11 Mon.-ein Zwilling) ist ein fröhl.,zufriedens Kind. Nun mehren sich in letzter Zeit Schreiattacken. Es gibt einen Auslöser (z.B. ich bin kurze Zeit nicht im Blickfeld od er wird nachts od mittags wach & hat Schwierigkeiten wieder einzuschlafen)-er schreit; passiert das im Bett,setze ich mich dazu,streicheln,singen....Dann plötzlich:er steigert sich so sehr ins Schreien,er bekommt kaum Luft,schwitzt,schlägt um sich, windet sich wie ein Wurm.Ich möchte keinesfalls, dass er lernt: wenn ich so ein Theater mache, nimmt Mama mich aus dem Bett! Bisher war dies die einzige Möglichkeit,die Attacke zu beenden. Sehr inkonsequent von mir. Ich halte lange durch, ca 20 min- aber es wird derart hysterisch... Ist so ein Verhalten in diesem Alter ein Hilfeschrei oder pure Berechnung, die nur mit Konsequenz "zu behalndeln" ist? Was tun? Beide Zwillis kennen prompte Bedürfnsbefriedigung nicht-wird das einmal ein Problem?
Stichwort: Säuglingsschreien/ Schreibaby Hallo, Ihre Frage zielt wahrscheinlich mehr darauf ab, zu erfahren, ob ältere Säuglinge schon berechnend denken können, um erwünschte Reaktion Ihrer Eltern durch Aufregung und Geschrei zu erzwingen. Das können sie mit Sicherheit nicht. Denn das nötige Maß an Antizipation kann das Frontalhirn noch nicht leisten. Auch derartige innere Arbeitsmodelle (das ist der neue Begriff für denselben Vorgang im Gehirn) kommen noch nicht zustande. Was sie aber schon können, ist sich stark aufregen, wenn ein gewohntes Verhaltensmuster der Bezugsperson nicht erfolgt. Dabei spielen als Auslöser Lust und Unlust ein Rolle. Beruhigung, auf den Arm genommen werden, getröstet werden, Zuwendung zu bekommen usw. gehen auf das Konto der Lust und aktivieren im Gehirn die Belohnungsschiene. Daneben sitzen, das Geschrei sich anhören und das Nichtreagieren der Bezugsperson bedienen die Unlustschiene, der Säugling ärgert sich massiv, bekommt Wut und gerät in einen negativen Stresszustand und bricht schließlich erschöpft zusammen. Wie er aber noch nicht gezielt Handlungsabläufe erzwingen kann, kann er aus der Vergeblichkeit seiner Wut nicht lernen, auf die Wut von Vornherein zu verzichten. So wiederholt er das Schauspiel jedesmal wieder und Eltern wie Kind liegen die Nerven blank. Insofern ist in diesem Alter noch "Inkonsequenz" die einzig richtige und eminent menschliche Reaktion. Viele Grüße und danke für Ihr Kompliment.
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