schreihals
Sehr geehrter Herr Dr. Posth, mein Sohn, 20 M, altersgerecht entwickelt, braucht keine „Kuscheleinheiten“. Lässt sich selten gerne tragen bzw. eigentlich nie gerne kuscheln. Zu Hause kriegt er das von uns auch nicht vorgelebt (mein Mann und ich stehen kurz vor der Scheidung). Kann das daran liegen? Nur beim Schlafengehen wird er ein wenig „anhänglicher“ (und wenn er krank ist). Er schläft mit mir im gemeinsamen Bett. Auch wenn wir gemeinsam unterwegs sind, rennt er oft los auch wenn ich ihm sagen, dass ich in die andere Richtung gehe. Das scheint ihn aber gar nicht zu interessieren. Spricht das für eine schlechte Bindung?? Danke für Ihre grandiose Arbeit! Liebe Grüße, Anna
Liebe Anna, eigentlich alles spricht dafür, dass das Nähebedürfnis eines Kindes zu den angeborenen Temperamentsfaktoren gehört. Es gibt nämlich auch schon kkleine Säuglinge, die sehr verschmust sind und ständig auf den Arm wollen und andere, denen diese große Nähe zur Bindungsperson offensichtlich nicht so wichtig ist. Das hat dann in diesem Fall mit unsicherer Bindung nichts zu tun. Es ist ganz einfach eine andere Bedürfnislage. Ohne diese Beziehungsfaktoren mit einzubeziehen, kann man mit der Bindungstheorie auch ganz schon in die Irre laufen. Also machen Sie sich diesbezüglich keine Sorgen. Trotzdem ist es bedauerlich, dass Ihre Elternbeziehung nicht hält, und dass der Vater als Loslösungsvorbild dadurch wahrscheinlich nahezu ausfällt. Das Losrennen in die andere Richtung als Sie selbst gehen, drückt das Bedürfnis des Kindes nach größerer Selbstständigkeit und Unabhängigkeit aus. Das ist also Teil des Loslösungsprozesses. Es kann sein, dass sich durch den Verlust des Vaters (das kommt auf Ihre nacheheliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit an) ein erschwerte Loslösung (s. gezielter Suchlauf) einstellt. Viele Grüße und danke für Ihr Lob.
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