Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Fremdsprachen; Sanfte Ablösung

Frage: Fremdsprachen; Sanfte Ablösung

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Sehr geehrter Herr Dr. Posth, gibt es ein Zeitfenster für das akzentfreie Erlernen einer Fremdsprache? Bis zu welchem Alter können Kinder von einem Native Speaker eine Sprache akzentfrei sprechen lernen? Dass auch Erwachsene Fremdsprachen lernen können, ist ja bekannt, aber sie bleiben dann fast immer mit einem fremden Akzent. Noch eine Frage: Sie erwähnen, dass heutzutage die meisten Fachgesellschaften die sanfte Ablösung empfehlen. Gibt es Literatur oder konkrete Internetseiten, wo man diese Empfehlungen nachlesen kann? (Das wären handfeste Argumente für z.B. Erzieherinnen, um die sanfte Ablösung zuzulassen.) Schönen Dank!


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Hallo, das Zeitfenster für den Erwerb der Muttersprache beginnt in der Säuglingszeit mit dem Ablauschen der Prosodie, also dem Sprachklang. Es gibt Forschungen, die belegen wollen, dass schon das Schreien der Säuglinge etwas über ihre Muttersprachlichkeit aussagt. Mit 4 Jahren können sich die meisten Kinder schon gut in ihrer Muttersprache ausdrücken. Wird ein Kind in einem anderen Kultrurraum geboren, als es der ist, aus dem seine Eltern stammen, dann lernt es mühelos die Landessprache des Geburtslandes, es sei denn die Eltern hindern es daran und bringen ihm die Elternsprache bei. Sprachbegabte Kinder können aber auch parallel zwei oder sogar mehr Sprachen lernen, wobei diese zuerst gelernten Sprachen den Forschungen zufolge im primären Sprachzentrum repräsentiert werden. Das gilt zumindest meiner Erfahrung nach nicht für wenig sprachbegabte Kinder. Jede später gelernte Sprache wird in einem anderen Sprachzentrum abgebildet und benötigt eine besondere Fähigkeit wieder aus dem Bereich der Prosodie, um akzentfrei gesprochen zu werden. Die Zentren hierfür liegen aber in einem ganz anderen Hirnabschnitt. Als Fachgesellschaften, die die sanfte Ablösung propagieren, wären zu nennen die GAIMH (Gesellschaft für die seelische Gesundheit in früher Kinderheit), die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin, die Liga für das Kind und inzwischen auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands. Alle diese Gesellschaften haben Internetportale, auf denen Sie sich durchclicken müssen. Viele Grüße


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