Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Elterliches Fehlverhalten

Frage: Elterliches Fehlverhalten

Menschenskinder1977

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Ich liebe meine Ki(To.35M/So.19M) sehr, schaffe es aber bei meiner To nicht, immer eine liebevolle Mutter zu sein. Ich habe sie nach der Geb des Brüderchens lange Zeit in Stessmomenten immer wieder laut angeschrien(das muss zwischen ihrem 19.bis 32. LM fast tägl. gewesen sein, danach gar nicht mehr) Sie hat deswegen viel geweint und war teilw. regressiv. Sie zeigt trotz allem eine sichere Bindung(i.d.R. fröhlich, zurückhaltend aber freundlich bei Fremden,gutes Verhältn. zur Oma, bei der sich auch problemlos bleibt, bei Müdigkeit/Schmerz/Unsicherheit/Kuschelbedürfnis wendet sie sich immer an mich).Ich wünsche mir sehr, dass sie sich trotzdem meiner Liebe sicher sein kann und sie keinen Schaden davon getragen hat. Ist dies überhaupt möglich? Wie kann ich sie unterstützen, dass sie wirklich alles gut verarbeitet? Oder ist der Schaden irreversibel? HabeeigeneGewalterfahrung durch den Vater in Kindheit und Jugend gemacht, stelle verzweifelt fest, dass sich einiges wiederholt...


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Hallo, ein Kind ist grundsätzlich ohne jeden Vorbehalt auf die Liebe zu seinen Eltern eingestellt und bemüht sich auf seine Weise darum, diese Liebe zu erhalten und dieser Liebe auch würdig zu erweisen. Aber die Natur hat es offenbar vorgesehen, dass nicht nur Liebe zwischen Eltern und Kindern herrscht, sondern zuweilen auch Zorn, Wut und Missgunst und hier und da leichte aggressive Gefühle. Diese Gefühle verstärken sich immer dann, wenn a) Konkurrenz in der Liebe droht (also z.B. Geburt eines Geschwisterchens, neuer Ehepartner), b) das Kind sich ungerecht behandelt oder seelisch verletzt fühlt (und da ist das Kind bis zum doppelten Perspektivwechsel bis annähernd 5 Jahre äußerst selbstbezogen) oder c) die Belastungen der Eltern so groß sind (z.B. soziale Überforderung, Armut, schlechte Wohnsituation, Arbeitslosikeit eines Elternteils), so dass sie sich ihrem Kind gegenüber vernachlässigend und/ oder misshandelnd verhalten. Allerdings ist der Grad der Ertragensbereitschaft solcher negativer Erlebnisse enorm groß bis es dann tatsächlich zur Aufkündigung von Liebe kommt, und selbst dann sind die Kinder immer wieder zur Versöhnung bereit. Nur, und das ist ganz wichtig, aus dieser Bereitschaft zur Vergebung darf man keine Entlastung für seine Verantwortlichkeit als Eltern ableiten und schon gar kein Erziehungsprinzip machen. Es ist die Pflicht aller Eltern, die Abhängigkeit und Schwäche der eigenen Kinder nie zu missbrauchen oder zu instrumentalisieren. Man muss es verstehen, diese fast immer positive Beziehungshaftigkeit zwischen Eltern und Kindern als ein Geschenk -von wem auch immer- zu betrachten und dieses Geschenk immens wertzuschätzen. Ihre Tochter zeigt in all ihrem aktuellen Verhalten auch die Bereitschaft zu Verzeihung, was meine Erklärungen bestärkt. Eltern, die selbst Gewalterfahrung in ihrer Kindheit hatten, seelische wie körperliche, tun sich fast immer schwer, bei ihren eigenen Kindern die von mir geschilderte ganz anderen Form der Beziehungshaftigkeit herzustellen. Diese eigenen frühen, negativen Beziehungserfahrungen wirken wie ein Gift im Gehirn und vereiteln die guten Beziehungen zu den eigenen Kindern. Dagegen muss man arbeiten durch Selbsterkenntnis und Trauer über das Erlebte. Alleine ist das ein dorniger Weg. Es ist keine Schande, wenn man sich dafür professionelle Hilfe sucht. Viele Grüße


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