Mitglied inaktiv
Lieber Dr. Posth, ich hatte Ihnen schon einmal geschrieben, brauche aber doch noch einmal Ihre Einschätzung. Ich bin seit der Schwangerschaft mit meinen Sohn allein. Der Vater hat ihn zunächst besucht, seit fast einem Jahr besteht nur noch per SMS Kontakt, wohl mehr aus schlechtem Gewissen, denn aus Interesse. Ich habe den Kontakt bislang dennoch immer im Interesse meines Sohnes aufrecht erhalten, bin aber mittlerweile nicht mehr sicher, was richtig ist. Mein Sohn erkennt seinen Vater zwar auf Fotos, aber ohne sichtliche Beteiligung. Er fragt auch nicht nach ihm. Er ist ein fröhlicher Junge, hat außer mir weitere Bezugspersonen und empfindet die Situation meiner Ansicht nach so als normal. Soll ich den Vater weiter im Gedächtnis präsent halten? Wie nimmt mein Sohn (im Dezember 3) die Situation wahr? Und wie soll ich ihm die Lage erklären, wenn er in die Kita kommt und hier mit Normalitätsdenken konfrontiert wird? Vielleicht können Sie mir einen Rat geben. Vielen herzlichen Dank!
Hallo, wenn es so ist, wie Sie schreiben, dass Ihr Sohn außer Ihnen als primärer Bezugsperson weitere Bezugspersonen hat, die im besten Fall auch zu seiner Loslösung dienen (s. Stichwort gezielter Suchlauf), dann sollten Sie den Vater langsam in seiner Erinnerung verblassen lassen. Ihr Sohn hat ja kein reales Bild von ihm und eben deswegen auch keine Bindung zu ihm. Später im Ki-ga oder vielleicht auch schon früher, wenn er fragt, warum er keine Vater hat, dann müssen Sie ihm eine einfache Geschichte erzählen, die dessen Abwesenheit auf einfach Weise einigermaßen verständlich erklärt. Eines Tages, aber sehr viel später, wird Ihr Sohn sich wieder für seine Vater interessieren und möglicherweise auch versuchen, ihn aufzspüren. Das wäre vollkommen normal und keine Abwendung von Ihnen als seiner Mutter. Viele Grüße
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