Zipperlein
Hallo, unsere Tochter ist 15 Wochen alt und schläft zunehmend schlechter und es belastet die ganze Familie. Sie war von Anfang keine Vorzeigeschläferin, aber mittlerweile ist es katastrophal. Sie schläft zunehmend nur mit der Brustwarze im Mund. Schnuller wird nicht angenommen (verschiedene Modelle). Ihr Saugbedürfnis scheint sehr ausgeprägt zu sein, es ist keinesfalls so, dass sie immer trinken würde. Es ist eher ein Dauernuckeln Tag wie Nacht. Wenn ich sie dösig von der Brust löse, ist sie unzufrieden und saugt ganz hektisch an ihren Händen, als würde sie verhungern und fängt dann auch zügig an zu weinen. Lege ich sie dann wieder an, trinkt sie nur wenige Schlucke und fängt sofort wieder an zu nuckeln und zu dösen. Dieses Spiel wiederholt sich mehrmals bis wir es nach ca. 2h schaffen, dass sie mal 20min schläft. Das hat dann aber keinesfalls ausgereicht und der Zyklus beginnt nach kurzer Zeit von vorne. Mein Tag besteht nur noch aus Einschlafbegleitung. Hätte man nur ein Kind wäre es schon schlimm, aber dass ich meinem größeren Kind mittlerweile regelmäßig mittags den Fernseher anmache, damit ich mich voll und ganz dem Einschlafkampf widmen kann, das nagt doch sehr an mir. Gestern hat mein Mann sie ausnahmsweise mal mit abgepumpter Muttermilch hingelegt (er hatte frei) und nach nur ganz kurzem Protestweinen, ist sie wie durch ein Wunder, eingeschlafen und hat 3 volle Stunden geschlafen. Das war eine Wohltat für die ganze Familie. Hier war plötzlich ein ganz anderes Klima. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich falsch mache und ob ich abstillen sollte (was ich natürlich nicht möchte), aber man ist doch mittlerweile wirklich verzweifelt und ausgebrannt. Vielen Dank.
Hallo, zwischen dem 3.+4. Lebensmonat kommt es häufiger zu einem unruhigeren Trinken (weil Ihr Kind sich jetzt leichter ablenken lässt). Zudem hat Ihr Kind einen Wachstumsschub und benötigt ein paar Tage etwas mehr Milch und es braucht dann manchmal ein paar Tage, bis die Brust nachreguliert. Nun kommt bei Ihnen dazu, dass Ihr Kind mittlerweile ein kumulatives Schlafdefizit hat, was die Unruhe verstärkt und in einem Teufelskreis führt. Was können Sie tun? Versuchen Sie am frühen Morgen bereits das Trinken und Schlafen anders zu koppeln. Stillen Sie Ihr Kind eher nach dem Aufwachen, als zum Einschlafen. So kann Ihr Kind -im Idealfall stärker ausgeruht- sich besser auf das Trinken an sich konzentrieren und pro Mahlzeit vielleicht auch mehr Nahrung aufnehmen. Um die Ablenkungen hierbei so gering wie möglich zu halten, ist es manchmal sinnvoll in einen ruhigen Raum zu gehen oder die Augen des Kindes leicht abzudecken. Überreizen Sie die Wachzeiten nicht, nach 1-1,5 Stunden sollte Ihr Kind in die nächste Schafphase gehen. Das wird bedeuten, dass Sie bereits nach einer ausgeprägten Stillrunde, nach dem Frisch machen bereits wieder auf Langeweile umschalten und versuchen Ihr Kind im Arm, im Tuch o.ä. ohne große Aktivität zur Ruhe zu bringen. Als Saughilfe für nicht nährendes Saugen, können Sie Ihrem Kind auch einen Finger von Ihnen anbieten, wenn das Kind keinen Schnuller akzeptiert. (meist akzeptieren die Kinder den Schnuller dann nicht, wenn er als "Schalldämpfer" dient und die Kinder das Gefühl haben den Mund damit gestopft zu bekommen). Daher Saughilfen nur an die Lippen halten und nicht passiv reinstecken. Vielleicht gelingt es Ihnen am Vormittag, wenn Ihr größeres Kind noch anderweitig betreut wird den Kreislauf - Brustnuckeln-schlafen-Brustnuckeln-weiterschlafen, so dass Ihr Kind im Arm ohne Brust im Mund einschlafen kann und nach 3-5 Minuten später abgelegt werden kann. Wenn sie sich nach 20 Minuten meldet, versuchen Sie es mit sanftem Wiegen auf der Unterlage, Körperkontakt oder auch dem Anbieten Ihres Fingers eine weitere Schlafphase anzuhängen. Es wäre gut, wenn Ihr Kind am Tage wenigstens eine längere Schlafphase von mindestens 45 Minuten, besser noch von mehr als einer Stunde schaffen könnte, damit es dann wieder konzentrierter essen und spielen kann. Am Nachmittag, wenn die größere Schwester im Hause ist, kann evtl. eine Tragehilfe Entspannung bringen, um dem Baby Nähe zu geben, aber das größere Kind weiterhin im Blick zu behalten. Evtl. probieren Sie bereits eine Rückentragetechnik, damit das Kind hierbei nicht die Brust direkt vor der Nase hat. Da das Dauernuckeln Sie belastet und auch nicht wirklich zur Beruhigung des Kindes beiträgt, versuchen nach dem Wachstumsschub wieder auf Stillabstände von 2-3 Stunden zu kommen. Wenn die Abendmahlzeit beim Papa mit abgepumpter Muttermilch durch den Papa gestern gut geklappt hat, können Sie dieses ja gern wiederholen, wenn Ihr Mann im Hause ist. Ein Fläschchen mit abgepumpter Muttermilch wird häufig vom Vater leichter akzeptiert als von der Mutter, da dieser naturgemäß nicht stillen kann. Sollte sich die Situation und die Belastung nicht bessern, schauen Sie in Ihrem Landkreis nach Angeboten der Frühen Hilfen, die bieten häufig auch eine Vor-Ort-Schlaf- oder Stillberatung an, um Ihnen in dieser Situation zu helfen. Liebe Grüße, Mechthild Hoehl
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