Frage im Expertenforum Babyschlaf an Dr. med. Daniela Dotzauer:

Schlaf- und Essverhalten mit 9 Monaten

Frage: Schlaf- und Essverhalten mit 9 Monaten

Lavea915

Beitrag melden

Liebe Schlafexpertin, ich habe einige Fragen zum Schlaf und zur Ernährung unseres fast 10 Monate alten Sohnes und würde mich sehr über Ihre Einschätzung freuen. Mich würde außerdem interessieren, ob unser Ess- und Stillrhythmus aus Ihrer Sicht altersgerecht ist oder ob Sie etwas verändern oder anders gestalten würden. Unser Sohn steht morgens meist zwischen 6:00 und 7:00 Uhr auf. Frühstück (ca. 8:00 Uhr): Er isst Brot mit Frischkäse oder Obst-Pancakes sowie etwas Obst und/oder Gemüse. Etwa eine halbe Stunde vor dem ersten Schlaf stille ich ihn. 1. Tagschlaf: Der erste Schlaf findet meist zwischen 9:30 und 10:00 Uhr als Kontaktschlaf statt. Unser Ritual besteht aus einer Spieluhr, singen und anschließendem Wiegen in den Schlaf. Er schläft dabei meistens 45 Minuten, manchmal aber auch 90 Minuten. Meine erste Frage ist: Sollte ich versuchen, seinen Schlaf zu verlängern, wenn er nach 45 Minuten aufwacht? Oder sollte ich ihn im Gegenteil wecken, wenn er länger als 45 Minuten schläft, damit ein langer Mittagsschlaf stattfindet? Mittagessen (ca. zwischen 12:00 Uhr und 12:30 Uhr): Er bekommt Mittagsbrei. Etwa eine halbe Stunde vor dem zweiten Schlaf stille ich ihn erneut. 2. Tagschlaf: Der zweite Schlaf beginnt meist zwischen 13:45 und 14:15 Uhr und dauert in der Regel bis etwa 15:15 bis 15:45 Uhr. Wenn der erste Schlaf länger war, verschiebt sich der zweite entsprechend nach hinten oder er fällt nur 45 Minuten aus. Das Einschlafritual ist dasselbe wie am Vormittag. Falls ich seinen Schlaf verlängern muss, schaffe ich es aktuell nur durch Stillen. Manchmal schläft er auch in der Trage. Allerdings nur im abgedunkelten Raum. Seit der 4-Monats-Schlafregression wird er bei jedem Geräusch sofort wach, sodass ich währenddessen in einem abgedunkelten Raum bleiben muss. Meine zweite Frage lautet daher: Haben Sie Tipps, wie wir einen festeren bzw. weniger geräuschempfindlichen Schlaf fördern können? Oder auch, ob man Babys in diesem Alter noch daran gewöhnen kann, den Mittagsschlaf im Kinderwagen zu machen und wenn ja, wie würden Sie das angehen? Nachmittags: Nach dem Schlaf bekommt er entweder Nachmittagsbrei oder einen kleinen Snack, zum Beispiel eine zuckerfreie Waffel, dazu etwas Obst. Abendessen (ca. 17:30 Uhr/18:00 Uhr): Er isst gemeinsam mit uns am Tisch Brot oder Nudeln, Kartoffeln oder Reis mit Gemüse und/oder Obst. Einen klassischen Abendbrei möchte er nicht essen, er möchte lieber selbst mit den Fingern essen. Nachtschlaf: Zwischen ca. 19:00 und 20:00 Uhr geht er schlafen. Er schläft in unserem Bett in einem abgegrenzten Bereich (Bettschlange) neben uns. Unsere Abendroutine beginnt etwa 25 Minuten vor dem Schlafengehen. Zunächst schauen wir uns noch Objekte im Sortierkörbchen im Bett an, anschließend stille ich ihn in den Schlaf. Hier klappt es nicht mit dem Wiegen. Leider wird er nachts sehr häufig wach und benötigt jedes Mal die Brust, um wieder einzuschlafen (Schnuller nimmt er gar nicht. Haben Sie hierzu einen Tipp, ihm diesen schmackhaft zu machen)? Meine wichtigste Frage ist: Was können wir verändern, damit er lernt, Schlafzyklen selbstständig miteinander zu verbinden und nachts häufiger ohne Stillen weiterschlafen kann? Außerdem würde mich interessieren, wie wir die Kontaktschläfchen am Tag nach und nach liebevoll verändern können. Haben Sie Empfehlungen, wie wir ihn schrittweise dabei begleiten können, tagsüber zunehmend selbstständig zu schlafen, ohne ihn dabei zu überfordern? Vielen Dank im Voraus für Ihre Zeit und Ihre Einschätzung. Ich schätze Ihren Rat sehr und freue mich auf Ihre Antwort. Herzliche Grüße


Dr. Dotzauer

Dr. Dotzauer

Beitrag melden

Guten Morgen, 1. Die zwei Tagschläfchen passen von der Wachzeit her. mit einmal 45 min und einmal ca 90 min kommt er gut über den Tag und es ist auch nicht zuviel bzgl. Nachtschlaf. 2. Sie wünschen sich Geräusch unempfindlicheren Schlaf. Das hängt mit der Tatsache zusammen, dass er noch komplett von Ihrer Unterstützung abhängig ist, sogar Dauerkontakt scheint noch nötig zu sein und er lauert und passt darauf auf, dass Sie ihm nicht abhanden kommen, selbst wenn sie daneben liegen. Daher empfehle ich deas Kontaktliegen langsam zu verändern. Er kann sich an eine Bettschlage genauso ankuscheln und das Schlafen in seinem Nestchen genauso gut und in Ordnung finden. Natürlich lernt er das nicht allein sondern mit Ihnen also sie liegen daneben und schlafen fühzeitig weg, drehen erst den Kopf, später den Körper schrittweise weg vom Kind, damit es überhaupt die Chance erhält eigenregulative Fähigkeiten zu entdecken. 3. Dazu wäre es auch notwendig ein Kuscheltier mit emotionaler Bedeutung auufzuladen das passiert tagsüber in Tröste- Beruhigungs und Entspannungssituationen. Das ist eine mühseelige Arbeit, weil alle Kinder erst mal die Mama als Kuscheltier bevorzugen. Allerdings muss man auf diese auch permanent aufpassen. siehe 2.  4. Die "Schnuller-Nummer" ist in diesem Alter meist abgeschlossen. Daher vermehrte Anstrengung in die Kuscheltieremotionalisierung setzen. 5. Essenstechnisch würde ich die ergänzenden Stillmahlzeiten im Anschluss der Mahlzeiten geben und nicht mitten in der Wachzeit. Das führt zu häufigen Essensangeboten  (Mahzeiten und Stillmahlzeiten) über den ganzen Tag was zu kleineren Mahlzeiten und weniger Hungeraufbau führt. Zuzüglich der 2 stdl Stillmahlzeiten in der Nacht bedeutet das: sehr häufiges Essen von kleinen Mengen über 24 Std verteilt ohne nächtliche Pause für den Darm und Körper. 6. Um nicht mehr jedes Erwachen nachts im Schlafphasenwechsel mit Stillen zu beantworten, braucht es andere Strategien der Beruhigung. Problem: Das Kind ist es gewohnt den Weiterschlafservice Stillen zu erhalten, mit Dopamin, Oxytocin und Aktvierung des Belohnungszentrums. Das ist eine sehr stabile Verbindung, sodass sanftere Beruhigungsstrategien wie "meine Weiterschlafsprache" schschsch, bitte wenden (Lageveränderung), schwere Hand auf die großen Gelenke, Popo klopfen, schuckeln, rausnehmen und beruhigen, erstmal unmöglich erscheint. Dennoch bleibe ich dabei Mutter und Kind können eine andere Sprache der Beruhigung lernen. Manchmal ist es dazu notwendig das Kind entsprechen abzulenken, wenn es sich aufregt ob der Tatsache, dass nicht sofort die Brust erscheint.  7. Einen wertvollen Beitrag dazu könnte der nichtstillende Partner leisten. Natürlich trifft das nicht auf Begeisterung beim Kind, schließlich ist es sein ganzes Leben anderes gewöhnt. Günstiger Zeitpunkt um Einschlafroutinen gemeinsam zu erlernen ist der erste Tagschlaf. 8. Tipp für Papa das Wochenende zu nutzen, und sich über Strategien wie das Sortierkörbchen zu informieren. Insta: @dr.danieladotzauer 9. Das Sortierkörbchen ist eine teambildende und schlafhinführende Maßnahme, solange das Bilderbiuch noch nicht funktioniert. 10. Die Nacht zu verändern ist das anstrengendste. Am besten man teilt sich das auf und nimmt sich vor erstmal  das initiale Einschlafen zu verändern. Das Einschlafen vom Stillen trennen. Dann in der ersten Nachthälfte nicht mehr stillen. Dann mitten in der Nacht 1x stillen und die 2. Nachthälfte überleben. Wenn das klappt auch in der zweiten Nachthälfte nicht mehr stillen nur noch in den frühen Morgenstunden 1x stillen. Das wäre dann 2x stillen/Nacht und damit kann man gut leben und schlafen. Es geht nur in kleinen Schritten und am besten geht es wenn die Partner mithelfen. Alles Gute Daniela Dotzauer


Bei individuellen Markenempfehlungen von Expert:Innen handelt es sich nicht um finanzierte Werbung, sondern ausschließlich um die jeweilige Empfehlung des Experten/der Expertin. Selbstverständlich stehen weitere Marken anderer Hersteller zur Auswahl.