Kleinstadtleben97
Hallo, unser Sohn wird bald 3. Er schläft bei uns im Familienbett und schläft auch schon lange seit ca dem 1. Lebensjahr durch. Nach unserer Abendroutine geht es ins Bett und er darf sich aussuchen, ob Mama oder Papa mit ihm einschläft. Dann lesen wir im Bett noch eine Geschichte und dann trinkt er seine Pre Flasche und schläft irgendwann ein. Sobald er schläft, gehen wir raus. Das hat so immer gut geklappt. Wir versuchen schon lange das Fläschhen abzugewöhnen. Haben das Pulver extrem reduziert, dass interessiert ihn nicht. Trinkt und will es trotzdem. Haben ihm einen Schnuller statt dessen angeboten, will er nicht. Haben längere Zeit sein lieblingskuscheltier emotional aufgeladen, angeboten. Schlafmusik über die Tonie Box, Kuscheln...etc. Will er alles nicht. Haben versucht den ,,Kampf" auszusitzen. Er ist aber jedes Mal sehr sehr sehr ausdauernd. Er schreit bis zu 3 Stunden nach dem Flässchen. Vorerst haben wir es aufgegeben. Er bekommt es wieder. Trotzdem kam es jetzt seit ca zwei Wochen dazu, dass er sich zuerst für zB Mama entscheidet und sobald wir gelesen haben und liegen, schreit er nach Papa. Wenn wir dann tauschen, kann es sein, dass er 20min später wieder nach mir ruft. Wir haben dann eingeführt, dass wir täglich abwechselnd ihn zu Bett bringen. Er sich also nicht mehr aussuchen kann, wer ihn ins Bett bringt. Und wenn er dann nach dem anderen ruft, kommt dieser nicht mehr. Auch hier extrem ausdauerndes Schreien, bis hin zu mehreren Stunden. Lässt sich nicht beruhigen, nicht ablenken mit zB Erzählungen. Teilweise steht er einfach auf, läuft ins Wohnzimmer. Oder oder... Er ist zudem in der Autonomiephase. Wie reagieren wir hier richtig?
Liebe Familie, Ihr Kind befindet sich deutlich in der Autonomiephase, wo es sehr ausdauernd versucht, eigene Ideen durchzusetzen. Sie sollten Ihrem Kind einen angemessenen Rahmen geben, eigene Entscheidungen zu treffen, z.B. bei der Spielauswahl, bei kleineren Mitsprachen: "Möchtest DU lieber das blaue oder das rote Shirt anziehen"; aber nicht bei Situationen in denen er die Tragweite der Entscheidungen nicht absehen kann. Eine Milchflasche in diesem Alter kann das Risiko von Karies erhöhen, so dass Sie ihm die Wahl zwischen Wasserflasche (unbedenklich für die Zähne) und verdünnte Milch aus einem Becher geben können. Nach der letzten Milch am Abend sollten die Zähne geputzt werden, danach gibt es nichts mehr zu essen. Wasser aus der Flasche darf er weiterhin haben. Um klar zu machen, wer das Abendritual übernimmt, können Sie gemeinsam mit ihrem Kind einen Kalender oder ein White-Board gestalten mit Symbolen, Magnetfotos die anzeigen, ob Mama oder Papa an diesem Tag zuständig ist. Erklären Sie ihm das Prinzip. Wenn Mama zuständig ist, braucht er nicht nach Papa zu fragen und umgekehrt. Wenn Sie die Zuständigkeiten täglich wechseln, können Sie ihm sagen, dass Papa dann morgen zuständig sein wird und wieder auf ihre Visualisierung verweisen. Ggf. kann der nicht zuständige Elternteil konsequent die Zeit anderweitig nutzen (Waldspaziergang, Heimwerken o.ä.), so dass ein Rollentausch auch nicht möglich ist. Üben Sie am Tage, Ihr Kind positiv zu leiten: Richtung vorgeben, Kind folgen lassen. Gute Übungsmöglichkeiten sind z.B. die Körperpflege, Sicherheit im Straßenverkehr oder einfache Anweisung, wie beispielsweise "Aufräumen" von kleineren Spielsituationen. Wenn der Elternakku noch nicht so leer ist, wie am Abend kann man in solchen Situationen leichter lernen, wie man die Leitung übernimmt und dem Kind hierdurch Orientierung geben kann. Wenn es gar nicht funktioniert, können Sie auch einen online-Vortrag von mir oder eine Einzelberatung buchen. Mit freundlichen Grüßen, Mechthild Hoehl
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