Annibe
Liebe Frau Dr. Dotzauer, Ich habe zwei riesen Probleme und hoffe auf ihre Hilfe… Mein Sohn (13 Monate alt) schläft nachts ausschließlich in der Federwiege. Wir haben eine Kleinkindfederwiege, die für 30 Kilo ausgelegt ist (Motor ebenfalls!) Momentan wiegt er 10 Kilo. Es ist unsere eigene Schuld. Wir haben ihm die Wiege angewöhnt, das wissen wir. Er war die ersten 9 Monate ein schlimmes Schreibaby und hat sich ausschließlich in der Federwiege beruhigt. Da wir noch einen älteren Sohn haben, haben wir die Wiege viel genutzt, um überhaupt zur Ruhe zu kommen. Tagsüber schläft er auch im Wagen, im Auto oder in seinem Bett. Wir waren 2 Wochen auf Mallorca -ohne Federwiege- und es hat super geklappt. Er hat dort in einem Reisebett geschlafen. Zuhause hat sich dann leider die Wiege wieder eingeschlichen, da er nachts nicht zur Ruhe kam. Wenn er mittags richtig arg müde ist, kann ich ihn in sein Bettchen legen. Dort schläft er dann 1-1,5 Stunden. Abends versuche ich ihn regelmäßig ebenfalls in ein Gitterbett zu legen. Er braucht dann aber 1,5-2 Stunden, bis er einschläft. Da ich wie gesagt auch noch einen großen Sohn habe, den ich ins Bett bringen muss, ist mir das einfach nicht möglich und ich gebe irgendwann auf und leg ihn die Federwiege. Mein Mann kann abends leider nur selten unterstützen, da er meistens noch auf der Arbeit ist (sehr langer Fahrtweg). Wenn der kleine dann doch mal in seinem Bett einschläft, schläft er dort so circa 1,5 Stunden. Wenn er dann aufwacht, um zu trinken, kommt er nicht mehr zur Ruhe. Er setzt sich in seinem Bett immer wieder hin, krabbelt darin herum und lacht. Er bleibt einfach nicht liegen. Wenn ich ihn dann die Federwege lege und den Motor einschalte, schläft er innerhalb von 5 Minuten wieder. Ich bin so ratlos und weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll. Vor allem, weil es unsere eigene Schuld ist… Ich fühle mich so schlimm schuldig und habe Angst, dass er nie mehr ohne Bewegung einschlafen kann.... Problem Nr. 2 ist sein Trinkverhalten in der Nacht. Er trinkt zum einschlafen um 19 Uhr einen 250ml Schoppen. Dann schläft er bis ca. 00 Uhr und trinkt erneut 150ml Schoppen. Danach wacht er pünktlich bis morgens um 7 Uhr alle 2-3 Stunden auf und trinkt jeweils 150ml Milch. Ich habe es schon mit Wasser versucht oder ihm einfach den Schnuller zu geben, das akzeptiert er überhaupt nicht. Er schreit, bis er seine Milch bekommt und schläft dann wieder 2-3 Stunden weiter. Ist das normal, dass ein Kind in diesem Alter noch so oft nachts aufwacht und Milch möchte? Ganz herzlichen Dank und Liebe Grüße, annibe
Liebe Annibe, @Federwiege: Ich würde ihm die Federwiege abgewöhnen, denn er ist ein kluges Kind und kann alles lernen, allerdings nur das, was die Eltern ihn auch lehren. Die Immobilisation durch die Hängematte und auch die gelieferte Bewegung übernimmt den Einschlafjob für ihr Kind. Das bedeutet das Kind lernt nicht was es schon selbst zu seiner Entspannung beitragen kann und ist von dieser Außen-Hilfe abhängig. Ihre Erfahrung, dass es im Urlaub auch ohne Federwiege gut geklappt hat, ist doch die beste Motivation. Ich würde Einschlafroutinen einführen ZB Bilderbuch gucken mit anschließender Schlafhinführung (singen und wiegen). Sie zeigen ihrem Sohn wie der Weg zur Entspannung geht. Zusätzlich sollten Sie ein Kuscheltier mit emotionaler Bedeutung ,tagsüber in Tröste- und Beruhigungssituationen aufladen, um mittelfristig die eigenregulativen Strategien zu fördern. Er soll auc nicht komplett auf dem Arm einschlafen, sondern noch mitbekommen dass er ins Bett gelegt wird @ nächtliches Trinken: auch das würde ich schrittweise abgewöhnen. Denn er kann lernen sich auch ohne Saugen&Schlucken zu beruhigen. Das viele Trinken des kleinen Babys passt nicht mehr für das Kleinkind und ist halt eine einfache Strategie, jedoch mit vielen Nachteilen behaftet. Er ist wieder von Außen abhängig, trinkt primär aus Weiterschlaferfordernissen und deckt somit nachts einen Großteil seines Kalorienbedarfs, welchen er sich dann nicht am Tage holt. Es blockiert das Hunger-Sättigungs-Erlebnis und er wird tagsüber deutlich weniger essen, was wiederum das nächtliche Trinken aufrechterhält. Darüberhinaus lernt er nicht das Weiterschlafen selber herzustellen und das ist und bleibt jede Nacht im Schlafpasenwechsel (ca alle 2 Std.) notwendig. Abends kann er außerhalb des Bettes noch eine letzte normale Flasche haben ca 30 min vor dem Einschlafen. Einachlafen dann mit Einschlafroutine s.o.. Dann jede nächtliche Flasche schrittweise verdünnen, von der Menge her reduzieren und nach hinten schieben. Also versuchen das Weiterschlafen auch ohne Flasche herzustellen. Es wird dauern, aber so reduzieren sich die nächtlichen Flaschen/Kalorien und er bekommt damit die Möglichkeit diese tagsüber zu sich zu nehmen. Das Ziel ist gar nichts mehr nachts zu trinken, weder Milch noch Wasser, er kann lernen sein Kuscheltier zunehmen, sich umzudrehen und weiterzuschlafen. Aber dazu darf er sich nichts mehr erwarten und er braucht eine Ideee wie er sich selbst beruhigen kann und am besten ein ruhiges schnarchendes elterliches Vorbild. Das lernt er nicht alleine, sondern durch seine Eltern, die es ihm immer wieder zeigen. Beides ist mühsam und wird dauern, aber ich möchte Sie dazu motivieren, denn es wird nicht von alleine leichter. Einfach anfangen und einfach tun. Je schneller Sie es angehen desto schneller sind sie durch. Alles Gute Daniela Dotzauer
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