Rund um die Erziehung

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Geschrieben von wassermann63 am 27.10.2006, 13:47 Uhr

irgend jemand hat mal etwas sehr treffendes

zum Thema Erziehung gesagt, ungefähr so:

"Egal, welche Erziehungsform Sie vorziehen, vergessen Sie sie. Die Kinder machen Ihnen eh alles nach"

... fürwahr, fürwahr...

Das gilt auch für Nicht-Erziehungs- oder ähnliche Theorien. Und umso mehr ich mir nachts irgendwelche Erziehungsratgeber um die Ohren schlag, umso weniger lasse ich meinen Bauch sprechen. Und was kommt raus? Erziehungsverwirrung..

Ich glaube, ich sollte mich mal lieber vom Compi loseisen, um nicht auch noch zu spät zum Abholen zu kommen... *augenroll*

LG von JAcky, die schon zu Schul- und später Berufszeiten immer pünktlich zu spät kam...
*knirsch*

 
14 Antworten:

nachtrag: das soll jetzt keine Kritik an einzelnen oder

Antwort von wassermann63 am 27.10.2006, 16:07 Uhr

allen Erziehungs- und Nichterziehungskonzepten sein. Es ist nur wie so oft im Leben: am Ende fällt man (oft) einfach wieder in den Trott zurück, den man selbst einmal gelernt oder anerzogen bekommen hat. Ich denke, nur ganz wenige können sich wirklich freimachen von Erziehungen, aber auch Erziehungsfehlern, die ihnen zuteil wurden ...

Und die Kinder re-agieren oft einfach so, wie die Eltern agieren. Vielleicht manchmal mit anderen Mitteln: z.B. könnte ich mir vorstellen, dass Jungs, deren Vater ihnen permanent das "Wort abschneidet" genauso aggressiv mit ihren Kumpanen und Kumpaninnen umgehen, also auch jeglichen Kontaktaufnahmeversuch "abschneiden", durch aggressives Verhalten (denn bis zu einem gewissen Alter sind sie noch nicht wortgewandt genug).

LG
JAcky

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Widerspruch! Aber vehement!

Antwort von raphael04 am 27.10.2006, 17:45 Uhr

Hi,

also dem widerspreche ich aufs schärfste! JEDER wird nämlich GROSS und ERZOGEN, aber genau DAS ist es, was das ERWACHSENWERDEN ausmacht: NICHT in Verhaltensmustern verharren, weil sie mir so beigebracht wurden, seinen Kopf zu benutzen, seine Logik, sein Bauchgefühl.
Groß geworden, aber nicht erwachsen geworden zu sein, heißt für mich z.B. meine Eltern für alle meine Fehler verantwortlich zu machen, da ich dieses oder jenes an ihrer Erziehung auszusetzen habe. Zu schlagen, weil ich geschlagen wurde, zu hetzen, weil ich gehetzt wurde etc.
Erwachsen sein heißt dann (für mich): ich weiß, meine Eltern haben mir Hetze (z.B.) vorgelebt, ABER mir hat es weder persönlich gefallen, noch möchte ich so leben (jetzt, also ändere ich mein Verhalten mit Hilfe von Kopf, Logik und Bauchgefühl), noch möchte ich dieses Verhalten meinen Kindern weitergeben - ich tue es also auch nicht.
Ich persönlich bin von Kindheit an SEHR aufbrausend (würde sogar fast sagen jähzornig - früher viel mehr) und ich WEISS, es wurde mir AUCH so vorgelebt durch meinen Vater. Aber ich kann mich eben auch sehr gut daran erinnern, wie ich mich als Kind dabei gefühlt habe und vermeide mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln solch ein Verhalten meinem Kind gegenüber. Trotzdem hat er bereits 2 mal mitbekommen, wie ich hier die Türen geknallt habe :-(
Es erfordert eine Menge Selbstdisziplin, aber ich versuche es zumindest stetig und bekomme sogar positives Feedback (von Freunden, meinem Mann ...), was natürlich ebenfalls bestärkend wirkt :-)

Und DAS ist Erwachsensein im besten Sinne.

LG ... Marion

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verstehe deinen (vehementen) Widerspruch nicht -

Antwort von wassermann63 am 27.10.2006, 18:05 Uhr

Hi,

du beschreibst doch genau das, was ich meine. Du hast einen aufbrausenden Charakter, dein Dad auch und es passiert dir immer wieder, in den "alten Trott" zu fallen (siehe schon allein die vielen gebrüllten Worte in deinem Text ;-), also sprich, die Vehemenz, um deine Vokabel zu verwenden...

ich sage ja nicht, dass das o.k. ist! Und ich sage auch nicht, dass man sich einfach in den alten Trott fallen lassen soll, so a la Fatalismus - ha, des isch halt so. Nein. Die Auswirkung der selbst erfahrenen Erziehung ist auch im Erwachsenenalter noch so stark - im Guten wie im Schlechten -, dass es nur sehr schwer möglich ist, sich davon frei zu machen. Und natürlich können einem der eine oder andere Erziehungsberater dabei helfen, Wege aus diesem Trott heraus zu finden.

ich persönlich habe in der Zwischenzeit schätzungsweise 10 Ratgeber gelesen, senfe und lese hier eifrig mit, um dann doch wieder rumzubrüllen, wie es good old Daddy zu tun pflegte.. Und ich könnte mir jedes Mal in den P.p. beißen, hinterher.

DAS ist das Dilemma. Und ich muss dann immer wieder in mich kehren, mit den besten Wünschen, dass es nicht mehr vorkommt. Ich habe mir selbst sogar schon ein Belohnungssystem vorgeschlagen *ooohje sag* ;-) (meine Mutter macht alles auf der Belohnungsschiene), hat aber auch nicht wirklich gefruchtet...

Na ja, werde wahrscheinlich den Baldi um den Hals hängen, so dass er stets griffbereit ist ;-)

Lg
JAcky

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Nachtrag: es besteht aber die gute Hoffnung,

Antwort von wassermann63 am 27.10.2006, 18:14 Uhr

dass sich die Brüllerei im Alter gibt - tatsächlich brüllt mein Dad jetzt nicht mehr ganz so oft und leidenschaftlich *hüstel*

Mal kucken, ob's bei mir schon etwas früher nachlässt.

LG
JAcky

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@Jacky

Antwort von raphael04 am 28.10.2006, 0:07 Uhr

Hallo,

ich muß dir abermals widersprechen :-)

1. Die großgeschriebenen Worte sind nicht gebrüllt, sondern verdeutlichend zu verstehen (kann man das Wort "Aber" überhaupt brüllen z.B.?)
2. Und nein, ich brülle eben nicht jedes mal und beiße mir jedes mal in den Allerwertesten hinterher, sondern ich habe in den knapp 2 Jahren exakt 2 mal einen "Anfall" bekommen, der aber auch dann nicht gegen mein Kind gerichtet, sondern gegen meinen Partner (denn ich kann keine fröhlichen Assoziationen zu herumliegenden Socken aufbauen wie Mama Heike *ggg*)
3. Das ist eben der Unterschied, den ich meinte. Man kann dauernd/oft in den alten Trott zurückfallen und sich dauernd dafür in den Hintern beißen und auch dauernd sagen: "naja, ich hab's probiert, aber ich bin halt ebenso aufbrausend wie Good Old Daddy". Im Gegensatz dazu kann man aber auch sagen: "Ja, ich weiß, mein Vater hat schon Anfälle gehabt, ich bekomme auch oft welche - also verändere ich mein Verhalten so, daß es eben nicht mehr vorkommt". Selbstdisziplin eben.
Wenn dann trotzdem MAL ein Ausrutscher passiert, o.k. Nicht gut, aber man hat ja seinen Kopf, um zu analysieren, WARUM ist das jetzt so passiert, was kann ich noch tun, um es zu verhindern? Und nicht: Ja, es liegt halt bei uns in der Familie, ich bemühe mich, aber es klappt halt nicht immer - das sind für mich 2 völlig unterschiedliche Intentionen.

LG ... Marion

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@raphael

Antwort von wassermann63 am 28.10.2006, 7:18 Uhr

Hi,

muss abermals verdeutlichen: ich befürworte Fatalismus NICHT. Auch ich arbeite ständig an mir, bisher allerdings mit recht überschaubarem Erfolg. Doch sage ich mir: selbst eine Reise von 10.000 Km beginnt mit dem ersten Schritt ...

Mit meinem Eingangsposting wollte ich nur zum Ausdruck bringen, wie leicht man in "den alten Trott" zurückfällt und wer nicht einsichtig, also sich selbst nie in Frage stellt, riskiert, in eben dem Trott zu verharren und immer wieder dieselben Dinge bei den eigenen Kindern oder dem Partner zu kritisieren, ohne sich bewusst zu werden, dass man gerade in einen Spiegel schaut..

Deshalb: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung..

Das gilt auch für mich.

LG
JAcky

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Re: Ich habe bis jetzt kein einziges Buch über Erziehung gelesen

Antwort von saulute am 28.10.2006, 23:10 Uhr

Und werde es weiterhin nicht tun. Ich erziehe mein Kind rein intuitiv, und meine Intuition ist die Liebe zu meinem Kind. Ich weiß auch meistens, warum sie weint, bockt oder was sie genau möchte, und wie sie sich fühlt, ich lese ihre gedanken (noch! :-)) dass kann man doch in den Kindergesichten so leicht ablesen. Und da man sein Kind liebt, will man automatisch ihm helfen oder aus dem problem befreien.
aber ich weiß auch, dass meine Tochter Grenzen und Konsequenz braucht (sogar mir tun manchmal die grenzen gut). Denn sie kann ihre gefühle oft noch nicht regulieren, manchmal weiß sie selbst nicht, was sie möchte, sie weiß nicht wohin mit sich selbst, sie ist frustriert über sich selbst, und fängt an, die wenigen Regeln, die sie hat zu brechen, und Unsinn zu machen. und dann werde ich streng mit ihr und manchmal kommt es auch zu einer Strafe (die aber logisch zu der tat ist), und danach ist ihr Gewitter wieder entladen, ich will nicht sagen, dass sie sich über strafe oder die grenzensetzung gefreut hat, aber danach ist wieder ruhig und ausgeglichen und läßt sich wieder in den Arm nehmen und trösten und versöhnen.
Also bei uns funktioniert es sehr gut, viel liebe, gepaart mit grenzensetzung und konsequenz.
ich vergleiche immer meine Erziehung mit einem großen Haus. es ist ja schön, dass es so geräumig ist, aber wenn ich nicht wüßte, wo das haus endet und seine Grenzen hat, wüde ich mich in diesem haus unheimlich fühlen und nur noch schreien.
bei uns funktionert es super. Ich muß aber auch sagen, dass sie meine einzige Tochter ist, ich nicht arbeiten gehe, von daher auch ganz viel Zeit und Aufmerksamkeit einbringen muß.
denn oft ist das problem bei kleinkindern, dass durch diese oben nicht vorhandenen Faktore, doch weniger zeit vorhanden ist und mehr Stress auf Mütter zukommt, dann sind eskalierende frustsituationen vorprogrammiert.
Wenn ich dann wieder in einem Jahr arbeiten gehe, muß ich sehen, wie es dann wieder läuft. Leicht wird es bestimmt nicht.

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Re: Und noch was

Antwort von saulute am 28.10.2006, 23:27 Uhr

Egal wie wir unsere Kinder aufwachsen lassen, ob mit der antiautoritären erziehung oder Nicht-Erziehung, sie werden trotzdem nicht perfekte Erwachsene werden, egal, wieviel Ambitionen wir dahinter haben. Sie werden weiterhin Nöte, kummer, Ängste und ungerecht mal sein,Fehler machen, an sich selbst zweifeln alles, was es zum Menschendasein gehört. Deswegen ich kann sehr gut damit leben, wenn ich meinem kind die ganze Liebe gebe, die ich habe, ihm die Welt erkläre und auch mal fehler in der Erziehung mache.
Ich sehe es etwas gelassen. solange mein Kind die meiste zeit fröhlich und glücklich ist und ich auch mit ihm, sehe ich keine gefahr , mein Kind zu einem seelischen Wrack zu machen.

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Re: irgend jemand hat mal etwas sehr treffendes

Antwort von fiammetta am 29.10.2006, 11:22 Uhr

Hi,

vorab: wir halten`s wie Saulute. Allerdings kommt uns unsere psychologische und pädagogische Ausbildung durchaus entgegen, auch wenn wir trotzdem (oder deswegen?) genauso mitunter an bestimmte Grenzen stoßen.

Ich glaube, die meisten Menschen machen sich um Erziehung - Sinn, Durchführung, etc. keine wirklichen Gedanken. Man macht halt. Die einen stellen das Kind in den Mittelpunkt, bei anderen muß sich das Kind nach den Eltern richten (warum auch immer). Manche lehnen Strafen völlig ab, andere sehen sie als Erziehungsinstrument. Ich glaube, daß oft erst die Erziehungstat geschieht und dann eine Erziehungsform als Rechtfertigung aufgepfropft wird - und sich damit die Glaubwürdigkeit mangels echter Konsequenz oftmals von selbst in Frage stellt.

Insgesamt habe ich eines beobachtet: auf Dauer werden Denkmuster weitergegeben, die sich oft in Handlungen manifestieren. Soll heißen, daß wenn z.B. der finanzielle Wohlstand in der Familie ein Ideal darstellt, die Chancen gut stehen, daß auch die Kinder beim Berufswunsch und in ihrer Lebensplanung und -führung genau dies wieder umsetzen werden. Ausnahmen im absolut gegenteiligen Sinn gibt es dann, wenn sich der Geldgier die Familie permanent unterordnen muß. Dasselbe gilt für das vermittelte Bildungsideal. Wir besitzen mehrere tausend Bücher, sehen wenig fern, lesen und lernen so oft es geht. Unser Sohnemann liebt ebensfalls Bücher und ich werde alles daran setzen, daß dies auch so bleibt. Sein Wortschatz ist jetzt schon größer und differenzierter als der mancher 70jähriger. In seiner Kindergarten-Gruppe sind einige Familien, deren Leben aus Hausbauen - Garten anlegen - Urlaub fahren - fernsehen besteht. Gut, für diese Leute mag das ausreichend sein, aber die Kinder befassen sich genauso wenig mit Büchern, an Neugier mangelt`s und auch der Wortschatz ist eher eingeschränkt. Den Kindern ist kein Vorwurf zu machen, klar. Aber das Erziehungsideal der Eltern ist ebenso kaum, ihren Nachwuchs zu kleinen Dumpfbacken zu formen - sie merken es ja selbst nicht, ihnen ermangelt es an echten Idealen, die sie somit auch nicht weitergeben können und genauso fehlt es an der Fähigkeit, das eigene Leben zu reflektieren. Ergo: nicht die nachträglich aufgepfropfte Erziehungsform ist wirklich entscheidend, sondern die Verhaltensmuster und die Lebensideale der Eltern, die sich einprägen.

LG

Fiammetta

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Re: Und noch was

Antwort von ny152 am 29.10.2006, 13:42 Uhr

noch mal: wirf bitte nicht die antiautoritäre erziehung mit der nicht-erziehung in einen topf! wie ich schon schrieb, die antiautoritäre erziehung erzieht sehr wohl! sie erzieht nur nicht autoritär (also keine erziehung mittels furcht erregen, keine körperliche/psychische gewalt, keine drohungen/bestrafungen usw.).

ich weiß, dass otto normalverbraucher unter antiautoritärer erziehung was ganz anderes versteht. aber es ist definitiv falsch! das lernst du in jedem pädagogik-studium.

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Re: ny152

Antwort von saulute am 29.10.2006, 14:08 Uhr

"wirf bitte nicht die antiautoritäre erziehung mit der nicht-erziehung in einen topf!"

Wo mache ich das? Ausserdem sind mir die beiden Erziehungen so was von egal, dass ich sie nur allgemein erwähnt habe, damit habe ich sie nciht in einen Topf geworfen.

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Re: ny152

Antwort von ny152 am 29.10.2006, 14:16 Uhr

;-)

nach allem, was ich von dir lese, halte ich dich für verdammt nahe an der antiautoritären erziehung (die richtig verstandene version). *zwinker*

und in einen topf geworfen hast du sie vor allem weiter unten, aber da habe ich ja auch was zu geschrieben.

überhaupt nehme ich dir nicht ab, dass dir der austausch über erziehung so was von egal ist. sonst würdest du dich nicht so intensiv daran beteiligen und solche foren für völlig überflüssig halten, oder?

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Re: irgend jemand hat mal etwas sehr treffendes

Antwort von wassermann63 am 29.10.2006, 16:08 Uhr

Hi,

prinzipiell gehe ich mit dir konform, allerdings möchte ich die Pauschalisierung: "Eltern kümmern sich vorrangig um Haus, Garten, Urlaub und Fernsehen und lassen in der Folge ihre Kinder verdummen" nicht so stehen lassen, zumindest nicht kommentarlos von meiner Seite.

Tatsächlich konzentrieren wir auch seit ca. 1,5 Jahren unsere Bemühungen auf den Bau von Haus und Garten, weil es schlicht und einfach sehr aufwändig ist. Das bedeutet aber nicht, dass sowohl das Innere des Hauses als auch der Inhalt der Köpfe der Bewohner gezwungenermaßen hohl sein muss ;-)

Für uns bedeutet der Hausbau einfach, das Heim oder ich könnte auch sagen, die Basisstation für unsere Familie zu schaffen. Der Ort, an dem man sowohl Kraft schöpft für Aktivität und Initiative als auch Ruhe und Geborgenheit findet.

Ein ganz grundlegendes Bedürfnis der menschlichen Psyche ...

Lg
JAcky

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@wassermann63

Antwort von fiammetta am 29.10.2006, 17:05 Uhr

Hi,

man kann auch Haus bauen und seinen Garten anlegen und in der restlichen Freizeit lesen oder sich anderen sinnvolleren Beschäftigungen widmen als dem Fernsehen - das meinte ich damit. Körperliche Freizeitbeschäftigungen schließen hirnbezogene nicht aus, bei manchen allerdings schon. Das gerne angeführte Argument, lesen sei doch soo viel anstrengender als fernsehen hängt von der persönlichen Lesegewohnheit ab und davon, wie weit man sich unreflektiert bedienen lassen möchte und als wie anstrengend man Denken empfindet (ich sehe schon die Protestpostings vor mir *grins*). Der Beweis: eine Reihe meiner Kursteilnehmer kommen mit einem schlechten Gewissen zum Unterricht und entschuldigen sich vorab, daß sie "keine Zeit zum Lernen" gehabt hätten. Meistens sind das diejenigen, die sowieso recht lernungewohnt sind und bei denen das Lernen äußerst sinnvoll gewesen wäre. Frage ich sie dann, wieviel Zeit sie die Woche über für`s Fernsehen aufgebracht haben, dann stellt`s einem die Haare auf. Bei ihren Kindern jammern sie darüber, wie schwer die Schule sei und erwarten, daß sie - ohne es aber vorzuleben - mindestens die Mittlere Reife schaffen und zerfressen sich vor Neid, wenn jemand noch weiter gekommen ist. Mich plättet das, daß jemand für sich zwar ohne sinnvolle Ideale auskommt (und auch noch Argumente dagegen findet), diese natürlich nicht vorlebt und dann die Verwirklichung wirtschaftlich (!)relevanter Ideale trotzdem langfristig von seinem Nachwuchs einfordert.

LG

Fiammetta

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