Lilal
Hi, unser großer Sohn (5½) ist schon seit er ein Baby ist eher etwas anstrengender. Jetzt da wir das zweite Kind haben (7 Monate) merke ich erst wie schwer auch die Babyzeit mit ihm war. Er ist sehr sensibel, bekommt alles mit und sehr zappelig. Viele meinen es könnte sein dass er ADHS hat aber ich will sowas in dem Alter einfach nicht abstempeln. Momentan rastet er wieder sehr schnell aus. Sobald er etwas möchte und ich nein sagen knallt er die Türen, schreit rum und beschimpft mich. Zum Glück haben wir es irgendwie geschafft dass er nicht mehr haut und tritt. Wir haben klare Regeln für Medienzeit und Süßigkeiten. Alles andere funktioniert nicht weil er dabei keine Grenzen kennt. Sobald er am Abend etwas müde ist dreht er komplett auf. Hüpft und rennt nur rum, ist sehr laut, macht nur noch Quatsch und nervt einfach nur. Mein Mann und ich sind in letzter Zeit sehr an unserer Grenze und ich merke immer wieder wie wir oft in eine Schleife des Schipfens kommen. Dann meckern wir unbewusst nur an ihm rum. Tu das nicht und jenes, sei leiser, lass deinen Bruder...sobald es zu viel wird rastet er wieder aus....das verstehe ich ja weil wir nur rum schimpfen. Aber wir können oft am Abend einfach nicht mehr. Er lässt uns aber auch keinen Abstand und wenn ich ihm es erklären will oder über etwas reden schreit er mich nur an ich soll leise sein er will es nicht hören. Er ist ein toller großer Bruder, kümmert sich, kuschelt und ist null eifersüchtig. Das hätte ich nie gedacht. Auch hier ist das kuschel aber manchmal zu viel. Das sage ich ihm dann aber er hört meistens nicht auf. Wenn wir außerhalb sind ist er so vorbildlich. Brav, zwar zappelig aber ruhig. Fast etwas zu schüchtern. Außerdem wir unser Thema mit Kleidung immer schlimmer. Alles was wir ihm kaufen kratzt oder zwickt. Neuerdings will er keine Mütze tragen weil die weh tut. Alle Mützen aus zwei Geschäften haben ihm nicht gepasst. Auch Schuhe haben wir schon anprobiert und dann waren sie daheim zu unbequem. Essen ist auch so was. Er isst fast nur süße Dinge (Pfannkuchen Milchbrei, Marmeladenbrot) alles andere schmeckt ihm nicht. Wenn er sich verletzt oder einen kleinen Spreißel hat weint und schreit er oft so sehr dass man denkt er hätte sich was gebrochen. Er ist unfassbar unordentlich obwohl ich immer darauf achten dass er seine Sachen aufräumt. Er ist ein Meister in ausreden (Beine tun weh, müde, Kopfweh) und er kriecht dann nur am Boden rum. Kennt jemand sowas? Hat jemand kleine Tipps für den Alltag? Muss ich strenger sein? Aber ich denk dann eskaliert noch mehr alles. Wie kann man strenger sein wenn ein Kind in dem Alter nicht macht was man sagt. Fernsehzeit und Süßigkeiten entziehen? Muss ich einfühlsamer sein? Wie bekomm ich mehr Ruhe? Irgendwann platz es dann aus mir raus mit geschimpfe und geschrei. Vielen Dank an jeden der das kennt < 3
Für mich klingt das sehr nach Hochsensibilität. Kratzende Wäsche, Schmerzempfindlichkeit, spezieller Geschmack beim Essen, Emotionsausbrüche, usw. Elaine Aron schreibt sehr gute Bücher zu dem Thema.
bitte nicht mit diagnosen werfen. es passt zu so ziemlich jeder neurodiversität. @ap: vielleicht mal damit beschäftigen wie man ganz generell neurodiversen kindern hilft. das ist auch bei kindern ohne diagnose oft hilfreich.
Hochsensibilität ist doch keine Krankheit! Das ist einfach nur eine Persönlichkeitseigenschaft/Charaktereigenschaft.
wer spricht von krankheit?
Was sagt denn der Kinderarzt bei den U's? Unauffällig? Eher zurück, normal oder voraus? Was sagt der Kindergarten? Was kommt/kam da über die Jahre für ein Feedback? Was sagen Dritte die mit eurem Großen zusammen sind? Andere Mamas, Oma, Opa oder wenn das Kind mal woanders "alleine" ist. Ich finde deine Beschreibungen tatsächlich auffällig. Ob sich dahinter ADHS verbirgt, ist in dem Alter schwierig. Auf der anderen Seite ist es jedoch so, dass er nächstes Jahr in die Schule kommt. Von daher würde ich das abklären lassen. Zuerst mit dem Kiga sprechen, dann damit zum Kinderarzt. Der gibt Dir eine ÜW in ein SPZ. Die Chance einer Abklärung würde ich jetzt noch nutzen.
Die U Untersuchungen und auch die Schuleingangsuntersuchung ware alle dem Alter entsprechend. Er braucht bei körperlichen Dingen wie Fahrrad fahren, schwimmen, klettern etc. eher lang aber ist im köpfchen sehr fit. Aber alles normal. Auch wenn wir mit anderen unterwegs sind ist er sehr vorbildlich und lieb...nur etwas aufgedreht. Im Kindergarten Kennen sie ihn nur eher schüchtern aber normal, etwas zappelig. Da hat er aber nie Wutausbrüche oder ähnliches. Glücklicherweise kommt er erst übernächstes Jahr in die Schule, da wir es selbst entscheiden dürfen und ihm noch etwas Zeit geben wollen. Die Omas kennen die ein oder anderen Ticks und sind auch etwas überfragt. Sie empfinden ihn auch als sehr zappelig, furdernt und anstrengend. Aber komplette Ausraster sind nur daheim
Nun, er fällt auf. Das würde ich abklären lassen. Immer bevor er in die Schule kommt. Setzt euch dazu ein Zeitfenster. Aktuell scheint es ja im Kuga gut zu klappen, 2 Jahre sind noch Zeit bis zur Schule. Ich würde schauen, ob Ihr durch die Veränderung eures Erziehungsstils mehr Ruhe hineinbringt. Konsequent und klar bei Grenzen, die ihr vorher zusammen mit ihm vereinbart habt. Und beobachten. Eventuell hilft euch eine Erziehungsberatung. Was ich nicht tun würde, aussitzen. Nutzt die Zeit vor Schulbeginn.
Die wichtigste Info fehlt; wie verhält er sich im Kindergarten? Wie ist da sein Essverhalten? Und dein Bericht ist schon ein Widerspruch an sich: Süsskram ist reglementiert - er ernährt sich nur von Süsskram .....wenn du es ihm nicht auf den Tisch stellen würdest, könnte er das nicht. Und nein, kein Kind verhungert am vollen Tisch. Wenn eine Mahlzeit ausfällt, wird halt bei der nächsten zugelangt. Versetze dich doch mal in ein Kind; "toll ich sage mag ich nicht und schon serviert Mama mir Süsskram". - würdest du da freiwillig etwas anderes essen? Ich denke, ihr solltet euch eine Erziehungsberatung suchen.
Ich habe schon geschrieben dass er sich im KiGa ganz normal verhält. Es gibt kein warmes Essen sondern nur die Brotzeit von mir. Davon isst er meistens nicht so viel (nur Obst, Gemüse und Butterbrot). Ich habe auch nicht geschrieben dass er dann was süßes bekommt. Er darf sich drei Dinge zu naschen im Laufe des Tages nehmen. Ansonsten essen wir einmal zusammen und da isst er auch kaum was. AUẞER es gibt Pfannkuchen, Marmeladenbrot (Frühstück) oder irgnd so was.
Wenn Euer Sohn im Kindergarten so angepasst ist, muss er seine Emotionen oder eventuell auch die Überreizung durch den Kindergarten anderswo rauslassen, und das macht er da, wo er sich sicher und geborgen fühlt, nämlich bei Euch.
Ob er neurodivers ist, hm, möglich nach Deiner Beschreibung. Auf jeden Fall scheint er überempfindlich auf Essen und bestimmte Kleidungsstücke zu reagieren, was häufig bei neurodiversen Menschen vorkommt. Auch überdurchschnittliches oder unterdurchschnittliches Schmerzempfinden kommt bei diesen Menschen häufig vor. Falls Ihr schon Fälle in der Familie habt, wäre es wahrscheinlicher.
Unsere Kinder (beide anstrengend, aber nur eins mit ADHS) brauchten in dem Alter jedenfalls sehr klare Regeln und Konsequenzen, möglichst ohne Ausnahmen. Die Konsequenzen mussten vorher angekündigt und selbstverständlich auch durchgezogen werden. Je lascher der Umgang, umso schlimmer wurden die Kinder. (Das merkte man immer am "Zustand nach Oma").
Veränderungen und erwartetes Verhalten des Kindes muss man bei neurodiversen Kindern frühzeitig ankündigen, um "Explosionen" zu vermeiden.
"Wie kann man strenger sein wenn ein Kind in dem Alter nicht macht was man sagt. Fernsehzeit und Süßigkeiten entziehen? "
Am besten sind immer Konsequenzen, die logisch aus dem Fehlverhalten folgen. Wenn das Kind z.B. nicht die Zähne putzen will, kann es leider keine Süßigkeiten essen, weil dann die Zähne kaputt gehen.
Man kann auch umgekehrt Anreize schaffen, wie, wenn wir zwei zusammen Dein Zimmer aufgeräumt haben, spielen wir danach ein Brettspiel. (Aufräumen ist ein schwieriges Thema bei neurodiversen Kinder, weil die oft damit überfordert sind, wie sie vorgehen sollen. Da sagt man z.B. nicht "Räume bitte Dein Zimmer auf.", sondern kleinschrittig "Räume bitte das Lego in die blaue Kiste." usw.)
Müde Kinder kann man vergessen, denn nach müde kommt blöd. Da läuft nichts mehr mit Erziehung. Man sollte zusehen, dass die nötigen Schritte erledigt sind, bevor das Kind kippt.
Ich habe mit unseren immer in ruhigen, wachen Minuten Dinge besprochen. Zum Beispiel, warum ich nicht möchte, dass die Kinder Sache x machen, und was eine Alternative sein könnte.
Ist bei dem Mützenthema vielleicht die Kapuze der Jacke eine Alternative, die Dein Sohn akzeptiert?
Ich würde an Eurer Stelle jetzt einen Termin für eine ADHS- und eventuell auch Autismus-Diagnostik machen, denn die entsprechenden Stellen haben lange Wartezeiten (oder Ihr zahlt privat), denn es ist sehr hilfreich, wenn man das weiß und eine Anlaufstelle hat, wenn Probleme in der Schule auftauchen.
Hallo, ich kenne das auch. Auch die Sorge darüber, dass es möglicherweise ADHS oder anderes sein könnte oder dass das Kind nicht "normal" ist. Auch die Hilflosigkeit, die sich öfter mal einschleicht und das schlechte Gewissen, wenn man einen "Rückfall" in alte unerwünschte Muster erkennt. Was mir geholfen hat, war zu begreifen (nur ein paar von vielen Punkten) 1. dass das Kind in diesem Alter in der Wackelzahnpubertät steckt 2. ein enormes Autonomiebedürfnis hat und Kompetenz zugeschrieben bekommen möchte (z.B. ich kann selbst entscheiden, ob ich eine Mütze anziehe und ich metke selbst, ob mir kalt wird) 3. Einfache Regeln zwar schon recht gut verstehen, sich aber nicht ohne Hilfestellung an sie halten kann 4. dass das Kind emotional und kognitiv noch lange nicht reif genug ist, um den (oft unrealistischen nicht altersentsprechenden) Erwartungen und Hrenzsetzungen von Erwachsenen zu entsprechen (z.B. nicht zu hauen, wenn das Kind wütend ist) 5. dass Bestrafung/unlogische Konsequenzen (z.B. wenn du nicht aufräumst, darfst du nicht fernsehen) wahrscheinlich Verlustängste auslösen und langfristig ein falsches Verständnis von Konsequenz vermitteln 6. dass sich wirklich viel über Geduld, Verständnis und Liebe regulieren lässt... und Liebe, mehr Liebe und nochmal Liebe 7. das man auch als Erwachsener seine Grenzen erkennen muss (z.B. den Zeitpunkt zu erkennen, an dem man Hilfe benötigt) 8. dass die größte Arbeit am Kind oft die Arbeit an sich selbst ist, insbesondere, wenn man selbst in einem nicht kindgerechten Umfeld aufgewachsen ist Ich denke, damit, dass du hier im Forum schreibst, zeichnet sich für dich und dein Kind schon einen richtiger Weg ab: Nämlich, dass du reflektierst und bereit bist deinen Horizont zu erweitern. Weiter so und alles Gute :-) Und holt euch Hilfe egal wie und wo, damit der Leidensdruck nicht zu groß wird.
Ich denke, dass ein Teil seines Verhaltens auch Geschwistereifersucht / Enttrohnung als Ursache haben könnte. Das Baby ist noch jung, bekommt vielleicht erst jetzt so langsam verstärkt Aufmerksamkeit tagsüber. Mit dem "zu dolle" kuscheln oder abends aufdrehen versucht dein Sohn vielleicht unbewusst, sich die Aufmerksamkeit zurückzuholen. Vielleicht auch das "nicht mehr laufen können" - das Baby wird ja auch geschoben oder getragen. Das ist alles ganz normal. Auch dass die Eifersucht immer wieder aufflammt, wenn das kleine Geschwisterchen sich weiter entwickelt. Daher würde ich euch empfehlen, dass ihr euch mit dem Thema näher befasst, und schaut, was ihr von den gängigen Tipps umsetzen könnt (Baby möglichst nicht als Begründung angeben, wenn er sein Verhalten ändern soll, exklusiv Zeit mit Mama/Papa usw.) Zum Essen: Je nachdem, wie groß bei euch eine Portion Süßes ist, ist sein Kalorienbedarf vielleicht schon zu einem großen Teil gedeckt. Ich persönlich finde 3 mal am Tag naschen viel, vor allem wenn noch süße Mahlzeiten dazu kommen. Bei uns dürfen die Kinder sich maximal einmal am Tag 1-2 Süßigkeiten nehmen, und dazu kommt an manchen Tagen noch etwas anderes, was dann die ganze Familie isst (Kaffee und Kuchen, Eis, Pfannkuchen, Milchreis usw.). Vor dem Essen und abends gibt es nichts. Manche Kinder werden durch Zucker auch aufgepuscht, daher würde ich es an eurer Stelle lieber nur 1 Mal am Tag erlauben und es dann beobachten. Oder es schadet auch nichts, mal eine Woche gar nichts Süßes im Haus zu haben und zu testen, ob es dann besser wird. Sowohl mit dem Appetit als auch mit dem Aufdrehen. Zu der Kleidung habe ich keine Idee, aber das haben manche Kinder. Dass er da empfindlich ist, dafür kann er nichts, da würde ich ihm soweit es geht entgegenkommen und gemeinsam Kompromisse suchen. Unordentlich sind die meisten Kinder, die ich kenne 🙈 das finde ich in dem Alter nicht umgewöhnlich. Da müsst ihr aber auch konsequent dran bleiben. Es ist gut, dass ihr euch mit der Schule noch ein bisschen Zeit lassen könnt. Ich denke, es wird auf jeden Fall zum Teil besser bis dahin. Es kann aber nicht schaden, euch schon jetzt Unterstützung zu organisieren, da es manchmal lange dauern kann. Ich würde es erstmal mit Erziehungsberatung probieren, wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr alleine nicht weiterkommt.