Christiane Schuster

Verhaltensauffälligkeiten

Antwort von Christiane Schuster

Frage:

Hallo,
seit Monaten ist mein 3,5 Jähriger Sohn recht wild, laut, hier und da aggressiv, hat häufig Wutausbrüche und hört meist überhaupt nicht. Als es jetzt auch noch ein Gespräch im Kindergarten wegen seines nicht hören wollen und seinem "auffälligen Verhalten" gab (Konflikte, aggressives Verhalten), wurden die Gedanken um ihn immer stärker und alles dreht sich nur noch um ihn: hoffentlich verletzt er kein anderes Kind beim Spielen, hoffentlich bekommt er keinen Wutanfall, hoffentlich bekommt er Kontakt zu den anderen Kindern....... Schluss endlich habe ich bei der Kinderärztin nachgefragt, weil viele in meinem Bekanntenkreis schon meinten, er sei eventuell krank oder benötige einen Psychologen! Meine Kinderärztin konnte mir die Sorge nehmen und meinte, dass er völlig normal sei und er sich wie viele Kinder in seinem Alter verhalte. Áuch wenn es bei ihm sehr heftig ist. Wutausbrüche sollen wir mit einem Wutkissen abfangen und ihn bei Ausrastern im Klammergriff festhalten! Seit drei Tagen versuchen wir das. Aber was mir immer noch schlaflose Nächte bereitet, ist das nicht hören wollen: letzte Woche ist er über die Straße gelaufen und hat auf mein zweimaliges Schreien: "Stopp, bleib stehen, ein Auto kommt" überhaupt nicht reagiert. Das Auto fuhr glücklicherweise langsam und konnte stoppen! Oder aber er läuft mir einfach weg oder reagiert fast nie auf meine Anfragen, Bitten und Forderungen! Selbst im Straßenverkehr bleibt er Mitten auf dem Zebrastreifen stehen und wirft sich zu Boden, wenn ihm etwas nicht passt!!! Ich könnte noch viele, kritische Beispiele nennen - die Situationen werden dadurch verstärkt, dass ich immer noch seinen jüngeren Bruder (1 3/4J.) dabei habe und oft nicht so schnell reagieren kann.
Ich bin nun schon mal sehr beruhigt, dass er gesund ist, aber wie kann ich gegen dieses Nicht hören wollen erzieherisch angehen? Ich weiß es wirklich nicht in Situationen, wo ich einfach auf seine Mithilfe angewiesen bin!!! Komme mir oft schrecklich hilflos vor und habe einfach nur angst, dass er auf die Straße rennt usw.!!!! Bitte geben Sie mir Tipps, Hilfestellungen oder auch Buchanregungen! Vieles habe ich auch schon über Triple P erfahren und versuche, seit Sommer 08 vieles umzusetzten: positive Anweisungen geben, Loben, Zeit für jedes einzelne Kind nehmen, Auszeit nutzen..... aber außerhalb und im Umgang mit anderen Kindern ist es extrem schwierig und nicht einschätzbar, wie er sich verhält. Ich stehe nur noch unter Druck, das Familienleben richtet sich nur noch nach ihm. Und ich habe angst, dass kein Kind mit ihm eine Freundschaft aufbauen will, weil er eben seine "Ausraster" hat und oft auch andere Kinder einfach nur verletzt! Kann es sein, dass ihm noch das "soziale Verständnis fehlt"? Bei zwei Kindern in der Nachbarschaft, die genauso alt sind, ist mir vermehrt aufgefallen, dass sie sein Verhalten nicht nachvollziehen können und oft auch schon nachgefragt haben, warum Lewin dies und das gemacht habe!
Ich würde mich sehr über produktive Antworten und auch Anregungen und Tipps freuen!
In hoffnungsvoller Erwartung,
Mantine

von mantine am 18.11.2008, 15:09 Uhr

 

Antwort auf:

Verhaltensauffälligkeiten

Hallo Mantine
Auch wenn Lewin Ihr älterer Sohn ist, denken Sie bitte stets daran, dass er ein Kleinkind und kein kleiner Erwachsener ist. Überfordern Sie ihn bitte nicht. Mit 3,5 Jahren muß er ein angemessenes soziales Verhalten erst noch lernen. Helfen Sie ihm dabei, indem Sie möglichst wenige Verbote aussprechen und seine Stärken möglichst oft auch vor anderen Personen lobend erwähnen. Achten Sie bitte darauf, seinem recht großen Bewegungsdrang gerecht zu werden, indem Sie ihn möglichst an einer entsprechenden Interessengruppe teilnehmen lassen (Schwimmkurs, Sportgruppe o.Ä.).
Handeln Sie bitte stets begründet konsequent, aber auch gelassen, damit Sie ihn nicht geradezu herausfordern, Ihre Reaktionen und seine Grenzen auszuprobieren.
Da er in seinem Alter Gefahren im Straßenverkehr noch überhaupt nicht einschätzen kann, rate ich Ihnen, ihn konsequent an die Hand zu nehmen. Müssen Sie unbedingt mit beiden Kindern einkaufen o.Ä. gehen, lassen Sie Lewin eine eigene Karre schieben oder tragen Sie seinen Bruder in einer Rückentrage, während er konsequent an Ihrer Hand geht oder setzen Sie beide Kinder in einen Bollerwagen.
Als Ratgeber empfehle ich Ihnen: "Kindern Grenzen setzen -wann und wie?" von Cornelia Nitsch oder auch: "Kinder nerven nicht!" Sie brauchen nur Grenzen von Betty Stewart.

Viel Kraft, liebe Grüße und: bis bald?

von Christiane Schuster am 18.11.2008

Antwort auf:

Verhaltensauffälligkeiten

Hallo Frau Schuster,

vielen Dank für ihre Antwort.
Was ich nur nicht so ganz verstehe, ist, dass andere Kinder in Lewins Alter alle schon so verständig sind und wissen, dass man nicht auf die Straße läuft, andere Kinder nicht mutwillig verletzt usw. Ist also auch im sozialen Verhalten eine sehr große Spanne, wann die Kinder dieses Verhalten begreifen und erlernen? Leider stehen Freunde, die Lewin besuchen, meist kopfschütelnd neben ihm und verstehen nicht, warum er sich so verhält. Und auch seine Aussagen sind grundsätzlich so, dass man „denkt“, dass Lewin sich sehr viel behalten kann und auch kombinieren und sehr wohl Sachverhalte aufnehmen und verstehen kann. Oder kann es sein, dass seine verbalen Fähigkeiten ein schon fortgeschritteneres Verständnis „nur vortäuschen“?
Ihn vor anderen Personen loben „übe“ und praktiziere ich seit Sommer 2008, da ich in der Mutter-Kind-Kur vieles über Triple P kennen lernen durfte und auch versuche, dies umzusetzten (mein Mann auch). Und auch motorisch hat er in einem großen Wohnzimmer, einem Kinderzimmer mit Hochbett und Ringen zum Turnen und einem Garten vor dem Haus viele Möglichkeiten, sich auszuleben. 1x/Woche gehen wir als Familie ins Schwimmbad (Verein), was von den Kindern sehr geliebt wird.
Zur Gelassenheit muss ich zugeben, dass mir das am schwersten fällt, denn man fühlt sich doch sehr leicht persönlich angegriffen, hilflos und genervt! Vielleicht haben Sie diesbezüglich auch Tipps für meine Person?
Und zu Situationen außer Haus ist es leider so, dass er sich grundsätzlich weigert, an meiner Hand zu laufen und wir über diese stark befahrene Straße (Zebrastreifen) auf dem Weg zum Kindergarten gehen müssen! Wenn ich ihn mutwillig an die Hand nehme, springt und schreit und beißt er! Das ist ein Drama! Und lässt sich fallen und dann geht gar nichts mehr (da immer auch noch sein kleiner Bruder dabei ist)! Wie geht man in solchen Situationen damit um? Diese sind leider täglich…… das Einkaufen mit Kindern vermeide ich so gut es geht.
Wichtig ist mir, auch zu verstehen, warum Lewin so oft „Nein“ sagt, nein, das macht er nicht…. Ich versuche schon, es so zu formulieren, wenn er z.Bsp. etwas aufheben soll, dass er entscheiden kann, WANN er es aufheben will. Das funktioniert meistens. Doch grundsätzlich frage ich mich, warum er nicht hört….. es ignorieren, selbst erledigen usw. ist doch auch keine Lösung…. oder? Wird sich das irgendwann geben? Und wenn nein, was dann? Ich habe in dem Buch „Kinderjahre“ gelesen, dass der Gehorsam von Kindern freiwillig erfolgt und auch gewünscht ist, wenn sich die Kinder sicher gebunden fühlen. Heißt es dann, dass mein Sohn an mich NICHT sicher gebunden ist?!
Über eine erneute Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar!
Vielen Dank im Voraus,
schöne Grüße und eine schöne Vorweihnachtszeit,
Mantine

von Mantine am 03.12.2008

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