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Wie lebt ihr die "deutsche Kultur" im Ausland?

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Wie lebt ihr die "deutsche Kultur" im Ausland?

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Hi!!! Ich haette mal eine Frage an alle Mamis und Papis, die mit ihren Familien im Ausland leben. Wir leben hier seit vier Jahren in einem Vorort von Philadelphia. Mein Mann ist Deutsch-Amerikaner und die Kinder werden beide Staatsbuergerschaften haben. Ich hatte gestern eine interessante Diskussion mit meiner Schwaegerin und meinem Mann. Bei meiner Schwaegerin ist die Konstellation auch so, dass sie als Deutsch-Amerikanerin einen Deutschen geheiratet hat. Wir haben nun gestern darueber geredet, wie wir unseren Kindern die deutsche Kultur bzw. die deutsche Lebensweise nahebringen sollen. Die Definitionen gingen ein bisschen auseinander. Waehrend mein Mann der Meinung ist, dass es eigentlich reicht, wenn wir den Kindern die deutschen Traditionen vorleben (sprich z.B. Nikolaus am 6. Dezember, Bescherung an Heiligabend etc.), daheim deutsch sprechen und auch oefters deutsch kochen, haben meine Schwaegerin und ich uns halt gefragt, ob das nicht ein bisschen einseitig ist. Denn irgendwie sind die Kinder dann ja "Exoten" wenn sie nicht ausserhalb der Familie auch deutsch sprechen koennen. Leider ist es hier so, dass wir zwar etliche deutsche Vereine hier in der Gegend haben, aber dass leider 1. der Nachwuchs und die Bereitschaft der juengeren Generation, sich zu engagieren, fehlt und 2. schon die Generation meines Mannes leider nur noch mangelhaft deutsch spricht, von deren Kindern ganz zu schweigen. Der einzige deutsche Verein, der hier noch so ein bisschen was fuer Kinder im Alter meiner Tochter (3 Jahre) tut, ist ein Schuhplattlerverein. Damit bin ich jedoch irgendwie nicht aufgewachsen, kann mich damit auch nicht so toll identifizieren, und mir kommt's halt dann irgendwie so vor, dass wir dann auf Biegen und Brechen dorthingehen wuerden, nur um ausserhalb der Familie noch irgendwie einen deutschen Anker zu haben. Daher mal meine Frage: wie lebt ihr die deutsche Kultur im Ausland? Wie vermittelt ihr euren Kindern die deutsche Lebensweise und was definiert ihr als deutsche Kultur ueberhaupt? Bin mal sehr gespannt ueber eure Antworten. Vielen Dank!!! TaKaCo


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Hallo! Also, mein Kind ist ja noch im Bauch, aber wenn er mal geschluepft ist, habe ich nicht viel "deutsches" mit ihm vor hier in Italien. Zweisprachig erziehen moecht ich ihn in jedem Fall, das sehe ich fuer ihn als Bereicherung. Ansonsten moecht ich ja auch nicht auf ein paar deutsche Leckereien (z.B. Linsen mit Spaetzle) verzichten, so wird weiterhin gemischt gekocht. Aber ansonsten werden wir hier italienisch leben. Deutsches wird er genug mitbekommen, wenn wir mal meine Verwandten in D besuchen. Ich finde es auch nicht gut, wenn man in ein Land auswandert und sich dort nur zu z.B. 50% oder gar nicht anpasst. LG Melli


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Melli, Die grosse Chance der zweisprachigen und bi-kulturellen Erziehung ist m.M. nach, dass die Kinder dies als BEREICHERUNG erleben koennen. Da wird die zweite Sprache/Kultur nicht zu Lasten der ersten sondern *zusaetzlich* zur zweiten erlebt. Nur weil ich deutsche Kultur AUCH lebe, heisst das noch lange nicht, dass ich deswegen weniger an das kanadische Leben angepasst bin. Wir machen eben sowohl Halloween als AUCH St. Martin. Ich koche sowohl kanadische Rezepte als AUCH deutsche. Ist ein wenig wie die Liebe zu unseren Kindern: sie muss nicht geteilt werden, sie kann sich vermehren. Wer mehr als 1 Kind hat, liebt seine Kinder dennoch nicht weniger als die Eltern eines Einzelkindes. Je mehr ich mich mit der deutschen Kultur hier fuer meine Kinder auseinander setze, desto bewusster nehme ich auch die kanadische Kultur wahr. Gruss aus Calgary, Canada Beatrix


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Ich denke die wenigsten haben Moeglichkeiten die deutsche Kultur *ausserhalb* der Familie zu leben. Kultur und Sprache sind aber dennoch fuer mich immer im Zusammenhang zu sehen. Man kann Sprache nicht wirklich ohne die Kultur dazu lernen. Und umgekehrt ist es sehr schwer eine andere Kultur wirklich zu verstehen, wenn man kein Wort aus der Sprache kennt. Fuer uns gilt daher auch, vieles wird in der Familie vorgelebt. Also eben die traditionellen Feiertage oder auch mal deutsches Essen, Leckereien. Und ich bringe Literatur, Filme und Musik ein, die fuer mich aus meiner Kultur eben besondere Bedeutung haben. Darueber hinaus hab ich aber auch einiges organisiert, was etwas ueber den Familienkreis hinausgeht. Unsere Nikolausfeier ist immer mit einem Nikolaus, der zu Besuch kommt und meinen Kindern sowie mindestens einem Dutzend weiterer Kinder aus unserem Bekanntenkreis aus seinem Goldenen Buch vorliest. Dazu find ich meist einen Austauschstudenten von der Uni. Jedes Jahr einen anderen und wir halten oft auch Jahre danach Kontakt, weil es auch fuer die Studenten aus Deutschland eine einmalige Erfahrung ist, sowas hier in Kanada mitzumachen. Ausserdem organisiere ich seit einigen Jahren den Laternenumzug zu St. Martin. Habe auch schon mehrmals Presse und TV dazu gehabt, damit eben wirklich auch etwas Kulturaustausch mit der kanadischen Gemeinde stattfinden kann. Es fing klein mit einigen Familien an, inzwischen ist es auf ein paar Hundert Leuten angewachsen und ich importiere die batteriebetriebenen Laternenstaebe dazu aus D. Dies sind eben AKtivitaeten, die mich auch ansprechen. Mit Schuhplattlern hab ich auch nichts am Hut :-) Gruss aus Calgary, Canada Beatrix


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Hallo Beatrix, die Idee mit dem Laternenumzug find ich absolut klasse, wirklich schoen, wie du dich engagierst. Das gibt mir zu denken, vielleicht sollten wir auch mal sowas aehnliches mit unseren Freunden hier unternehmen. Ich bin hier ja aufgrund der Verbindung zur Uni hauptsaechlich mit internationalen Familien befreundet. Damit gaebe es sicher genug Interesse und wir bekaemen schon einen netten Umzug zustande. Und fuer die Kinder ist das ja sooo toll, denk ich mir :o) Ansonsten geb ich dir in den anderen Dingen vollkommen recht!! Wir wohnen uebrigens in Waterloo, ON, und mein Mann hatte davor auch ein Angebot von der Uni in Calgary, wir waeren also fast dort gelandet :o) Liebe Gruesse, Birgit


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Hej allesammen! Wieder mal ein interessantes Thema. ichschließe mich weitgehend Beatrix an. Für uns in Dk ist es natürlich leichter, denKontakt zu Dtld. durch Besuche und Besiucher gheruzstellen,a ber dennoch - ja, sind meine Kinder das, was hier Exoten genannt wurde, weil wir erst ein paar Dörfer und 20 Autominuten weiter seit 3 J. eine dt. Familie kennen, ansonsten war ichdie einzige (uns bekannte, mit uns befreundete...) Ich denke, nur die Sprache und ein Linsengericht ist viel zu wenig, da werdensie wirklich Exoten bleiben. Das wirkt mir aufgesetzt. Aber Bräuche, dt. Geschichten und Klassiker, dt. Filme und dt. Lieder, dt. Nachrichten - incl. auch Sport oder was interessiert: das gibt eben ein Bild von Dtld., das mit der Sprache zusammenhängt. Sonst hängt Deutsch im luftleeren Raum wie eine Fremdsprache, die man lernt. Wir leben garantiert innerhalb der eigenen 4 Wände mehr deutsch als dänisch - aber wir sind dennoch voll integriert und machen die dänischen Feste gerne mit. es istdoch gerade der Reiz beider Sprachen und Kulturen zu zeigen, daß ein gutes nebeneinander geht, daß nicht eins das andere übertrumpfen und zutünchen muß. ist das nicht wirklich erst gelebte Integration (statt "totaler" Anpassung an das eine unter gleichzeitiger Vernachlässigung des anderen Landes)?? Gruß Ursel, DK


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Hallo ihr Lieben! Nun, ich moechte euch aus eigener Erfahrung noch schildern, wie ich zu meiner Meinung komme: Ich bin in D mit Kindern von Auslaendern gross geworden. Deren Eltern haben ihre Kultur etc. in der Familie sehr lebendig gehalten. So sehr, dass sich die Kinder nicht richtig identifizieren konnten. Sie fuehlten sich weder deutsch noch der Nation der Eltern. Und sie haben sich lieber den Braeuchen in D angepasst, weil sie ja dort auch lebten. Der Kultur-Zwang ihrer Eltern empfanden sie als ueberfluessig und aufdringlich. Ich finde es auch schoen und OK, wenn man ein paar harmlose Dinge wie Martinsumzug ins Ausland vorfuehrt, warum nicht? Schliesslich wird seit nicht allzulanger Zeit in D auch Helloween gefeiert. Was mich stoert, sind die vielen unzaehligen Auslaender (ich nenne absichtlich keine Nation!), die seit Jahrzehnten in einem Land leben, nicht bereit sind weder Sprache noch Kultur zu akzeptieren und ihren eigenen "Kleinstaat" aufmachen. Lebendiges Beispiel: Chinatown in Manhatten. Ich hoffe, dass ich nun keinen Streit entfache, denn das ist nicht meine Absicht!! So hat halt jeder seine Meinung, dazu ist ein Forum ja auch da :-) Liebe Gruessle Melli


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Hej Meli! Ich glaube, Du verwechselst da was. Hier in diesem Forum habe ich bislang eigentlich und überwiegend Eltern getroffen, die ihren Kindern mehr als 1 Sprache beibringen wollten. Meistens eben, weil mind. 1 Elternteil aus einem anderen Land stammt. Keine von denen hat sich gegen die neue Kultur gewehrt. Wären sie in Ghettos und mit vielen Aiusländern ihrer Nationalität zusammen, müßten sie sich keine Sorgen um den Erhalt ihrer Sprache machen. Bräuchten also dieses Forum vermutlich eher kaum. Im Gegenteil sind wir hier eben Eltern, die den Verlust der eigenen Sprache und Kultur nicht für sich selbst, sondern auch für die Kinder als traurig empfänden. Ganz ehrlich - wozu sollen denn meine Kinder Deutsch lernen, wenn sie nicht die Hintergründe meiner Heimat gleich mitbekommen? Das geschieht doch in einem Aufwasch. Und da Deutsch ja eine der Sprachen ist, die noch viel anerkannt und gesprochen werden, sagen wir einfach, wieso soll ein Kind in Dtld. überhaupt dänisch lernen, wenn nicht, um die Herkunft seines einen oder beider Elternteile besser zu verstehen, die ja auch seine, des Kindes, Wurzeln sind? Doch bestimmt nicht nur, um seine Familie fern in DK zu verstehen! Und schon gar nicht,weil Dänisch so nützlich ist - lächel. Trotzdem ist es dänischen Eltern im Ausland ebenso wichtig, daß ihre Kinder die dänische Sprache und alles über DK lernen! Meine Kinder sind 10 und 13 1/2 Jahre alt und wirken ganz sicher weder überwiegend deutsch, wenn sie draußen sind, noch zerrissen zwischen 2 Nationen. Vielmehr werden sie meistens beneidet um ihre Fähigkeit, ein anderes Land zu bereisen wie ein anderes Heimatland - und sei es auch nur Dtld. Vielmehr profitieren sie auch davon, daß sie nicht nur 1 Sprache mehr, sondern auch die Geschichte, die Gegenart, die Politik, die Kultur eines anderen Volkes kennen, und zwar aus einer ganz anderen Warte heraus als aus Geschichtsbüchern. Wie Beatrix sagte: Bereicherung - 2 Kulturen sind Reichtum, sind mehr als 1 --- und da siehst Du bereits den Unterschied zwischen den Kindern, die wir meinen, und denen, die Du meist - unsere haben 2 Kulturen und 2 Sprachen, jene leider oft nicht einmal 1 ganz --- und das ist wirklich zu schade! Gruß Ursel, DK - die sowieso niemals die dänische Kultur authentisch vermitteln könnte!!!


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Hi!!! Erst mal vielen Dank fuer Eure Antworten. Ich denke, dieses Thema ist sehr vielschichtig. Und eine Integration in dem Land, in dem man lebt, muss auf alle Faelle stattfinden. Ich hab nur die Angst, dass irgendwie die ganze deutsche Sprache und Kultur spaetestens dann droht, ins Hintertreffen zu geraten, wenn die Kinder dann mal den ganzen Tag in die Schule gehen. Oder welche Erfahrungen habt ihr da in der Hinsicht gemacht? Ich hab hier in Amerika leider die Beobachtung gemacht, dass sich viele Einwanderer der zweiten oder dritten Generation gar nicht mehr auf ihre Wurzeln beziehen oder die Traditionen und Sprache ihres alten Heimatlandes vermittelt bekommen. Besonders extrem scheint es mir bei den Menschen italienischer Herkunft hier zu sein. Leider wird es wohl auch in der deutschen Gemeinde hier frueher oder spaeter darauf hinauslaufen, dass die Sprache immer weiter ausstirbt und auch die ganzen Traditionen nicht mehr gepflegt werden. Und dass dann die Kinder dieser Generation die Traditionen und Braeuche nicht mehr aus dem deutschen Blickwinkel sehen, sondern aus dem eher oberflaechlich amerikanischen: sprich: Deutschland ist das Hofbraeuhaus, Dirndl, Schuhplatteln etc. Dass alles eben vielschichtiger ist, bekommen sie gar nicht mehr vermittelt---und das finde ich sehr, sehr schade. Was mich noch interessiert: inwieweit ist es euch leicht gefallen, euch an die Traditionen eures neuen Heimatlandes anzupassen bzw. sie zu leben? Ich hab beispielsweise immer noch Probleme, mich an Halloween zu gewoehnen oder die ganzen Paraden oder diese ganzen Highschool-Bands (wie sie angezogen sind und wie theatralisch alles ablaeuft), gerade wahrscheinlich weil ich es nicht von Kindheit an erlebt habe. Gruessle TaKaCo


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Hej Ursel! Ja, Du hast Recht, wenn Du sagst, dass sich hier im Forum solche Ignoranten bestimmt nicht zu finden sind! Ich schrieb ja auch schon in meinem 1. Posting, dass ich meinen Kleinen zweisprachig erziehen moechte (deutsch/italienisch) und das ich das in jedem Fall fuer eine Bereicherung halte. Nur mit dem Vermitteln und Pflegen der deutschen Kultur im Ausland kann ich mich trotz der vielen Argumente irgendwie nicht anfreunden... Noch ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Mein Papa ist in den 60-ern aus Ungarn nach D gefluechtet. Er hat die Sprache gelernt und sich super angepasst. Als ich geboren wurde, bin ich auch zweisprachig aufgewachsen (ungarisch/deutsch), doch wir haben in D nie ungarische Kultur etc. gepflegt. Wir sind 1x pro Jahr fuer einige Wochen nach Ungarn in die Ferien und dort habe ich die dortige Kultur hautnah kennen gelernt. In D haette ich mit ungarischen Gepflogenheiten/Feiertagen rein gar nix anfangen koennen... Wenn meine ungar. Verwandten mir telefonisch zu irgend einem ungar. Festtag gratuliert haben, fand ich das immer absurd. Daher bin ich der Meinung, dass man eine andere Kultur im Ausland nur sehr schwer vermitteln kann. Wer das Beduerfnis dazu hat, soll's tun. Aber mal ehrlich, das kommt doch nur in dem jeweiligen betreffenden Land richtig rueber, oder nicht? Schoenen Abend noch, viele Gruessle Melli


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Hej Melly! Da Deinvater als Flüchtling sein Land verließ, war seine Situation sicher auch wieder eine andere als unsere heute. Zumal man sich heute vielleicht auch ganz anders der Vielschichtkeigkeit von Sprache und Kultur und ihren Zusammenhängen bewußt ist. Was wird da nicht alles geforscht - und vieles erst in den letzten Jahren! Die Frage ist ja auch, was Integration wirklich bedeutet. das habe ich schon oft an anderen Stellen diskutiert - ist es Anpassung, ist Negation = Verleugnung der eigenen Kultur, ist es Assimilation? Noch etwas ganz anderes? Ich kann Dir nur noch einmal sagen,daß sowohl in meinem Haushalt wie ich in dem einer befreundeten familie - ichglaube, ich erwähnte sie oben - wo beide Deutsche sind, das Deutsche samt Bräuchen und Sprachen gepflegt wird. Da ich nicht aus Bayern bin, ohne Dirndl, lächel. Aberwenn wir ncht gerade deutsch reden "draußen", würde kein mensch wirklich merken,daß meine Kinder noch etwas als Dänen sind. bei unseren Freund bereits ist ja die Übernahme derdänischen Bräuche schon etwas schiweiger, weil zwar vieles vom dän. KIGA etc. mit nach Hause gebracht wird, anderes aber wieder unbekannt belibt. ich weßi durch meine schwiegermutter, daß am Buß und Bettag hier ein bestimmtes gebäck gegessen wird, und sehr wohl wird dafür natürlich auch in allen Bäckereien vor dem tag geworben, aber das sagt Deutschen dann eben nichts. daran wäre ich vermutlich auch erstmal vorbeigegangen, und da es vor allem auch kein Brauch ist, ders ich in der öffentlichkeit abspielt, lläßt man ihn in einer ausschließlich-deutschen Familie vermutlich eher aus. da habe ich es mit meinem dänischen mann und der Familie in derNähe eben leichter - wir sind ja irgendwie durch seine Nationalität näher dran. ICh jedenfalls versuche, für meine Kinder echt und wahrhaftig zu sein. ich kann ihnen nun mal keine wahrhaftige Dänin bieten, ich bin eine deutsche Mutter - das wissensie, das akzeptieren sie, das erzählen sie auch bei Nachfrage. Kein Problem -- und Du darfst gerne nachschauen kommen, wie gut es bei uns läuft! Wie gesagt: Statt 1 Kultur 2 --- welch ein reichtum und welche Chance, auch noch andere Kulturen leichter zu verstehen. Übrigens kannst Du manche sprachliche Sachen noch so gut beherrschen: wenn Du die Kultur nicht i m Hintergrund hast, mißdeutest Du die Zeichen... Sprache ohne Anbindung an die Kultur zu vermitteln wäre für mich, mein Kind eine Fremdsprache zu lehren. gruß Ursel, DK


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Hallo Melli, bin selbst Kind aus gemischter Ehe, gestern nach 6 Wochen Urlaub aus meinem Mutterland Bulgarien wiedergekehrt und mache nun mein (übliches) kleines "Heimkehrer-Tief" durch. Ich habe keinen 'Kulturzwang' erlebt, fühle mich aber dennoch seit jeher zerrissen zwischen zwei Ländern und Kulturen, in beiden gleich fremd und heimisch. Dafür gibt es auch keine Lösung, man muss da wohl einfach seine eigene kleine Lebensphilosophie entwickeln. Meine Tochter ist 9 Monate alt und mir graut schon davor, dass sie sobald sie ein bewussteres Alter erreicht, mit einem ähnlichen Problem konfrontiert sein wird. Das ist oft der Preis der multikutlurellen Bereicherung. Gerade für Südländer, bei denen der Familienzusammenhalt meist sehr stark ist, ist es sehr schwer, weit weg von seinen Kindern/Eltern/Großeltern etc zu sein.. war heute zu einem Pläuschchen bei unserem befreundeten türkischen Obst- und Gemüsehändler, haben einander unser Leid geklagt ;-) hat gut getan.. naja.. so ist das! Ansonsten könnte ich Dir die 'deutsche Kultur' auch nicht definieren.. da gibt es u.a. regional zu große Unterschiede..aber wie schon Andere hier anbrachten - deutsche Literatur wäre eine wichtige und gute Möglichkeit ein Stück deutsche Kultur zu vermitteln. lg und ruhige Stunden galia


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Hallo TaKaCo, ich glaube, dass das der ganz natuerliche Lauf der Welt ist. Nach wenigen Generationen sind die "Wurzeln" eben neu verlegt. Wie ist das bei Dir, hast Du denn in Deiner eigenen Familie immer nur deutsche Ahnen gehabt? Ich frage das nur aus Neugierde, nicht als Schikane, bitte nicht falsch verstehen!!! Wenn ich naemlich gerade so ueberlege, kenne ich viele, deren Ahnen schon aus allen moeglichen Teilen der Erde stammten. Die sind jetzt aber trotzdem "nur" deutsch und haben keinen Bezug zu den frueheren auslaendischen Wurzeln. Klar kannst Du als Elternteil jetzt alles versuchen, die dt. Kultur lebendig zu erhalten. Wenn Du Glueck hast, springen die Kids darauf an. Wenn nicht, nehme es ihnen nicht krumm. Sie erleben ihre Kindheit jetzt nunmal in den USA, so wie Du Deine in D erlebt hast. Um die dt. Kultur in Deiner Familie zu pflegen, musst Du glaub regelmaessig nach D gehen. Liebe Gruessle Melli P.S.: Ach ja, die neuen Traditionen/Kultur sind OK fuer mich, ich kann mich nur mit dem extremen Aberglauben hier nicht so richtig anfreunden. Und mit dem fanatischen Katholizismus, der spaltet echt das Land. Ist aber ein anderes Thema, das ich jetzt gar nicht anfangen will!!


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Liebe galia, es tut mir leid fuer Dich, dass Du Dich so zerissen zwischen den Nationen fuehlst. Genau das moechte ich eigentlich meinem Kind ersparen und daher nicht zu "deutsch" sein. Mein Papa spricht oft von dem "Identitaetswechsel", wenn man auswandert. Ihm ist das ziemlich schwer gefallen, aber irgendwann hat er's geschafft. Er sagte, dass man sonst immer "Heimweh" hat und das wollte er endlich weghaben. Er freut sich trotzdem immer unsere riesige Verwandtschaft in Ungarn zu besuchen. Deine Idee mit deutscher Literatur finde ich super!! Z.B. deutsche und auch italienische Kinderbuecher gleichzeitig, den Tipp greife ich auf :-) Liebe Gruessle und schnelle Genesung vom Heimkehrer-Tief wuenscht Dir Melli


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Hej Meli! Mir fällt aber eigentlich auf, daß Galia mehr von der Sehnsucht nach den Familienmitgliedern schreibt. Das ist ja auch etwas anderes als zwischenden Stühlen zweier Kulturen sitzen. Die Verneinung der eigenen Kultur, um Heimweh zu vermeiden oder aus anderen gründe - auch die habe ich schon oft erlebt und diskutiert - ich weiß nicht, ob ich zu so einem Opfer bereit wäre und sein könnte. ich wil les auch gar nicht, denn meine Kultur ist meine Identität - ich kann nicht so dänisch leben, als ob ich keine deutsche Vergangenheit hätte! Ich will wie gesagt auch gar nicht. Weil meine Kinder MICH erleben sollen. und denk daran, daß jeder mensch nachseinen Wurzeln sucht un dsie kennen will - ich denke, so wie man Adoptivkinder am besten früh über ihre Herkunft aufklärt, so sollten wir es auch mit unseren kindern halten. Ja, es gibt viele gute gründe, finde ich, die deutsche UND die Umgebungskultur zu pflegen (Du tust leider so, als iob das eine das andere ausschlösse - wie gesagt, bei den Eltrn hier im Forum sehe ich das anders!) Und- Büchersetze ich voraus und immer an die 1. Stelle - bei einer ehem. Bibliothekarin wohl auch kei nunder, daher habe ichsie evtl. nicht erwähnt... scheintaber doch nötig.. und selbst da wirst Du merken,daß Du über andere Kultur stolperst - wenn im Bilderbuch der Arztbesuch, der 1 Schultag, etc,. anders al simUmgebungsland sind. Galia - hast Du eine Zeitlang in Deiner südliche nKultur gelebt? Ich kann mir kaum vorstellen,daß meine Kinder die dt. Kultuir trotz all meiner Bemühungen oder meines Vorlebens so stark in sich tragen, daß sie sich zerrissen fühlen. ich habe noch nie erlebt, daß sie nach einem Dtld.-Besuch nicht das gefühl hatten, nach Hause = DK zu Kommen. Schließlich verbringen sie ja nunmal den Großteil ihrer Zeit und ihren ganzen Alltag her in DK - da reduziert sich ja doch einiges an der anderen Kultur - es fehlen ja auch oft die Gegenüber, in denen man die andere Kultur erleben kann. Dafür haben sie letztendlich doch nur mich. trotzdem sind sie eben gern in Dtld. und fallen dort auch nicht oder kaum auf. Gute Nacht - Ursel, DK


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Hej Ursel, dass es bei euch gut laeuft, glaub ich gerne! Sorry, ich wollte Dich nicht in Zweifel stellen oder angreifen!!! Echt nicht!!! Ich finde es auch gut und richtig, wenn man sich selbst treu bleibt und nicht kuenstlich verbiegt. Die Kinder merken das ja sowieso...und die merken sicher auch den Unterschied zwischen den Nationen und bilden sich ihre eigene Meinung dazu. Nun, wegen "Sprache ohne Anbindung an die Kultur..". Ich denke, dass jede auslaendische Sprache als Fremdsprache empfunden wird, mit oder ohne Kulturgebrauch... Eben weil man ja nicht in dem jenigen Land lebt, weil das ganze Umfeld ja die Nationalsprache spricht und seine eigenen Traditionen lebt. Ansonsten ist das eine echt gute Frage, mit der ich mich noch gar nicht richtig auseinandergesetzt habe: Was bedeutet Integration ueberhaupt? Ist diese Frage ueberhaupt allgemein und treffend gemaess Duden zu beantworten? Oder ist die so individuell, dass das nur jeder Auswanderer fuer sich selbst entscheiden kann? Echt gute Frage... So gebe ich Dir auch Recht, was meinen Papa betrifft. Fuer ihn war Integration der komplette Identitaetswechsel und dem radikalen Ausloeschen des ungarischen Kulturgebrauchs in D. In den ungarischen Ferien war er dann schon "ungarisch". Er hat mir uebrigens auch immer wieder von anderen ungar. Fluechtlingen erzaehlt, die staendig mit feuchten Augen ihrer Heimat nachtrauerten. Das wollte er sich nie antun. Fuer einen anderen ist Integration schon, wenn er ein Jaegerschnitzel auf deutsch bestellen kann...(hat mir mal ein Ami erzaehlt, der jahrelang in D stationiert war). Nun, fuer mich ist Integration eine Sache von, sagen wir mal 80%-90% Anpassung ans neue Land. Man wird glaube ich nie ganz konform mit der neuen Kultur. Und verleugnen laesst sich die eigene Kultur & Herkunft ja oft eh nicht (z.B. Akzent in der Sprache, eigenes Aussehen). Muss ja auch nicht, oft wird das ja auch als "suess" von den Einheimischen empfunden. Und die freuen sich, wenn man sich mit ihrem Land gut eingelebt hat. Und die essen auch gern mal einen schwaebischen Kartoffelsalat bei der deutschen Nachbarin ;-) Liebe Gruessle Melli


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Hej Ursel, Galia schrieb: "Ich habe keinen 'Kulturzwang' erlebt, fühle mich aber dennoch seit jeher zerrissen zwischen zwei Ländern und Kulturen, in beiden gleich fremd und heimisch" Das hat mich beruehrt und etwas aufgewuehlt, deshalb habe ich ihr geantwortet... Ja, Du hast Recht, ich schreibe und meine das so, dass ich die deutsche Kultur der Umgebungskultur ausschliesse...bis auf fuer mich harmlose Kleinigkeiten wie z.B. Kulinarisches. Ich persoenlich habe einfach keinen Bedarf mehr deutsche Kultur im Ausland zu pflegen...damit will ich Dich nicht absichtlich aergern, es wurde eben im Strang danach gefragt und ich handhabe es eben so... Gute Nacht! Muede Gruessle Melli P.S.: Im Forum bin ich haengen geblieben, weil ich wegen der Sprachschwierigkeiten Info's zur Schwangerschaft auf deutsch gesucht habe. Ich finde es sehr interessant hier auf dieser Homepage, leider habe ich so ein lebhaftes Forum auf den italienischen Seiten noch nicht entdeckt...


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Hi!!! Nein, bei uns war es auch so, dass die Grosseltern vaeterlicherseits nach dem Krieg aus Rumaenien hier nach Deutschland gekommen sind. Sie kamen aber damals aus der Siebenbuerger Ecke in Rumaenien, wo es ja sehr, sehr viele Deutsche gegeben hat und auch eine deutsche Gemeinde da war. Mein Vater fuehlt sich aber jetzt irgendwie nicht so mit Rumaenien verwurzelt, hat das Land auch nie besucht. Und meine Grosseltern haben dann auch, denke ich, den Fehler gemacht, dass sie das Rumaenische (das sie ja auch fliessend gesprochen haben) nicht ihren Kindern beigebracht haben und ihnen so irgendwie die Chance genommen haben, eine zweite Kultur und Sprache so nebenbei zu lernen. Ich denke aber, dass hier wahrscheinlich erschwerend dazu gekommen ist, dass man sich nach dem Krieg eben doch besser in das neue Heimatland integrieren musste und somit bewusst die andere Sprache und Kultur ad acta gelegt hat (mal vom Kochen abgesehen, denn das hat meine Oma eindeutig auf rumaenische Art getan). Mir ist es sehr, sehr wichtig, dass sich meine Kinder mit meiner Familie in Deutschland verstaendigen koennen und sich auch dann sofort in Deutschland zu Hause fuehlen, wenn wir jedes Jahr auf Besuch rausfliegen. Und meine Tochter hat zu meiner Familie in Deutschland ein weitaus engeres Verhaeltnis als zur Familie meines Mannes, obwohl die quasi um die Ecke wohnen. Vielleicht lege ich auch irgendwie zusaetzlich noch mehr Wert drauf, meinen Kindern die deutschen Traditionen und die deutsche Kultur und Sprache zu vermitteln, weil mir hier in Amerika alles irgendwie so oberflaechlich vorkommt. Es ist eben alles so plastiklandmaessig hier... Gruessle TaKaCo


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Einerseits koennte man vielleicht sagen die Existens einer Enklave wie "Chinatown" zeugt von mangelnder Integration. Andererseits frag ich mich, ob das wirklich schlimm ist oder stoert? Frag doch mal die Amerikaner ob sie es besser faenden, wenn es auf einmal keine Chinatowns oder Little Italy o.a. gaebe. Sie wuerden es vermissen!!!! Natuerlich kommt sowas auch mit seinen eigenen Problemen. Aber komplette Assimilation kommt eben auch mit seinen eigenen Problemen. Gerade deutsche im Ausland haben seltenst Probleme mit mangelnder Integration sondern viel oefter wegen kompletter Assimilation. Gruss aus Calgary, Canada beatrix


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Hallo Ursel, entschuldige die Verzögerung, ich kam gestern nicht zum PC. Ich habe mein 1. Lebensjahr im Süden verbracht, nachdem ich meine ersten 3 Lebensmonate in Berlin erlebt hatte. Danach wohnten wir hier aber ich verbrachte alle Ferien in Bulgarien; meine Mutter hat mich hier allein erzogen, nachdem sich meine Eltern sehr früh scheiden ließen. Sie lernte zwar auch extra deutsche Weihnachtslieder, Osterbräuche etc. aber unsere Sprache zu Hause und auch die ganze Atmosphäre waren nicht deutsch - so sehr, dass ich mich obgleich ich hier lebte, in deutschen Haushalten immer etwas fremd fühlte :-) Als Familie, in diesem innigen wärmenden Sinne, empfand ich immer nur die Verwandtschaft mütterlicherseits. Ich habe auch ein enges Verhältnis zu meinem hiesigen Großvater, aber es ist sehr viel 'höflicher' und basiert auch sehr auf gemeinsen Interessen und Neigungen. Hier geht man seine Verwandtschaft auf Einladung besuchen bzw. ruft vorher an und fragt - in Bulgarien ist man zu Hause, das ist der Unterschied :-) Da unten lebt man in den Tag hinein, spontan, gesellig, man nimmt sich Zeit und hat somit irgendwie mehr davon.. Hier wollen wir immer, dass alles schnell geht und man seine Zeit möglichst effektiv nutzt..und am Ende hat man nie welche. Uns fehlen hier auch die Farben, Gerüche und der lebendige Lärm :-), gleichzeitig wissen wir zu schätzen, dass man sich hier irgendwie darauf verlassen kann, dass die Dinge funktionieren, dass die Regeln eingehalten werden,.. Ansonsten ist es natürlich entscheidend, wo man sein Heim hat, also seine Wohnung . Selbstverständlich wird man sich dort 'zu Hause' fühlen. Im Allgemeinen denke ich, ist es das Natürlichste, seinem Kind das zu vermittlen, was für einen selbst wichtig ist und die eigene Identität ausmacht. Man kann auch andere Möglichkeiten finden, sein Kind zusätzlich dazu an die Umgebungskultur heranzuführen und einzubinden.. Ich wäre also auch hier wiedermal für die natürliche Variante, die von innen kommt. Ich hoffe, ich konnte Deine Frage ausreichend beantworten! Einen schönen Sonntag! lg galia


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Hallo, dieses Schlagwort 'Integration' hat mich auch schon oft beschäftigt. Nur finde ich persönlich, dass es nicht ganz korrekt benutzt wird; für mich bedeutet Integration, dass eine Mehrheit eine Minderheit in sich aufnimmt. Also, eine Minderheit kann sich nicht ganz allein auf eigene Faust integrieren. Das ist eine Wechselbeziehung, die Zusammenarbeit und gegeseitige Kommunikation und Interaktion voraussetzt. Alles andere wäre Assimilation und Anihilierung des Eigenen - das von jemandem zu verlangen ist gelinde gesagt unfair. Letztendlich geht es doch um ein Zusammenleben und nicht darum, dass einen Andersartige nicht 'stören' sollen. Leider gibt es aber Leute, die einfach nur eine homogene Masse um sich haben wollen - in jeder Hinsicht, nicht nur ethnisch. lg galia


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Hej Melli! Du schreibst: "Nun, wegen "Sprache ohne Anbindung an die Kultur..". Ich denke, dass jede auslaendische Sprache als Fremdsprache empfunden wird, mit oder ohne Kulturgebrauch... Eben weil man ja nicht in dem jenigen Land lebt, weil das ganze Umfeld ja die Nationalsprache spricht und seine eigenen Traditionen lebt. " Nein, das stimmt ebenso nicht. ich merke meinen Kindern durchaus an, daß sie Deutsch eben nicht als Fremdsprache lernen. Und auch nicht empfinden!! Beide lernen in der Schule auch Englisch - DAS ist fremdsprachlich -allein schon durch die Art, wie sie es lernen, aber auch, weil sie eben keinen derart persönlichen Bezug dazu haben wir zum Deutschen. Das macht einen himmelhohen Unterschied aus. Allerdings gebe ich Dir Recht: Bei manchen binationalen Familien bleibt auch die 2. Sprache auf Fremdsprachenniveau, sowohl rein technisch (Sprachfähigkeiten) als auch vom Gefühl her. Das liegt dann an vielen Faktoren, und eben sicher auch oft an der Art der Vermittlung. Ferner schreibst Du: "Ansonsten ist das eine echt gute Frage, mit der ich mich noch gar nicht richtig auseinandergesetzt habe: Was bedeutet Integration ueberhaupt? Ist diese Frage ueberhaupt allgemein und treffend gemaess Duden zu beantworten? Oder ist die so individuell, dass das nur jeder Auswanderer fuer sich selbst entscheiden kann? Echt gute Frage..." ja, und ich glaube, es schadet nicht, sie sich mal klar zumachen, vor allem, wenn man selber Ausländer ist oder mit einem zusammenlebt, aber auch als ganz "ganz gewöhnlicher mensch", der eben mit ausländischen Mitbrügern leben muß in 1 Gesellschaft. Was erwartet er von ihnen? In jeder Diskussion zum Thema bekommst Du wahrscheinlich soviele Antworten wie Leute da sind. Und oft genug werden leider Begriffe wie Anpassung, Integration, Selbstaufgabe, Assimilation u.v.m. verwechselt und vermischt. In DK hatte man eine Zeitlang eine Phase, in der alle "Zugereisten" "Nydansker", also Neudänen waren, weil man sich vor dem Wort Ausländer scheute und anderes (noch) nicht gefunden hatte. selbst meine Kinder bekamen mit, wie es mich dabei schüttelte. ich bin kein Neudäne, trotzdem betrachte ich mich als gut integriert. Ich weiche in vielem von dänischem Usus ab - trotzdem betrachte ich mich als gut integriert... und bin sicher, die Dänen, ie mich kennen, betrachten mich noch meh integriert als ich selbst das tue, lächel. Neudäne aber, das indiziert eben auch,daß man seine eigene Natinalität (auch ohne offiziellen Wechsel) aufgibt und sich nur noch dänisch fühlt und benimmt. Das kann und will ich gar nicht. Frage ich auch, ob das wirklich Integratin ist - und ob das wünschenswert für alle, auch für die Dänenselbst, ist? Aber diese Diskussion sprengt diesen rahmen. Es geht ja um die deutsche Kultur im Ausland, und die kann man ohne Sprache m.E. nicht genauso gut vermitteln (obwohl mir eine Deutshe in USA mal einzureden versuchte, die Märchen der Gebrüder Grimm seien auf amerikanisch genauso deutsch wie auf deutsch!!) Gruß Ursel, DK


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Hallo, ich habe jetzt nicht alle Beiträge durchgelesen, wollte aber auch nochmal erzählen, wie es bei uns so aussieht. Wir leben in Frankreich, an der Grenze zur Schweiz (Genf). In Genf selbst gibt es eine recht große deutsche Gemeinde, in der auch viel unternommen wird. Hier in Frankreich haben wir eine kleine deutschsprachige Singgruppe gegründet, wo mit den kleinen (hauptsächlich) deutsche Kinderlieder, Fingerspiele etc. gesungen werden, das ist gerade für die Kinder aus deutsch-französischen Familien auch eine Chance mehr Deutsch zu sprechen. Wir machen auch St. Martinsumzug und Nikolaus- oder Weihnachtsfeier. Wahrscheinlich geht es ja vielen Eltern wie Dir, dass sie keinen entsprechenden Verein finden. Warum suchst Du Dir nicht erstmal eine hand voll anderer Mütter/Väter mit ähnlichem Anliegen und dann könnt ihr im kleinen Kreis eine deutschsprachige Spiel- oder Singgruppe gründen. Dafür brauchts nicht viel Platz und wenn es gut angenommen wird, gründet ihr selbst einen Verein. LG, koesti


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Ich lebe zwar in Deutschland, aber ( sorry, weiß nict mehr welche Vorrednerin das schrieb)deutsches Kulturgut, wie Geschichte, Klassische Musik , dass wirst du ihnen vermitteln müssen daheim, denn in der Schule no way. Noch dazu sind die Amis auch noch in der Einstellung zuerst kommt Amerika unddann gaaaaaanz lang nichts. Umfragen bei 14 jährigen USAmerikanern zur Zeit des Irakkrieges wurden gefragt wo den der Irak sei und fast 80% haben ihn in Europa, gleich neben Deutschland angesiedelt. Vielleicht kommt es daher, dass sie Erdkundetechnisch nicht gerade auf dem Höchststand sind. ABer wie gesagt, da kann man nur daheim entgegenwirken. Gruß Johanna


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Interessante Frage und ich habe angefangen nachzudenken... Ich wohne mit meinem spanischen Freund und unserer fast drei Wochen alten Tochter auf Lanzarote.Fuer mich ist es wichtig,dass sie auch meine Wurzeln kennenlernt.Das heisst,klar die Feste werden deutsch gefeiert(Weihnachten mit Baum-aus echtem Baum nicht Plastik :-))Ich koche glaube ich sehr international und das Lieblingsessen meines Freundes ist Rahmgeschnetzeltes mit Spaetzle,also kein Problem.Und dann ist es wichtig,dass wir oft nach Deutschland reisen um die Grosseltern zu besuchen und um ihr das Land zu zeigen.Auch ist es wichtig ein bischen ueber die deutsche Geschichte und Kultur ihr beizubringen...aber dafuer ist sie noch zu klein.Bislang kommt ihr Schnulli aus Deutschland und die Kuscheldecke ist von Tschibo.Liebe Gruesse von einer furchtbar heissen Insel


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Habe die E-mailstraenge mit Interesse verfolgt und weiss noch nicht, auf welcher Seite ich stehe. Wir wohnen mit unserem 3 jaehrigen Sohn in der franzoesischsprachigen Schweiz in englischsprachiger internationaler Exklave, so dass mein Sohn gezwungenermassen dreisprachig aufwaechst. Es ist heute schon so, dass er Englisch und Franzoesisch besser spricht als deutsch, und da die deutsche Schule keinen guten Ruf hat, werde ich ihn auch nicht dahin gehen lassen. Das halte ich fuer unumgaenglich, es macht mich aber trotzdem immer mal wieder traurig. Ich versuche, meinem Sohn deutsche Kultur vorzuleben, indem ich ihm verstaerkt deutsche Kinderbuecher und Kinderlieder vorlese und -singe und indem wir einen engen Kontakt (zumindest per Telefon) zu den Grosseltern pflegen. Wenn er groesse ist, werde ich wohl auch deutsche Kinderfilme auf DVD kaufen, damit er weiss, was in Deutschland gesehen wird. Ausserdem haben wie eine recht gute deutsche Pfarrgemeinde, in der er von Zeit zu Zeit andere Kinder trifft. Trotzdem ist fuer ihn deutsch keine Kindersprache und die deutsche Kultur etwas, was nur ihn zuhause betrifft. Das, was ich ihm anbieten sollte, ist ihn so ueber die deutsche Kultur zu informieren, dass er, falls er sich einmal entscheiden sollte, in Deutschland zu studieren, das Handwerkszeug hat, diese Kultur (wieder?) zu seiner eigenen zu machen. Mehr kann man glaube ich nicht tun. Eine gute Diskussion noch an alle! FM


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Hej Foreignmother! Deinen letzten Satz finde ich sehr schön - das ist doch wirklich viel, wenn wir das chaffen! Meine Töchter haben allerdings auch deutschsprachige Freunde, seit 3 Jahren haben wir das Glück, sogar in ziemlicher Nähe (20 Autominuten) eine dt. Familie zu kennen. Ansonsten haben wir uns mehr als ein jahrzehnt mit Besuchen aus Dtld. (mit Kindern) und umgekehrt über Wasser gehalten und in den Ferien auch deutsch-dänische Kinder hierzulande getroffen. Meine Töchter haben auch deutsche Brieffreunde - das hilft auch. gruß Ursel, DK


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Ich glaube es ist oft einfacher zwei Kulturen in Deutschland zu verbinden, als im Ausland. Auch hängt es oft davon ab, welches die zweite Kultur ist. Ich finde es gibt Länder die es einem einfacher machen, in denen man schneller "adoptiert" wird, als andere, bzw. es gibt Länder die es einfach mehr gewöhnt sind, das ihre Einwohner aus den unterschiedlilchen Kulturkreisen kommen. Mein Mann ist Mexikaner, und seit dem er hier in Deutschland ist, leben wir schon unsere zwei Kulturen. In ein paar Wochen ist unser Nachwuchs da, dann wird das noch verstärkt. Ich kannte Mexiko schon vorher und habe es lieben gelernt, bevor ich meinen Mann kennengelertn haben, vielleicht ist es für mich daher einfacher. Diese Zerissenheit mit den zwei Kulturen, die ihr beschreibt, habe ich auch schon erlebt, aber bisher noch nicht in unserem Bekannten-Freundeskreis aus dem einTeil aus Mexiko stammt. Vielleicht weil die anders damit umgehen. Ich hoffe nur, das es bei unserem "Zwerg" auch nicht dazukommt. alemana_mex


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Habe die E-mailstraenge mit Interesse verfolgt und weiss noch nicht, auf welcher Seite ich stehe. Wir wohnen mit unserem 3 jaehrigen Sohn in der franzoesischsprachigen Schweiz in englischsprachiger internationaler Exklave, so dass mein Sohn gezwungenermassen dreisprachig aufwaechst. Es ist heute schon so, dass er Englisch und Franzoesisch besser spricht als deutsch, und da die deutsche Schule keinen guten Ruf hat, werde ich ihn auch nicht dahin gehen lassen. Das halte ich fuer unumgaenglich, es macht mich aber trotzdem immer mal wieder traurig. Ich versuche, meinem Sohn deutsche Kultur vorzuleben, indem ich ihm verstaerkt deutsche Kinderbuecher und Kinderlieder vorlese und -singe und indem wir einen engen Kontakt (zumindest per Telefon) zu den Grosseltern pflegen. Wenn er groesse ist, werde ich wohl auch deutsche Kinderfilme auf DVD kaufen, damit er weiss, was in Deutschland gesehen wird. Ausserdem haben wie eine recht gute deutsche Pfarrgemeinde, in der er von Zeit zu Zeit andere Kinder trifft. Trotzdem ist fuer ihn deutsch keine Kindersprache und die deutsche Kultur etwas, was nur ihn zuhause betrifft. Das, was ich ihm anbieten sollte, ist ihn so ueber die deutsche Kultur zu informieren, dass er, falls er sich einmal entscheiden sollte, in Deutschland zu studieren, das Handwerkszeug hat, diese Kultur (wieder?) zu seiner eigenen zu machen. Mehr kann man glaube ich nicht tun. Eine gute Diskussion noch an alle! FM