Elternforum Mehrsprachig aufwachsen

Wann habt ihr angefangen?

Mehrsprachig aufwachsen
Wann habt ihr angefangen?

Annika444

Hallo, ich wollte mal fragen wann und wie ihr angefangen habt Die zweite Sprache zu fördern? Bei uns gehts da nicht um eine Muttersprache, sondern wir haben uns dazu entschieden unserem Sohn noch zusätzlich englisch zu lernen. Wir sprechen es beide relativ gut und Reisen sehr gerne. Über Erfahrungen wäre ich sehr dankbar.


DK-Ursel

Antwort auf Beitrag von Annika444

Hej, normalerweise begrüße ich Neulinge gern hier und fordere zum Bleiben auf, aber in Deinem Fall ist das deutlich schwieriger, denn allein Deine Frage zeigt schon, welche Probleme und Fragen noch auf Euch zukommen werden. Du findest zu diesem äußerst umstrittenen Thema viele Antworten, ich erspare mi4 daher me8ne oft geäußerte Meinung . Eine Sprache „relativ gut können“, auch das läßt mich schon zweifeln. Ich lebe fast me8; halbes leben in DK, spreche die Sprache in allen Lebenslagen und fließend und würde mich dennoch bekreuzigen, müßte ich mit meinen Kindern auf Dänisch verkehren. Denn all das Schöne an einer Sprache, ihre Vielfalt und ihren Klang, ihren Rhythmus und ihre Eigenheiten, lernt man nur muttersprachlich mit dem Herzen. Der Rest ist Fremdsprache, und gerade Englisch lernen die meisten heute früh und leicht überall. Trotzdem ist gerade im Kleinkindalter die gute Beherrschung der Muttersprache, auch als Grundlage für spätere andere sprachen, viel wichtiger. Du verkennst die Situation der mehrsprachig Erziehenden: sie, also wir, tun es nicht, weil das chic ist und wir gehört haben, Kinder lernen ja so leicht, sondern weil wir in binationalen Beziehungen oder Umständen mit noch mehr als 2 Sprachen leben. Das ist eine völlig andere Lebens- und darum auch Lernsituation! Was heißt bei Euch überhaupt „relativ gut“? Kennst Du die gängigen Kleinkindwörter, z.B. Windel, Bilderbuch, Bauklötze, Schnuller (falls verwendet), … kannst Du spontan auf Englisch etwas gleichrangig erklären wie auf Deutsch? Bust Du sicher, Ihr sprecht nicht nur verständliches, sondern auch gutes…oder doch nur Schul- - Englisch? Meine Erfahrung ist, daß die meiste; Eltern sich wohl doch in ihrer Mutter- = Herzenssprache mit ihrem Kind unterhalten, schon in der Klinik lag ich neben einer Frau, die ihr Kind auch mit amerikan. Englisch großziehen wollte, weil sue dirt mal gelebt hatte. Ich habe sie nie anders als Dänisch mit dem baby sprechen hören Aber versucht es…und melde Dich gern wieder, wenn es etwas zu erzählen wird. Denn leider hören wiralle nie wieder von den Erfolgsgeschichten (?) dieser Art. P.S. ich meine es nicht böse, aber „relativ gut“ ist schon bei der Muttersprache manchmal schwierig: wie im Englischen haben wir auch im Deutschen 2 Wörter für lernen = to learn und lehren = to teach. Den Unterschied zu kennen, macht auch im Deutschen schon etwas aus. Alles Gute!


MM

Antwort auf Beitrag von DK-Ursel

... das Thema Mehrsprachigkeit ist nämlich komplexer und etwas anderes als "Ich bring meinem Kind von kleinauf Englisch bei, weil ihm das später nützt"... Mit seinem Kind kann man doch nicht in einer Sprache sprechen, die quasi "aufgesetzt" ist, da nicht die Muttersprache! Sprache ist nicht nur mechanisches Mitteilen, sondern auch Beziehung. Emotion, Bindung... Klar ist Englischlernen gut, aber gerade Englisch lernen Kinder eh, ohne dass man das gross fördert. Sie haben es recht früh in der Schule, plus dann im Internet, auf Youtube usw. ist fast alles auf Englisch, das kommt irgendwann von ganz allein. Ein gewisses Grundinteresse des Kindes vorausgesetzt. Und wenn ihr viel reist, bekommt das Kind eh mit, dass ihr auf den Reisen Englisch sprecht, und lernt natürlich nebenbei auch mit - bestellt eben dann auch mal selbst das Eis oder kauft sich eine Limonade... Dagegen spricht ja nichts, im Gegenteil! Aber das ist nicht Mehrsprachigkeit, im Sinne von zwei oder mehr Muttersprachen haben! Ich selbst bin zweisprachig mit Tschechisch und Deutsch (=beides sind meine Muttersprachen), bin als Tochter CZ Flüchtlinge in DE aufgewachsen. Wenn man selbst zweisprachig ist, fällt i.d. R. "One Person - One Language" als Option weg. Denn man hat ja nicht nur ONE language, sondern two! ;-) Bei uns jedenfalls war bei der Familiengründung das "Problem", dass ich mir nicht vorstellen konnte, nur eine meiner beiden Sprachen mit den Kindern zu sprechen. In CZ Umgebung, wo wir leben, hätte es sich angeboten, nur DE zu sprechen, um die Nichtumgebungssprache zu fördern.. logisch. Aber das ging nicht, emotional! Tschechisch hat für mich so vieles, was Deutsch nicht hat, gerade wenn man "von Herzen" mit seinen (v.a. kleinen) Kindern spricht - das hätte die Beziehung negativ beeinflusst, eine Distanz reingebracht, das hätte ich auch gar nicht durchgehalten.... Also haben wir als Alltagssprache v.a. Tschechisch, dabei aber Deutsch in bestimmten Situationen gesprochen, sind relativ oft nach DE gefahren zu Familientreffen, wir haben auf Deutsch Bücher vorgelesen, Aktivitäten für Kinder auf Deutsch organisiert (Sing- und Spielnachmittage für Eltern und Kinder in ähnlicher Situation... Später dann auch sowas wie spielerische Deutschstunden, organisiert von einem Verein hier, für deutschsprachige Kinder, die aber CZ Schulen besuchen. Und dann, Anfang der Pubertät, gingen sie für 6 Jahre auf ein zweisprachiges Gymnasium, wo Deutsch grossteils Unterrichtssprache ist. Fazit: Deutsch können sie nun, mit 19 und 17, sehr gut, wenn auch nicht absolut auf Muttersprachniveau - aber fast. Das ist OK. Perfektionieren geht immer, sollte der Wille irgendwann da sein. Nun könnte man sagen - vielleicht könnten sie es perfekt, wenn ich mich in ihrem Baby- und Kleinkindalter überwunden und mit ihnen nur Deutsch gesprochen hätte, aber ich hätte mich verbiegen müssen und unsere Bindung, Beziehung, das spontane Gefühl zueinander hätten gelitten - und das wäre es nicht wert gewesen. Aber OK, das ist ein anderes Thema als bei euch. Ich wollte das nur ein bisschen illustrieren, worum es bei Mehrsprachigkeit auch geht. Wobei viele einfach "One Language One Person" praktizieren können - so zB meine Cousine, die einen Amerikaner als Lebenspartner und Vater ihrer Kinder hatte. Da sprach er halt Englisch und sie Tschechisch mit den Kindern. So ist es wohl am häufigsten. Bei euch geht es nicht um Mehrsprachigkeit, sondern um Sprachförderung. Das könnt ihr spielerisch machen, siehe die erwähnten Reisen - aber mit Englisch läuft euch nichts weg, das lernen Kinder heute eh, weil es halt allgegenwärtig ist. Aber als Kind die Muttersprache(n) wirklich gut zu lernen, ist sehr wichtig auch für den späteren guten Erwerb weiterer Sprachen. Kinder, mit denen die Eltern in einer Sprache sprechen, die sie nicht wirklich 100% beherrschen, haben später u.U. Probleme.


MM

Antwort auf Beitrag von MM

... hab den Beitrag jetzt erst entdeckt... Vllt. bringt es trotzdem noch was? ;-)