Lauri7991
Hallo, es geht um meinen 5 Jahre alten Sohn. Ich bin von Anfang an Alleinerziehend. Er ist sehr schlau, emotional sehr weit, super sozial und emphatisch und hat auch sonst so viele gute Seiten an sich. Aber wenn eine Phase kommt dann so richtig. Dann ist er derart gehässig und das leider besonders mir gegenüber. Das fängt dann oft schon beim Aufstehen an. Dann funktioniert irgendeine Kleinigkeit beim Spielen nicht, dann wird 30 Minuten darüber geweint und dabei über mich geschimpft. Er ist dann so sauer auf mich obwohl ich im Endeffekt mit der Situation gar nichts zu tun hatte. Und wenn man ihm was sagt dann geht das Gejammer los das er ja immer der doofe und der Schuldige ist. Beim Spazieren bringt er dann auch so Sachen, dass er eine Blume zerdrückt und sagt: Das tut der bestimmt weh. Gestern hat er auf dem Spielplatz den Bock abgeschossen. Ich war ihm den ganzen Tag hinterher gerannt wegen Essen, hab bestimmt 100 Mal gefragt ob er Hunger hat und saß zudem alleine am Tisch beim Essen. Dann meinte er da zu einem Mädchen: Weißt du ich hab meine Mama den ganzen Tag nach Essen gefragt aber sie hat mir nichts gegeben. Ich meine was soll das denn? Ich schäme mich dann natürlich dafür. Was sollen die Leute denn denken. Dann beleidigt er mich ständig und sowieso alles was ich mache, tue oder sage ist doof. Zum Abschluss hat er mir dann noch seine dreckigen Socken ins Gesicht geworfen. Es ist dann alles so respektlos und frech. Und ich finde dann anders als sonst gar keinen Zugang mehr. Und dann ist es plötzlich von heute auf morgen wieder vorbei und er ist so wie er eigentlich ist. Und ich verstehe einfach nicht was es ist. Meine einzige Idee ist die Situation mit seiner Krankheit. Er ist Lungenkrank und muss dadurch schon einiges wegstecken. Wir sind viel bei Ärzten, er ist häufig krank, hat Krankenhausaufenthalte, darf häufig nicht toben und dadurch fehlen auch die sozialen Kontakte in der Kita. Ob er das so vielleicht verarbeitet oder seine Überforderung damit ausdrückt. Oder kennt sonst noch jemand solche Phasen?
Ich denke, dass Ihr beide euch psychologische Hilfe suchen solltet.
Ich kenne es nicht von uns, sondern vom Sohn einer Bekannten. Der ist kerngesund und hat beide Eltern zu Hause. Ob es also bei euch nur daran liegt... keine Ahnung. Bei Verhaltensweisen spielt ja immer alles mit rein und die meisten lernen Kinder in dem Alter durch Vorbilder. Geht bei euch sonst jemand ehr respektlos miteinander um? Oder macht schlechte Witze? Das mit dem Essen kann auch schlecht imitierte Ironie sein. Dass das ganze phasenweise besonders schlimm ist, kann immer von kleineren Infekten kommen, die gerade noch zu schwach für echte Symptome sind, aber halt doch schlauchen. Oder von nem Gehirnschub - die kriegt man bis ca. 21 Jahre immer wieder. Oder er hat einfach schlecht geschlafen. Oder vielleicht auch du und er spiegelt dein Unwohlsein. Wenn es dich arg stört, ist eine Familienberatung sicher keine schlechte Idee. Die gibt es ja auch kostenlos und dort kann man eure Interaktionen natürlich richtig beobachten statt nur deine Erzählungen als Ausgangspunkt zu haben wie wir hier.
Einerseits ist es für das Alter typisch, dass Kinder auch negative Verhaltensweisen ausprobieren, und damit gezielt provozieren. Aber es sollte im Rahmen bleiben, und vor allem solltest du souverän darauf reagieren. Wenn dein Sohn irgendwelche Lügengeschichten erzählt, solltest du das einfach kurz und knapp richtig stellen und Scham ist da überhaupt nicht angebracht. (Übrigens, wegen Essen hinterherrennen solltest du vermeiden. Auch wenn es wegen der Erkrankung wichtig ist - wenn du da zu aufdringlich bist, erreichst du nur das Gegenteil...) Kann es sein, dass du deinem Sohn unbewusst zu viel Raum einräumst / durchgehen lässt, und/oder deine Bedürfnisse und Gefühle komplett hinten anstellst? Mit dem Hintergrund alleinerziehend und chronische Erkrankung ist es nur menschlich, dass du es ihm möglichst leicht im Leben machen möchtest. Aber langfristig tust du ihm keinen Gefallen damit. Wenn er von dir nicht lernt, wie man auf andere Rücksicht nimmt und sie respektvoll behandelt, wird er später auch in der Schule oder im sozialen Umfeld anecken. Die Auslöser für die schlechten Phasen können gut körperliches Unwohlsein sein, oder Entwicklungsschübe und du wirst sie nicht verhindern können. Aber ich glaube auch, dass dir eine Erziehungsberatung sehr gut helfen könnte, mit diesen Phasen umzugehen und deinem Sohn klare Grenzen aufzuzeigen. Gerade wegen eurer besonderen Situation ist es überhaupt nicht verwerflich, sich Unterstützung von außen zu suchen. Vielleicht gibt es da sogar ein Beratungsangebot von einem Verein für die spezielle Krankheit? Auch eine Selbsthilfegruppen für Betroffene könnte dir hilfreichen Input liefern. Dort hast du Kontakte zu Eltern in der selben Situation und kannst dich direkt austauschen, wie sie bestimmte "Stolperfallen" meistern. Es ist alles andere als einfach, mit so einer chronischen Krankheit umzugehen und täglich zu entschieden, ob die üblichen Erziehungsempfehlungen für euren Fall passen.
Ständige Arzttermine stressen. Bevor Du zum nächsten Termin, nun bei einer Beratungsstelle, eilst, frag doch erstmal Frau Henkes im Expertenforum, was sie dazu meint.
Hallo, das Verhalten deines Sohnes ist für einen Fünfjährigen eher normal. Problematisch wird es, wie ich finde, durch zwei Dinge: Zum einen dadurch, dass du alleinerziehend bist. Dir fehlt Entlastung, dir fehlt jemand, der dir deinen Sohn in solchen Momenten einfach mal abnimmt und auch dich ein bissl erdet und beruhigt. Das ist nicht einfach für dich, und du bist wirklich wacker und eine gute Mutter, denn du versuchst, alles richtig zu machen. Der zweite Knackpunkt ist, dass du etwas zu sehr auf die Launen und Stimmungen eines erst Fünfjährigen eingehst. Du musst ihn nicht "100 mal fragen, ob er Hunger hat". Es ist besser, es gibt feste Essenszeiten und möglichst keine Zwischen-Snacks. Zu den Essenszeiten solltet ihr gemeinsam essen (außer im Kiga natürlich), damit dein Sohn sieht, auch du isst jetzt und das ist etwas Normales und Regelmäßiges. Außerhalb der Mahlzeiten kann er sich selbst (!) melden, wenn er Hunger hat, und es gibt dann etwas Gesundes, wie z.B. Obst oder Gemüsesticks. Frage ihn nicht ständig, ob er etwas möchte, das ist ganz unnötig. Kinder spüren immer, was sie brauchen, und sie sagen das auch. Was du machst, nennt man Mikro-Management: Die Mutter geht auf jeden Pups und jede Äußerung oder Laune des Kindes ein. Das aber hilft weder Mutter noch Kind. Die Stimmung kleiner Kinder wechselt wie die Wolken am Himmel. Nicht auf alles muss man eingehen oder es kommentieren. Du gibst den Tagesablauf vor, setzt durch, was jetzt ansteht, und fertig. Gemotze, Schimpfen und Genörgel darfst du dabei einfach auch mal überhören. Denn du förderst die Launen deines Sohnes, wenn du jedesmal darauf einsteigst. Es gibt eine goldene Regel, die absolut immer funktioniert: Aufmerksamkeit verstärkt JEDES Verhalten, auch negatives. Heißt: Lobe positives Verhalten bewusst und ruhig mehrmals täglich. Ignoriere dagegen unerwünschtes Verhalten so gut wie es möglich ist. Je weniger Mama sich für Rabbatz interessiert, desto uninteressanter wird er für deinen Sohn. Bleibe hier beiläufig, gelassen, desinteressiert. Steige nicht auf die Aggressivität ein. Wenn er dir etwas ins Gesicht wirft, fasse seinen Arm, gehe runter auf Augenhöhe und sage streng: "Nein! Das machen wir nicht!" Das reicht schon. Danach keine weitere Aufmerksamkeit oder Worte mehr reinstecken, sondern ihn ablenken. Wenn das nicht geht, wende dich einer anderen Tätigkeit zu. Gerade weil du alleinerziehend bist, ist es wichtig, nicht jede Laune persönlich zu nehmen und darauf einzugehen. Zum einen, um deine Nerven und Kräfte zu schonen. Zum anderen, um deinem Sohn Halt und Orientierung zu geben, indem du dich bei wichtigen Dingen im Tagesablauf kurz, aber straight durchsetzt, und auf weniger wichtige Dinge wie Gemotze, Beschimpfung oder Wut möglichst wenig einsteigst. Dadurch wirkst du klarer für ihn. Überlege halt immer gut, welches Verhalten du verstärken möchtest. Diesem Verhalten schenkst du dann bewusst viel Aufmerksamkeit. Lobe ihn oft auch kleine Dinge: Lass ihn viel mitmachen und mithelfen, das ist in diesem Alter sehr wichtig, weil es ihn stolz macht. Kinder wollen nicht immer nur spielen, sie wollen sich auch wichtig, nützlich und gebraucht fühlen. Bitte ihn, beim Wäschefalten, Einkaufen, Kochen, Obst und Gemüse schnippeln usw. zu helfen und sage anschließend, wie froh du bist, dass er dir geholfen hat, weil du das allein kaum geschafft hättest. Klar wird das Ergebnis nicht perfekt (bitte nicht nachkorrigieren), aber dafür hast du ein Kind, das sich stolz und groß fühlt und Anerkennung bekommt. Das sorgt dafür, dass er viel weniger auf störendes oder aggressives Verhalten zurückgreift, um Aufmerksamkeit zu kriegen. LG
Warum rennst du ihm hinterher wg. des Essens?? Das würde ich auf keinen Fall machen und betrachte es als Fehler. Gegessen wird am Tisch, oder draussen meinetwegen auf einer Bank oder so, oder Picknickdecke etc. Und das Kind isst, wenn es Hunger / Appetit hat. Wenn nicht, dann halt nicht... Trinken (Wasser) ist schon eher ein Thema, wenn es heiss ist. Aber hinterherrennen würde ich auch da nicht. Über die anderen Themen (destruktives Verhalten wie Blume zertreten) würde ich ernsthaft mit ihm reden. Ich denke er versteht das sehr gut und provoziert absichtlich. Wahrscheinlich würde ich versuchen herauszufinden, warum er das macht... Frag ihn. ABER mal grundsätzlich - wenn das Kind einen als Mama/ Papa ernstnehmen soll, gerade bei grundsätzliche Themen, sollte man sich vor ihm nicht "zum Affen machen", mal plump gesagt - also das Hinterherrennen mit dem Essen ist da auch aus diesem Grund kontraproduktiv....