Bibi08
Gestern waren wir zu Besuch bei Freunden. Unsere Tochter 3,5 Jahre wollte plötzlich Handy schauen. Ich sagte nein und sie bekam einen Wutanfall. Ich habe sie einfach gelassen, weil ich weiß, dass sie momentan eh nichts beruhigt. Sie hat auch eine ganz schöne Ausdauer, wenn sie was unbedingt will. Plötzlich schimpfte unser Freund mit ihr, was aber auch nicht half. Nach einiger Zeit, sagte ich ruhig aber bestimmt, dass jetzt Ruhe ist. Ich sagte dass 2-3 mal und sie beruhigte sich. Was mich dabei stört, ist nicht das unser Freund mit ihr geschimpft hat, sondern weil ich weiß das sie uns verurteilen,weil wir das nicht machen. Unsere Freunde haben eher den strengeren Erziehungsstil, wir eher nicht. Hin und wieder zweifle ich dann auch an mir, weil ich mir denke, dass ich vielleicht wirklich ein bisschen strenger sein müsste od mehr konsequent. Sie sagen mir, dann auch noch ich soll mehr strengeren und konsequenter sein, damit sie mir wenn sie älter ist, nicht komplett auf der Nase herum tanzt. Bei der ganzen Sache nervt mich einfach, dass man oft das Gefühl bekommt alles falsch zu machen. Keiner sagt einem Mal was man vielleicht gut macht. Und ich glaube, dass doch jeder nur das Beste will, auf die unterschiedlichsten Weisen. Danke fürs ausheulen. Lg 😊
Vielleicht interpretierst Du nur etwas hinein was so gar nicht ist. Woher weißt Du, dass der Freund der Familie so denkt, wie Du es mutmaßt. Er hat ja gar nichts gesagt. Woher nimmst Du also dein "Wissen". Ich denke, dass es hilfreicher ist, sich auf sich selbst zu konzentrieren und nicht immer sich darüber Gedanken zu machen was andere nun denken könnten. Du regelst die Dinge, wie sie sich für Dich passend anfühlen. Punkt. Aus deiner Beschreibung zur Problemlösung durch Dich, erkenne ich jetzt erstmal nichts komisches. Ich hab meine Kinder durchaus auch ihre Wut rausschreien lassen. Irgendwohin muss die ja. 😉 Im Übrigen wird einem selten etwas Lobendes gesagt. Das ist normal. Ändern kannst Du dieses System nur, indem Du dein Kind durchaus lobst. So geben sie es an die Nächste Generation weiter. Im schwäbischen gibt es ein Sprichwort für das "nicht loben" Nicht geschimpft, ist gelobt genug. Soviel dazu. 🤗
ach doch, das lob kommt schon. aber dann eher für das ergebnis als für die methode. aber wer lob von außen braucht um sich "richtig" zu fühlen hat ganz allgemein ein problem. man lebt sein leben doch für sich und nicht damit andere es gut finden. ich habe den eindruck du brauchst die positive rückmeldung von außen weil du eben doch nicht so sicher bist dass du das richtig machst. dann überlege mal warum du so unsicher bist. ist deine methode doch veränderungswürdig? oder suchst/brauchst du einfach anerkennung für dein selbstbewusstsein? so oder so liegt es in deiner hand dass du dich besser fühlst.
".....ich habe den eindruck du brauchst die positive rückmeldung von außen weil du eben doch nicht so sicher bist dass du das richtig machst. ...." Was spricht gegen ein Lob? Nichts. Das würde unterstützen, stärken. Denn ich finde, dass die anfängliche Verunsicherung mit einem Kind jede:n trifft. Ich denke schon, dass wir in unserer Gesellschaft schneller kritisieren als loben. Leider ist loben in Deutschland nicht etabliert. Nichtsdestotrotz hilft für die eigene Überzeugung in Sachen Kindererziehung ein Blick in verschiedene Ratgeber. Dann versteht man ganz gut, ob die angewandte Methode eine gute Basis hat. Vollkommen egal was Dritte davon halten. Denn ob es einem geglückt ist, sieht man erst viele Jahre später.
du hast doch gesagt dass man selten gelobt wird. ich nicht. lies mal meinen 1. satz. ich habe auch nichts gegen lob. keine ahnung was du da wo reininterpretierst. aber man sollte nicht auf lob angewiesen sein so rein psychologisch. das ist die sache mit intrinsischer und extrinsischer motivation. der grund warum man etwas tut sollte nicht sein dass man dafür gelobt wird sondern dass man es selber richtig findet. das lob kommt dann on top. wobei ich eher anerkennung haben möchte als lob. lob hat schnell so feini-vibes. ratgeber? oh puleeezzzee. du findest für jede erziehungsmethode einen ratgeber der die unterstützt, auch für die schlechten. es gibt z.b. auch ratgeber die vom loben abraten. ich las neulich einen erziehungsratgeber der detailliert erklärte wie man kinder schlagen soll. bei babys und kleinkindern unter 4 sollte man keinen prügel nehmen der mehr als 4' durchmesser hat. ab 5 sind kleiderbügel und gürtel angemessen. und bloss keine bleibenden spuren hinterlassen! wer es also gottgegeben richtig findet seine kinder zu vermöbeln "versteht ganz gut ob seine angewandte methode eine gute basis hat". nice!
"....ich las neulich einen erziehungsratgeber der detailliert erklärte wie man kinder schlagen soll." Wo steht so etwas? So ein Ratgeber ist mir noch nie untergekommen. ".....es gibt z.b. auch ratgeber die vom loben abraten. " Auch solche kenne ich nicht. Wobei ich da schon bei Dir bin, nur stumpfes, nicht authentisches Lob ist nicht hilfreich. Aber es geht ja nun überhaupt nicht darum hemmungslos und überbordend zu loben. Das ist genauso Käse wie eben nicht gelobt. Ich finde es sehr hilfreich wenn gelobt wird. Aber weder übertrieben noch untertrieben. Tendenziell neigen wir aber dazu eher die schwäbische Variante anzunehmen und das so ein Spruch überhaupt existiert, sagt meines Erachtens nach Bände. Eine Anerkennung ist für mich übrigens Lob. Ich sehe da keinen Unterschied. "....aber man sollte nicht auf lob angewiesen sein so rein psychologisch." Nur mit Lob können wir uns positiv weiterentwickeln. Ohne das entstehen Personen die selber züchtigen. Und wenn man Lob erfuhr hilft einem das definitiv mehr, so rein psychologisch, als wenn man nie oder selten damit aufwuchs. Ich lobe sogar Erwachsene, dienstlich wie privat. Kinder sowieso. Und selbst in der Katastrophe finde ich noch etwas worauf oft aufgebaut werden kann.
schau mal nach "to train up your child" von den pearls. und maria montessori war gegen das loben. aber ich habe mich schon wieder von dir in die falle locken lassen denn darum ging es ja gar nicht. das thema ist weder "die sinnhaftigkeit von lob in der erziehung" noch die ambiguität von erziehungsratgebern. die ap, die sich mehr lob wünscht, ist gar kein kind. sie ist eine erwachsene. erziehung hat hier gar nichts zu suchen. natürlich ist es auch für die ap als erwachsene schade dass sie nicht gelobt wird und ich verstehe ihre enttäuschung. ich betone explizit dass dass es schön und toll und wunderbar ist gelobt zu werden, auch als erwachsener mensch. das habe ich nie bestritten. aber die ap wird halt nicht gelobt. und was soll sie jetzt tun? jegliche bemühung einstellen? sich auf den boden werfen? ihr umfeld so lange nerven bis sich doch irgendjemand zu einem lob herablässt? ich finde es ratsamer sich vom lob anderer unabhängig zu machen und stattdessen die befriedigung dass man etwas richtig macht aus sich selber zu ziehen. von mir aus auch dem nicht-lobenden umfeld zum trotz nach dem motto "euch zeig ichs". und ich bleibe dabei: lob ist nice und schön und toll wenn man es bekommt. es motiviert und macht froh. man darf sich lob wünschen und traurig sein wenn man es nicht bekommt. aber wenn man es BRAUCHT läuft was schief. der gag ist ja dass du das ziemlich genau so ja auch in deiner 1. antwort geschrieben hast. "konzentrier dich auf dich selber und lass die anderen denken was sie wolllen". ich glaube das war sinngemäß deine antwort. aber wenn ich mehr oder weniger das gleiche schreibe (an die ap, btw, nicht an dich) verdrehst du meine antwort und kommst irgendwann endgültig vom Thema ab. why?
Konsequent warst du ja indem du ihr das Handy nicht gegeben hast. Ich hätte glaube ich genauso gehandelt wie du. Und nachdem du 2-3 Mal gesagt hast, dass jetzt Ruhe ist, hat sie ja auch aufgehört.
Ich wurde tatsächlich in so einer Situation schon mal gelobt. Das war allerdings von einer komplett fremden Person, als mein Kind vor einer Bäckerei einen Wutanfall hatte. Ehrlichgesagt hat sich das Lob gar nicht so gut angefühlt. Mir war es eher unangenehm, dass ich in der Situation beobachtet und bewertet wurde. Ich finde übrigens deine Reaktion und die Begründung nachvollziehbar und sehe hier auch keine Inkonsequenz. Es gibt nicht immer DIE perfekte Lösung für jede Situation und die Unsicherheit, ob man richtig gehandelt hat, gehört dazu. Wenn du wirklich "verurteilt" wirst von diesen Freunden, dann ist das für mich keine gute Freundschaft. Denn man akzeptiert Freunde so wie sie sind. Wenn du mit ihrem Erziehungsstil nicht viel anfangen kannst, solltest du auch auf deren Urteil nicht so viel Wert geben. Orientiere dich lieber an den Personen, die nach deinem Gefühl gut mit ihren Kindern umgehen. Dann kannst du dir vielleicht etwas abschauen und ziehst somit etwas Positives aus deiner Unsicherheit.
"Wenn du wirklich 'verurteilt' wirst von diesen Freunden, dann ist das für mich keine gute Freundschaft. Denn man akzeptiert Freunde so wie sie sind." Na ja. Niemand ist unfehlbar, und eigentlich finde ich es eher wünschenswert, wenn Menschen, die einen kennen und mögen (und die man auch kennt und mag), nicht konfliktvermeidend, sondern ehrlich miteinander umgehen. Auch wenn das manchmal anstregender ist und diese Kraft im sowieso anstrengenden Elternalltag nich gerade im Überfluss vorhanden ist. Damit das gut funktioiert, braucht es aber Sensibilität, und die Frage, ob Einmischung sinnvoll ist oder nicht, ist immer ein Abwägen zwischen Sich-Heraushalten-können und hilfreich unterstützen. Andererseits strahlt mensch eigene Unsicherheit auch auf vielen kommunikativen Ebenen aus, und das merken sowohl das Kind als auch Umstehende und Freund*innen. Es ist vielleicht kein angenehmes Gefühl, wenn einem andere spiegeln: "Ich sehe deine Schwäche", aber auch der Umgang mit solchen Situationen gehört ja irgendwie zum Elternsein. Andere Menschen bewerten Situationen nun mal aus der Außenperspektive. Die Situation vor der Bäckerei, die du oben schilderst, ist ja genau so ein Fall, wo die andere Person es wahrscheinlich gut gemeint hat, du es aber übergriffig fandest, weil ihr mangels Draht zueinander eben nicht diese Sensibilitätsebene miteinander hattet. In einer Freundschaft wäre die aus meiner Sicht aber schon erstrebenswert, und um das zu erreichen, finde ich Ehrlichkeit miteinander (und ruhig auch Konflikt, wenn die Ansichten da verschieden sind) schon wichtig. Und finde es dann schade, wenn manche Kontakte gemieden werden sollen, nur weil es im Hinblick auf die Erziehung Konfliktpotenzial gibt, auch wenn andere Ebenen zusammen gut funktionieren.
Dein Einwand ist natürlich berechtigt. Im Beitrag steht leider nichts dazu, worin sich das "Verurteilen" genau äußert: Sind es eher wohlmeinende Hinweise, die nur aufgrund der eigenen Unsicherheit so negativ empfunden werden? Oder sind es ständige verletzende Sticheleien? Letzteres gibt es nämlich auch in Freundschaften. Und wenn allen Beteiligten klar ist, dass zu einem Thema verschiedene Ansichten existieren und trotzdem eine Seite nicht aufhört, Kritik zu äußern oder den anderen abzuwerten, wäre das für mich schon ein Grund, die komplette Freundschaft in Frage zu stellen. Vielleicht wäre in dem Fall einfach ein klärendes Gespräch mit den Freunden nötig, unter dem Motto "we agree to disagree".