Mitglied inaktiv
Hallo, ich stehe gerade vor einer schweren Entscheidung: Nach einem BWL-Studium und einigen Jahren Berufserfahrung habe ich nun auch ein zweites Studium (Jura) und das Ref fertig. Dazu wird unser Sohn nächste Woche 2 und hat dann auch einen Kiga-Platz von 7-14 Uhr (länger geht bei uns auf dem Dorf nicht). Jetzt habe ich mehrere Jobangebote, auch lukrativ und spannend, aber alle Vollzeit, d.h. 50-60h/Woche, zumindest anfangs. Mein Mann ist als SAP-Berater von Mo-Fr unterwegs und daher keine Hilfe bei der Betreuung. Ich würde gerne 50-75% arbeiten, doch da scheint es absolut nichts zu geben, dass zu meinen Abschlüssen passt. Die Alternative zu einem Vollzeit-Job wäre also, mich selbständig zu machen. Das Risiko ist überschaubar, die Chancen gut zu verdienen aber leider auch... Der Vorteil wäre die freie Zeiteinteilung, d.h. Arbeiten am Wochenende, abends... Würde ich einen der Vollzeit-Jobs annehmen, müsste mein Sohn von 7-13 Uhr in den Kiga und danach zu einer Tagesmutter, wo ich ihn dann gegen 18 Uhr wieder abholen würde. Ich hätte dann nur noch ca. 1,5h/Tag mit ihm zusammen, was mir im Moment relativ wenig erscheint, da ich zwar bisher voll, aber überwiegend zu Hause gearbeitet habe. Was würdet ihr mir raten? Gruß, speedy
Liebe speedy, Erstmal herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung. Ein Teilzeit-Einstieg ist, fürchte ich, in den gutbezahlten herausfordernden Jobs schwierig. Einfacher ist es natürlich, wenn man schon ein paar Jahre in einer Firma oder Kanzlei gearbeitet hat und es klare Vorstellungen hinsichtlich der Leistung gibt. Willst Du denn in einem Unternehmen oder in einer Kanzlei oder ganz woanders arbeiten? Selbständig machen ohne relevante Arbeitserfahrung finde ich auch schwierig. Wenn Du um 18:00 wieder da bist, finde ich die Arbeitszeiten nicht zu schlimm. Ich persönlich würde den Vollzeitjob nehmen und evtl. beim nächsten Kind Teilzeit oder die Selbständigkeit wählen. Viele Grüße carla72
Hmm, das ist ja noch mehr als "normale" Vollzeit (das sind für mich eher 40 Stunden). Ich persönlich finde das zu viel, da sieht man sein Kind ja wirklich kaum noch. Aus meiner Sicht: weitersuchen. LG Berit
liebe speedy also, ich gehöre ja zu denen, die auch viel, voll und früh nach der geburt gearbeitet haben/arbeiten. und auch gern mal 50 stunden/woche aufwärts. aber dein programm hört sich schon arg hart an. wie du selber sagst: du würdest dein kind ja kaum noch sehen. und zwar auf längere sicht. ein paar monate kann man so was ja machen. aber als dauerzustand? würde ich nicht wollen - bei aller liebe zum job (das meine ich total ernst). kann dein mann nicht reduzieren? oder elternzeit nehmen? ich würde entweder weiter suchen oder mich selbständig machen. wenn du jetzt so gute angebote bekommst, dann wird das in ein paar jahren, nach erfahrungen mit selbständigkeit, doch wahrscheinlich wieder so sein. oder? lg paula
Mein Mann war die letzten 2 Jahre in Elternteilzeit, damit ich das Ref in Vollzeit durchziehen konnte (ging nicht anders), er muss jetzt aber wieder Vollzeit einsteigen, da er sonst nur noch "Springer" ist und dadurch unendliche Reisezeiten hätte - somit Vollzeit arbeiten aber nur TZ bezahlt :( Wenn ich mich selbständig machen würde, dann in einem anderen Bereich, nämlich Immobilien und Finanzierungen. Damit wäre dann aber das 2. Studium völlig umsonst gewesen... und nach ein paar Jahren ohne Kontakt zur Materie gibt es leider keine Einstiegsmöglichkeit mehr.
verstehe. wirklich schwierige entscheidung. ihr habt - in meinen augen! - ja alles richtig gemacht und steht jetzt wirklich vor den härten der zustände. aber auf hohem niveau. vielleicht kannst du ja die volle stelle annehmen und nach ner zeit sehen, wie es läuft? alles gute! lg paula
das ist eine sehr schwierige entscheidung. gut, dass ich sie nicht fällen muss. das meine ich nicht hämisch. ich brächte es nicht über´s herz, mein kind so lange fremdbetreuen zu lassen. 11 stunden in fremden händen und 1,5 stunden bei mir? nein, das ist für mich eine ganz absurde vorstellung. und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das einer gesunden seelischen entwicklung eines kindes zuträglich ist (auch, wenn gerade in diesem forum viele das natürlich anders sehen). allerhöchstens vorstellbar wäre für mich, das kind nach dem kiga von einer kinderfrau abholen zu lassen, die das kind nach hause begleitet und dort betreut, bis du wieder da bist. dann wäre das kind ab mittags wenigstens in seiner vertrauen umgebung und müsste nicht jeden tag an drei verschiedenen orten sein (kiga, tamu, zu hause). ich verstehe die berufliche bredouille, aber aus sicht des kindes rate ich ab.
Sehe das wie ny152... Heutzutage ist es fast "normal" als Frau 100% geben zu müssen (im Beruf und dann noch "Hausfrau" ud Mutter gleichzeitig zu sein...). Doch leider wird dabei das Kind ganz vergessen. Ich meine damit: wenn Du sonst keine sonst bekannten Betreuungspersonen (Großeltern, Tagesmutter,...) hast, würde ich das nicht machen! Warte doch, bis Dein Kind im Kindergarten ist und Du dann (bestenfalls Teilzeit - oder sogar Vollzeit) Dein Kind so gegen 16:00 Uhr abholen kannst. Bei Deinem Job klingst das auch eher nach höherbezahlter Arbeit, so dass ich mir eine "Putzfrau" leisten würde. So hast Du dann auch mehr Zeit für Dein Kind. Dein Kind wird viel zu schnell groß - warum nicht ein zusätzliches Jahr "Babypause"? Nur so zum Nachdenken ... mir geht es ja genauso - und ich habe mich für eine zusätzliche Pause für mein Kind entschieden (hinterher fragt mich wahrscheinlich niemand, wie es meinem Kind geht!) Ich hoffe nur, dass ich mich richtg entschieden habe (was dann wirklich richtig war - frag' mich mal in 16 Jahren!) Leonessa
Solltest Du Dich gegen die Vollzeitjobs und für die Selbständigkeit entscheiden, vergibst Du Dir aus meiner Sicht nichts, wenn Du bei den Vollzeitjobs nochmal massiv nach Teilzeit/Heimarbeit fragst. Hast Du Dich schonmal Richtung öffentlicher Dienst informiert? Die Arbeitszeiten sind in der Regel familienfreundlicher und mit einer juristischen Ausbildung passt man in fast jede Verwaltung.
Die einzige akzeptable Lösung aus Deiner und der Sicht des Kindes ist eine Kinderfrau, die Dir gleichzeitig den Haushalt führt und evtl. sogar kocht. Denn DANN sind die 1,5 Stunden wirklich Qualitätszeit, die Du uneingeschränkt Deinem Kind widmen kannst. Trini
Als Anwältin kann ich Dir sagen, wenn Du jetzt nicht die Chance ergreifst, wirst Du wohl kaum noch einmal in dem Beruf arbeiten können. Wenn Dein potentieller Arbeitgeber weiß, dass Du ein kleines Kind hat, ist er vielleicht liberal zu den Arbeitszeiten eingestellt. Es sollte dann möglich sein, dass Du abends von zuhause aus noch viel machst. Man kann zuhause genause gut diktieren und Schriftsätze korrigieren wie in der Kanzlei. Dann könntest Du mal eher aus der Kanzlei, und die Arbeit abends abholen. Grds. fände ich es besser, Ihr hättet eine konstante Betreuung. Ich kenne aber viele, die am Tag Tagesmutter und Krippe kombinieren, weil sie nur Teilzeitplätze in der Krippe haben. Klar wäre eine Kinderfrau besser, die den ganzen Tag da ist. Das ist aber kaum finanzierbar. Zudem ist es bestimmt auch für Deinen Sohn gut, wenn er mit andere Kinder zusammen ist. Wenn Du wirklich als Anwältin arbeiten willst, dann würde ich die Stelle annehmen und versuchen, Arbeit in den Abend zu schieben. Wenn Ihr dann mal ein zweites Kind bekommt, regelt sich das mit der Teilzeittätigkeit bestimmt. Ich kann aber auch den Arbeitgeber verstehen. Es dauert einfach, bis man sich eingearbeitet hat, trotz der langen Ausbildung. Deshalb ist es schon besser, erst einmal Vollzeit zu arbeiten. Ich hoffe, dass Du die Entscheidung triffst, die für Dich und Dein Kind richtig ist. Alles Gute, Astrid
Hallo, ein Satz in Deinem Text ließ mich aufhorchen: ich habe mehrere Jobangebote - auch lukrativ Das bedeutet, dass Du ja in einer sehr guten Position bist, wo Du Dir etwas aussuchen kannst. Wer kann das schon? Das würde ich sehr positiv sehen. Gibt Dir das nicht auch Spielraum für "Verhandlungen" im weitesten Sinne? Also, abwägen, welcher Arbeitgeber dicht dran/flexibel/für Dich angenehm ist, das Gespräch suchen, deutlich machen, dass Du auch noch andere Angebote hast..... Vielleicht kannst Du etwas raushandeln: Im ersten Jahr nur 30-40 Stunden, danach aufstocken? Vielleicht geht das alles nicht. Nur, wer mehrere Eisen im Feuer hat, kann das manchmal von Vorteil sein. Wer 'begehrt' ist, kann manchmal was draus machen. Ich wünsch es Dir.... Christiane
ich habe spontan gedacht: nimm ein angebot an und werde schwanger, dann hast du ein anrecht auf teilzeit, wenn das zweite kind geboren ist ;-). ich finde über 40 stunden auch zu viel, v.a. wenn dein mann da so gar nicht mehr mithelfen kann, aber eigentlich kannst nur du entscheiden. vielleicht gibt es ja wirklich noch verhandlungssüpielraum. ich wünsche dir alles gute!
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