Mitglied inaktiv
Hallo! Ich arbeite zur Zeit 24 Stunden im Büro (habe BWL studiert) und irgendwie füllt mich das nicht so ganz aus. Hier in Belgien könnte ich ein einjähriges Zusatzstudium machen und wäre dann Lehrerin für Teens zwischen 14 und 18 Jahren. Dieses Studium dauert ein Jahr (305 Stunden) und da die Uni räumlich weit weg von mir ist würde es schon Stress und ich bin mir noch nicht mals ganz sicher ob mir Unterrichten Spass macht.Ich habe vor meinen Kindern viel in Jugendbewegungen gearbeitet, es hat mir gefallen, aber ich vermisse es eigentlich nicht. Nun zu meiner Frage: wie gefällt Euch Euer Lehrerdasein? Was ratet ihr Menschen die evt. mit diesem Beruf liebäugeln? Was sollte man ausser der Ausbildung mitbringen? Ich bin gespannt auf Eure Antworten, Vielen Dank, MIJA
Hallo Mija, versuche doch, ein Praktikum in der Schule zu machen, an Tagen / zu Zeiten, an denen du nicht arbeitest. Denn du solltest dir schon sicher sein, ob dir das Unterrichten Spaß macht, bevor du dich da rein stürzt. Hast du denn Kinder? Wäre das Studium damit zu vereinbaren? Ich war Lehrerin und habe es an den Nagel gehängt, weil es mir zu viel Erziehung wurde. Ich weiß nicht, wie es in Belgien ist, aber in Deutschland läuft ja im Unterricht wenig über Eigenmotivation der Schüler, d.h. man ist als Lehrer derjenige, der die Kinder / Jugendlichen evtl. gegen ihren Willen antreiben muss. Das reicht mir schon bei meinen eigenen Kindern ;). Wenn ich keine eigenen Kinder hätte, würde ich sicherlich noch als Lehrerin arbeiten - so schließe ich gerade ein Informatikstudium ab. Was man mitbringen sollte... man sollte Spaß daran haben, vor den jungen Leuten zu stehen. Man sollte spontan reagieren können. Man sollte ein gefestigter, konsequenter und eher selbstsicherer Typ sein. Man sollte offen dafür sein, jedem Jugendlichen auf seinem Weg individuell zu helfen. Man sollte Eigeninitiative haben, denn man muss viele Ideen selbst haben und von sich aus umsetzen. Und man muss damit leben können, evtl. wenig Anerkennung zu bekommen. LG sun
Hallo Mija, ich als Zahlnartz äh-Lehrerfrau... Scherz beiseite. Also, ich bin nicht selbst Lehrerin, frage mich aber auch immer wieder das gleiche wie Du und habe, zumindest was Deutschland angeht, schon einen guten Einblick, von aussen, da mein Mann Lehrer ist, meine beiden Eltern, mein Schwiegervater... Ich glaube, das wichtigste, was den Lehrerberuf von einem "normalen" unterscheidet ist, dass man mit seinen Erfolgserlebnissen und Bestätigungen fasst vollständig von anderen Menschen abhängig ist. Natürlich bin ich sonst auch von meinem Chef oder meinen Mitarbeitern abhängig, aber es gibt immer noch eine "Sache" um die es geht, die ich ganz gezielt beeinflussen kann. Die jungen Menschen, die unterrichtet werden, sind etwas ganz anderes. Im Gegensatz zu Deinem Chef oder Deinen Mitarbeitern kommen sie ja nicht, weil sie bezahlt werden, sie haben, wenn man Pech hat, kein eigenes Interesse an einer Zusammenarbeit, haben sich den Beruf "Schüler" nicht ausgesucht und sind natürlich längst nicht so reflektiert und selbstdiszipliniert wie Erwachsene. Und Du musst wahrscheinlich 20-30 gleichzeitig "domptieren". Mit dem einen hat am Wochenende die Freundin schluss gemacht, der nächste hat auf einer Party zuviel getrunken, 2 haben sich top vorbereitet, ein paar sind unausgeschlafen... und mit dieser Heterogenität muss man gleichzeitig umgehen. Und egal, wie toll Du vorbereitet bist, wie gut Du selbst den Stoff beherrschst, Dein Erfolg hängt davon ab, wie Du alle diese Schüler erreichst und den mit der Ex-Freundin wird Dein Stoff überhaupt nicht interessieren. Das muss man aushalten können. Und was wahrscheinlich noch schwierig ist, ist dass man den ganzen Tag beobachtet wird und auch ein kleiner Fehler einem ewig nachgetragen werden kann. Da braucht man wohl viel Selbstbewustsein, damit man überhaupt effektiv weiter unterrichten kann. Dazu kommt, dass man während des Unterrichts nicht mal kurz abschalten kann, wenn man eine Pause braucht, ich glaube, dass ist sehr anstrengend. Hier in Deutschland wird immer gelästert, Lehrer sein wäre ja ein lausiger Halbtagsjob, aber ich glaube, 6-8 mal 45 Minuten vor jeweils 20-30 Schülern zu stehen erfordert sehr viel Kraft, weil man sich ständig auf Menschen einstellen muss und seine Konzepte ständig deren Bedürfnissen anpassen muss. Und die Arbeit zu Hause, diese Stunden vorzubereiten, um eben auch flexibel sein zu können, wird ja gerne mal vergessen. Für Dich kommt es sicherlich auch darauf an, welche Schüler Du dann bekommst. Hier in Deutschland gibt es 3 verschiedene Leistungsstufen bei den Schultypen und es kommt dazu, dass nicht nur nach Intelligenz sondern auch indirekt nach Sozialverhalten getrennt wirst. Die Leher der Schule mit der geringsten Leistungsstufe haben es natürlich am schwersten, auf dem Land meist wieder ein bisschen leichter als in der Stadt... Den Vorschlag mit dem Praktikum finde ich gut. Vielleicht findest Du einen Lehrer, bei dem Du ein paar mal zugucken darfst und dann vielleicht selber mal eine Stunde geben kannst, damit Du weisst, wie sich das anfühlt und ob Du flexibel genug reagieren kannst. Hm, ich wollte Dir mit dem ganzen dort oben keine Angst einjagen, der Lehrerberuf kann auch sehr befriedigend sein, wenn er wirklich zu einem passt. Und wie Sun wohl auch ausgedrückt hat, man muss bereit sein, die Menschen in ihren Eigenarten anzunehmen und sie dann weiterzubringen, ohne eine gewisse "Liebe zu Menschen" kommt man sonst dahin, sie aufzugeben, weil das halt unheimlich anstrengend ist. Viel Erfolg bei Deiner Entscheidung und gib mal bescheid, wie Du Dich entschieden hast... Viele Grüße, Sabine
Vielen lieben Dank für Eure ausführlichen Antworten. Ich werde mir alles nochmal durch den Kopf gehen lassen und mich mal nach einem Praktikum erkundigen.So könnte ich einen ersten Einblick erhalten ehe ich mich ins Abenteuer stürze. Ich halte Euch auf dem laufenden, MIJA
Also, ich bin Lehrerin an einer Hauptschule (dreigliedriges Schulsystem, da dann die "theorieschwachen" wie jetzt mal gesagt wurde...) und LIEBE meinen Beruf. Du fragst, was man mitbringen muss. Ich würde sagen, jede Menge Durchhaltevermögen, eine hohe Frustrationsgrenze und ganz viel Freude an der Arbeit mit Jugendlichen. Das ist nicht immer leicht.... Vor allem, wenn es mal um eine völlig chaotische Klasse geht. Aber die Schüler sind ja nicht alles. Ebenso wichtig ist es ja, dass man fachliche Lerninhalte vermittelt, soziale Lernziele und sich mehr und mehr um die Sekundärtugenden (Pünktlichkeit, Höflichkeit, ...) kümmern muss und das alles unter einen Hut bringen muss. Ich denke auch, dass du ein Praktikum machen solltest. Ich liebe meinen Beruf und würde ihn gegen keinen anderen eintauschen. Liebe Grüße, Barbara
Hallo, ich hab Wipäd studiert, ist ähnlich wie BWL und ist fürs Lehramt an beruflichen Schulen. Ich hab Schüler von JGS 8 bis 11, also so ca. ab 14 bis (manchmal) 21. wie meine Vorschreiberinnen schon geschrieben haben, muss man gewisse Tatsachen akzeptieren, die genau dieser Beruf mit sich bringt. Das wurde schon hinreichend erläutert, das führ ich nicht nochmal extra aus. Check mal ab, ob Dir die Altersgruppe liegt. Das finde ich auch noch wichtig. Ich kenne nämlich jede Menge Grundschullehrer, die schlagen mit den Händen über dem Kopf zusammen und würden um nichts in der Welt mit mir tauschen wollen. Da kommt in Unterhaltungen ganz oft der Satz "mit der Altersgruppe könnte ich nicht!". Umgekehrt geht es mir aber so, dass für mich eine echte Horrorvorstellung wäre, wenn man mich in eine erste oder zweite Klasse verfrachten würde. ;-)))) Ich sag immer: "Je älter, je lieber" (daher bin ich auch immer froh, wenn ich Abschlussklassen kriege, auch wenn das bedeutet, dass ich viel mehr Stress wegen den Abschlussprüfungen habe...) Sei Dir aber im Klaren, dass Du bei diesem Job den Vorteil der freien Zeiteinteilung damit bezahlst, dass Du Dir oft Nächte um die Ohren schlägst (so geht es mir, weil ich tagsüber lieber mit meinen Kids was mache)
... wie unhöflich.... LG rubi ;-))))))
die iren Beruf auch echt gern macht...meistens jedenfalls....und das schon seit 15 Jahren.. Also man bruacht schon ein SEHR dickes Fell, denn ich denke beim Lehrerjob quatscht einem JEDER rein und man kann es fast nur falsch machen...das muss man ertragen können. Auch die Schüler an sich KÖNNEN einen an den rand des Wahnissns treiben..wenn man das zulässt.Den Mittelweg zwischen engagiertem lehrerdasein und feierabend in der Familie zu finden ist SAUSCHWER, weil man eben nie feierabend hat. Spaß macht mir mein Job auf jeden Fall, aber ob ich ihn "gut" bis 65 oder länger machen kann wage cih manchmal zu bezweifeln... LG HEnni
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