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1. Schuljahr - Elternforum

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Geschrieben von Katja + Fabio (Berlin) am 29.09.2018, 12:52 Uhr

Selbst beigebracht

Ich habe 3 sehr unterschiedliche Kinder. Der Älteste und der Jüngste fielen/fallen dadurch auf, dass sie sich eher für Erklärungen und Zusammenhänge interessieren (wie, warum, wieso passiert etwas). Der Mittlere war etwas anders und eher "speziell". Ich habe erst mit diesem Kind wirklich verstanden was es heißt "er hat es sich selbst beigebracht". Davor konnte ich mir das auch nie so recht vorstellen!

Er hat sich extrem früh für Buchstaben interessiert. Anfangs habe ich garnicht verstanden, dass es ihm um die Buchstaben ging. Er war noch klein, saß im Buggy. Ich habe immer viel mit ihm geredet, alles erklärt. Wir leben in einer Großstadt. Ich habe ihm dann, wenn wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren sind, immer erklärt "Wir fahren jetzt mit der U-Bahn/S-Bahn". Sobald wir dem Bahnhof näher kamen zeigte er auf den Bahnhofseingang und rief freudestrahlend U-Bahn. Ich dachte er freue sich auf den Zug und habe dann bestätigt "Ja, wir fahren jetzt mit der U-Bahn". Irgendwann zeigte er in der Bahn plötzlich auf das Streckennetz und sagte auch U-Bahn (auf dem Plan steht seitlich ein U drauf). Darauf habe ich ihm dann erklärt, dass das nicht die U-Bahn (in meinen Augen ja der Zug) sei, sondern der U-Bahn-Plan.
Kurze Zeit später liefen wir eine Straße entlang an einem Einkaufsladen vorbei. EBBINGHAUS stand oben groß drauf. Mein Kind zeigte hin und rief freudestrahlend U-Bahn. Ähm nein, da gabs keine U-Bahn ... weit und breit keine, auch nicht weiter entfernt. Also sagte ich ihm (leicht irritiert) das da keine U-Bahn sei. Er wiederholte aber immer wieder U-Bahn, U-Bahn und zeigte auf den Schriftzug des Modehauses. Auf einem Mal wurde mir bewusst, dass er mit "U-Bahn" eigentlich den Buchstaben U meinte. Also sagte ich von da an "Das ist ein U wie U-Bahn". Zu diesem Zeitpunkt war er gerade 1 1/2 Jahre alt! Es ging dann weiter, dass bei jedem Autokennzeichen und jedem Namensschild im Haus die Buchstaben abgefragt wurden. So kannte er bald praktisch alle Großbuchstaben.
Die kleinen Buchstaben hat er dann mit Hilfe eines geschenkten Kindercomputers gelernt, da war er so zwischen 3 und 4. Mit 4 1/2 bis 5 hat er sich dann für das lesen interessiert. Ich habe ihm damals kurz das Buchstaben-zusammen-ziehen an ein paar Beispielen erklärt. M und A werden zu Ma, P und A zu Pa, T und E zu Te ... Das System hatte er schnell durchschaut und konnte es dann auf die anderen Silben übertragen. Er hat mich dann einfach gefragt ob das so richtig sei. So konnte er also einfache Wörter bald lesen und hatte ab da Spaß Dinge vorzulesen. Als er mit 5 1/2 in die Schule kam hat er nicht flüssig ganze Bücher gelesen sondern nur einfache (wenn auch zum Teil lange) Worte.

Mit den Zahlen lief es ähnlich. Sind wir die Treppen zur Wohnung hoch oder runter gelaufen haben wir die Treppenstufen gezählt. Mit 1 3/4 hat er mich dann verblüfft, als er Karten die er in der Hand hielt einzeln auf Tisch ablegte und sie jeweils (ab)zählte. Er hatte also ein erstes Zahlenverständnis entwickelt.
Im Aufzug hat er dann die abgebildeten Ziffern gelernt. So konnte er dann abgebildete Zahlen lesen/erkennen.
Das System der Zahlen hat er schnell erkannt und mit 3 bald über 100 gezählt. Die ersten leichten "Rechnungen" folgten von ihm. Im Supermarkt kamen dann die Komma-Zahlen dazu und das Kind hatte Freude jedes einzelne Preisschild zu lesen.
Aber er konnte mich teilweise wahnsinnig machen ... mit 3 hat er sich für ca 6 Wochen jeden (!!!) Tag vor die Digitaluhr gesetzt und jeden Minutenwechsel kommentiert. Von dem Moment an wo wir um 6 Uhr aufgestanden sind bis zu dem Moment wo wir um kurz nach 7 das Haus verlassen haben.
Mit 3 1/2 hat er sich dann für die Armbanduhr interessiert. Seine Tante hat es ihm kurz erklärt (Stunden- und Minutenzeiger, Viertel, Halb, Dreiviertel, ...) Dann musste man ihm immer sein Felix Uhrenbuch vorlesen und so konnte er ab da auch die Armbanduhr lesen.
Vor der Einschulung hat er sich dann noch das Multiplizieren selbst beigebracht.

Selbst beibringen heißt für mich nach kurzem Nachfragen Dinge eigenständig auf ähnliches zu übertragen. Systeme zu verstehen und anwenden zu können. Eigene Wege zu gehen und durch überlegen und kombinieren eine Lösung finden. Natürlich habe ich alle Fragen beantwortet, den Rest hat das Kind allein gemacht.
In der Schule gab es Dank aufmerksamer Lehrer und Erzieher dahingehend keine Probleme. Er durfte nach kurzer Zeit Mathe bei den Zweitklässlern machen. In Deutsch konnte er sich mehr auf das schreiben konzentrieren (sein Schriftbild war und ist eine Katastrophe!) Außerdem war es eine bilinguale Schule und die zweite Sprache war dann etwas neues zum erlernen.
Aktuell ist er übrigens in der 10.Klasse auf dem Gymnasium. Schule läuft ohne Aufwand. Während andere stöhnen hat er genug Zeit zum chillen und für Hohhies.

 
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