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1. Schuljahr - Elternforum

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Geschrieben von Gwenny am 16.03.2005, 10:14 Uhr

Montessori und / oder Walldorf...

Hallo zusammen!

Wir suchen eine Alternative Schulform für unseren Sohn und ich habe mich bereits über Walldorf und Montessori schlau gemacht. Aber aus der Theori bleiben natürlich immer Fragen offen.
1. Sohnemann ist sehr vielfältig interessiert - kreativ, musisch, technisch,...; bei beiden Schulformen ist nicht deutlich, ob auch eine mathematisch-technische Richtung unterrichtet wird. Wie sind hier Eure Erfahrungen?
2. Wie ist es mit dem Vorurteil gegen Walldorf, dass das System antiquiert ist und sich nicht an die Neuzeit anpasst? (Immernoch Russisch als eine der ersten Fremdsprachen, immer noch rosa Häkelschweinchen im Textilen gestalten, die bereits vor 30 Jahren gearbeitet wurden?)
3. Was ich mir bei Montessori nicht vorstellen kann: gibt es dort ausschließlich Freiunterricht und der Lehrer fungiert gar nicht als "strenger" Wissensvermittler? Und ist aller Unterricht Jahrgangsübergreifend oder nur bestimmte Projekt- / Epochenstunden? Wieviele Jahrgänge werden dann zusammengefaßt? Immer 1. - 4. Schuljahr?

Ich hoffe Ihr könnt mir Antworten auf meine Fragen geben?

Lieben Gruß und Dank
Gabriele

 
10 Antworten:

Re: Montessori und / oder Walldorf...

Antwort von shopgirl am 16.03.2005, 10:20 Uhr

am besten, du schaust dir die schulen direkt an, denn wie immer hängt es von der umsetzung ab.

und benutz mal die suchfunktion, denn die frage hat es hier und im kiga-forum schon oft gegeben.

ansonsten: waldorf fördert sehr gut die kreativität und hat oft probleme mit kinder, die schneller lernen als die anderen. montessori kann sehr freies lernen und lernen mit projekten ermöglichen, ist gut für starke wie schwache schülerInnen, schwerpunkt liegt aber hier eher beim "kopf".

grüße,
shopgirl

Re: Montessori und / oder Walldorf...

Antwort von elseKling am 16.03.2005, 10:27 Uhr

Also es besteht ein erheblicher Unterschied zwischen Walldorf und Montessori.

Montessori ist nicht so sehr viel anders als 'normaler' Unterricht, es gibt meist 50% 'normalen' Unterricht und 50% Freiarbeit, die aber nicht zu vergleichen ist mit Freistunden an 'normalen' Schulen wo ein Lehrer lediglich als Aufsichtsperson die Kinder beschaeftigt. Es gibt Laender in denen Montessori-Grundschulen ueberwiegen (Niederlande z.B.).

Von Walldorfpaedagogik halte ich persoenlich nix. Ich finde das zu weit entfernt von der Realitaet. Wer will schon dass sein Kind an Engel glaubt oder nix in schwarz anziehen darf oder keine Schulbuecher bekommt oder nicht mit links schreiben darf oder das Hakenkreuz als germanische Ruhne(?) und nicht als Zeichen einer schlimmen deutschen Vergangenheit kennenlernt? Allerdings gibt es grosse Unterschiede von Schule zu Schule.

Auf unserer Monte läuft es so ab:

Antwort von Biene am 16.03.2005, 13:15 Uhr

die Kinder lernen in altersgemischtne Lerngruppen, 1. bis 4. Klasse. In wenigen Fächern werden die Älteren mal zusammen genommen. Englisch glaub ich.
Die Kinder haben von 8 Uhr bis 10 Uhr Freiarbeit, d.h. dass sie das tun, wozu sie Lust haben (Hausaufgaben-verbessern, rechnen, schreiben etc. mit oder ohne Material, in Gruppen oder allein, jeder tut was, Sportunterricht ist auch 2 Schulstunden innerhalb der Freiarbeit, ist aber dann Pflicht für alle). Die Kinder führen ein 'Das habe ich heute gemacht' Heft, wo sie auch aufschreiben, welches Material sie verwendet haben. Wenn Kinder sich längere Zeit zu einseitig beschäftigen, also z.B. ewig unter 100 rechnen, weil das so schön leicht ist, dann greift der Lehrer ein und wird mit dem Kind was anderes machen oder eben über 100 gehen. Je nach dem, was gerade nötig ist.
Von 10:00 bis 10:15 essen die Kinder ihre Vesper im Klassenzimmer am Platz und danach haben sie bis 10:45 Hofpause (DAVON bin ich total begeistert, weil man den Kinder auch Essen mitgeben kann, was sie mit Löffel etc essen können und sie auch in Ruhe essen und nicht im rennen ein Brot runterschlingen, dass dann vielleicht auch noch im Müll landet, weil keine Zeit ist vor lauter spielen.)

Danach ist wieder Freiarbeit bis 11:30.
Die Lehrer fungieren als Springer, welches Kind gerade Hilfe/Anregung braucht. Oder sie erarbeiten mit den Kinder Themen. Sie haben zum Beispiel wochenlange Projekte (Wasser: also Meer, Flüsse, Tiere des Wassers etc; oder auch Körper oder Planeten etc.)

Nach 11:30 haben die Kinder Kurse, die sie pro Trimester selbst wählen. Manche sind 45 Min andere 1,5 Stunden. Es gibt Forschen & Experimentieren, Mathe Förderunterricht, Basteln, Malen, Singen, Englisch und viele viele viele andere)

Pro Lerngruppe gibts einen Lehrer(in) und eine pädagogische Fachkraft, die aber dem Lehrer in nichts nachsteht, finde ich, also den Kindern gegenüber. Ich sehe beide als Lehrerinnen.

Wir sind mehr als zufrieden mit unserer Montessori (www.montessori-lauf.de)

Schaut euch 'eure' Schule einfach mal an, es gibt auch Infoveranstaltungen und Tag der offenen Tür.

Falls du noch Fragen hast, kannste gerne mailen.

LG

Re: Montessori und / oder Walldorf...

Antwort von RenateK am 16.03.2005, 13:20 Uhr

Hallo,
wie schon gesagt, Montessori und Waldorf ist was grundsätzlich unterschiedliches.
Unser Sohn geht auf eine städtische Montessorischule, der Unterricht ist grundsätzlich jahrsgangsübergreifend, unser Sohn ist in einer 1/2, es gibt aber auch andere Kombination, z. B. auch 1/4. Das heißt aber nicht, dass die Lehrerin nicht mit einer bestimmten Gruppe gesondert was macht, das geht ja gar nicht anders.
Die ersten beiden der täglichen 2 Stunden sind Freiarbeit, die zweiten fachgebundener Unterricht. Bei der Freiarbeit können die Kinder sich was aus vielen Angeboten raussuchen und bekommen natürlich auch Anleitung. Es gibt auch Arbeitspläne, die mittelfristig abgearbeitet werden, die aber nicht die gesamt Freiarbeit ausfüllen.
Wir sind sehr zufrieden damit, Stärken der Kinder können sehr gut gefördert werden. Unser Sohn ist im 1. Schuljahr und macht die Mathesachen vom 2. Auch eine individuelle Förderung bei Schwächen ist gut möglich.
Gruß, Renate

Re: Schlechte Erfahrungen mit Waldorf (Achtung lang)

Antwort von Mijou am 16.03.2005, 15:46 Uhr

Hallo,

über Montessori kann ich nichts sagen, aber über Waldorf schon. Mein Cousin ging auf eine Waldorf-Grundschule und später auf eine weiterführende Waldorfschule. Seine Mutter, meine Tante also, ist überdies Waldorf-Lehrerin.

Für meinen Cousin war diese Schulform verkehrt, obwohl er ebenfalls künstlerisch begabt ist. Er fühlte sich unterfordert (Lernen nach dem Lustprinzip), wurde zunehmend passiver, weil es jedem Kind selbst überlassen wurde, ob und wann es lernen/überhaupt am Unterricht teilnehmen wollte, oder lieber draußen spielen wollte.

Er ist heute 25 und hat keinen Schulabschluss, trotz überdurchschnittlicher Intelligenz. Er hat mehrere Berufsausbildungen abgebrochen, weil ihm nie jemand beigebracht hat, dass man im Leben auch mal Dinge zu Ende bringen muss, auch wenn man vielleicht nicht jeden Tag ununterbrochen Lust darauf hat. Er versucht immer noch (unreiferweise), total nach dem Lustprinzip zu leben und scheitert damit ständig. Er ist arbeitslos, hat ein beginnendes Alkoholproblem und schlägt sich als Schauspieler mit Gelegenheitsjobs durch.

Für ihn kann ich sagen, dass SEIN persönliches Potential in der Waldorfschule verschüttet gegangen ist. Es hat auch nicht nur an seiner speziellen Schule gelegen, durch einen Umzug hat er nämlich die Waldorf-Schule zwischendurch gewechselt, wo es genauso war. Es gab zu wenig Ansporn, zu wenig Anforderung. Letzterer Aspekt ist bei Waldorf oft ein Problem: Zwar überfordert die leistungsorientierte Regelschule die Kinder oft. Aber Waldorf macht leider das Gegenteil: Hier werden sie leicht unterfordert, weil man ihnen zu sehr selbst überlässt, ob und wann sie sich mal anstrengen oder engagieren wollen.

Die Anthroposophen glauben, dass Kinder immer wissbegierig sind und schon von selbst zum Lernen kommen. Dies stimmt aber nur zum Teil: Kinder haben auch immer mal faule Phasen oder lustlose Durststrecken, in denen sie etwas Ansporn und Ausdauer brauchen und lernen müssen, auch wenn es mal gerade nicht so arg doll Spaß macht.

Ich finde, dass Waldorf-Pädagogik die Kinder zu sehr auf eine heile Fantasiewelt vorbereitet, die so nicht existiert, und sie damit ein Stück weit auch betrügt.

Auch stört mich an den Anthroposophen ihr stark elitäres Bewusstsein, die ausdrückliche Meinung, Anthroposophen seien "Eingeweihte". So ein albernes Vokabular, das Menschen über andere erheben soll, benutzen nur Menschen, die noch nicht wirklich allzuviel Weisheit erlangt haben - und natürlich noch Sekten.

Mir selbst ist die Anthroposophie sehr unsympathisch, auch wenn Rudolf Steiner sicher einige gute Ideen hatte. Die elitären, sektenartigen, pseudo-religiösen (Teufels- und Engelsglaube) und dogmatischen Elemente, die diese Lehre hat, finde ich ausgesprochen bedenklich. Zum Beispiel wird auch den Eltern von Waldorf-Kindern - obwohl diese ja oft keine Mitglieder in der Anthroposophischen Gesellschaft sind - versucht vorzuschreiben, wie die Kindererziehung ZU HAUSE aussehen sollte (Fernsehverbot, Verbot bestimmter Sportarten wie Fußball oder Ballett etc.). All dies stößt mich persönlich ab.

Sicher haben Waldorf-Einrichtungen auch einige sehr schöne Aspekte: Ein breites künstlerisches Angebot, Förderung spezieller Begabungen und Interessen, weniger Leistungsdruck, eine ansprechendere Einrichtung, eine menschlichere Einstellung der Pädagogen usw. Und sicher gibt es auch Kinder, die von Natur aus so veranlagt sind, dass sie mit einer Waldorfschule gut zurechtkommen, einen guten Abschluss machen und ihren Platz im Leben finden, das ist außer Zweifel. Deshalb will ich diese Einrichtungen auch nicht generell verdammen, nur ihre Gefahren aufzeigen und meine persönliche Meinung dazu sagen.

Grüßle,

Mimi

Re: Schlechte Erfahrungen mit Waldorf (Achtung lang)

Antwort von shopgirl am 16.03.2005, 18:52 Uhr

ungern gehört, aber dennoch immer wieder wahr: intellektuell starke kinder gehen besser auf montessori-schulen, schwächere sind bei waldorf gut aufgehoben.

Re: Auf unserer Monte läuft es so ab:

Antwort von M.eis am 18.03.2005, 13:43 Uhr

Mich würde mal interessieren, ob eure Lehrer die Fehler eurer Kinder stehen lassen, oder sie angehalten sind sie zu verbessern?

Re: Auf unserer Monte läuft es so ab:

Antwort von M.eis am 18.03.2005, 13:43 Uhr

Mich würde mal interessieren, ob eure Lehrer die Fehler eurer Kinder stehen lassen, oder sie angehalten sind sie zu verbessern?

Re: Auf unserer Monte läuft es so ab:

Antwort von M.eis am 18.03.2005, 13:43 Uhr

Mich würde mal interessieren, ob eure Lehrer die Fehler eurer Kinder stehen lassen, oder sie angehalten sind sie zu verbessern?

Re: Ebenfalls schlechte Erfahrungen mit Walldorf

Antwort von Rio am 18.03.2005, 17:35 Uhr

Hallo,

ich kann mich eigentlich nur Mijous Posting anschliessen.

Zum Einen lehne ich die "Ideologie" ab.

Zum Anderen lernte ich während meines Studiums mehrere Ex-Walldorfschüler kennen. Diese kamen aus verschiedenen Walldorfschulen, aus ganz Ba-Wü und den angrenzenden Bundesländern.

Und alle hatten sie eines gemeinsam: sie hatten vom Leben überhaupt keinen Plan.

Grundlegendste wirtschaftliche und politische Kenntnisse: Fehlanzeige. Mal überspitzt ausgedrückt:die konnten alle wunderschön stricken und Klavier spielen, aber davon wie unsere Gesellschaft funktioniert, hatten sie keine Ahnung. Allgemeinkenntnisse tendierten gegen Null.

Ich fande es damals sehr befremdlich, dass so "ungebildete" Menschen (denn dumm waren sie nicht) ihr Abi geschafft haben und nun studieren wollten.

Viele Grüsse,
Rio

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