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1. Schuljahr - Elternforum

1. Schuljahr - Elternforum

 

Geschrieben von Schniesenase am 31.10.2018, 20:43 Uhr

Erstklässler extrem aggressiv!

Auch in der Grundschule dauert es keine kleine Weile, bis Du die Kids auf der Spur hast. Damit meine ich, dass Ihr Euch kennenlernen und gegenseitig verstehen lernen müsst, wie wer tickt.

Gerade Grundschulkinder brauchen viel kleinschrittige Anleitung. Das heißt, so lange Du sie noch nicht besser kennst, machen alle das mit, was Du bestimmst. Klingt hart, aber das ist der erste Schritt, um sie zu sortieren und ihnen einen Rahmen zu geben. Dabei kannst Du Spiele spielen, aber auch hier schauen, dass dabei weder zu viel Freiraum noch zu viel Konzentration verlangt wird. Sie haben einen ganzen Schultag Zeit, und am besten gehen sie erst mal raus und toben sich eine Weile aus. Dafür gibt es auch Spiele und Beschäftigungsmöglichkeiten. Gut sind auch Kennenlernspiele wie "Alle, die in ihrer Freizeit XXX machen, stehen auf/setzen sich in den Kreis usw.". Dabei lernen sie was voneinander, und es entsteht etwas mehr Vertrautheit. Vermutlich sind sie ein Konglomerat aus verschiedenen Klassen und kennen sich nicht unbedingt alle.

Überlege Dir, ggf. mit den zuständigen Lehrkräften zusammen, etwas, wie Du Miesmacher für eine gewisse Zeit aus dem Verkehr ziehen kannst, damit sie weder Bühne noch zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Zügige Telefonate mit den Eltern können, müssen aber nicht helfen.

Ganz wichtig: Schnell die Namen lernen! Wenn Du sie persönlich anspechen kannst, fühlen sie sich auch gemeint, und die anderen sind nicht auch noch sauer, weil sie glauben, Du meckerst mit ihnen zu Unrecht.

Wer ernsthaft auf andere losgeht mit dem Ziel sie verletzen, wird sofort in eine Telefonierliste eingetragen mit dem Hinweis, dass Du die Eltern und Lehrer kontaktierst. Da wäre ich eisenhart, sonst kriegst Du nichts mit ihnen auf die Reihe. In der Regel machst Du das ein oder zwei Male, und dann klappt es viel besser.

Hilfreiche Ideen für verfahrene Situationen am Beispiel:

Zwei Streithähne kommen und erzählen aufgeregt, wer was unerhörterweise gemacht hat und Schuld ist. Dabei sind ungefähr sechs andere "Zeugen". Die Namen der Zeugen schreibst Du auf und schickst sie weg, mit dem Hinweis, dass Du ihnen für ihre Hilfestellung dankst und evtl. noch mal auf sie zukommst. So fühlen sie sich schon mal ernst genommen, können aber keine weitere Unruhe verursachen. Die beiden, um die es geht, sprechen mit Dir zusammen. Regel Nummer 1: Du möchtest JEDEN hören, und darum darf derjenige, der spricht, auch zu Ende sprechen. Erinnere dran, wenn der andere aufgeregt unterbrechen will, indem Du ihn mit "Ich möchte sehr gern hören, was du zu sagen hast, aber zunächst darf XX zu Ende sprechen." Bleibe geduldig. Deeskalieren bedeutet, selbst ruhig zu bleiben.

Wenn beide erzählt haben, spiegelst Du nur: Also ich habe es so verstanden, dass du, Milo, es so und so erlebt hast und dasunddas dich richtig sauer/traurig/wütend... gemacht hat. Und Gero, du ...

Am Ende hat mir immer geholfen zu fragen: "Was machen wir denn jetzt damit? Was denkt ihr? Wie gehen wir jetzt weiter damit um?"

Eine Regel für Dich: Erzwinge nie Entschuldigungen, wenn die Kinder nicht verstehen, dass sie jemandem Unrecht getan haben!

Wenn jeder findet, dass der andere bestraft werden soll, lass sie wissen, dass Du niemanden bestrafen kannst, wenn Du nicht selbst dabei warst und sie aber doch ganz unterschiedliche Dinge erzählen. Wem sollst Du mehr glauben? Beide sind erbost. Aber sie können Wege erarbeiten, wie sie in Zukunft miteinander umgehen. Frei nach der Frage: "Wir können das, was geschehen ist, jetzt nicht mehr ändern, aber wir können in Zukunft Wege finden, damit anders umzugehen. Milo, was wünschst du dir von...?" usw. Dann könnt ihr vereinbaren, dass die XXX Vorschläge (aufschreiben!) ausprobiert werden und sie morgen noch mal zu dir kommen, um zu erzählen, ob es nun besser geht oder ob es nicht klappt.

Manchmal hilft auch der Hinweis, Du würdest das gern mit ihnen selbst klären und nicht erst bei Eltern und Lehrern anfragen...

Falls die Situation so war, dass Du es nicht den Kindern überlassen kannst, weil z.B. einer verletzt wurde, dann kommen die Zeugen ins Spiel und Du musst sehen, ob das Geschehene Konsequenzen haben muss und Dir darüber im Klaren sein, welche das sein könnten.

Auf diese Weise fühlen die Kinder sich ernst und wahrgenommen, und Du kommst aus der Rolle der Richterin und Bestrafenden heraus, die zugleich ja von den Kindern dafür gehasst wird, denn gerecht kann man das kaum machen.

Die Kunst ist, am Anfang Teile des Chaos' auszublenden, um erste kleine Erfolgsinseln zu bauen, Kinder ins Boot zu holen, auch Streithähne. So ein Gespräch findet statt, während ansonsten der Bär tobt. Das geht anfangs nicht besser, ändert sich aber mit der Zeit. Du kannst nicht alle zugleich kontrollieren, wenn sie auf Dich noch nicht reagieren.

Hilfreiche Floskeln:
"Das hat Konsequenzen. Ich will Dich später noch mal sprechen und komme auf dich zurück!" Mit Ausdruck gesagt und dabei auf Augenhöhe ins Gesicht geschaut macht das schon Eindruck. Dann wissen sie, da kommt noch was, und Du musst nicht sofort eine übereilte Entscheidung treffen, die du später bereust. Zumindest so ein kleines ungutes Gefühl könnte dem Übeltäter dann erst mal nachhängen, was schon hilft, ein Gewissen zu aktivieren, das ihn weiterbringt. Natürlich MUSST Du dann auch auf ihn zurückkommen.

"Darüber muss ich nachdenken. Ich spreche dich noch mal an." Gibt Dir ebenfalls Zeit und dem Kind das Gefühl, gehört worden zu sein.

"Ich kann das um... Uhr mit dir besprechen. Das kann auch kurz vor der Abholzeit sein. Wenn es wichtig ist, kommen sie dann noch mal zu Dir, aber 80% der SEHR DRINGENDEN ANLIEGEN haben sich dann erledigt. ;-)

Das A und O ist aber eine gute Vorbereitung. Die Kinder kommen. Sie lernen, anfangs kommt immer XXX. Danach ist y Minuten Zeit für ZZZ. Usw. Rhythmisieren gibt Sicherheit. Später kann man das aufweichen, aber dann hast Du sie im Boot. Wer selbstständiger ist, hat mehr Freiraum, wer mehr Führung braucht, muss dahin begleitet werden, selbstständiger zu werden und braucht anfangs mehr Rahmen. In Deinen Rahmen kannst Du natürlich auch Wünsche der Kinder einbauen, z.B. durch eine Hitliste, was sie gern mal machen wollen. Dafür können sie sammeln (z.B. in einer Box). Nie anonym und immer mit Datum. Sie können Dir auch ihre Wünsche sagen, und Du schreibst sie auf eine Liste.

Auch hilfreich: Gutscheine für sehr beliebte Spielgerätbenutzung oder besondere Aktivitäten. Wer sich durch etwas sehr positiv gezeigt hat, kann einen Gutschein bekommen und, wann er will, sich was aussuchen. Dafür wird der Gutschein wieder abgegeben.

Wenn Hausaufgaben gemacht werden sollen, wäre es sicher hilfreich, jeden Tag bei so 4-5 Kindern ins HA-Heft zu schreiben, welchen Eindruck Du hattest. Sehr hilfreich auch, wenn der positiv war. Das machst Du ein paar Male, spricht sich herum und zeigt ihnen, dass Du mit den Lehrern in Kontakt bist und - noch wichtiger - das Bemühen der Kinder SIEHST.

Ich glaube nicht, dass es nur was mit Respekt zu tun hat. Das ist sicher auch der Fall, hat aber meiner Meinung nach eher damit zu tun, dass Kinder früher einfach noch hierarchiegetrimmter waren und nicht so selbstbestimmt. Sie müssen erst mal verstehen, dass auch hier Regeln gelten und Abläufe sind, in die sie sich einpassen müssen. Abgesehen davon müssen heute viele Kinder (arbeitender Eltern) sehr selbstständig sein und organisieren eben selbst, bis sie erkennen, dass sie das hier weder sollen noch einfach so dürfen.

Dazu kommt, dass die Kinder eben auch einen sehr langen Tag haben. Gerade die Erstklässler sind platt von der ersten Hälfte des Tages mit all dem Neuen, das Schule noch für sie bringt. Sie haben ihre Konzentration und ihr "Zusammenreißfähigkeit" am Vormittag erst mal verpulvert. Da muss auch entspannt und aufgeladen werden. Jede Lehrkraft weiß, welch ein Unterschied es ist, in den ersten 3 Schulstunden zu unterrichten im Gegensatz zur 4., 5. oder gar 6. Stunde. An der Stelle solltest Du sie auch ein bisschen verstehen, die Kleinen. Es wird viel von ihnen verlangt. Das können viele Eltern bestätigen, deren Kinder mit Schulbeginn anfangs zu Hause viel weinerlicher oder unkontrollierter oder auch aggressiver sind als vorher.

Sorry, das war viel. Ich hoffe, es hilft Dir! Good luck!

 
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