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Mein Kind hat Alpträume

Mein Kind hat Alpträume

Jeder, der schon mal schlecht geträumt hat weiß, dass die Gefühle, die mit einem Aptraum verbunden sind, nicht einfach weggehen, wenn man die Augen aufschlägt. Wenn man weiß, worauf es ankommt, ist es nicht schwierig ein Kind nach einem Angsttraum wirkungsvoll zu beruhigen.

Die dreijährige Lina hat Angst vor Käfern. Am frühen Morgen wacht sie auf und schreit lautstark nach ihrem Papa. Riesige, böse Käfer sitzen unter ihrer Bettdecke. Linas Papa hat in ein paar Stunden eine wichtige Telefonkonferenz und ist jetzt kein guter Angsttraum-Bekämpfer: Er setzt sich gähnend auf die Bettkante und versucht Lina zu erklären, dass da keine Käfer sind und er ihr doch schon hundertmal gesagt hat, dass sie vor Käfern keine Angst haben muss.

Linas Vater meint es gut, macht bei seinem Versuch zu trösten aber Fehler:

  • Träume nicht ausreden: Kleinkinder können noch nicht zwischen Sein und Schein unterscheiden. Für Lina sind die Käfer unter ihrer Bettdecke ganz real. Daher sollte die Reaktion der Eltern auch verständnisvoll sein. Mit dem Hinweis "Ich bin ja bei dir" könnte Linas Vater seine Tochter beruhigen und gleichzeitig ihre Ängste ernst nehmen. Es ist wichtig, Kinder in ihrer Auseinandersetzung mit bösen Tieren, Monstern oder Hexen, die sie nachts besuchen, zu stärken
  • Ängste ernst nehmen: Aber auch jenseits des Alptraums sollten Linas Eltern die Angst ihres Kindes vor Käfern ernst nehmen. Denn mit dem Satz "Du brauchst keine Angst haben" beruhigen wir kleine Kinder nicht, sondern zwingen sie dazu, ihre eigenen Annahmen in Frage zu stellen. Sie fühlen sich allein und vertrauen sich in einer ähnlichen Situation eventuell nicht mehr den Eltern an.

Alpträume richtig einschätzen

  • Sind Alpträume bei Kindern normal?
    Ängste begleiten Kinder von Anfang an und Eltern sind gut beraten, Alpträume als natürlich und entwicklungsbedingt anzusehen. Treten sie jedoch ein- oder mehrmals pro Woche auf, eventuell begleitet von Einschlafproblemen, und wirkt das Kind auch tagsüber betrübt, sollten Eltern den Gründen nachgehen. Ist der Alltag für das Kind gerade zu stressig, hat es Belastendes erlebt oder ist es mit einer neuen Situation überfordert?
  • Ab wann treten Alpträume auf?
    Etwa ab dem dritten Lebensjahr. Eine Art Höhepunkt erreichen die Alpträume, wenn Kinder sechs Jahre alt sind. Danach nimmt die Häufigkeit bis zum 10. Lebensjahr wieder ab.
  • Warum haben manche Kinder häufiger Angstträume?
    Dazu hat die Wissenschaft noch kein umfassendes Erklärungsmodell gefunden. Studien haben beispielsweise gezeigt, dass es einen schwachen, aber nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Alpträumen und dem Grad der Ängstlichkeit eines Kindes gibt. Wobei nicht geklärt ist, welcher Faktor der auslösende ist: Erhöht die Ängstlichkeit die Zahl der Alpträume? Oder sind Kinder, die häufiger Alpträume haben, dadurch ängstlicher?

    Kinder, die krank sind, Fieber haben oder unter einer Allergie leiden, haben ebenfalls häufiger Angstträume. Und: Studien haben gezeigt, dass das, was Kinder im Fernsehen oder im Kino sehen oder aus Märchen erfahren, Einfluss auf die Inhalte der Alpträume hat.
  • Woher kommen die Angstträume?
    In ihren Angstträumen verarbeiten Kinder Erfahrungen, die sie im realen Leben machen und die sie verunsichern. Das können große Ereignisse sein, wie die Geburt eines Geschwisterkindes, wodurch das Kind Verlustängste bekommt. Das kann die diffuse Angst vor dem Zusammensein mit vielen anderen Kindern im Kindergarten sein. Oder auch eine Unsicherheit, die durch Konflikte zwischen den Eltern ausgelöst wird.

    Ängste ergeben sich aus dem Reifeprozess des Kindes und lassen sich entsprechend verschiedenen Altersstufen zuordnen: Ab etwa dem zweiten Lebensjahr entwickeln Kinder Ängste vor der Dunkelheit, vor Tieren oder unbekannten Objekten. Und mit dem Beginn der "magischen Phase" ab dem dritten Lebensjahr ist dann in der kindlichen Logik alles möglich: Die böse Hexe und der Mann im Mond sind in der Vorstellung eines Kindes jetzt genauso real wie Mama und Papa.

    Mit zunehmendem Alter des Kindes verschwinden böse Gestalten und wilde Tiere aus den Alpträumen und werden durch soziale Konflikte abgelöst.

Auf Alpträume richtig reagieren

Alpträume sind also - bei sporadischem Auftreten - normal. Dennoch brauchen Kinder die Hilfe ihrer Eltern, um mit ihnen umgehen zu können.

Wenn Ihr Kind durch einen Alptraum geweckt wurde, ist es erst einmal hellwach und wird Ihre Zuwendung brauchen. Sprechen Sie ruhig und geduldig mit ihm und versichern sie, dass Sie es immer beschützen. Lassen Sie sich den Traum beschreiben und versprechen Sie, dass Sie gemeinsam mit Ihrem Kind eine Verteidigungstaktik gegen das Monster oder Gespenst entwickeln werden.

  • Ein Kuscheltier kann zum mutigen Monster-Vertreiber werden und neben dem Bett aufgestellt auf das Kind aufpassen.
  • Kindern hilft es, wenn sie die Gestalten, die ihnen in den Alpträumen begegnen, aufmalen. So geben sie ihrer Angst eine Form und können sie dann aus dem Zimmer verbannen oder sie zerreißen. Oder: Sie basteln gemeinsam mit Ihrem Kind einen Käfig für das Monster und stellen das Bild dann abends gemeinsam hinein.
  • Vielleicht können Sie auch den bösen Traum des Kindes in einen guten Traum umgestalten oder ihm ein gutes Ende geben. Träumt Ihr Kind, dass es verfolgt wird, malen Sie gemeinsam einen Düsenjet, mit dem es beim nächsten Mal ganz schnell verschwinden kann.
  • Magisches Denken löst nicht nur Ängste aus, sondern macht auch sehr kreativ. So kommt Ihr Kind selbst wahrscheinlich auf die besten Ideen, die irrealen Gestalten zu vertreiben. Unterstützen Sie Ihr Kind darin, eigene Lösungswege zu finden. So helfen Sie ihm, seine Selbstwirksamkeit zu stärken.

Unterscheidung Angsttraum und Nachtschreck

Wenn ein Kind nachts panisch schreiend in seinem Bett sitzt, kann es auch gerade einen Nachtschreck (Pavor nocturnus) durchleben: Im Unterschied zu einem Angsttraum ist das Kind bei einem Nachtschreck trotz weit geöffneter Augen nicht ansprechbar, es reagiert eventuell sogar mit Schlägen auf Beruhigungsversuche und scheint wie in einem Wahn zu sein. Starkes Schwitzen, ein erhöhter Puls und verstärkte Atmung sind ebenso Begleiterscheinungen des Nachtschrecks. Eltern, die ihr Kind das erste Mal in dieser Situation erleben, werden besorgt sein. Ihr Kind jedoch schläft nach dem bis zu fünfzehn Minuten anhaltenden Spuk entspannt ein und wird sich am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern können.

So befremdlich der Nachtschreck auch wirkt, er ist weder ein Anzeichen für psychische Probleme, noch deutet er auf Erziehungsfehler hin. Er ist eine Begleiterscheinung von Reifungsprozessen im kindlichen Gehirn und tritt bei manchen Kindern häufiger, bei anderen gar nicht auf. Jedoch kann mit einem guten Schlafrhythmus offenbar etwas gegengesteuert werden: Nach ereignisreichen Tagen oder bei einer Übermüdung tritt der Nachtschreck tendenziell häufiger auf.

Mehr zum Thema Nachtschreck erfahren Sie auch hier.

von Eva Becker

Zuletzt überarbeitet: März 2017

   

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