Kristina Wrede

Kristina Wrede

Stillberaterin

Kristina Wrede absolvierte ihre Ausbildung zur Stillberaterin bei der La Leche Liga Deutschland e.V., einer Organisation in 78 Ländern in offizieller Beziehung zur Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Schwangeren und stillenden Mütter in Fragen rund um das Stillen Beratung anbietet. Danach leitete Kristina Wrede viele Jahre lang eigene Stillgruppen mit intensiver Betreuung. 2008 übernahm sie neben Biggi Welter zudem die Online-Stillberatung von Rund-ums-Baby.de. Von August 2018 bis April 2019 besuchte sie Fortbildungen in Bindungsbasierter Beratung und Therapie (BBT) bei Prof. Dr. Karl-Heinz Brisch zur Anwendung von bindungsbasierter Beratung in der peri- und postnatalen Zeit, bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen.

Kristina Wrede

Herpes + Stillen

Antwort von Kristina Wrede, Stillberaterin

Frage:

Hallo,

ich war die letzten Tage krank und hab jetzt, fast wieder gesund, rund um die Nase Herpesbläschen. Können Sie etwas empfehlen, was ich drauf schmieren kann, was nicht in die Muttermilch übergeht bzw. meiner Kleinen nicht schadet?

Besten Dank für Ihre Antwort.

LG
Ina

von ina2209 am 30.07.2010, 11:26 Uhr

 

Antwort auf:

Herpes + Stillen

Liebe ina2209,

ich kann und darf keine Medikamente empfehlen, da sind der Apotheker oder dein Hausarzt die besten Ansprechpartner.

Bei Fragen zur Vereinbarkeit von Medikamenten und Stillzeit (und natürlich auch Schwangerschaft) kann und sollte sich ein Arzt oder Apotheker direkt an das Berliner Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie ("Embryotox") wenden, das unter der Telefonnr. 030 30308 111 erreichbar ist, per mail unter mail@embryotox.de, oder online unter www.embryotox.de bzw. http://www.bbges.de/content/index024a.html.

Was ich tun kann, ist dir folgenden Text aus "Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" (Spielmann, Schaefer, 7. Auflage 2006) zu zitieren, der viele Antworten enthält:

"Aciclovir, antiretrovirale Mittel und andere Virustatika

Erfahrungen. Von Aciclovir (Zovirax®), M/P-Quotient 2-4, nimmt der voll gestillte Säugling maximal 1 % einer oralen mütterlichen gewichtsbezogenen Dosis auf (Meyer 1988). Unter i.v. Gabe von täglich 900mg sind es durchschnittlich 5% (Bork 1995). Toxische Symptome wurden nicht beobachtet (Taddio 1994, Meyer 1988). Das Risiko einer Beeinflussung des Immunsystems durch Exposition über die Muttermilch erscheint nach derzeitigen Erfahrungen recht unwahrscheinlich.

Bei Valaciclovir (Valtrex®), einem oral besser verfügbaren Prodrug des Aciclovirs konnte bei 5 Müttern, die 2-mal täglich 500 mg erhielten, weder im mütterlichen Serum noch in der Milch die Originalsubstanz nachgewiesen werden, weil diese rasch zu Aciclovir umgebaut wird. Die höchsten Werte (von Aciclovir) in der Milch fanden sich etwa 4 Stunden nach der Applikation, ein M/P-Quotient bis 3,4 ließ sich errechnen. Selbst den höchsten gemessenen Individualwert in der Milch berücksichtigend, beträgt die relative Dosis für ein voll gestilltes Kind lediglich 5,7%. Legt man die in der Neonatologie therapeutisch verwendeten Dosierungen als Vergleichsgröße zugrunde und berücksichtigt die geringe orale Verfügbarkeit des Aciclovir, so ergeben sich lediglich 0,6% einer pädiatrischen Dosis für den Säugling via Muttermilch. Im Urin der untersuchten Säuglinge fanden sich durchschnittlich 0,74 µg/ml unter Steady-state-Bedingungen (Sheffield 2002).

Bei 20 Mutter-Kind-Paaren unter mütterlicher antiretroviraler Therapie mit Nevirapin (Viramune®), Lamivudin (Epivir®) und Zidovudin (Retrovir®) wurden M/P-Quotienten zu diesen Substanzen von 0,7, 3,3 und 3,2 errechnet. Im Serum der Kinder fanden sich vom Nevirapin mit 971 ng/ml hohe Werte, die denen entsprechen, die nach direkter Applikation einer Dosis von 2 mg/kg erreicht werden. Die Autoren diskutieren daher sowohl einen vor Infektion schützenden als auch potenziell toxischen bzw. Resistenzen erzeugenden Nevirapin-Transfer via Muttermilch. Bei Lamivudin wurden jedoch mit durchschnittlich 28 ng/ml nur 5% einer therapeutischen Konzentration im kindlichen Serum erreicht. Der Zidovudin-Transfer zum Kind konnte nicht bewertet werden, weil die Säuglinge zur Infektionsprophylaxe Zidovudin auch therapeutisch erhielten (Shapiro 2005).
Zu den anderen Virustatika, wie z. B. Adefovir (Hepsera®), Amantadin (z.B. Amantadin STADA®), Atazanavir (REYATAZ®), Brivudin (Zostex®), Cidofovir (VISTIDE®), Famciclovir (Famvir®), Fosamprenavir (Telzir®), Foscarnet-Natrium (z.B. Foscavir®), Ganciclovir (Cymeven®), Ribavirin (Virazole®) und Zanamivir (Relenza™) sowie zu den antiretroviralen Substanzen Abacavir (Ziagen®), Delavirdin, Didanosin (Videx®), Efavirenz (SUSTIVA®), Indinavir (CRIXIVAN® Nelfinavir (VIRACEPT®), Ritonavir (Norvir®), Saquinavir (INVIRASE®), Stavudin (Zerit®), Tipranavir (Aptivus®) und Zalcitabin (HIVID Roche®) können keine Angaben zur Verträglichkeit in der Stillzeit gemacht werden.

Empfehlung für die Praxis; Bei äußerlicher und systemischer Applikation von Aciclovir oder Valaciclovir kann gestillt werden. Die übrigen Virustatika und antiretroviralen Substanzen erfordern, falls wirklich in der Stillzeit indiziert, eine individuelle Entscheidung. Beispielsweise erscheint bei zwingend erforderlicher Therapie einer chronischen Hepatitis B mit Lamivudin Stillen nach Simultanimpfung des Kindes (siehe Kapitel 4.15) akzeptabel. Bei den speziell für HIV-Infektionen eingesetzten Mitteln ist neben der potenziellen Toxizität dieser Mittel zu bedenken, dass generell nur in solchen Regionen das Stillen ausdrücklich empfohlen wird, in denen die schlechte Wasserhygiene bei der Herstellung von Fertignahrung das größere Risiko für den Säugling darstellen würde als das Infektionsrisiko über die Muttermilch (siehe dort)."

Gute Besserung!
Kristina

von Kristina Wrede, Stillberaterin am 30.07.2010

Antwort auf:

Herpes + Stillen

Vielen Vielen Dank für die Mühe, die sie sich gemacht haben.

von ina2209 am 30.07.2010

Antwort auf:

Herpes + Stillen

Hallo,
aus Erfahrung weiss ich, dass Honig super in der Anfangsphase des Herpes wirkt. Ich habe es in der Schwangerschaft ausprobiert, als ich keine andere Wahl hatte, da ich keine anderen Medikamete und auch nicht die Herpes-Salbe nehmen wollte, die ich sonst immer in der Handtasche hatte.

Ein kleiner Behälter Honig hat mich dann in meiner Tasche durch die ganze Schwangerschaft und lange auch noch in der Stillzeit begleitet und mir viele Herpesausbrüche stoppen können. Es funktioniert bei mir allerdings nur, solange keine Bläschen entstanden sind, also wie bei der üblichen Herpes-Salbe wenn es kribbelt oder rot wird.

Das Positive daran war auch, dass es nicht mehr eklig war, wenn doch etwas in die Mundschleimhaut überging und man kann es nach ca. 1 h oder nach Laune auch abwaschen und immer wieder neu auftragen. Ausserdem bleiben die Lippen schön geschmeidig, und trocknen nicht so aus, wie sonst beim Herpes.

Viel Spass bei probieren und freue mich auf ein Feedback.
Übrigens habe ich verschiedene Honigs probiert, kommt also nicht auf die Qualität an

von margherita am 31.07.2010

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