Dr. med. Vincenzo Bluni

Was noch tun bei Bel?

Antwort von Dr. med. Vincenzo Bluni

Frage:

Hallo,
ich bin mit dem 3. Kind schwanger und es liegt seit der 17.ssw in Bel.
Meine anderen beiden Kinder lagen auch von Anfang bis Ende in Bel. Beide hatten dann eine Hüftluxation. Folgendes habe ich schon alles in den vorherigen Schwangerschaften probiert: Osteopathie, Moxen, Akupunktur, indische aBrücke, Bauchatmung, Versuch äußere Wendung (1. Ss vor Geburt)
Fruchtwasser war von der Menge immer unauffällig.
Es muss doch irgendwas geben das Kind zur Drehung zu bewegen. Vielleicht Physiotherapie? Haben Sie damit Erfahrung?
Auch wenn die Luxation sehr gut behandelbar ist hätte ich so gerne mal ein Baby ohne dreimonatige Gipsbehandlung die wirklich nicht angenehm ist.
Vielen Dank!!!

von Klaas1978 am 06.10.2017, 13:12 Uhr

 

Antwort auf:

Was noch tun bei Bel?

Hallo,

1. In Ihrer Fragestellung ist meines Erachtens nicht richtig formuliert, in welcher Woche sie sich denn jetzt genau befinden. Darüber hinaus kann ich mit dem letzten Satz ihrer Frage nicht viel anfangen, weil er offensichtlich aus dem Gesamtzusammenhang gerissen ist.

Auch ist nicht ganz klar, welche konkreten Maßnahmen bis jetzt in dieser Schwangerschaft durchgeführt wurden.

2. Wenn das Kind in der 30. Woche in Beckenendlage liegt, liegt die statistische Wahrscheinlichkeit bei über 70 %, dass es sich zum Ende hin noch drehen wird. Diese Wahrscheinlichkeit sinkt mit jeder weiteren Woche und auf etwa unter 15 % nach der 36. Woche.




Die folgenden Möglichkeiten zur Beeinflussung stehen nach den bisherigen Erkenntnissen zur Verfügung:

1.Indische Brücke
2.Moxibustion (33.-36.SSW)
3.Äußere Wendung

Das Vorgehen bei der Indischen Brücke scheint Ihnen ja bekannt zu sein.


Unter Moxibustion wird die Erwärmung von Akupunkturpunkten durch das Abbrennen von getrocknetem Beifußkraut in Form von glühenden Zigarren verstanden. Zur Anwendung kommt das Verfahren am Akupunkturpunkt Blase 67 (Bl67), der sich am kleinen Zeh befindet und laut einer aktuellen Studie (Vas J et al.) um 30% besser als Lagerungsmanöver als reines Zuwarten geeignet ist, das Kind von der Beckenendlage in die Schädellage zu bringen.

Diese Metaanalyse der amerikanischen Fachzeitung kommt dabei zu einem positiveren Ergebnis als eine Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2004.
Bei Schwangeren in westlichen Kulturen konnte mit der Moxibustion in 50-60% der Fälle eine Drehung erreicht werden. Die schwangere Frau muss sich dabei im sog. Vierfüßlerstand befinden. Das Verfahren stammt aus der traditionellen chinesischen Medizin und wird von Hebammen vor Ort und in ausgewählten Kliniken, die auch die Akupunktur anwenden, durchgeführt.

Sofern die ersten beiden Methoden nicht zum gewünschten Erfolg führen, kann mit der Entbindungsklinik über den Versuch einer äußeren Wendung nach der vollendeten 36. SSW gesprochen werden. Jedoch bieten dieses nicht alle Kliniken an. Wo es in Ihrer Nähe eine solche Klinik gibt, sollte Ihre Frauenärztin/Frauenarzt Ihnen sagen können.

Für den Versuch einer äußeren Wendung müssen allerdings bestimmte Rahmenbedingungen beim Kind vorliegen. Der Versuch wird erfahrungsgemäß in Kaiserschnittbereitschaft in der Klinik durchgeführt.
Das bedeutet, dass ein Operationsteam bereit steht für die Situation, dass es dem Kind akut schlecht geht oder Komplikationen an der Plazenta auftreten.

Es gibt viele renommierte Fachvertreter die die Wendung aus Beckenendlage befürworten; es gibt jedoch mindestens genauso viele, die wegen möglicher Komplikationen diese Methode ablehnen.

Wichtig ist, dass die Schwangere/das Paar über die Erfolgsaussichten (Die Angaben in der Literatur zum Wendungserfolg reichen von unter 40 % bis über 80 %: Flock E. et al. (1998), Ben Arie A. et al. (1995)) und die möglichen Risiken (vorzeitige Lösung des Mutterkuchens, Blutungen, vorzeitige Wehen, akute Zustandsverschlechterung des Kindes mit der Notwendigkeit zum eiligen Kaiserschnitt, aber auch das Versterben des Kindes) informiert werden.

Diese Komplikationen sind zum Glück selten, aber sie können vorkommen.

In der internationalen Literatur variieren die Häufigkeitsangaben zu einer vorzeitigen Plazentalösung. Sie liegen bei unter 1 % (Calhoun (1995). Veränderungen im CTG werden als Komplikation nach Wendung wiederholt beschrieben. (Vetter,1998, Phelan, 1984).

Nach Studienlage muss in 1-2,9% der Fälle mit einem eiligen Kaiserschnitt wegen CTG-Auffälligkeiten (Flamm, 1991, Hellstroem 1990, Kainer 1994) und in 1-2 von 1.000 Fällen mit dem Versterben des Kindes noch in der Gebärmutter nach dem Wendungsversuch gerechnet werden.

Zu letzterem Ereignis ist aber anzumerken, dass bereits das Hintergrundrisiko ohne Wendungsversuch für das Versterben des Kindes noch in der Gebärmutter nach der 37.SSW bei 0,6 – 1,7 pro tausend liegt.

Auch nach erfolgreicher Wendung werden spontane Rückdrehungen der Feten wieder in Beckenendlage in 4 bis ca. 6 % angegeben. (Flamm, 1991, Pluta, 1981)

Zusammenfassend kommt der ausführlichen Aufklärung über das Verfahren der äußeren Wendung mit seinen Vorteilen, aber auch seinen Risiken eine große Bedeutung zu. Wenn den Eltern die Spontangeburt sehr wichtig ist und sich der Erfolgsaussichten und möglichen Risiken bewusst sind, ist es sinnvoll, über eine äußere Wendung nachzudenken und sich dafür die passende Klinik auszusuchen.

VB


Quellen

Ben-Arie A, Kogan S, Schachter M, Hagay ZJ, Insler V: The impact of external cephalic version on the rate of vaginal and caesarean breech deliveries: a 3-year cumulative experience. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 63 (1995) 125-129

Boos R., Hendrik H.J., Schmidt W., Das fetale Lageverhalten in der zweiten. Schwangerschaftshälfte bei Geburten aus Beckenendlage und Schädellage, Geburtsh Frauenheilk 1987; 47:341-345

Bung, P., Huch, R. und Huch, A. , Ist die Indische Wendung eine erfolgreiche Methode zur Senkung der Beckenendlagenfrequenz?, Archives of Gynecology and Obstetrics Volume 242, Numbers 1-4, 694

Calhoun BC, Edgeworth D, Brehm W. External cephalic version at a military teaching hospital: Predictors of success. Aust J Obstet Gynaecol 35 1995: 277-279

Coyle ME, et al.: Cephalic version by moxibustion for breech presentation. Cochrane Database Syst Rev. 2005; 18(2):CD003928
Flamm BL, Fried MW, Lonky NM, Saurenman Giles Wendy: External cephalic version after previous cesarean section. Am J Obstet Gynecol 165 (1991): 370-372

Flock F, Stoz F, Paulus W, Scheuerle B, Kreienberg R: Äußere Wendung aus Beckenendlage in Schädellage: Einflußfaktoren, Nutzen und Risiken. Zentralbl Gynäkol 120 (1998): 60-65

Göttlicher S., Madjaric J., Die Lage der menschlichen Frucht im Verlauf der Schwangerschaft und die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Drehung in die Kopflage bei Erst - und Mehrgebährenden. Geburtsh-Frauenheilk 1985;45:534-538

Hellstroem AC, Nilsson B, Strange L, Nylund L: When does external cephalic version succeed? Acta Obstet Gynecol Scand 69 (1990): 281-285

Hofmeyr GJ, Kulier R. External cephalic version for breech presentation at term. Cochrane Database of Systematic Reviews 1996, Issue 1. Art. No.: CD000083. DOI: 10.1002/14651858.CD000083

Hughey, M. J., Fetal position during pregnancy. Am J Obstet Gynecol 153 (1985), pp. 885-886

Kainer F, Pertl B, Netzbandt P, Fast C: Der Einfluss der Ultraschalluntersuchung bei der äußeren Wendung der Beckenendlage. Geburtshilfe Frauenheilkd 54 (1994): 108-110

Phelan JP, Stine LE, Mueller E, McCart D, Yeh S: Observations of fetal heart rate characteristics related to external cephalic version and tocolysis. Am J Obstet Gynecol 149 (1984): 658-661

Pluta M, Schmidt S., Giffei JM, Saling E.:Die äußere Wendung des Feten aus Beckenendlage in Schädellage in Terminnähe unter Tokolyse. Z Geburtshilfe Perinatol 185 (1981): 207-215

Schüngel, Petra, Die äußere Wendung bei Beckenendlage - eine differenzierte Auswertung von 1026 Fällen auf dem Hintergrund von 2026 Schwangerschaften, Dissertation Medizinische Fakultät Charité – Universitätsmedizin Berlin, 2007

Vas J et al, Correction of nonvertex presentation with moxibustion: a systematic review and metaanalysis, Am J Obstet gynecol 2009, 201:241

Vetter K., Nierhaus M.: Die äußere Wendung des Kindes in Schädellage. In: Feige /Krause (Hrsg), Urban und Schwarzenberg, Kapitel 7 (1998)

von Dr. med. Vincenzo Bluni am 06.10.2017

Antwort auf:

Was noch tun bei Bel?

Bist du denn sicher, dass du keine herzförmige Gebärmutter hast? Dann könntest du nämlich machen was du willst, weil das Kind keine Chance hat sich recht spät noch zu drehen.

von Tina_33 am 06.10.2017

Antwort auf:

Was noch tun bei Bel?

Hat zumindest noch keiner zu mir gesagt. Mein Arzt meinte nur dass die wiederkehrende Bel bei manchen einfach vorkommt. Muss ich mal fragen.

von Klaas1978 am 06.10.2017

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