Dr. med. Vincenzo Bluni

Nikotin und Thc in der Schwangerschaft

Antwort von Dr. med. Vincenzo Bluni

Hallo,

1. dazu empfehle ich Ihnen, in der Schwangerschaft komplett auf das Rauchen und speziell auf das Rauchen von Cannabis zu verzichten: es ist bewiesen, dass die Kinder von Marihuana rauchenden Schwangeren gegenüber anderen in den jüngeren Jahren erheblich verhaltensauffällig, lernbehindert, konzentrationsvermindert und ähnliches sind.

Quellen:

1. Informationen des Amerikanischen National Institutes of Health zu Auswirkungen von Marihuana-Konsum in der Schwangerschaft unter

http://www.nida.nih.gov/MarijBroch/parentpg13-14N.html

2. “Prenatal exposure to a cannabinoid agonist produces memory deficits linked to dysfunction in hippocampal long-term potentiation and glutamate release”, Giampaolo Mereu, Mauro Fa †, Luca Ferraro et.al, Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) April 15, 2003 _ vol. 100 _ no. 8 _ 4919

3. Brunk, Doug (2004, February 15). Prenatal marijuana exposure tied to early hearing problems: urban, at-risk minority children. Family Practice News. Retrieved March 7, 2005

4. Science Service, Inc. (2003, April 5). Prenatal marijuana exposure may pose health risks. (Biomedicine). Science News. Retrieved March 7, 2005

5. NewScientist.com news service (25 March 03) :"Marijuana Use in Pregnancy Damages Kids' Learning"

Eine Schwangere tut ihrem Kind also nichts Gutes an, wenn Sie Drogen, auch wenn es "nur" Cannabis ist, konsumiert. Sofern Sie bereits aufgehört haben, ist dieses umso besser.

2. das Anliegen, das Rauchen entweder ganz aufzugeben oder zumindest auf ein Minimum zu reduzieren, ist sehr ehrenhaft und aus medizinischer Sicht kann man sich über jede Schwangere freuen, die es schafft, die Schwangerschaft ohne Zigaretten zu überstehen.

Das Rauchen sollte in jedem Fall und zwar sofort während der Schwangerschaft unterbleiben. Es sind hier auch keine Entzugssymptome zu erwarten. Das Umsteigen auf "leichte Zigaretten" ist nichts anderes, als ein Werbetrick: denn die enthalten die gleiche Menge an krebserregenden Substanzen und richten nicht weniger Schaden an, als die anderen!

Das Rauchen führt zwar nicht zu irgendwelchen Fehl- oder Missbildungen, dennoch sind die meist nicht so sichtbaren Folgen für die Kinder nicht zu vernachlässigen oder zu verharmlosen:

Die folgenden Probleme können bei Kindern auftreten, deren Mütter in der Schwangerschaft rauchen:

Konzentrationsschwäche und Hyperaktivität. Die Gefahr, dass Kinder aggressives Verhalten entwickeln, ist dann dreifach erhöht, wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben. Die Kinder entwickeln viermal so häufig das Zappelphilipp-Syndrom wie die von nicht rauchenden Frauen. Untersuchungen belegen auch, dass Kinder rauchender Mütter bis zu viermal häufiger Verhaltensauffälligkeiten, wie Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität zeigen. Hinzukommt, dass die Kinder einen niedrigeren Intelligenzquotienten haben.

Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft rauchen, haben ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko, im Jugendalter an Asthma zu erkranken

Werdende Mütter, die rauchen, setzen außer der Gesundheit auch die Intelligenz ihres Nachwuchses aufs Spiel, Frauen, die während der Schwangerschaft mehr als eine Schachtel Zigaretten täglich rauchen, erhöhen das Risiko, dass ihr Baby später an "Plötzlichem Kindstod" stirbt, um mindestens das Siebenfache. Säuglinge von Nichtraucherinnen wiegen bei der Geburt durchschnittlich 3.493 Gramm. Kinder von Frauen, die täglich mehr als 20 Zigaretten rauchen wiegen nur 3.216 Gramm.

Die Frühgeburtlichkeit mit allen Folgen ist bei Raucherinnen bekanntermaßen viel häufiger anzutreffen.

Insgesamt drei krebserregende Substanzen Karzinogene, die im Tabakrauch enthalten sind, haben die Wissenschaftler auch im Blut ungeborener Kinder nachgewiesen.

Etwaige Folgen - z.B. für Krebserkrankungen im Kindesalter - sind bisher noch nicht abzusehen. Neuere Studien zeigen aber bei Kindern von Raucherinnen eine gehäufte Rate an Leukämie im Kindesalter.

Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft geraucht haben, zeigen häufiger Konzentrationsschwächen und Sprachstörungen.

Wenn es nicht sofort mit dem Aufhören klappt, sollte sicher die Anzahl deutlich reduziert werden. Darüber hinaus ist die Beratung beim Hausarzt über Möglichkeiten der Nikotinentwöhnung - auch in der Schwangerschaft - anzuraten.

Viele Krankenkassen bieten hier Raucherentwöhnungskurse an. Nehmen Sie dieses Angebot an.

Nikotinpflaster sollten in der Schwangerschaft nicht angewandt werden. Nachgedacht werden kann aber sicher über Hypnose oder Akupunktur zur Entwöhnung.

3. Tabakentwöhnungs-Programme:
Von anerkannten Anbietern z. B. Suchtberatungsstellen werden auch Gruppenprogramme zur Tabakentwöhnung angeboten.

a. Deutsches Krebsforschungszentrum

Telefonische Beratung:

Das Rauchertelefon des Deutschen
Krebsforschungszentrums www.dkfz.de
Tel.: 06221 / 42 42 00
www.rauchertelefon.de
Montag bis Freitag 14 bis 18 Uhr

b. Info- und Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung www.bzga.de
c. Tel.: 01805 / 31 31 31 12 Cent/Min.
d. Montag bis Donnerstag 10 bis 22 Uhr
e. Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr

4. hilfreiche Informationen zu diesem Thema erhalten Sie auch unter der folgenden Adresse:

http://www.bzga.de/botmed_31500000.html (Informationsbroschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), letzter Abruf:11.1.11)


VB

Quellen:

Ahlborg G, Bodin L. Tobacco smoke exposure and pregnancy outcome among working women. Am J Epidemiol 1991; 133:338-47.

Cnattingius S, Haglund B, Meirik O. Cigarette smoking as a risk factor for late fetal death and early neonatal death. BMJ 1988;297:258-61.

Danielsson, J. et al.: Nikotinexposition in der Schwangerschaft – Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung im Kindergartenalter. Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2009; 69 (8): S. 692-697

Fingerhut LA, Kleinman JC, Kendrick JS. Smoking before, during, and after pregnancy. Am J Public Health 1990; 80:541-4

Harlap S, Shiono PH. Alcohol, smoking, and incidence of spontaneous abortions in the first and second trimester. Lancet 1980:173-6

Kline J, Stein ZA, Susser M, et al. Smoking: a risk factor for spontaneous abortion. N Engl J Med 1977,297:793-6.

Martin TR, Bracken MB. Association of low birth weight with passive smoke exposure in pregnancy. Am J Epidemiol 1986; 124:633-42.

Overpeck MD, Moss AJ. Children's exposure to environmental cigarette smoke before and after birth: health of our nation's children, United States 1988. Advance data from vital and health statistics, no. 202. Hyattsville, Md: National Center for Health Statistics, 1991.

Schwartz-Bickenbach D, Schulte-Hobein B, Abt S, et al. Smoking and passive smoking during pregnancy and early infancy, effects on birth weight, lactation period, and continine concentrations in mother's milk and infant's urine. Toxicol Lett, 1987,35:73-81.

Voigt, M.; Straube, S.; Fusch, C.; et.al., Erhöhung der Frühgeborenenrate durch Rauchen in der Schwangerschaft und daraus resultierende Kosten für die Perinatalmedizin in Deutschland, Z Geburtshilfe Neonatol 2007; 211(5): 204-210

von Dr. med. Vincenzo Bluni am 13.04.2011

 
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